Wie sich bereits in den vergangenen Blogposts zum Thema „One-Shot-Filme“ herauskristallisiert hat, gewinnt das Genre zunehmend an Bedeutung. One-Shot-Filme beeinflussen nicht nur die ästhetische Wahrnehmung, sondern auch die psychologische Reaktion des Publikums. Beispielsweise erzeugen sie die Illusion, dass Zeit und Raum kontinuierlich sind, wie im realen Leben. Parallel dazu schafft es das Genre, das Publikum intensiver in die Handlung hineinziehen, gerade weil sichtbare Schnitte fehlen.
In diesem Blogpost werden drei zentrale Wirkungsbereiche untersucht: die Immersion und Aufmerksamkeit, die emotionalen und psychologischen Effekte, und die kognitiven und wahrnehmungsbezogenen Reaktionen.
1. Immersion und Aufmerksamkeit
Einer der häufig genannten Effekte von Long-Take-Filmen ist die erhöhte Immersion der Zuschauer:innen. Laut Wikipedia wird Immersion als psychologischer Effekt definiert, durch den das Publikum so tief in eine virtuelle Welt eintaucht, dass die Realität in den Hintergrund rückt oder gar ganz verschwindet. Durch das Wegfallen sichtbarer Schnitte entsteht ein Eindruck von Kontinuität – die Kamera folgt unmittelbar der Szene, ohne Unterbrechung. Das Publikum bekommt das Gefühl, dass es selbst Teil des Films ist. Es erlebt die Szene(n) in Echtzeit, was einen größeren Effekt auf die Aufmerksamkeit hat als konventionelle Shots. Raum und Bewegung werden anders wahrnehmbar, wodurch Aufmerksamkeit und räumliches Bewusstsein der Zuschauer:innen steigen. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass die Aufmerksamkeit des Publikums stärker aufrechterhalten wird, da der ständige Schnitt als „Moment der Reflexion“ fehlt und ein Flow der Wahrnehmung erzeugt wird. Besonders bei Situationen mit hohem Handlungsdruck kann dies den Spannungsaufbau verstärken.
2. Emotionale und psychologische Effekt
Über die Aufmerksamkeitsbindung hinaus bieten One-Shot-Filme auch tiefere emotionale Effekte. Weil das Publikum nicht aus dem Handlungsablauf herausgerissen wird, entsteht, wie bereits erwähnt, eine Form des kontinuierlichen Erlebens: der Zeitablauf und die Handlung wirken unmittelbarer und realer. Es entsteht die Illusion, dass Raum und Zeit kontinuierlich sind, wie im realen Leben. Dies kann dazu führen, dass Emotionen intensiver wahrgenommen werden. Durch das Fehlen von Schnitten passiert ein fortlaufender Erlebensstrom. Das Publikum fühlt sich in einer Weise beteiligt am Geschehen: Es hat das Gefühl beispielsweise „im Auto mitzufahren“ oder „in Echtzeit mitzuerleben“.
Im psychologischen Sinne bedeutet dies eine erhöhte Empathie, eine stärkere Bindung an Figuren und eine gesteigerte Spannung. Gleichzeitig wird ein filmischer Realitätsbezug wird erzeugt, was Emotionen unmittelbarer wirken lässt.
3. Kognitive und wahrnehmungsbezogene Reaktionen
Neben Emotionen und Aufmerksamkeit betrifft die Wirkung von One-Shot-Filmen auch kognitive und wahrnehmungsbezogene Prozesse: insbesondere, wie bereits erwähnt, die Wahrnehmung von Zeit, Raum und Handlungsablauf. Durch das Fehlen von Schnitten wird die räumliche und zeitliche Kontinuität stärker betont. Lange Einstellungen, Kamerabewegungen und Inszenierungen werden genutzt, um Raum zu erweitern oder neu zu definieren, was wiederum das Bewusstsein der Zuschauer:innen beeinflusst. Dadurch erleben sie weniger eine filmisch vermittelte Zeit und mehr eine Art Echtzeitgefühl. Dies kann sowohl positiv sein, wie beispielsweise ein steigendes Erleben oder intensives Vorgehen, als aber auch herausfordernd, da es keine Erholungspausen gibt und eine Ermüdung oder Überforderung des Publikums möglich ist. Allerdings gilt auch für One-Shot-Filme, dass auch wenn die Wahrnehmung intensiver ist, bedarf es weiterer Bedingungen, z. B. narrative Anschluss, Reflexion etc., damit Wirkung jenseits des Unterhaltungsmoments eintritt.
Die Wirkung von One-Shot-Filmen
Die Wirkung von One-Shot-Filmen auf das Publikum lässt sich daher vielseitig beschreiben: Einerseits besteht ein klares Potential zur verstärkten Immersion, zur emotionalen Nähe und zur intensiven Wahrnehmung von Zeit und Raum. Andererseits zeigen die Ergebnisse, dass nicht automatisch Wirkung erzeugt wird – narrative Struktur, Zuschauervoraussetzungen und Kontext bleiben entscheidend.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltung des Publikums: Wenn Zuschauer:innen die Technik negativ wahrnehmen oder Distanz behalten, wirkt der Effekt möglicherweise nicht wie erwünscht. Bei unreflektierter Anwendung erinnert die Kamera das Publikum eher daran, „wie der Film gemacht wird“ statt die Illusion aufrechtzuerhalten.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: One-Shot-Filme besitzen ein großes Potenzial, Zuschauer:innen stärker in die Narration eines Filmes hineinzuziehen, Aufmerksamkeit und Emotionen intensiver wirken zu lassen sowie Wahrnehmung von Zeit und Raum zu transformieren.
Quellen:
Ghosh, A. (2022). Analysis of Single-Shot and Long-Take Filmmaking: Its Evolution, Technique, Mise-en-scène, and Impact on the Viewer. Indian Journal of Mass Communication and Journalism. https://www.ijmcj.latticescipub.com/wp-content/uploads/papers/v2i2/B1023122222.pdf
Kubrak, T. (2020). Impact of Films: Changes in Young People’s Attitudes after Watching a Movie. Behavioural Sciences (Basel), 10(5). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7288198/
Nightscapestories. Long Take: Impact of Single-Shot Scenes in Cinema. https://nightscapestories.com/long-take-impact-single-shot-scenes-cinema/
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