Die Darstellung der Vergewaltigung von Amo in Gachiakuta

Staffel 1 – Folge 13

Gachiakuta ist ein Anime aus dem Jahr 2025 basierend auf dem gleichnamigen Manga von Kei Urana. In der Welt von Gachiakuta ist die gesamte Erde mit Müll überhäuft. Die Luft ist in vielen Teilen der Welt giftig und kann nicht eingeatmet werden. Hoch über den Müllhalden der Erde, befindet sich eine Sphäre, eine letzte Bastion weit entfernt von dem vermüllten Untergrund und gleichzeitig der Verursacher des Müllproblems. Die Gesellschaft ist in mehrere sozialen Schichten geteilt, sowohl in der Sphäre als auch auf dem Untergrund. Gachiakuta ist trotz seiner typischen Anime Tropen ­­– magisch anmutende Kräfte, Monster zum Bekämpfen, junger weißhaariger Protagonist – gesellschaftskritisch. Zum einen beschäftig sich der Anime mit Umweltverschmutzung und deren Folgen, zum anderen mit dem Zyklus von Gewalt, Wut und Rache, sowie einer Gesellschaft durchwachsen mit Kriminalität.

Besonders sticht hier die Geschichte des Charakters Amo hervor. Amo begegnet dem Zuseher, der Zuseherin zuerst als eine Antagonistin der Hauptcharaktere. Sie besitzt eine Fähigkeit, womit sie ihre Gegner für sich kämpfen lassen kann. Diese verzauberten Gegner agieren, als wären sie in Amo verliebt und wollen sie um jeden Preis beschützen. In Folge 13 wird dem Zuseher, der Zuseherin Amos Leben gezeigt. Amo wurde als Kind von ihrer Mutter an einen Mann verkauft. Es wurde im Anime angedeutet, dass dieser sie missbraucht und vergewaltigt hatte. Besonders ist hierbei die Darstellung, die hierfür gewählt wurde. Der Anime ist ab 18 Jahren freigegeben. Dementsprechend wäre eine direkte Darstellung nicht ausgeschlossen. Stattdessen wechselt die Animation zwischen dem normalen Animationsstil zu einem Stil, welcher an Kinderzeichnungen erinnert. Jedes Mal, wenn Amo etwas Traumatisches zustößt, wechselt es in den kindlichen Zeichenstil.

Der normale Animationsstil von Gachiakuta
Amos Käufer mit rosa Blumen aus Amos Sicht

Dabei befindet sich der Zuseher, die Zuseherin im Kopf von Amo und wie sie die Situationen zu der Zeit interpretiert hatte. Als sie verkauft wurde, wusste sie nicht, was das hieß. Ihre Mutter sagt ihr, dass dieser Mann sie liebte und sich um sie kümmern würde, weshalb sie ihren Käufer als jemand positiven wahrnahm. Um Amos rosarote Brille darzustellen, wurden gezeichnete rosa Blumen eingefügt. Der Gesichtsausdruck ihres Käufers wirkt nicht vertrauenswürdig, weshalb die rosa Blumen einen umso stärkeren Kontrast zwischen Realität und kindlicher Vorstellung bilden. Der Verkauf selbst ist vollständig in dem kindlichen Animationsstil gehalten. Hierbei wird ihr Käufer als fröhlich und freundlich dargestellt, wohingegen das Gesicht ihre Mutter nur aus schwarzen Strichen und einem immer wieder aufblinkenden breiten lächelnden Mund besteht.

Die kindliche Sicht von Amo von der Kaufsituation
Amos Mutter bei dem Kauf

Ein möglicher Grund, warum die Mutter unkenntlich ist, wäre, dass sich Amo nicht mehr an ihre Mutter erinnern kann oder sich nicht mehr an sie erinnern will. Ebenfalls wäre es möglich, dass Amo unterbewusst negative Gefühle ihrer Mutter gegenüber hegt.

Nach dem Kauf wechselt der Animationsstil wieder zurück in den Anime Stil. Amo kommt in ihrem neuen Zuhause an und ein Zeitsprung findet statt. Wie alt genau Amo ist, wird nicht klargestellt. Es wird online spekuliert, dass sie zu diesem Zeitpunkt möglicherweise 15 Jahre alt wäre. In anderen Worten immer noch ein Kind in vielen Aspekten. Dabei wird, ohne es direkt auszusprechen, angedeutet, dass Amo von ihrem Käufer regelmäßig vergewaltigt wird. Als sie versucht Unbehagen auszudrücken, wird ihr eingeredet, dass was sie fühlt, Liebe ihres Vergewaltigers gegenüber wäre. In diesem Moment wechselt der Animationsstil wieder. Dieses Mal wird eine Vergewaltigung in Amos romantisierter Sicht gezeigt. Die Sequenz wird begleitet von verzerrtem Audio, was einen starken Kontrast zu den niedlichen Visualisierungen bildet und verdeutlicht, was gerade passiert ist keineswegs positiv. Der kindliche Animationsstil könnte zu dem andeuten, dass Amo in diesem Moment dissoziiert.

Amo wird eingeredet, dass sie verliebt sei
Amos Version der Geschehnisse

Durch das Gestaltungselement von diesem Stilwechsel können komplexe Themen und Gedanken sowie Gemütszustände angedeutet und erzählt werden. Da die Abgrenzung zur Realität klar erkennbar ist, entsteht auch keine Verwirrung zwischen Fantasie und echtem Geschehen. Wäre diese Sequenz ohne den Stilwechsel gezeigt worden, wäre es immer noch schwer anzusehen gewesen, allerdings würde Amos Sichtweise verloren gehen. Durch den Zeichenstil wird zudem dem Zuseher, der Zuseherin noch einmal klar gemacht, dass Amo noch ein Kind ist und auch so denkt, was diese Sequenz umso verstörender und schrecklicher macht.

Ein weiterer Faktor ist die Fantasie der Zuseher, der Zuseherinnen. Ähnlich wie bei Horrorfilmen ist das Unbekannte, das Nicht-Gezeigte unheimlicher. Ein Monster ist weniger unheimlich, wenn es offen gezeigt wird, als wenn darauf hingedeutet wird und der Zuseher, die Zuseherin seine/ihre eigenen Erfahrungen und Ängste mit hineininterpretiert.

Fazit

Durch einen Animationswechsel kann Realität und Fantasie klar abgegrenzt werden, was erlaubt tiefer in die Gefühls- und Gedankenwelt der Charaktere einzutauchen. Amos Vergewaltigung wird dadurch nicht verschönert. Das Gegenteil ist teils der Fall.

Mir ist diese Szene jedenfalls nicht wieder aus dem Kopf gegangen. Zum einen, weil das Thema schwer und etwas überraschend in dem Anime auftauchte, obwohl viele andere schwierige Themen schon davor vorkamen. Zum anderen, weil die kindlichen Bilder mich nicht losgelassen haben. Mit einfachen Mittlen wurde ein einprägendes Bild geschaffen, welches einen nicht so schnell wieder loslässt.

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