Wie wurden eigentlich die klassischen Zeichentrickfilme realisiert? Angesichts der schnellen Entwicklung und der unzähligen digitalen Möglichkeiten zur Umsetzung von Animationen gerät leicht in Vergessenheit, wie die ersten Animationsfilme überhaupt produziert wurden.
Der Wunsch nach der Darstellung von Bewegung reicht weit in die Geschichte zurück. Bereits in steinzeitlichen Höhlenmalereien finden sich Abbildungen von Tieren, die beispielsweise acht Beine aufweisen, um eine Bewegung, ein Laufen, nachzuahmen. Auch im alten Ägypten oder Griechenland wurden Figuren in fortlaufender Bewegung auf Säulen oder Vasen dargestellt.
Die eigentliche Ära der Animationsfilme begann jedoch im 20. Jahrhundert. Winsor McCays Kurzfilm „Gertie the Dinosaur“ markierte einen grandiosen Durchbruch. Was diesen Film zu seiner Zeit so einzigartig machte, war nicht nur die gelungene frühe Animation, sondern auch die Art der Präsentation. McCay inszenierte die Animation so, dass er während der Vorführung auf der Bühne mit Gertie interagieren konnte – ein damals unvorstellbarer Effekt. Kurz darauf folgten die ersten Disneyfilme, die dem Zeichentrick- bzw. Animationsfilm zum endgültigen Durchbruch verhalfen.
Der Traditionelle Produktionsprozess
Der traditionelle Produktionsablauf war äußerst mühsam und zeitaufwendig. Erst nachdem die Story, der Ton und Soundeffekte grob finalisiert und getimt sind können die Animatoren starten. Bei den Animatoren wird dabei zwischen Zeichnern der Keys, Extremes, Breakdowns und Inbetweens unterschieden. Doch was bedeuten diese Begriffe?
Zunächst sollte erwähnt werden, dass eine Bewegungsphase einer Animation (z. B. eine laufende Person) aus mehreren aneinandergereihten Einzelbildern besteht, die wir als flüssige Bewegung wahrnehmen. Die genannten Begriffe bezeichnen die verschiedenen Posen innerhalb dieser Bewegungsphasen.
Keys (Schlüsselposen) sind die wichtigsten Anfangs- und Endposen. Sie legen fest, wo eine Bewegung beginnt und endet. Posen die weitere Handlungen definieren werden ebenfalls Keys genannt. Nimmt man das Beispiel der laufenden Person, können Anfangs- und Endpose das Heben und Aufsetzen des Fußes zeigen. Ohne weitere Posen dazwischen ist nicht klar, ob die Person einfach weiterläuft oder nicht vielleicht dazwischen stehen bleibt um ihren Schuh zu binden.
Extremes sind Zeichnungen die Änderung in der Bewegung andeuten. In unserem Beispiel wäre das sobald ein Schritt getan ist. Ist ein Schritt beendet, folgt der Nächste.
Breakdowns sind Zeichnungen, die zwischen den Keys und Extremes platziert werden. An dieser Stelle ist zwar schon eine gewisse Anzahl an Zeichnungen vorhanden, doch würde die Bewegung ohne Breakdowns noch stockend wirken. Sie füllen die Bewegungslücken und versichern, dass die Größe und Form der gezeichneten Figur konsistent bleiben.
Inbetweens sind alle Zeichnungen zwischen den Breakdowns. Sie schließen die Bewegungsphase ab und sind essentiell dafür, dass die Bewegung als flüssig wahrgenommen wird.
Der Ablauf am Trickfilmtisch
Die damaligen Animatoren arbeiteten an sogenannten Trickfilmtischen. Diese bestanden aus einer angeschrägten Holzplatte mit einer runden, verglasten Öffnung in der Mitte, unter der eine Lampe angebracht war. Der Animator zeichnete jede einzelne Pose auf ein separates, transluzentes Papier. Diese Blätter wurden mittels am Tisch angebrachten Stiften präzise übereinander fixiert. Durch das Licht, das durch die Glasöffnung schien, wurden die übereinander liegenden Posen sichtbar. Die Animatoren konnten die Bewegungsphase zur Kontrolle einfach durchblättern oder durch den Lichteinfall überprüfen.
Die sauber nummerierten Zeichnungen wurden im nächsten Schritt mit Tusche auf sogenannte Cels übertragen. Cels sind transparente Folien, die auf die, von Background Paintern, vorbereiteten Hintergründe gestapelt werden konnten – je nachdem, was der jeweilige Shot erforderte. Auch die Cels wurden sorgfältig nummeriert, um Verwechslungen, beim Kolorieren oder der späteren Aufnahme mit der Kamera, zu vermeiden.
Kolorierung und Kameraarbeit
Nach der Übertragung jeder Pose und Bewegungsphase auf die Cels mit Tusche, folgte das Kolorieren. Dies war eine sehr eintönige und zeitintensive Aufgabe. Hatte eine Bewegungsphase beispielsweise hundert Einzelbilder, musste dieselbe Figur hundert Mal einzeln koloriert werden. Dies war typischerweise ein Bereich, in dem häufig Frauen beschäftigt wurden.
In der Regel wurden Gouache-Farben verwendet, die exakt beschriftet wurden, um Farbfehler zu vermeiden. Die Farben wurden auf die Rückseite der Cels aufgetragen. Das verhinderte, dass über die Outlines gemalt wurde.
Der letzte Schritt des Prozesses war das Stapeln der fertigen Cels auf die Hintergründe und das Platzieren unter eine Kamera. Hier wurde jedes einzelne Bild abfotografiert, um so die Filmsekunden zu kreieren. Abschließend wurden die Bilder gescannt und digital aneinandergereiht, um den fertigen Film entstehen zu lassen.
Quellenverzeichnis:
Eagan, D. (2009). Gertie the Dinosaur. America’s Film Legacy: The Authoritative Guide to the Landmark Movies in the National Film Registry.
Falk, N. (1941). How to Make Animated Cartoons: The History and Technique. Foundation books.
Williams, R. (2012). The animator’s survival kit: a manual of methods, principles and formulas for classical, computer, games, stop motion and internet animators. Macmillan.