Grease Pencil: Ersten Versuche

Nachdem ich mich mit dem Interface vertraut gemacht hatte, habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal zwei verschiedene Wege auszuprobieren. Einerseits habe ich getestet, ein sehr grobes Objekt zu modellieren, in meinem Fall einen Baum, und mit dem Grease Pencil Details hinzuzufügen. Der andere Versuch bestand darin, mit dem Grease Pencil direkt in den 3D-Raum zu zeichnen.

Versuch 1:

Mein erster Gedanke war, ein Objekt zu modellieren und es anschließend mit dem Grease Pencil „anzumalen“. Meine ersten Versuche haben jedoch gezeigt, dass das nicht so reibungslos funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, man könne auf Objekten zeichnen wie auf einem Blatt Papier, aber da die Strokes direkt auf der Oberfläche haften, war das Ergebnis anders als erwartet.

Nach einigen Versuchen habe ich einen Baum aus simplen Meshes (einem Zylinder und einer UV-Sphere) erstellt. Anschließend habe ich den Meshes über den Texturing-Reiter eine Base Color zugewiesen und mit einer Brush etwas Abwechslung in die Farbe gebracht. Danach habe ich einen Blank Stroke erstellt und den Baum mithilfe des Grease Pencils mit Details versehen.

Versuch 2:

Für den nächsten Versuch habe ich beim Starten von Blender die Option „2D Animation“ ausgewählt. Dadurch landet man direkt im Draw-Modus. Hier habe ich versucht, ohne vorheriges Modellieren direkt in den 3D-Raum zu zeichnen. Tendenziell funktioniert das ganz gut, ist aber definitiv gewöhnungsbedürftig, da man genau darauf achten muss, in welcher Perspektive welcher Strich sitzt. Es gibt hier verschiedene Optionen, um die Striche beispielsweise gezielt auf der Z- oder X-Achse zu platzieren. Für mich hat die Einstellung “Stroke” am Besten funktioniert. Heißt der Strich, den ich zeichne setzt an einem schon bestehenden Strich an. So konnte ich mir sicher sein, dass mein Strich, den ich zeichne, auch wirklich am gewollten Platz landet und nicht irgendwo anders im Raum.

Fazit

Aus meinen Versuchen habe ich den Schluss gezogen, dass ich für mein Projekt einen Mix aus beiden Techniken nutzen werde. Größtenteils werde grobe Shapes modellieren. Die grundlegende Kolorierung erfolgt über das Texturing, während ich Details mit dem Grease Pencil hinzufüge. Kleinere Animationen oder sehr simple Elemente werde ich hingegen direkt mit dem Grease Pencil in den Raum zeichnen.

Grease Pencil: Was man beim Einstieg alles wissen muss

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptfunktionen, mit denen sich der Grease Pencil in Blender verwenden lässt. Zum einen kann man direkt im 3D‑Raum zeichnen und damit reine 2D‑Animationen erstellen, die zwar flach sind, sich aber trotzdem räumlich betrachten lassen. Zum anderen kann man mit dem Grease Pencil 3D‑Objekten einen cartoonartigen oder malerischen Look verleihen, indem man Linien und Texturen hinzufügt. Dadurch entsteht ein künstlerischer 2D‑Touch, während das Objekt seine räumliche Tiefe behält.

Auf diesen beiden Hauptfunktionen lässt sich natürlich weiter aufbauen. Mithilfe von Effekten oder Geometry Nodes kann man sich kreativ austoben und vielfältige neue Stile entwickeln. Für diesen Blogeintrag möchte ich mich aber auf die grundlegenden Funktionen konzentrieren und zeigen, wie man den Grease Pencil überhaupt benutzt.

Um den Grease Pencil in Blender zu nutzen, öffnet man per Shift + A das Menü und wählt dort Grease Pencil aus. Anschließend stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Meist entscheidet man sich zwischen Blank oder Stroke. Bei Stroke erscheint zunächst eine Linie, die bereits mit einem vorgefertigten Material versehen ist – praktisch, wenn man direkt loslegen möchte. Wer aber lieber von Grund auf anfängt, wählt Blank. Wie der Name schon sagt, startet man hier in einem leeren Raum. Danach kann man in den Draw Mode wechseln.

Im Draw Mode stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung, die klassischen Brush‑Tools ähneln. Man kann unterschiedliche Pinsel auswählen oder neue importieren. Im Material Tab lässt sich festlegen, ob der Strich nur aus einer Linie, einer Füllung oder beidem bestehen soll, ebenso wie Farbe und andere Eigenschaften. Rechts oben befinden sich die Reiter Advanced, Stroke und Cursor, mit denen man seinen Brush individuell anpassen kann.

In der Mitte findet man die Reiter Origin, View und Layer. Unter Origin gibt es vier Optionen: Origin, 3D Cursor, Surface und Stroke. Mit Origin platzierst du deinen Strich am Ursprung deines Grease Pencil. 3D Cursor richtet ihn am Cursor im Raum aus. Surface „heftet“ den Strich an die Oberfläche eines Objekts. Über Offset lässt sich bestimmen, wie weit der Strich von der Oberfläche entfernt sein soll. Die Option Project onto selected sorgt dafür, dass der Strich nur auf ausgewählte Objekte projiziert wird. Mit Stroke kannst du neue Linien an bestehende anheften – entweder vollständig (All Points), nur an Start‑ und Endpunkten (Endpoints) oder nur am ersten Punkt (First Point).

Das sind die grundlegenden Funktionen, um erfolgreich mit dem Grease Pencil zu starten.

Grease Pencil

Da das übergeordnete Thema meiner Masterarbeit die Hybridanimation ist und ich untersuchen möchte, ob es einen optimalen Hybridisierungsgrad gibt, der besonders stark mit dem Publikum resoniert, beschäftige ich mich dieses Semester mit der Grease‑Pencil-Funktion in Blender.

Grundsätzlich ermöglicht der Grease Pencil, im 3D‑Raum oder direkt auf 3D‑Modellen zu zeichnen. Der Vorteil dabei ist, dass beim Modellieren nicht jedes Detail ausgearbeitet werden muss – Zeichnungen und Akzente können nachträglich mit dem Grease Pencil hinzugefügt werden.

Ursprünglich wurde das Werkzeug entwickelt, um kleine Notizen oder Skizzen direkt im Arbeitsbereich anzubringen. Anmerkungen können auf Objekten oder in der Szene gezeichnet und später wieder ausgeblendet werden. Es diente also zunächst als einfaches Annotationstool. Mittlerweile hat sich der Grease Pencil jedoch zu einem eigenständigen 2D‑Zeichen‑ und Animationssystem innerhalb Blenders entwickelt.

Nutzerinnen und Nutzer können auf verschiedene Weise mit ihm arbeiten:

– Zeichnen direkt im 3D‑Raum,

– das „Anheften“ von Strichen auf modellierte Objekte,

– oder das Platzieren von Zeichnungen an der Kamera.

Diese Möglichkeiten erlauben es, 2D‑ und 3D‑Elemente auf vielfältige Weise zu kombinieren.

In professionellen Produktionspipelines wird der Grease Pencil vor allem in drei Bereichen eingesetzt: Storyboarding, 2D‑Animation und hybride 2D/3D‑Projekte.

Beim Storyboarding ermöglicht er es, Szenenlayouts, Timing und Kamerabewegungen direkt innerhalb derselben Software zu entwickeln, in der später auch das finale 3D‑Rendering stattfindet.

In der reinen 2D‑Animation unterstützt der Grease Pencil klassische Frame‑by‑Frame-Animation mit Keyframes, Onion‑Skinning und Timing‑Kontrolle – und das in einer Umgebung, die gleichzeitig Zugriff auf 3D‑Kamera, Beleuchtung und Compositing bietet.

Mein Ziel für dieses Semester ist es, alle zentralen Funktionen des Werkzeugs kennenzulernen und herauszufinden, welche Ansätze für meine Arbeitsweise am besten geeignet sind. Am Ende möchte ich mithilfe des Grease Pencil einen Hintergrund gestalten und kleine, einfache Animationen hinzufügen.

Die Inspiration für das Projekt stammt von folgendem Blenderprojekt

https://studio.blender.org/blog/house-of-chores-testing-grease-pencil-30/#house-of-chores

Rückblick und Ausblick

Zu Beginn der Blogposts hatte ich mir lediglich den thematischen Rahmen gesteckt: Eine Untersuchung der Hybridanimation in der Grauzone zwischen handgezeichnetem Look und moderner Computergraphik. Die genaue Zielrichtung der Forschung hat sich jedoch erst nach und nach herausgestellt.

Im Laufe der folgenden Beiträge haben sich die verschiedenen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Die Betrachtung der Hybridanimation als technisches Zusammenspiel von 2D und 3D, der beobachtbare Trend weg vom Realismus hin zu einem „handgemachten“ Look, sowie die Analyse von Non-Photorealistic Rendering und Cel-Shading machten eines deutlich: Hybridanimation ist mehr als eine technische Herausforderung – sie ist ein tiefgreifendes wahrnehmungspsychologisches Feld.

Ein entscheidender Wendepunkt der Recherche war die Einsicht, dass Fragen nach Abstraktion, Stilisierung und dem Phänomen des Uncanny Valley untrennbar mit der emotionalen Glaubwürdigkeit verknüpft sind. Zwischen ikonischer Reduktion und fotografischer Genauigkeit existiert kein ästhetischer neutraler Bereich. Vielmehr handelt es sich um eine Balance, die darüber entscheidet, ob eine Figur als lebendig und nahbar oder als befremdlich wahrgenommen wird. Die Hybridanimation agiert genau in dieser Zone, um die Vorteile beider Welten zu nutzen.

Die Synthese dieser Gedanken führte schließlich zur „Formel der Immersion“. Hierbei wird deutlich, dass Immersion sich nicht auf eine einzige Grundlage stützt, sondern aus verschiedenen Bausteinen entsteht. Daraus formte sich die zentrale Arbeitshypothese für die Masterarbeit:

Story (Kern) + Animation (Lebendigkeit) + Stilisierung (Verstärker) + Sound (Katalysator) = Immersion.

Innerhalb dieser Gleichung fungiert die Stilisierung zwar nicht als primäre Quelle der Emotion, aber als entscheidender kognitiver Verstärker, der die Intensität und Klarheit der vermittelten Gefühle beim Publikum maßgeblich steuert.

Im kommenden Semester wird diese Gleichung weiter vertieft und konkretisiert. Geplant sind Untersuchungen dazu, wie unterschiedliche Stilisierungsgrade die Wahrnehmung von Emotionen beeinflussen und wie ikonische im Vergleich zu semi-realistischen Figuren verschiedene Empathiereaktionen hervorrufen. Anhand ausgewählter Hybridfilme soll gezeigt werden, wie Blickführung, Bildgestaltung und Sounddesign ineinandergreifen.

Die Formel der Immersion

In der Welt der Hybridanimation verliert man sich leicht in technischen Details. Wir diskutieren über Shader, Framerates und Line-Art, während wir oft die wichtigste Frage übersehen: Warum fühlen wir überhaupt etwas?

Zu Beginn meiner Forschung war ich überzeugt, dass der Grad der Stilisierung der direkte Schlüssel zur Empathie sei, aber die Realität ist komplexer. Ein visuell perfekter Charakter lässt uns kalt, wenn die narrative Substanz fehlt. Aus dieser Erkenntnis und der Analyse medienpsychologischer Studien habe ich eine Formel abgeleitet, die den Rahmen meiner Masterarbeit bildet:

Story (Core) + Animation (Lebendigkeit) + Stilisierung (Verstärker) + Sound = Immersion

1. Der Kern (Core): Die Geschichte als emotionales Fundament

Ohne eine starke narrative Basis bleibt jede Animation eine bloße Technikdemonstration. Die Forschung zeigt, dass Empathie nicht durch das Aussehen entsteht, sondern durch Ziele, Konflikte und Verletzlichkeit.

Empirische Studien stützen dies: Lee et al. wiesen mittels Eye-Tracking nach, dass Testpersonen bei identischer Story dasselbe Empathie-Niveau empfinden – egal, ob die Figur ikonisch oder realistisch gezeichnet war. Die Story ist der „Core“, der festlegt, welche Emotionen wir fühlen sollen. Sie bereitet das Gehirn darauf vor, visuelle Reize als bedeutsam zu interpretieren.

2. Animation: Das Prinzip der Lebendigkeit

Sobald das Fundament steht, haucht die Animation der Idee Leben ein. Hierbei geht es nicht um Realismus, sondern um die psychologische Plausibilität. In der Hybridanimation nutzen wir 2D-Prinzipien wie „Squash and Stretch“, um Emotionen physisch greifbar zu machen.

Medienpsychologisch gesehen adressiert dies unsere Spiegelneuronen. Studien zu 3D-Charakteren belegen, dass nicht der Stil, sondern die Bewegungsqualität über die Glaubwürdigkeit entscheidet. Wie ein Charakter zögert oder zusammenzuckt, übersetzt den narrativen Kern.

3. Stilisierung: Der kognitive Verstärker

Hier setzt meine zentrale Forschungsfrage an: Wenn die Story der Motor ist, dann ist die Stilisierung der Verstärker. Der Grad der Abstraktion fungiert als Filter.

Wissenschaftlich lässt sich das durch eine geringere Gamma-Aktivität im Gehirn erklären: Weniger visuelles Rauschen bedeutet mehr Fokus auf die Essenz, wie etwa den emotionalen Ausdruck der Augen. Die Hybridisierung bietet hier die goldene Mitte.

4. Sound: Der emotionale Katalysator

Die Gleichung wäre unvollständig ohne die auditive Ebene. Studien zeigen, dass Sounddesign die wahrgenommene Immersion bei Animationen um das 4,4-Fache steigern kann. Er koppelt die visuelle Information an körperliche Reaktionen wie Gänsehaut oder Herzrasen und „zündet“ die bereits vorhandene narrative Emotion an.

Quellenverzeichnis:

Tan, E. S. (1996). Emotion and the Structure of Narrative Film: Film as an Emotion Machine. Routledge.

Lee, Y. I., Choi, Y., & Jeong, J. (2017). Character drawing style in cartoons on empathy induction: an eye-tracking and EEG study. PeerJ, 5, e3988.

Kock, M., & Louven, C. (2018). The power of sound design in a moving picture: An empirical study with emoTouch for iPad. Empirical musicology review, 13(3-4), 132-148.

Das Uncanny Valley

In der Welt der Animation und Robotik gibt es ein faszinierendes Phänomen: Je menschenähnlicher eine Figur wird, desto sympathischer wirkt sie auf uns – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Kurz bevor die perfekte Nachahmung erreicht ist, schlägt die Zuneigung schlagartig in tiefes Unbehagen um. Dieses Phänomen nennt man den Uncanny Valley Effekt (das „unheimliche Tal“).

Der Begriff wurde erstmals 1970 vom japanischen Robotik-Professor Masahiro Mori geprägt. Er beschrieb die Akzeptanz von Robotern durch eine mathematische Funktion:

Die Y-Achse beschreibt die emotionale Zuneigung bzw. Akzeptanz des Betrachters.

Die X-Achse beschreibt die visuelle Ähnlichkeit zum Menschen.

In seinem Graphen unterscheidet Mori zudem zwischen stillstehenden und bewegten Objekten. Bewegung spielt eine zentrale Rolle. Während wir einen ausgeschalteten Industrieroboter neutral als Maschine wahrnehmen, assoziieren wir mit Bewegung sofort „Leben“. Da Industrieroboter meist rein funktional aussehen, empfinden wir kaum Abneigung – sie sind weit vom menschlichen Aussehen entfernt.

Der Verlauf der Kurve verdeutlicht unsere Wahrnehmung:

  1. Industrieroboter: Geringe Ähnlichkeit, neutrale Akzeptanz.
  2. Spielzeugroboter: Sie besitzen oft menschenähnliche Merkmale wie Arme, Beine und ein Gesicht. Das steigert unsere Zuneigung deutlich.
  3. Das „Tal“: Hier finden wir Objekte wie sehr realistische Prothesen oder humanoide Roboter. Wenn eine künstliche Hand zwar echt aussieht, sich aber beim Händedruck kalt und leblos anfühlt oder die Textur nicht ganz stimmt, entsteht ein tiefes Gefühl von Unbehagen.

Auch in der Animation ist dieser Effekt eine der größten Herausforderungen. Während wir stilisierte Charaktere (wie in klassischen Cartoons) problemlos akzeptieren, wird es kritisch, sobald ein realistischer Stil angestrebt wird. Ein klassisches Beispiel sind unnatürlich große Augen in einem ansonsten fotorealistischen Gesicht.

Um das Uncanny Valley zu umgehen, gibt es für Designer und Animatoren wichtige Strategien:

  • Vermeidung von Inkonsistenzen: Wenn ein realistischer Stil gewählt wird, muss er durchgängig sein. Ein Mix aus hochdetaillierten Texturen und mangelhaftem Sculpting wirkt sofort störend.
  • Die Macht der Augen: Eye-Tracking-Studien zeigen, dass wir zuerst auf die Augen schauen. „Dead Eyes“ – starre, leblose Augen – sind der häufigste Grund für den Uncanny-Valley-Effekt. Es ist essenziell, den Augen durch Mikrobewegungen und korrekte Lichtreflexionen Leben einzuhauchen.
  • Gezielte Stilisierung: Stilisierte Objekte können ästhetisch hochgradig ansprechend sein, ohne „echt“ wirken zu müssen. Hier hilft das Kindchenschema: Große Köpfe, Stupsnasen und runde Formen aktivieren unseren Beschützerinstinkt und erzeugen sofort Sympathie. Wichtig ist jedoch, diese kindlichen Merkmale nicht wahllos auf realistische erwachsene Charaktere zu übertragen, da dies wiederum unnatürlich wirken würde.
  • Die Balance der Perfektion: Reine Symmetrie und glatte Haut wirken oft künstlich und gruselig. Die Kunst liegt darin, die goldene Mitte zwischen Perfektion und menschlicher Imperfektion (wie kleinen Hautunreinheiten oder asymmetrischen Zügen) zu finden.

Interessant bleibt, dass wir diesen Effekt nur bei Dingen spüren, die wir potenziell als „lebendig“ oder „menschlich“ einordnen könnten. Ein unbelebter Gegenstand, wie ein Stein, kann noch so perfekt oder unvollkommen geformt sein – er wird bei uns niemals dieses spezifische unheimliche Gefühl auslösen. Das Uncanny Valley ist somit ein rein psychologischer Schutzmechanismus unserer Wahrnehmung gegenüber der Simulation von Leben.

Quellenangabe:

Mori, M., MacDorman, K. F., & Kageki, N. (2012). The uncanny valley [from the field]. IEEE Robotics & automation magazine, 19(2), 98-100.

Cheetham M, Pavlovic I, Jordan N, Suter P, Jancke L. Category Processing and the human likeness dimension of the Uncanny Valley Hypothesis: Eye-Tracking Data. Front Psychol. 2013 Mar 7;4:108. doi: 10.3389/fpsyg.2013.00108. PMID: 23471214; PMCID: PMC3590815.

Hybridanimation: Die perfekte Balance zwischen Abstraktion und Glaubwürdigkeit

In der Welt der modernen Animation stehen wir vor einer zentralen gestalterischen und psychologischen Herausforderung: Wie viel Detailreichtum ist notwendig, um Emotionen glaubwürdig zu vermitteln, und wie viel Abstraktion ist erforderlich, um die Empathie des Zuschauers zu maximieren? Um zu verstehen, warum manche Filme eine so tiefe emotionale Resonanz erzeugen, müssen wir die Stilisierungsgrade nicht nur als ästhetische Wahl, sondern als Werkzeuge zur Steuerung kognitiver Prozesse begreifen. Forschungsergebnisse zeigen, dass der visuelle Stil beeinflusst, wie wir Aufmerksamkeit verteilen und emotionale Ansteckung erleben.

In der Literatur und aktuellen Studien lassen sich drei wesentliche Pole der Charakterdarstellung identifizieren, die jeweils spezifische Wahrnehmungsmuster auslösen:

1. Der ikonische Stil (Hohe Abstraktion)

Der ikonische Stil zeichnet sich durch einfache Linien, klare Formen und eine bewusste Reduktion von Details aus. Neurowissenschaftliche Untersuchungen mittels EEG haben gezeigt, dass dieser Stil im Vergleich zu realistischen Darstellungen die Gamma-Band-Aktivität im fronto-zentralen Bereich des Gehirns stärker unterdrückt. Das deutet darauf hin, dass ikonische Figuren den Zuschauer dazu einladen, abstrakte Merkmale aktiv zu interpretieren und sich nicht in visuellen Details zu verlieren. Der ikonische Stil nutzt somit den Vorteil der Abstraktion: Er vermittelt die emotionale Essenz einer Figur oft schneller und mit geringerem visuellem “Rauschen”.

2. Der semi-realistische Stil (Moderate Stilisierung)

Dieser Bereich stellt eine Hybridform dar, die Abstraktion mit realistischen Attributen wie Volumen, Textur oder physikalisch korrektem Licht kombiniert. Literaturübersichten belegen, dass genau dieser mittlere Stilisierungsgrad am effektivsten ist, um positive emotionale Erfahrungen und das Engagement der Nutzer zu fördern. Er bietet eine Balance, die das “Uncanny Valley” (das Unbehagen bei fast, aber nicht ganz perfekten menschlichen Darstellungen) vermeidet und gleichzeitig genug Tiefe für eine moderne Bildsprache bietet.

3. Der realistische Stil (Fotografische Nähe)

Realistische Stile orientieren sich eng an der physikalischen Realität, mit komplexen Texturen, proportionaler Anatomie und detailreichen Schattierungen. Dieser Stil liefert eine enorme Menge an sogenannten “Bottom-up”-Informationen – also rein sensorische Daten, die direkt über die Sinnesorgane verarbeitet werden. Während dies die Immersion erhöhen kann, besteht bei einer mangelhaften Umsetzung der Mimik das Risiko, dass die Kommunikation von Emotionen behindert wird, was zu Unbehagen beim Betrachter führt.

Die kognitive Mechanik: Bottom-Up vs. Top-Down

Um die Wirkung von Hybridanimationen theoretisch zu fassen, ist die Unterscheidung zwischen zwei Informationspfaden im Gehirn entscheidend:

  • Bottom-Up-Prozesse (Sensorisch getrieben): Hier reagiert der Betrachter auf die rohen visuellen Merkmale wie Kontrast, Farbe, Symmetrie und Linienorientierung. Ein realistischer Stil beansprucht diesen Pfad sehr stark.
  • Top-Down-Prozesse (Konzeptuell getrieben): Dieser Pfad basiert auf dem Verständnis des Kontexts, der Geschichte (Story Plot) und der individuellen Fähigkeit zur Perspektivübernahme.

Eine Erkenntnis der Forschung ist, dass bei der Induktion von Empathie der Top-Down-Prozess (die Story) gegenüber dem Bottom-Up-Prozess (dem Stil) dominiert. Eine Studie zeigte, dass ikonische Cartoons bei identischem Plot das gleiche Empathie-Niveau auslösen können wie realistische Darstellungen. Empathie ist demnach kein rein sensorisch getriebener Prozess, sondern wird maßgeblich durch die situative Einordnung und die emotionale Erzählung moduliert.

Trotzdem zeigen Studien zur Augenbewegung (Eye-Tracking), dass Betrachter bei hochgradig realistischen Charakteren oft von Details abgelenkt werden. Bei stilisierter Hybridanimation wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers präzise gelenkt. Das Gehirn muss weniger „Rechenleistung“ für die Dekodierung der Umgebung aufwenden und hat mehr Kapazität für die emotionale Resonanz .

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die ikonische Abstraktion die emotionale Essenz einfängt und die kognitive Ablenkung durch überflüssige Details reduziert. Ergänzt wird dies durch realistische Elemente wie volumetrisches Licht oder haptische Texturen, die die Glaubwürdigkeit der physischen Präsenz im Raum erhöhen. Stilisierungsgrade in der Animation sind also weit mehr als dekorative Hüllen. Sie optimieren die Top-Down-Verarbeitung und ermöglichen es, maximale emotionale Resonanz mit oft effizienteren Mitteln zu erreichen.

Quellenverzeichnis:

Lee, Y. I., Choi, Y., & Jeong, J. (2017). Character drawing style in cartoons on empathy induction: an eye-tracking and EEG study. PeerJ, 5, e3988.

Andreeva, Y. (2012). Emotionsvermittlung in der non-fotorealistischen Animation. na.

Dijkstra, N., Zeidman, P., Ondobaka, S., van Gerven, M. A., & Friston, K. (2017). Distinct top-down and bottom-up brain connectivity during visual perception and imagery. Scientific reports, 7(1), 5677.

Cel-Shading

Unter den vielen Techniken des Non-Photorealistic Renderings (NPR) ist das Cel-Shading (oft auch Toon-Shading genannt) eine der bekanntesten. Das Ziel: 3D-Objekten das Aussehen klassischer, handgezeichneter Cartoons oder Animes zu verleihen. Charakteristisch dafür sind flache Farben, harte Schattenkanten und markante Outlines.

Der Begriff leitet sich von der traditionellen Animation ab. Bevor Computergrafiken die Leinwand eroberten, wurden Charaktere auf transparente Zelluloid-Folien, sogenannte „Cels“, gemalt und über statische Hintergründe gelegt. Cel-Shading imitiert genau diesen nostalgischen Look und kreiert so die Brücke zwischen moderner 3D-Technik und klassischem Handwerk.

In den späten 1990ern und frühen 2000ern nutzten Entwickler Cel-Shading zunächst bewusst als Gegenpol zu den damaligen 3D-Welten. Videospiele wie Jet Set Radio setzten den Stil ein, um eine urbane Graffiti-Ästhetik mit klaren Konturen, knalligen Farben und überzeichneten Charakteren zu erzeugen, die sich deutlich von „realistischen“ Konkurrenten abhob. The Legend of Zelda: The Wind Waker ging noch einen Schritt weiter und übersetzte eine etablierte 2D-Fantasy-Marke in einen warmen, cartoonhaften 3D-Look, der an handgemalte Illustrationen erinnert.

In den 2000ern wurde Cel-Shading zunehmend genutzt um sehr unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Borderlands kombiniert grobe Linien, starke Kontraste und „schmutzige“ Texturen, um einen rauen Comic-Buch-Look zu schaffen, der Gewalt und Humor stilistisch zusammenhält. Okami nutzte ähnliche Grundprinzipien – flächige Farben, harte Schatten und Outlines – aber übersetzte sie in eine Ästhetik, die sich an traditioneller japanischer Tuschemalerei und Holzschnittkunst orientiert. Die stilisierten Pinselstriche, der Eindruck von Papiertexturen und die abstraktere Darstellung der Welt zeigen, dass Cel-Shading nicht an den westlichen Comic gebunden ist, sondern als Rahmen für sehr unterschiedliche kulturelle Bildsprachen dienen kann.

Aktuelle Produktionen wie zum Beispiel Spider-Man: Into the Spider-Verse mischt 3D-Charaktere mit 2D-Linien, Rasterpunkten, vereinfachten Schattenflächen und Comic-Elementen, sodass der Film wie ein bewegtes Comic-Heft wirkt, obwohl er technisch auf moderner 3D-Pipeline basiert.​

Die Beliebtheit von Cel-Shading liegt in seiner reduzierten Komplexität. Anstatt den Zuschauer mit Details zu überfluten, konzentriert sich der Stil auf das Wesentliche: Form, Silhouette und Ausdruck. Das ruft Gefühle von Wärme und Empathie hervor und schafft eine fast beruhigende Klarheit, die den Fokus direkt auf die Story und die Charaktere lenkt.

Für Cel-Shading eignen sich einfache Modelle mit sauberen Silhouetten am besten. Zu feine geometrische Details wirken hier oft störend, da die harten Schatten jede Unebenheit betonen würden. Oft werden Proportionen bewusst überzeichnet, um den Comic-Charakter zu unterstreichen.

Während realistisches Rendering weiche Übergänge anstrebt, nutzt Cel-Shading sogenannte Schrittgradienten (Step Gradients). Das Licht wird nicht sanft abgestuft, sondern in klare Helligkeitsbereiche unterteilt.

Texturen werden beim Cel-Shading sehr bewusst und sparsam eingesetzt. Statt fotorealistischer Oberflächen nutzt man oft handgemalte, reduzierte Texturen. Sie sollen dem Bild Tiefe und Lebendigkeit verleihen, ohne die flächige Wirkung oder die klaren Kanten zu zerstören.

Im letzten Schritt wird auf physikalische Korrektheit verzichtet. Stattdessen werden oft durch Edge Detection Outlines hinzugefügt. Diese schwarzen Linien umranden das Objekt und sorgen für die finale Comic-Ästhetik. Mit Effekten oder gezielter Farbkorrektur wird der stilisierte Look schließlich abgerundet.

Quellenangabe:

Cel Shading: A Comprehensive Guide. (n.d.). https://garagefarm.net/blog/cel-shading-a-comprehensive-guide

How To Do Cel Shading: Techniques & Tools. (n.d.). RebusFarm. https://rebusfarm.net/blog/how-to-do-cel-shading-techniques-tools

Fotorealismus und Abstraktion: Was ist Non-Photorealistic Rendering (NPR)?

Wenn in der Computergrafik von Fotorealismus gesprochen wird, ist das Rendering von Elementen auf Basis physikalischer Prinzipien gemeint. Ziel ist es, ein Bild zu generieren, das von der Realität kaum noch zu unterscheiden ist. Hierbei spielen Faktoren wie anatomische Korrektheit, perspektivische Präzision sowie physikalisch basierte Farben, Texturen und Lichtberechnungen eine wichtige Rolle.

Wie massiv der Fortschritt in diesem Bereich ist, zeigt sich heute in modernen Kinofilmen, High-End-Gaming oder der Werbebranche. Oft fällt es schwer, den Unterschied zwischen digitalen Objekten und realen Elementen zu erkennen. Für Designer bietet diese Technik aber den Vorteil, bereits in der Planungsphase ein visuell finales Abbild eines Produkts zu erstellen.

Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, dass der Fortschritt sich auch in die entgegengesetzte Richtung entwickeln kann. Anstatt die Realität perfekt zu kopieren, ermöglichen alternative Rendertechniken einen bewusst stilisierten Look. Dieser wirkt oft erfrischend und vermittelt einen eher nostalgisches, „menschliches“ Gefühl. Häufig lassen sich komplexe Informationen oder emotionale Geschichten illustrativ sogar besser vermitteln als durch einen rein realistischen Look.

Während sich das photorealistische Rendering auf die perfekte Nachahmung einer traditionellen Kamera konzentriert, stellt es die Frage: „Was sehe ich?“. Nichts wird der Vorstellungskraft überlassen; alles basiert auf der Simulation physikalischer Gesetzmäßigkeiten, etwa wie Licht auf verschiedene Oberflächen trifft.

NPR-Techniken gehen einen Schritt weiter. Hier dreht sich die Kernfrage eher um: „Was weiß ich über das Objekt?“. Hier können Parameter bewusst variiert werden: Während beispielsweise die Reflexion eines Objekts physikalisch konstant bleibt, kann seine Größe oder Form abstrahiert werden. Der Rahmen der Physik darf hier zugunsten der künstlerischen Intention überschritten werden.

NPR umfasst alle Verfahren, die Computergrafiken einen stilisierten Look verleihen – von Strichzeichnungen über Ölgemälde bis hin zu Aquarellen. Doch hinter diesem „handgemachten“ Look verbergen sich hochkomplexe Algorithmen, die oft genauso viel Rechenleistung beanspruchen wie fotorealistische Renderings.

Das liegt vor allem daran, dass Techniken wie Cel-Shading, Hatching (Schraffur) oder malerische Effekte eine tiefgehende Analyse der geometrischen Formen erfordern. Der Algorithmus muss Lichtinteraktionen sowie Ecken und Kanten präzise berechnen, um sie anschließend stilisieren zu können. Auch wenn das Ergebnis simpel erscheint, steckt dahinter oft ein enormer Detailgrad, zum Beispiel durch die Simulation einzelner Pinselstriche.

Der finale Look entsteht meist erst durch zusätzliche Schritte wie das Color Grading und die anschließende Animation. In der Hybridanimation entstehen so vielfältige Ästhetiken:

  • 2D-3D-Hybridisierung: 3D-Elementen wird ein klassischer, flacher 2D-Look verliehen.
  • Verbindung von 3D-Raumtiefe mit der Einfachheit der 2D-Animation: Hier werden 3D-Elemente gerendert und anschließend in einer Komposition mit 2D-Elementen vereint.
  • Abstrakte Visualisierung: In der Wissenschaft und Kunst wird NPR genutzt, um komplexe Daten oder Konzepte visuell darzustellen. Durch die Verbindung von Motion Graphics mit der Tiefe des 3D-Raums entstehen so beeindruckende, informative Bilder.

Schlussendlich ermöglicht NPR durch den gezielten Einsatz von Texturen und Stilisierung einen einzigartigen, künstlerischen Look.

Quellenangabe:

The Render Farm for NPR: Beyond photorealistic 3D rendering. (o. D.).

https://garagefarm.net/blog/the-render-farm-for-npr-beyond-photorealistic-3d-rendering?

Geng, W. (2011). The Algorithms and principles of non-photorealistic graphics: Artistic Rendering and Cartoon Animation. Springer Science & Business Media.

Linsenmaier, T. (2011, 22. Dezember). Yen-Jung Chang –

Strategies for a Reduction to 2D Graphical Styles in 3D Computer Graphics with Hybrid

 Aesthetics – Animation Studies. https://oldjournal.animationstudies.org/yen-jung-chang-strategies-for-a-reduction-to-2d-graphical-styles-in-

3d-computer-graphics-with-hybrid-aesthetics/?

Ästhetik in 2D- und 3D-Animation

Ästhetik spielt seit jeher eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Oft verbinden wir den Begriff automatisch mit Schönheit oder etwas „Geschmackvollem“. Doch eigentlich umfasst Ästhetik alles, was unsere Sinne bewegt – also auch das Unangenehme. In der Animation ist Ästhetik nicht nur Dekoration, sondern ein zentrales Werkzeug: Sie entscheidet darüber, wie wir eine Geschichte emotional wahrnehmen.

2D-Animation wirkt oft unmittelbar künstlerisch, leicht und abstrahiert. Sie zeigt die Welt nicht zwingend so, wie sie ist, sondern eher so, wie sie empfunden wird. 3D hingegen hat etwas Körperliches, Atmosphärisches. Es spricht unser Gefühl für Raum, Licht und Materialität an und erzeugt ein immersives Eintauchen, das manchmal fast physisch wirkt. Beide Ansätze lösen unterschiedliche Empfindungen aus und beide können Geschichten auf vollkommen eigene Art zum Leben erwecken.

Aus ästhetischer Sicht spricht man in der 2D-Animation häufig von Reduktion. Linien, Flächen und Farben werden bewusst vereinfacht, weil der Fokus eher auf Ausdruck und Rhythmus liegt als auf realistischen Details. In der 3D-Animation dagegen ist oft das Gegenteil der Fall: Hier geht es um Komplexität, Tiefe und einen hohen Detailgrad – sowohl visuell als auch räumlich.

Dass 2D häufig reduzierter wirkt, liegt nicht nur an Stilentscheidungen, sondern auch an der Produktionsweise. Da in der klassischen 2D-Animation viel händische Arbeit steckt, ist es schlicht schwierig, komplexe räumliche Ebenen oder extrem detailreiche Texturen zu erzeugen. Trotzdem schafft es 2D, die Aufmerksamkeit der Zuschauer gezielt zu lenken – oft mit starken emotionalen oder humorvollen Details. Übertriebene Gesichtsausdrücke, verzerrte Proportionen oder überraschend große Reaktionen sind typische Stilmittel. Besonders Cartoons und Anime greifen gern darauf zurück. In der 2D-Animation geht es weniger um Realismus, sondern mehr um Expressionismus: Gefühle, Gags und Bewegungen werden visuell überhöht und ziehen dadurch die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich.

Das Imperfekte spielt ebenfalls eine große Rolle. Kleine Ungenauigkeiten in Linien, leicht flatternde Outlines oder handgemalte Schraffuren geben 2D-Animationen eine menschliche Note. Sie erinnern uns daran, dass hinter jedem Frame ein kreativer Prozess steckt. Viele moderne Programme ermöglichen zwar extrem präzises Arbeiten, aber selbst digitale 2D-Stile imitieren heute oft bewusst die Ästhetik von Bleistift, Aquarell oder Pastell. Der Look wirkt dadurch nostalgisch und handgemacht, was viele Zuschauer als warm und authentisch empfinden. Frame-by-Frame-Animationen besitzen deshalb einen ganz eigenen Charme – man sieht die Arbeit, die in ihnen steckt.

3D-Animation dagegen wird häufig mit Realismus verbunden. Durch die Tiefe des Raumes lassen sich komplexe Kamerafahrten und Perspektiven umsetzen, die in 2D kaum möglich wären. 3D schafft eine visuelle Glaubwürdigkeit, die fast filmisch wirkt. Mit heutigen Tools lassen sich feinste Details darstellen: fliegende Haare, Stofffalten, Hautporen, reflektierende Oberflächen und sogar mikroskopisch kleine Lichtbrechungen. Auch physikalische Eigenschaften wie Wasser, Gras, Feuer oder Nebel können nahezu real nachgebaut werden. Für viele Zuschauer wirkt dieser Detailreichtum modern beeindruckend und technisch faszinierend.

Natürlich hat auch 3D seine Herausforderungen. Zu viel Realismus kann schnell ins Uncanny Valley führen – also in einen Bereich, in dem etwas fast echt aussieht, aber nicht ganz. Dieser kleine Abstand erzeugt Unbehagen. Deshalb arbeiten viele moderne Produktionen bewusst stilisiert, um eine Balance zwischen Glaubwürdigkeit und künstlerischer Freiheit zu finden.

Die spannendsten visuellen Entwicklungen entstehen aktuell aus der Kombination beider Welten. In vielen Hybridanimationen werden 3D-Modelle mit 2D-Elementen versehen –mit texturierten, skizzenhaften Oberflächen, die wie Pinselstriche oder Kreideschraffuren wirken. Oder man entscheidet sich für harte, grafische Schatten, die an klassische Zeichentrickfilme erinnern. Manche Projekte brechen sogar bewusst die flüssigen Bewegungen von 3D, indem sie mit reduzierter Framerate oder „abgehackten“ Animationen arbeiten. Dadurch entsteht ein Bruch zwischen Simulation und Stil, der extrem modern wirkt und den Blick auf das Künstlerische lenkt.

Besonders beliebt sind 2D-Simulationen innerhalb des 3D-Raums. Sie machen die Bilder lebendig, überraschend und oft völlig einzigartig. Produktionen wie Arcane, Klaus oder Spider-Verse haben gezeigt, wie stark solche hybriden Looks wirken können – und wie sehr sie das Publikum emotional erreichen.

Ob eine Animation flach oder tief, grafisch, gezeichnet oder digital gebaut ist – ihre Ästhetik bestimmt, wie wir Figuren begegnen, Welten betreten und Emotionen erleben. In einer Zeit, in der künstlerische Grenzen immer mehr verschwimmen, geht es meistens nicht mehr darum, ob 2D oder 3D „überlegen“ ist. Die eigentliche Frage lautet: Welche Bildsprache erzählt die Geschichte am besten?

Dieser Text wurde mit Hilfe von ChatGPT 5 auf Ausdruck, Beistrichfehler, und Rechtschreibfehler korriegiert. Der inhaltliche Kern der Arbeit ist davon unberührt.

Quellenverzeichnis:

Putz, M. (2022). 3D-Pipeline zur Imitation einer 2D-Ästhetik: ein Leitfaden für Cartoon Look in Videospielen (Bachelor’s thesis).

Minihuber, H.  (2016). Hybridisierung traditioneller Animationsästhetik im 3D Computeranimationsfilm

Mira, M. (2017). The Aesthetics of Contemporary Animation: Melding 2D & 3D Techniques. Leiden Arts in Society Blog. https://www.leidenartsinsocietyblog.nl/articles/the-aesthetics-of-contemporary-animation-melding-2d-3d-techniques