Nicolas Platter
Sowohl im Werbefilm als auch im Spielfilm dreht sich alles um Emotionen und wie man diese seinem Publikum nahebringt, oder sogar die Zuschauer und Zuschauerinnen berührt. Durch diese emotionale Bindung zwischen Film und Publikum bleibt das Interesse der Zuschauerschaft bestehen und es wird verhindert, dass die Gedanken abweichen. Dies ist in jedem Filmgenre wichtig, wobei vor allem der Werbefilm hier punkten muss, um sein beworbenes Produkt bestmöglich zu verkaufen.
Anfangs steht immer das Publikum. Jeder Mensch interpretiert das Gesehene ein wenig anders und sieht meist von vorherein mit einer zuvor gewählten persönlichen Meinung den Film: Man sieht den Film aus Interesse, Neugier, weil es eine Fortsetzung des eigenen Lieblingsfilms ist oder weil man als Begleitperson mitgezogen wurde, obwohl man den Film überhaupt nicht sehen will. All diese und noch viele weitere Meinungen beeinflussen das Auffassen des Filmes schon drastisch. Darüber hinaus bringt jede Person andere Sichtweisen und vor allem ein unterschiedliches Geschlecht, Alter und Religion mit, die den Film sehr beeinflussen. (vgl. Schwender 2016, S. 106)
Neben den persönlichen Ansichten der Zuschauer und Zuschauerinnen spielt der Film selbst, die Geschichte, Charaktere, Schauspieler und filmtechnischen Entscheidungen, eine viel höhere und übergeordnete Rolle. Denn Grundvoraussetzung, dass sich das Publikum auf Emotionen einlässt, ist das Interesse an der Geschichte, sowie Geschichte der Charaktere des Filmes. Nur aufgrund dessen wird es möglich gemacht, dass die Zuschauerschaft das fühlt, das auch der Charakter im Film fühlt. Dabei kommen diese Emotionalen Momente nicht aus dem nichts, sie werden entlang der Geschichte des Filmes aufgebaut und können sich dann in einer oder mehreren Szenen visuell, auditiv oder audiovisuell äußern. (vgl. StudioBinder 2024)



Beispielhaft dafür, wie sich diese Emotionale Bindung über einen Film aufbauen kann und visuell dargestellt wird, sind die Roten Schuhe der Mutter in JoJo Rabbit, die den kleinen Jungen immer wieder vor augengeführt werden und diese dann schlussendlich den Tod der Mutter visualisieren. Durch die aufgebaute Verbindung bleibt dem Publikum nichts anderes übrig als mit dem Jungen und dieser herzzerreißenden Szene zu fühlen. (vgl. ebda.)



Ein Beispiel für einen auditiven/audiovisuellen emotionalen Moment befindet sich im Film „Coco – Lebendiger als das Leben!“. Der Song „Remember Me“ zieht sich mehrmals durch den gesamten Film und schlussendlich ist es die Szene, in der Miguel diesen Song für Coco spielt, die das Publikum höchst emotional trifft. Erst in diesem Moment und aufgrund des Aufbauens durch die vorherigen Szenen ist es dem Zuschauer und der Zuschauerin ermöglicht, den Songtext und die Bedeutung dahinter zu verstehen. (vgl ebda.)
Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass die Hauptarbeit, bei der Gefühlsübermittlung zum Publikum in einem Film über den Schauspieler passiert. Die weitere Visuelle Gestaltung des Filmes ist zweitrangig, kann aber den Schauspieler sehr stark in der Gefühlsübertragung unterstützen und teilweise der Zuschauerschaft sogar unterbewusst Emotionen vermitteln. (vgl. Angus Davies 2021)
Licht
Wie ein Film oder eine Szene eines Filmes beleuchtet ist, hat sehr viel Einfluss auf Emotionen.


Die Low-Key-Beleuchtung von „Alien“ unterstreicht die aufgeregte Szene sowie die Angst und Nervosität des Charakters und übermittelt diese direkt an den Zuschauer. Die Spannung, nicht zu wissen was sich im Dunklen befindet wird von dieser Beleuchtung verstärkt. Im Gegenteil dazu verwendet die Szene aus „Der Herr der Ringe“ helles, ausgebranntes Licht und Lichtstrahlen, die die Hoffnung und das Aufatmen in der zuvor aussichtslosen Situation verstärken. (vgl. StudioBinder 2024)
Des Weiteren ermöglicht das Spiel mit Licht den gezielten Einsatz von Schatten.


Während in James Bond Skyfall nur ein kleiner Teil des Gesichtes ausgeleuchtet ist und der Rest des Bildes in das Schwarze verschwindet, wirkt diese Szene sehr bedrohlich und voller Spannung auf das Publikum. Im Gegenzug dazu lässt das, aufgrund der fehlenden Schatten, flache Bild des Filmes „Her“ in Kombination mit dem sehr ähnlich tristen Hintergrund das gesamte Bild sehr trostlos wirken und die Zuschauerschaft empfindet somit eine Art von Mitleid für den Charakter. (vgl. Angus Davies 2021)
Farbe
Die Farbe ist der einfachste Weg um die Grundstimmung sowie Grundemotionen eines Filmes zu setzen. Dabei gibt es unzählige Optionen auf welche Art von Farbpalette man setzen will: Monochrom sowie das grundsätzlich grüne Bild bei Matrix, Komplementär wie bei Amelie oder triadische Farben wie bei Superman. Jede Farbe hat zudem eigene Eigenschaften und zugeschriebene Emotionen, die damit ausgelöst werden können, wie die Nachstehende Tabelle veranschaulicht. (vgl. Risk 2024)

Die einzelnen Farben mit ihren Emotionen können auf einzelne Charaktere oder auf ganze Szenen oder Räume angewendet werden. Hierbei ist jedoch immer der Zusammenhang mit der Geschichte von großer Bedeutung. (vgl. ebda.)


Während die Eigenschaften Unschuld und Verspieltheit, die die Farbe Pink auslöst, im Film „The Grand Budapest Hotel“ auf dem ersten Blick Sinn ergibt, könnte man sich fragen, ob dies wirklich auf Dolores Umbridge aus Harry Potter 5 zutreffen kann. Umbridge will nach außen hin die unschuldige, feminine Lehrerin spielen und dies wird durch die Farbe Pink unterstrichen, dass sie unter dieser Hülle eine hasserfüllte und missbräuchliche Persönlichkeit ist, wird erst im Laufe der Geschichte klar. (vgl. Angus Davies 2021)
Natürlich haben auch Kameraeinstellungen und Kamerabewegungen sowie die Postproduktion einen großen Effekt auf die Gefühlsübermittlung an das Publikum. Um den Rahmen nicht zu sprengen, wird dies auf den nächsten Blog aufgeteilt und somit das ganze Thema in 2 Teile aufgeteilt.
Schwender, Clemens: Film sehen und erleben. In: Mediendiskurs Online 2016, https://mediendiskurs.online/data/hefte/ausgabe/76/weinert_sachs_106_tvd76.pdf (zuletzt aufgerufen am 27.10.2025)
StudioBinder (12.08.2024): How to make your Audience feel. Emotion Theory in Movies. In: Youtube, https://www.youtube.com/watch?v=IkDONK7ECt0&t=812s (zuletzt aufgerufen am 27.10.2025)
Angus Davies (15.05.2021): How to create emotion in cinematography. In: Youtube, https://www.youtube.com/watch?v=mWkjmRG5bp0&t=196s (zuletzt aufgerufen am 27.10.2025)
Risk, Mark (27.11.2024): How to use color in Film. 50+ Examples of movie color palettes. In: StudioBinder, https://www.studiobinder.com/blog/how-to-use-color-in-film-50-examples-of-movie-color-palettes/ (zuletzt aufgerufen am 27.10.2025)