Was Künstliche Intelligenz mit Filmproduktionen macht 

Seit einigen Jahren schon erlebt nicht nur die gesamte Menschheit, sondern auch die Filmindustrie einen technologischen Wandel. Die zunehmende Entwicklung und Integration von künstlicher Intelligenz beeinflussten die Branche extrem (und immer mehr). Was vielleicht mal nur als Unterstützung beim Schreiben von Texten oder Überarbeiten von Drehbüchern war, reicht nun bis hin zur Postproduktion, Übernahme der Produktion (teilweise) und Gestaltung von audiovisuellen Inhalten. Dadurch wird der Prozess des Filmemachens zwar zeiteffizienter, wirft aber gleichzeitig auch viele Fragen auf: Moralische und zukunftsorientierte. Haben kreative Berufe noch eine Zukunft, was ist die Rolle des Menschens bei künstlerischen Schaffungsprozessen und was passiert mit dem Uhrheberrecht (das nicht anwendbar ist auf KI-generierte Inhalte – noch nicht). Künstliche Intelligenz ist über die Jahre mehr geworden als nur ein technisches Hilfsmittel. Viel mehr ist sie eine wirtschaftliche, gesellschaftliche und kreative Entwicklung, die auch die Strukturen der Filmbranche geändert hat und noch ändern wird. Aber wie sehr beeinflusst sie diese wirklich? Es gibt sowohl positive als auch negative Aspekte. Einerseits profitieren Produktionen von Kosten- und Zeitersparnissen, gleichzeitig ist die berufliche Zukunft der Filmschaffenden dadurch stark gefährdet. 

Einsatzmöglichkeiten von KI im Zuge einer Filmproduktion 

Wie bereits in der Einleitung angemerkt, betrifft die Entwicklung der KI mittlerweile alle Phasen einer Filmproduktion. In der Preproduction wird künstliche Intelligenz zur Analyse von Drehbüchern eingesetzt. Skripte werden so ausgewertet und gegebenenfalls die Erfolgschancen eines Films eingeschätzt. Außerdem können durch KI große Datenmengen – oder eben seitenlange Drehbücher – schneller und genauer ausgewertet werden, wo der Punkt der Kosten- und Zeitersparnisse wieder in den Vordergrund rückt. Allerdings basiert auch der KI-Algorithmus auf bereits erschaffenen Dingen, von denen die AI lernt. So besteht die Gefahr, dass jene Geschichten bevorzugt werden, die es bereits gibt und die erfolgreich waren. Dadurch können Innovationen, neue, andere Erzählformen oder ungewöhnliche oder kreative Ansätze verloren gehen.

Auch was das Casting und Location Scounting betrifft, kann die KI untersütztend eingesetzt werden. Wieder kommt die schnelle Analysefähigkeit der KI-Produktionen zu Gunsten: Charakterbeschreibungen, Gesichter, Stimmen, Drehorte, Bildmaterial, Wetterbedingungen und weitere Anforderungen und Merkmale können berücksichtigt und identifiziert werden. So wird nicht nur der organisatorische Aufwand tendeziell reduziert, sondern auch die Planung der Dreharbeiten erleichtert. 

Durch die generative KI gibt es aber auch ein neues Potenzial in Sachen Produktion und Postproduktion. Auf der Grundlage von bereits bestehenden audiovisuellen Daten können Videosequenzen (neu) erzeugt werden. Diese können dann für Tests oder Visualsieren von Ideen in der Vorproduktion genutzt werden. Allerdings entwicklet sich auch dieser Prozess sehr stark weiter und es gibt einige KI-generierte Videos, die schwer von “echtem” Material unterscheidbar sind. In der Postproduktion dient die KI auch der effizienteren Bearbeitung oder der Erstellung von Effekten. 

Auch hier gibt es wieder positive und negative Seiten. Vor allem für neue, unabhängige und kleine Filmschaffende oder -produktionen gibt es mithilfe der KI neue Möglichkeiten. Sie profitieren am meisten davon, da ihre Budgets und Ressourcen oft deutlich kleiner bzw. zu klein sind. Durch die KI können hohe finanzielle und personelle Ressourcen gespart werden.

Die Auswirkungen der KI auf die Kreativität von Filmschaffenden 

Wie bereits angemerkt, beeinflusst die KI aber auch die Kreativität bzw. kreative Zukunft von Filmschaffenden. Mithilfe von KI kann jede:r Drehbücher, Filme, Musik oder audiovisuelle Inhalte erstellen, gestalten und veröffentlichen. Es entstehen neue Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln, gestalerische Ansätze auszuprobieren (ohne Ressourcen zu verschwenden) oder komplexe, fiktionale Welten zu visualisieren. Allerdings stellt sich dabei die große Frage, wie kreativ eine künstliche Intelligenz wirklich sein kann. KI-generierte Inhalte basieren auf bereits vorhandenen Daten, Beispielen, Filmen und Informationen. Zwar kann sie daraus neue Sachen kombinieren, die als innovativ scheinen können, aber eine vollständig eigenständige, kreative Leistung kann nicht erbracht werden. Durch die vermehrte Nutzung entstehen aber oft wenige, nicht originelle und standardisierte Ergebnisse. Die individuelle Perspektive, emotionale Tiefe und die Kreativität eines Menschen sollten daher ein wesentlicher Bestandteil des Filmemachens bleiben. 

Die Filmgeschichte hat außerdem gezeigt, dass es immer wieder technologische Veränderungen gegeben hat, die nicht zwangsläufig schlecht für die Branche waren, sondern sie weiterentwickelt hat. Beispiele dafür sind die Einführung von Tonfilm oder die Entwicklung von computergenerierten visuellen Effekten. 

Wirtschaftliche Veränderungen 

KI reduziert die finanziellen und personellen Ressourcen um einiges. Für viele Filmschaffende ist dies ein großer und essenzieller Vorteil. Automatisierte Prozesse können Arbeitsabläufe verkürzen und beschleunigen. Vor allem für kleinere, unabhängige Filmschaffende ist dies von Vorteil. Gleichzeitig stehen dem Ganzen große Risiken gegenüber. Vor allem der Arbeitsmarkt leidet stark unter dem Aufkommen der KI. Was vorher Drehbuchautor:innen, Spezialsit:innen oder Cutter:innen übernommen haben, kann jetzt einfach die KI machen. Bestimmte Beschäftigungen gehen damit deutlich zurück. Besonders betroffen sind – wie so oft – neue Berufseinsteiger:innen. Außerdem kann die zunehmende, einfache Verfügbarkeit von KI zu einem übersättigten Filmmarkt führen. Es wird schwieriger hochwertige, qualitative und originelle Filme zu entdecken. Außerdem nimmt die Aufmerksamkeit für einzelne Filme ab, da es immer mehr Inhalte gibt, die um dieselbe Reichweite kämpfen. 

Weitere Herausforderungen 

Ein weiteres Problem, dass die KI mit sich bringt, ist die Frage des Urheberrechts. Die KI arbeitet mit bereits existierenden Inhalten, wodurch sich bereits da die Frage nach den Rechten der ursprünglichen Urheber:innen stellt. Außerdem ist bisher ungeklärt, unter welchen Voraussetzungen die KI-generierten Inhalte urheberrechtlich geschützt sind oder werden sollten. 


Gleichzeitig gibt es immer mehr Deepfakes. Durch künstliche Intelligenz können sehr realistische Video- und Audioaufnahmen erstellt werden, die nicht echt sind. Dabei werden Personen gezeigt, die Aussagen tätigen oder Handlungen ausführen, die so nie stattgefunden haben. Für die Filmbranche gibt es so zwar neue Möglichkeiten, allerdings bringt dies große Risiken und Gefahren in Sachen Datenschutz und Persönlichkeitsrechte mit sich. Vor allem Schauspieler:innen, Synchronsprecher:innen oder Stimmen/Personen des öffentlichen Lebens sind davon stark betroffen. Ihre Stimmen und Gesichter können leicht digital und ohne Zustimmung reporduziert werden. Italien hat deswegen Ende 2023 eine neue Regelung zur Verwendung bzw. dem Umgang mit Sprachaufnahmen veröffentlicht. 

Quellen:

Grove, E. (2024, 9. Juni). Artificial intelligence and filmmaking: Threats and features. Raindance. https://raindance.org/artificial-intelligence-and-filmmaking-threats-and-features/

Mastrangelo, L. (2024, 11. November). The impact of AI on the film industry. DLA Piper. https://www.dlapiper.com/en/insights/blogs/mse-today/2024/the-impact-of-ai-on-the-film-industry

Mello-Klein, C. (2024, 15. Oktober). Is AI going to destroy movies or is the panic overblown? A film historian says these fears are not new. Northeastern Global News. https://news.northeastern.edu/2024/10/15/ai-in-hollywood-impact/

Davenport, T. H., & Bean, R. (2023, 19. Juni). The impact of generative AI on Hollywood and entertainment. MIT Sloan Management Review. https://sloanreview.mit.edu/article/the-impact-of-generative-ai-on-hollywood-and-entertainment/

Dieser wurde von ChatGPT korrigiert. Alle Inhalte wurden von mir selbst auf Richtigkeit und Relevanz überprüft und der Text selbst wurde von mir erstellt. Das Literaturverzeichnis wurde ebenfalls von ChatGPT erstellt. 

IMPULS 04: Was mein Lieblingsbuch, Social Media und AI verbindet 

Wie bereits in einem der vorherigen Impuls-Blogposts angekündigt, geht es in diesem Text um Buchszenen die mithilfe von KI nachgestellt wurden. Tatsächlich ist das glaube ich der größte Impuls für mein Masterarbeitsthema gewesen (bisher). Es geht dabei um meine Lieblingsbuchreihe, die in einigen Videos auf Social Media (zum Teil) mit KI realisiert wurde. 

Aber jetzt mal wieder zurück an den Anfang: Mein Lieblingsbuch bzw. -reihe ist die Empyrean Series bzw. die Fourth Wing Reihe von Rebecca Yarros. Es ist eine Romantasy-Reihe, also eine Mischung aus Romance und Fantasy. Da ich tatsächlich kein großer Fan von Fantasy-Büchern bin, habe ich diese Reihe nie gelesen und als für mich nicht passend abgetan. Bis tatsächlich (mal wieder) Booktok ins Spiel kam. Als der dritte Teil der Reihe – Onyx Storm – im Jänner 2025 veröffentlicht wurde, war meine Instagram For-You-Page voll von Videos über das Buch bzw. die ganze Reihe und, dass es überall ausverkauft ist. Nachdem ich diese Reels so oft bekommen habe, habe ich mir gedacht, dass ich den ersten Teil mal ausprobieren kann – irgendwas muss ja schließlich an dem Hype dran sein. Fast forward to today: Es ist mittlerweile mein absolutes Lieblingsbuch (-reihe), ich habe alle bisher veröffentlichten Bücher bereits zweimal gelesen und mein gesamtes Social Media ist trotzdem IMMER NOCH voll davon. 

Das Ganze hat mich aber zum Nachdenken gebracht: Wieso ist dieses Buch so erfolgreich? Wie stellen sich andere Leser:innen die Charaktere vor? Wie es oft so ist, habe ich kurz nach diesen Gedanken die ersten AI-generierten Szenen aus dem Buch auf meinem Feed wieder gefunden. Komischerweise habe ich mir die meisten der Charaktere auch ziemlich ähnlich vorgestellt, wie sie in diesen Videos dargestellt wurden. Auch die Kommentare darunter von anderen User:innen haben auf dasselbe hingedeutet: Kaum jemand hatte Einwände gegen das Aussehen oder auch die Stimmen der Personen. Ganze Schlüsselszenen und sogar Kapitel wurden von mehreren Accounts nachgestellt bzw. KI-generiert. Die Videos haben mehrere Millionen Aufrufe und es gibt sie noch von zahlreichen weiteren Booktok-gehypten Büchern (wie beispielsweise der Buchreihe „A Court of Thornes and Roses“). Auch ich habe mich dabei erwischt, dass ich mir diese Videos irgendwie gerne und oft angeschaut habe. Sie haben meine Lieblingsbücher ziemlich gedankengetreu in die „Realität“ verwandelt – auch wenn es nur eine fiktionale Realität ist. Gleichzeitig hat es mich noch mehr zum Nachdenken angeregt: Wie schafft man es, Charaktere aus Büchern in die Realität umzusetzen? Man nimmt eine Vorstellung und setzt damit Rahmenbedingungen für alle Leser:innen. Ich selbst finde es oft schwer, nach einer Buchverfilmung wieder zurück zu meiner ursprünglichen Vorstellung der Charaktere zurückzukehren – vor allem, wenn die Verfilmung gut ist. „Ich glaube, dass sich darin irgendwo eine Forschungsfrage versteckt“, war Romans Antwort auf meine Beschreibungen bei dem letzten bzw. ersten DesRes-Gespräch dieses Semester, und dem werde ich weiter auf den Grund gehen. 

Abschließend hat mich noch etwas weiteres beschäftigt, das ich des Öfteren unter solchen Videos wiedergefunden habe: Einer der meist gelikeden Kommentare war: „You have ruined whoever will play them in real life“ und „This is the most accurate characzer interpretations, hands down“. Erst im Sommer wurde eine Amazon Prime Serie der Fourth Wing Reihe verkündet. Wie schaffen es die Produzenten dem gerecht zu werden, was die riesige Fanbase mithilfe von AI erschaffen hat? Nicht nur steht eine sehr treue, sehr ernstzunehmende Fangemeinschaft hinter der Buchreihe, sondern sie haben auch alle eine sehr genaue Vorstellung der Charaktere. Wie wird eine Produktion dessen gerecht? Wie setzen sie vor allem eine fiktionale Welt in die Realität um ohne die Fans zu enttäuschen? Wie bildet man einen (neuen) Rahmen, der beeinflusst, wie (zukünftige) Leser:innen Charaktere und Welten wahrnehmen und welche Verantwortung tragen sie dabei (falls überhaupt)? Ich bin gespannt, wie diese Verfilmung wird und wie nah sie an die Bücher herankommt – die Autorin Rebecca Yarros ist auf jeden Fall Teil des Produktionsteams und laut Medien an den meisten Hauptentscheidungen beteiligt. 

Weiterführende Links:

https://www.instagram.com/tacotales25/?hl=de (Instagram-Profil mit AI-generierten Szenen)

https://www.forbes.com/sites/hannahabraham/2026/05/12/the-fourth-wing-is-coming-to-tv—produced-by-an-oscar-winner

https://www.aboutamazon.com/news/entertainment/fourth-wing-cast-violet-xaden-prime-video

https://news.northeastern.edu/2024/10/15/ai-in-hollywood-impact

Das Mysterium “BookTok”

Laut dem DWDS, dem digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, ist BookTok “das Genre bzw. Format auf der Plattform TikTok, bei dem Nutzer per Video Bücher besprechen und anderen Nutzern empfehlen”. Das Wort definiert sich durch seine Wortkreuzung aus dem englischen Wort für Buch und der Kurzform der Social Media Plattform “TikTok” eigentlich selbst. Über die letzten Jahre ist BookTok immer prominenter geworden und hat mittlerweile den Literaturmarkt vor allem in gewissen Genres revolutiioniert. 

Was ist BookTok? 

 “BookTok made me buy it” 

Social Media lebt von kurzen Videos – das ist klar. Auch gekaufte Produkte, wie eben beispielsweise Bücher, in diesen Videos zu bewerten, empfehlen und teilen ist nichts Neues und gibt es schon länger. 

BookTok war Anfangs nur ein Hashtag, unter dem Buch-Bewertungen gesammelt wurden. Mittlerweile ist es eine gesamte, riesige Community geworden. Dazu zählen nicht nur Leser:innen, sondern auch Autor:innen und Content Creators sowie Verläge (oder aber auch durch Buchverfilmungen Schauspieler:innen und die Filmbranche). Einige Influencer haben ihre Karriere erst durch TikTok gestartet und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Reden über Bücher. 

Performed ein Buch gut in der BookTok-Community sind die Kauf- bzw. Erfolgschancen dieses stark gestiegen. Einige Autor:innen haben Social Media Plattformen und BookTok spezifisch dafür verwendet, ihr Buch zu promoten und so gegebenenfalls Verlagsdeals zu bekommen. 

Für jedes geschriebene Genre gibt es auf BookTok Creator, Influencer und eine Community. Allerdings gibt es einige Genres, die besser performen als andere. Die beliebtesten sind “Young adult fiction” und “Romantasy”. Dabei geht es auch oft nicht um die neuesten Bücher. Das beste Beispiel dafür ist “Wuthering Heights” von Emily Bronte, dass – nach der Buchverfilmung und dem Kinostart – wieder in den Trend kam. Dieses Beispiel zeigt auch, wie groß die Verbindung zwischen BookTok und der Filmindustrie ist. 

Die Geschichte von BookTok 

Niemand weiß genau, wer BookTok erfunden bzw. den Trend oder die Community gestartet hat. Seit 2019 gibt es Videos unter dem Hashtag. Vor allem während der Corona Lockdowns 2020 und 2021 stieg die Beliebtheit und die Zahl der Videos zu diesem Thema extrem an. 

Es gibt zwei Creator auf TikTok, die die Anfänge von BookTok prägten. Einer davon ist Cait Jacobs (@caitsbooks auf TikTok), die sich selbst als “accidental founder of booktok” beschrieben hat. Was für sie 2020 mit einem viralen Video startete, ist nun zu einem wahr gewordenen Traum gewachsen: Jacobs ist nun Autorin bei einem Verlag.

Unter dem Hashtag #BookTok sind auf TikTok 74 Millionen Posts zu finden (Stand März 2026). Auf Instagram ist diese Zahl sogar noch größer: Hier findet man unter dem #BookTok elf Millionen Posts und unter dem zweiten Hashtag #bookstagram bereits 124 Millionen Posts. 

Dabei gibt es BookTok in einer ähnlichen Form schon viel länger. Auf YouTube gibt es seit 2010 Videos, die sich nur mit den Bewertungen von Büchern beschäftigen. 

Wieso funktioniert BookTok so gut? 

Natürlich spielt der Algorithmus auf Social Media eine große Rolle und entscheidet viel darüber, was User:innen zu sehen bekommen. Allerdings spielt bei BookTok noch etwas anderes eine große Rolle: Storytelling. Bücher haben schon geschriebene, in Stein gemeißelte Stories. Geschichte machen viele Dinge mit Menschen und vor allem eines: Sie lasse sie alle Arten an Emotionen fühlen. Berührt das Ende eines Buchs ein:e Leser:in, ist es menschlich, diese Gefühle mit anderen zu teilen und darüber zu reden. Wurde dieses Buch bereits von mehreren Personen gelesen, ist es noch einfacher, darüber zu reden. So nimmt BookTok schnell seinen Lauf. 

Bereits 2021 war klar, dass BookTok den Büchermarkt revolutioniert hat. Auf der Bestseller Liste 2021 waren viele Bücher, die nicht neu erschienen sind. Normalerweise waren die Verkaufszahlen von Büchern direkt nach der Veröffentlichung am höchsten und nahmen danach mit der Zeit wieder ab. Verlage gingen der Sache 2021 auf die Spur und kamen zu dem Schluss, dass BookTok eine entscheidende Rolle bei den Verkaufszahlen von Büchern spielt. Das Verlagshaus “Bloomsbury” gab an nach dem Aufkommen von BookTok 220% mehr Profits zu haben als zuvor. Durch einen anfänglichen TikTok-Trend müssen Verlagshäuser und Marketingfirmen nun ihre Strategien überdenken. 

BookTok und Film 

Immer mehr Bücher, die beliebt auf BookTok sind wurden zu Filmen oder werden in (naher) Zukunft verfilmt. Einige Beispiele dafür sind: 

  • The Summer I turned pretty 
  • Off-Campus 
  • Heartstopper 
  • Fourth Wing 
  • The Love Hypothesis 
  • Maxton Hall 
  • Heated Rivalry 
  • Icebreaker 

und noch viele mehr. Allerdings sind Buchverfilmungen kein neues Konzept; es gibt diese schon seit vielen Jahren. Auch Fans haben schon lange eine große Rolle dabei gespielt, welche Bücher verfilmt werden. Beispiele dafür sind Twilight, Harry Potter oder The Hunger Games. Allerdings gibt es durch TikTok eine ganz neue Strategie, die Produktionen und Verlage verfolgen können. Bewertungen haben nun Zahlen und Gesichter. Social Media Videos lassen sich durch Views, Likes, Kommentare und Shares auswerten, belegen und analysieren. Durch BookTok können Filmproduktionen außerdem auf ganze Buchreihen zugreifen, die auf Social Media als erfolgreich gelten. 

Gleichzeitig gibt es auch negative Seiten von BookTok für die Filmbranche: Mitglieder der Community und Leser:innen haben viele Meinungen zu ihren Lieblingscharakteren. Vor allem Castings werden oft kritisiert oder unter einen großen Scheinwerfer gestellt. 

Quellen: 

BBC Bitesize. (März 2026). What is BookTok and how did it start? https://www.bbc.co.uk/bitesize/articles/z9cgnk7

Deutsches Textarchiv & Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. (22.10.2026). BookTok. DWDS. https://www.dwds.de/wb/Booktok

Raissa Sapardan. (2026, 18. Juni). From BookTok to the big screen: How readers have influenced Hollywood. Nyota Magazine. https://nyotamagazine.com/2026/06/18/from-booktok-to-the-big-screen-how-readers-have-influenced-hollywood/

Wiederhold, B. K. (2022). BookTok made me do it: The evolution of reading. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 25(3), 157–158. https://doi.org/10.1089/cyber.2022.29240.editorial

Das Literaturverzeichnis wurde mit der Hilfe von ChatGPT erstellt und von mir auf Richtigkeit geprüft.

Vom Buch zum Film: Eine Einführung 

„Adapting is a bit like redecorating” – Alfred Uhry 

Eine Verbindung zwischen Literatur und Film gibt es schon lange. Die allerersten Buchverfilmungen kamen bereits mit dem Aufkommen der Filmkamera in den 1890er Jahren. Das Verhältnis der beiden Medien ist intensiv diskutiert und stellt ein wichtiges Them der modernen Medienwissenschaften dar. 

Die Geschichte der Buchverfilmungen 

Das erste Buch wurde bereits 1895 verfilmt und handelte von dem Bestseller „Trilby“. Allerdings dauerte dieser „Film“ nur 45 Sekunden und das Filmmaterial ist über die Jahre verloren gegangen. 

Als erste bekannte Buchverfilmung gilt der 1899 von Georges Méliès veröffentlichte Stummfilm von Cinderella (bzw. Aschenputtel). Dieser basierte auf dem Märchen der Brüder Grimm. Noch im selben Jahr veröffentlichte Méliès bereits eine zweite Adaption: King John, was die erste bekannte Verfilmung eines Shakespear Werkes ist. Méliès verfilmte noch einige weitere bekannte Literaturwerke.

1936 erschien „Gone with the Wind“ nach dem gleichnamigen Buch von Margaret Mitchell. Diese Adaption hielt sich sehr trau an das literarische Werk. Mit über 1000 Seiten war dies jedoch ein ziemlich langes Buch, weshalb der Film fast vier Stunden lang geworden ist. Trotzdem ist „Gone with the Wind“ seiner Zeit weit voraus: Nicht nur durch die detailgetreue Adaption, sondern auch durch glamouröse Kostüme, Setdesign und Schauspieler:innen. 

Buchverfilmungen gibt es also schon lange. Aber auch heute noch werden vor hunderten Jahren geschriebene Bücher noch modern adaptiert. Ein Beispiel dafür ist einer der bekanntesten Romane der Welt: „Pride and Predjudice“ von Jane Austen. Das Buch ist klassische, englische Literatur, der Beginn der „Enemies-to-lovers-Trope“ und wurde bereits 1813 veröffentlicht. 1940 gab es davon die erste Verfilmung, damals noch in schwarz-weiß. 1980 brachte BBC eine Miniserie des Romans heraus; 15 Jahre später passierte dasselbe im britischen Fernsehen. Joe Wright verfilmte „Pride and Predjudice“ 2005 als Kinofilm und derzeit plant Netflix eine weitere Adaption des Romans. 

Ein weiteres Beispiel dafür sind die mehrfachen Verfilmungen des gleichnamigen, klassischen Romans „Little Women“. Zu den besten Verfilmungen von Büchern jemals zählen Harry Potter oder Fight Club.

Buchverfilmungen heute 

Auch wenn der Start der Verfilmung von Büchern schon viele Jahre zurückliegt, ist der Beliebtheitsgrad noch mehr gestiegen. In den vergangenen Jahren und auch in der nahen Zukunft soll es noch viele weitere Adaptionen geben.

Einige bekannte und beliebte Verfilmungen aus 2025 bzw. 2026 sind: 

  1. Project Hail Mary: Das gleichnamige Buch (bzw. auf Deutsch „der Astronaut“) wurde von Andy Weir geschrieben und 2021 veröffentlicht. Der Autor brachte bereits im Jahr 2014 ein Buch heraus, das verfilmt wurde: der Marsianer. Der Marsianer war mit zwei Golden Globes und sieben Oscar-Nominierungen ein voller Erfolg. Project Hail Mary kam 2026 in die Kinos und gewann bis jetzt bereits mehrere Auszeichnungen. Außer der langen Dauer von zwei Stunden und 36 Minuten war auch diese Buchverfilmung ein voller Erfolg. 
  2. Off-Campus: Die ebenfalls gleichnamige Buchreihe besteht aus fünf Büchern, die von der Autorin Elle Kennedy verfasst wurden. In der Buchreihe geht es um fünf Eishockeyspieler an einem amerikanischen College, die zwischen den viele Seiten ihre wahre Liebe suchen (und, Achtung Spoiler, finden). Auch wenn diese Serien den Büchern nicht 100%ig entspricht, war auch sie ein voller Erfolg. Das Publikum ging weit über die Leserschaft hinaus. 
  3. Maxton Hall: Maxton Hall basiert auf der „Save me“ Reihe von Mona Kasten und entspringt tatsächlich deutscher Natur. Trotzdem ist die Amazon Prime Serie ein internationaler Erfolg geworden. Tatsächlich gilt die Serie als die weltweit meistgestreamte internationale Original-Serie aller Zeiten auf Amazon Prime. Außerdem erreichte die Verfilmung in über 120 Ländern bzw. Regionen den ersten Platz der Charts. 
  4. The Love Hypothesis: The Love Hypothesis von Ali Hazelwood ist erst im September 2026 als Film veröffentlicht worden und damit ziemlich aktuell. Die Verfilmung ist ebenfalls auf Amazon Prime zu finden. Auch dieser Film war ein Erfolg, auch wenn die Kritiken als negativen Punkt anführen, dass wichtige Punkte des Buches bzw. der Storyline bei der Verfilmung weggelassen wurden. 
  5. IT: It bzw. „Es“ von Stephen King wurde bereits 1986 als Buch veröffentlicht. Es gibt bereits mehrere Verfilmungen des Buches: Die erste wurde bereits 1990 veröffentlicht. 2017 bzw. 2019 gab es dann den bekannten Kino-Zweiteiler und seit 2015 auch eine Prequel-Serie. Auch diese Verfilmungen gelten weitestgehend als erfolgreich. 

Zusammenfassung und Ausblick 

Im vorherigen Kapitel wurden nur einige wenige neue(re) Verfilmungen bzw. Serien-Adaptionen von Büchern genannt und kurz beschrieben. Allerdings gibt es unzählige weitere Beispiele: sowohl positive als auch negative. Vor allem bei den romantischen Verfilmungen von Büchern gibt es noch einen wichtigen Faktor, der eine große Rolle spielt: Booktok. Dies wird im nächsten Blogpost weiter erläutert und beschrieben. 

Quellen:

IMDb. (06.06.2024). „Maxton Hall“ ist erfolgreichste internationale Prime-Video-Original-Serie ever. https://www.imdb.com/de/news/ni64622113/

IMDb. (o. D.). Es.https://www.imdb.com/de/title/tt1396484/

IMDb. (o. D.). The Love Hypothesis. https://www.imdb.com/title/tt22526100/

IMDb. (o. D.). Der Marsianer: Rettet Mark Watney. Auszeichnungen. https://www.imdb.com/de/title/tt3659388/awards/

Kermode, M. (2017, 10. September). It review – enthusiastic, cine-literate retelling of Stephen King’s horror novel. The Guardian. https://www.theguardian.com/film/2017/sep/10/it-review-enthusiastic-cine-literate-stephen-king-adaptation

MotaWord. (2022, 18. August). Transformations of books all around the world: Film adaptations. https://www.motaword.com/de/blog/transformations-of-books-all-around-the-world-film-adaptations

Variety. (2026). Off campus review: Prime Video. https://variety.com/2026/tv/reviews/off-campus-review-prime-video-1236741630/

IMPULS 03: a thousand boy kisses – Part 2 

Das Buch ist sehr emotional, sehr herzzerreißend und hat grundsätzlich eine sehr einfache Storyline. Es gibt einen klaren roten Faden und es lässt viele Tränen fließen. Die Charaktere sind sehr klar definiert und ausgearbeitet. Außerdem gibt es noch einen weiteren Punkt, warum sich dieses Buch sehr gut für eine Verfilmung (meiner Meinung nach und ohne bis jetzt viel Recherchiert zu haben) eignet: Es gibt nur zwei Charaktere, was das Casting einfacher machen würde. Außerdem gibt es einige (Schlüssel-) Szenen, die nicht nur wichtig für die Geschichte sind, sondern sich auch potenziell umsetzen lassen. 

  1. Das Wiedersehen bzw. die Nachricht von Poppys Krankheit an Rune: Es sind nur die beiden in der Szene vorhanden und sie spielt in einem Park. Eigentlich gibt es dabei die Kirschbäume, allerdings sind diese noch nicht bzw. schon geblüht, weshalb sie zu diesem Zeitpunkt nicht relevant sind. Die Szene funktioniert allerdings nur, wenn die Schauspieler:innen sehr gut spielen, da sie sehr emotional aufgeladen ist. Es ist aber eine sehr wichtige Szene im Buch. 
  2. Meine Lieblingsszene und das Ende des Buches: Diese Szene ist wahrscheinlich nicht umsetzbar, aber ich wollte sie trotzdem erwähnen, da es meine Lieblingsszene ist. Bevor Poppy stirbt, nimmt sie Rune das Versprechen ab, dass er ihr ihre Küsse „zurückschickt“, was er aber erst ein Jahr später machen darf, „weil Poppy gelesen hat, dass erst ein Jahr später etwas im Himmel ankommt“. Also organisiert Rune, dass die Nachbarschaft zusammenkommt, und sie schicken alle zusammen mit diesen chinesischen Laternen (die leider bei uns verboten sind) alle tausend Herzen in den Himmel zu Poppy. 
  3. Poppys Tod: Poppys Tod ist eine eigene Szene, die sich über mehrere Seiten zieht. Er ist sehr emotional und traurig, aber gleichzeitig passieren viele sehr wichtige Dinge dabei, die die Charaktere prägen und in der Geschichte mehrmals vorkommen. 
  4. Das Erfüllen der letzten Wünsche von Poppy: Das erstreckt sich über mehrere Kapitel und es gibt noch ein paar Dinge, die Poppy und Rune sich gegenseitig erfüllen bzw. zusammen erleben. Das würde das Werkstück allerdings länger machen und es ist die Frage, ob es machbar ist. 

Diese Szenen lassen sich theoretisch auch zusammenführen und vereinen. Ich glaube auch, dass es dabei auch viel auf den Theorie- bzw. Literaturteil der Arbeit rauskommt. Derzeit habe ich ein Kapitel geplant, in dem es um das Schreiben von Drehbüchern geht: Was kann man weglassen, was muss drinnen bleiben, wie verändert man Szenen etc.? 

Weiterführende Links: 

https://www.cinemaexpress.com/english/news/2024/Jun/28/stephen-chbosky-to-direct-adaptation-of-tillie-coles-novel-a-thousand-boy-kisses

https://www.tiktok.com/@thahirah.core/photo/7570450126985022738?q=a%20Thousand%20boy%20kisses&t=1792428778008

https://www.tiktok.com/@etc.bytiffanydawson/video/7622951945250049302?q=a%20Thousand%20boy%20kisses&t=1792428778008

IMPULS 02: a thousand boy kisses (SPOILER)

Mein erster Impuls-Beitrag bringt mich auch fließend zu meinem nächsten. In meinem Gespräch mit Daniel haben wir auch beredet, ob es schon ein konkretes Buch bzw. eine Buchszene gibt, die sich als Werkstück eignen würde. Generell würde ich als Werkstück für meine Masterarbeit eine bestimmte Buchszene umsetzen und verfilmen: Von Drehbuch umschreiben bis hin zu Filmen und die Postproduktion. 

Eines steht auf jeden Fall fest: Buchverfilmungen gibt es schon gefühlt immer und manche sogar mehrfach. Da lässt sich auf jeden Fall untersuchen, was bestimmte Produktionen erfolgreich gemacht hat und andere nicht. Außerdem lässt sich auch der Beliebtheitsgrad bzw. die Kritik dahinter analysieren. 

Der Impuls, um den es in diesem Beitrag geht, ist tatsächlich noch in den Sommerferien „passiert“. Ich liebe es zu lesen, meine Instagram For You Page ist voll von Booktok-Content (worum es in meinem nächsten Impuls-Beitrag gehen wird) und ich bin immer offen für Buch-Recommendations. Also habe ich mit einer Freundin mit ähnlichem Buchgeschmack geredet und sie hat mir ein seit einigen Jahren schon gehyptes Booktok-Buch vorgeschlagen: a thousand boy kisses. Also habe ich meine Sommerferien perfekt genutzt und viele Bücher gelesen – unter anderem auch das oben genannte. 

Grundsätzlich geht es in diesem Buch um Poppy und Rune. Die beiden sind, seit sie Kleinkinder sind, beste Freunde und wohnen nebeneinander, seit Runes Familie von Norwegen nach Amerika gezogen ist. Charakterlich könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein, trotzdem sind sie unzertrennlich. Poppy ist lebensfroh, energiegeladen und lebt sehr im Moment. Sie träumt groß, ist ehrlich und ihr ist ziemlich egal, was andere von ihr denken. Rune dagegen ist verschlossen, oft nicht so gut drauf und ein „Miesepeter“. Als die beiden neun sind, stirbt Poppys Großmutter, die bis dahin ihre größte Bezugsperson war. Bevor sie für immer einschläft, schenkt sie Poppy ein großes Einmachglas mit tausend rosa Papierherzen gefüllt. Sie erzählt ihrer Enkelin, dass ihre liebste Erinnerung die Küsse ihres Ehemannes – Poppys Opa – war. Besonders die, die in speziellen Momenten passiert sind oder sich einfach richtig angefühlt haben. Sie will, dass Poppy jeden dieser Küsse in ihrem Leben auf ein Herz schreibt, damit sie später ein Glas voller ihrer liebsten Erinnerungen hat und es auch eines Tages ihren Enkelkindern weiterreichen und erzählen kann. Poppy erzählt Rune davon, was die beiden noch mehr vereint. Auch wenn sie es noch nicht wissen, entsteht zwischen den beiden Neunjährigen schon damals eine innige Liebe. Bis Runes Familie, als er 15 ist, plötzlich auf unbestimmte Zeit wieder zurück nach Norwegen ziehen muss. Die beiden sind untröstlich und Rune verfällt in seiner Persönlichkeit in einen beinahe unausstehlichen Menschen. Nach nur zwei Monaten bricht Poppy plötzlich den Kontakt zu Rune ab, der die Welt nicht mehr versteht. Zwei Jahre später zieht seine Familie wieder zurück nach Amerika – in dasselbe Haus neben Poppy. Das Wiedersehen der beiden ist komisch, emotional aufgeladen und verläuft nicht sonderlich gut. Doch nachdem sie sich endlich versöhnt haben, kommt der nächste Schlag ins Gesicht: Poppy hat nur mehr wenige Monate zum Leben. Zwei Monate nachdem Rune weg war, erkrankte sie an einer unheilbaren Krankheit. Schon damals standen ihre Überlebenschancen sehr schlecht und sie dachte nicht, dass sie Rune jemals wiedersehen würde. Als es doch so weit ist, ist jedoch klar: Außer einigen wenigen Monaten wird es keine Zukunft für die beiden geben. Poppys einzigen Wünsche sind: Noch einmal die Kirschbaumblüte neben ihrem Haus erleben und ihre „thousand boy kisses“ voll zu bekommen. Rune ist wie verwandelt und setzt alles daran seiner Poppy ihre letzten Lebenswünsche zu erfüllen. Der letzte Kuss, den die beiden zusammen verbringen, ist nicht nur der tausendste, sondern auch Poppys allerletzter. Minuten später schließt sie ihre Augen für immer. 

Weiterführende Links: 

https://www.goodreads.com/book/show/25912358-a-thousand-boy-kisses (Funfact: Das Buch hat fast 500.000 Bewertungen)

https://deadline.com/2024/06/a-thousand-boy-kisses-movie-stephen-chbosky-netflix-1235984738

https://netflixlife.com/posts/a-thousand-boy-kisses-movie-adaptation-in-the-works-at-netflix

IMPULS 01: Gespräch mit Daniel Bauer und was es mit „Booktok“ auf sich hat

Ich bin in das Gespräch mit zwei bzw. zweieinhalb potenziellen Themen für eine Masterarbeit hineingegangen, unsicher ob DAS richtige dabei ist. Mein einziges Ziel ist bzw. war es, ein Thema zu finden, dass mir Spaß macht, das ich gerne mache und wo ich viel Liebe (zur zusätzlichen viel Zeit) hineinstecken kann. 

Meine Überlegungen waren die folgenden: Zuerst habe ich darüber nachgedacht und mit Daniel Bauer diskutiert, ob sich meine bisherigen Blogpost-Themen für eine Masterarbeit eignen und ob ich diese in meiner beruflichen Zukunft weiterverfolgen möchte. Da ich mich bereits in meinem Bachelorstudium (und in meiner Freizeit) viel mit dem Thema Sport und Sportdokumentationen beschäftige bzw. beschäftigt habe, war ich mir sehr unsicher, ob ich mich nochmal so intensiv damit befassen will und kann, ohne den Spaß an der Freude zu verlieren. Daniel war zwar der Meinung, dass, wenn ich Sport Videographie oder Content Creation beruflich verfolgen möchte, es sich auf jeden Fall lohnt, eine Masterarbeit zu diesem Thema zu verfassen, aber für mich hat es sich tatsächlich nicht ganz richtig angefühlt und ich wollte mal etwas Neues ausprobieren. Die One-Shot-Filme standen auch noch kurz im Raum, weshalb sie für mich als halbes mitgebrachtes Thema gelten.  

Womit wir auch schon zu meinem zweiten „ganzen“ Thema kommen:  Buchverfilmungen. Nachdem ich Daniel ausführlichst über das bestehende „Booktok-Universum“ aufgeklärt habe, sind wir dazu gekommen, das Themengebiet potenziell einzugrenzen. Während dem Gespräch habe ich auf jeden Fall gemerkt, dass mein Bauchgefühl definitiv auf dieser „Themengebietseite“ ist und es mir auch sehr Spaß macht, darüber nachzudenken, zu reden und zu recherchieren. Daniel hat mich auch gefragt, welcher Aspekt mich an dem Thema „Buchverfilmungen“ am meisten interessiert. Meine Antwort „eigentlich alles“ war ihm nicht eingrenzend genug, weshalb wir ein bisschen weiter darüber diskutiert haben mit dem Versuch, alles etwas konkreter zu gestalten.  Dabei hat sich herauskristallisiert, dass es doch etwas schwieriger ist, das Ganze einzugrenzen, da mich wirklich ALLES daran interessiert: Wie wird ein Buch zu einem Drehbuch, was lässt man weg bzw. tut man dazu? Wie sehr hält man sich an das Geschriebene? Wie sehr sind Autor:innen in dem Prozess involviert, vor allem auch beim Drehbuchschreiben? Wie gestaltet man das Casting und Setdesign, da man die verschiedensten Vorstellungen der Buchwelt für alle „real“ definiert? Wie läuft auch die Postproduktion ab, wie fängt man den „Vibe“ des Buches ein? Vor allem durch Booktok – also TikTok (bzw. alle Social Media Plattformen die Short Form Videos beinhalten) über Bücher – hat eine große Meinung zu Buchverfilmungen. Was wird dann ein Hit und was nicht? Wie groß ist der kommerzielle Vorteil für Produzenten, da man fast sicher ein gewisses Publikum für den Film bekommt und ganz sicher ist, dass sich Menschen den Film (oder die Serie) anschauen werden, wenn das Buch halbwegs erfolgreich und beliebt war? 

Man sieht also, dass sich hierbei viele Fragen aufgeworfen haben, die ich hoffentlich in meiner Masterarbeit beantworten kann – zumindest zum Teil. Ich habe mich jetzt dazu entschieden, mit der (eventuellen) Forschungsfrage „Wie wird ein Buch zu einem Film und wie wird es erfolgreich?“ zu beschäftigen. 

Weiterführende Links: 

https://eu.usatoday.com/story/entertainment/books/2026/08/15/booktok-adaptations-tv-movies/91203901007

https://www.medimops.de/buchverfilmungen

https://www.bbc.co.uk/bitesize/articles/z9cgnk7

Kritische Analyse und Bewertung der Masterarbeit “The Casette: Documentary Film about Music and Personal Transformation” by Zachary Fernandez 

Die Arbeit von Herrn Zachary Fernandez besteht aus zwei Teilen: einem literarischen Teil, der sich theoretisch mit Dokumentationsfilmen und den Einflüssen von Recherchearbeit befasst, sowie einem praktischen Teil in Form eines Dokumentarfilms. Herr Zachary hat diese Masterarbeit auf Englisch und an der HAW Hamburg am Department Design, Media und Information im Jahr 2019 verfasst. Bereits im Abstract der Arbeit kommen die persönlichen Absichten und Hintergründe deutlich hervor. Dementsprechend handelt es sich bei dem Werkstück um einen Dokumentarfilm des Autos selbst und seiner persönlichen Verbindung zu Musik. 

Bewertung der wissenschaftlichen Qualität der Masterarbeit

Das erste Kriterium des Studiengangs Communication, Media, Sound and Interaction Design ist „Gestaltungshöhe“. Nachdem damit ein ästhetisches Urteil der Arbeit gemeint ist, konnte ich diesen Punkt nicht bewerten. Die Masterarbeit von Herrn Fernandez beinhaltet zwar das Werkstücks eines Dokumentarfilms über den Autor und seine Musik selbst, allerdings konnte ich keinen Link, QR-Code oder Hinweis auf das Verbleiben dieses in der digitalen Version der Masterarbeit finden. Dementsprechend kann dieser Punkt in der Analyse nicht berücksichtigt werden. 

Nach einiger Recherche konnte ich das Werkstück allerdings auf YouTube auffinden. Es wurde 2020 bei Filmfestivals eingereicht, was ein Grund für das vorherigen Nicht-Veröffentlichens sein könnte. Trotzdem findet sich in der Arbeit selbst kein Link o.ä. zu dem Werkstück. 

Das zweite Kriterium ist der Innovationsgrad. Der von Herrn Fernandez realisierte Dokumentarfilm nutzt kein gängiges oder modernes Kameraequipment. Das genutzte Equipment besaß der Autor bereits seit mehreren Jahren selbst. Außerdem gibt er an, wenig Erfahrung im Bereich der Videoproduktion zu haben und deshalb ein einfaches, billiges Equipment („Video Kit“) benutzt haben. 

Das dritte Kriterium behandelt den Umfang der Masterarbeit. Der vorgestellte literarische Teil ist eher kürzer gefasst und der Fokus liegt stark auf den persönlichen Aspekten des Inhalts. Die Projektdokumentation ist etwas ausführlicher als der literarische Theorieteil, allerdings umfasst die gesamte Arbeit nur knapp 40 (geschriebene) Seiten (ohne Anhang). Es gibt keine tiefgreifenden Analysen, Statistiken oder ein Eintauchen in ein bestimmtes Themengebiet. 

Der vierte Punkt ist die Selbstständigkeit des Autors. Die Arbeit von Herrn Fernandez ist sehr selbstständig verfasst und beinhaltet nur drei Quellen, die allerdings zum Zeitpunkt der Arbeit relativ neu waren. Zusätzlich gibt es noch drei Interviews, allerdings mit derselben Person. Es wurde wenig Initiative gezeigt, eine tiefere Literaturrecherche zu betreiben, was auch auf die eher persönliche und weniger wissenschaftliche Absicht der Arbeit hinweist. 

Die Gliederung bzw. Struktur der Arbeit macht zwar Sinn, allerdings fällt auch hier erneut auf, dass wenig Literaturrecherche bzw. Merkmal auf einen Theorieteil gelegt wurde. Es fehlt theoretischer Hintergrund. Der Autor gibt sich selbst einen unverhältnismäßig breiten Raum. Es fehlt der wissenschaftliche Vorteil bzw. Aspekt in der gesamten Arbeit. 

Das letzte Kriterium – der Kommunikationsgrad – ist klar erkennbar. Man spürt, dass dieses Thema und die gesamte Ausarbeitung der Masterarbeit Herrn Fernandez sehr am Herzen gelegen sind. Allerdings sind die vorgestellten Theoretisierungen sehr kurzatmig (wie bereits mehrmals erwähnt). Die Intentionen, etwas sehr Persönliches zu kreieren, sind jedoch von Anfang an klar erkennbar. 

Bewertung des Werkstücks 

Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, war das Werkstück in der Arbeit selbst nicht auffindbar. Allerdings konnte ich es hier auf YouTube finden. Ich bin mir nicht sicher, was die Forschungsfrage der Masterarbeit ist, da es keine Einleitung gibt und sie nicht (nochmals) im Fazit behandelt wird. Die Dokumentation ist eher kurz ausgefallen. Es gibt beispielsweise kein Storyboard, Drehbuch, Dokumentation vom Dreh selbst o.ä. Trotzdem hat sich der Autor bemüht, den für ihn noch unbekannten Prozess darzustellen. Die Qualität und Ausarbeitung des Werkstücks entspricht meiner Meinung nach nicht vollständig den Anforderungen an eine Masterarbeit, da noch viel Luft nach oben ist. Berücksichtigt man jedoch den Aspekt, dass der Autor zuvor noch sehr wenig Erfahrung mit der Produktion eines Films hatte, ist es in Ordnung. 

Abschließendes Fazit 

Ich habe zuvor noch keine Masterarbeit gesehen, die so einen persönlichen Bezug hatte, wie diese. Allerdings finde ich, dass eine Abschlussarbeit schon einen gewissen wissenschaftlichen Aspekt auch behandeln sollte, der hier deutlich gefehlt hat. Außerdem sind auch der Theorieteil und die Quantität und Qualität der genutzten Quellen nicht (gut genug) vorhanden. Das Werkstück ist sehr persönlich und die Hintergründe/Absichten sind gut dargestellt worden. 

Für meine eigene Abschlussarbeit nehme ich mit, dass ein persönlicher Touch dabei sein kann und auch als „Handschrift“ cool sein kann. Allerdings würde ich mir definitiv besser auf den Literaturteil und die Qualität/Quantität der Quellen fokussieren. Außerdem ist es mir wichtig, dass die Arbeit auch mein Werkstück (oder einen Hinweis darauf) beinhaltet, sowie ästhetisch ansprechend und nicht langweilig ist.

Masterarbeit:  

https://reposit.haw-hamburg.de/bitstream/20.500.12738/11045/3/MA_Cassette_Documentary_film.pdf

Analyse und Fazit des Werkstücks

Im Rahmen dieser Blogbeiträge wurden die Themen „One-Shot-Productions“ und „Sport Dokumentationen“ behandelt. Im Zuge dessen entstand ein Werkstück, dass das Ziel verfolgte, die beiden zentralen Themenbereiche miteinander zu verbinden. Daraus ergab sich ein zweiminütiges One-Shot-Video im Stile einer Sport Dokumentationsserie über ein Motorsport-Team. Dafür haben sich in vergangenen Blogposts einige Merkmale herauskristallisiert, die in das Werkstück eingearbeitet wurden. Trotz sonst großer Unterschiede verfolgen beide Genres ein ähnliches Ziel: Sie wollen eine möglichst hohe Immersion und emotionale Beteiligung bei ihrem Publikum erzielen. Das fertige Werkstück hat diese und weitere Merkmale aufgegriffen und in seiner eigenen Form umgesetzt. Dieser Blogbeitrag stellt eine Analyse dessen dar. 

Merkmale der One-Shot-Productions 

Eines der zentralsten Merkmale von One-Shot-Productions, das sich bereits in mehreren Blogposts dieses Jahres herauskristallisiert hat, ist die Erzeugung von Immersion durch kontinuierliche Kameraeinstellungen auf eine ganz besondere Art und Weise. Für die Zuschauer:innen entsteht durch das Fehlen von (sichtbaren) Schnitten der Eindruck, dass sie die Handlungen in Echtzeit miterleben. Dieses Prinzip wurde natürlich auch in der Produktion des Werkstücks wieder aufgegriffen: Es enthält keine Schnitte und die Kamera begleitet einen Porsche Cup Fahrer in Spielberg ohne Unterbrechung von seinem LKW bis in sein Rennauto. Dadurch wird das Publikum statt als außenstehende Person als Teil des Teams positioniert und man bekommt das Gefühl selbst am Geschehen teilzunehmen. Die kontinuierliche Kameraführung verstärkt sowohl die räumliche als auch zeitliche Nähe dessen. 

Merkmale der Sportdokumentationen 

Auch aus diesem Genre wurden Merkmale aufgegriffen, die wichtig für das Werkstück waren. In der Recherche und theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Sportdokumentationen“ hat sich schnell herausgestellt, dass dabei nicht (nur) das sportliche Ereignis im Vordergrund steht, sondern es vor allem auch um das Storytelling dahinter geht. Sportdokumentationen sind oft emotional aufgeladen und wollen das Publikum damit anstecken. Besonders wichtig ist dabei auch, dass die Athlet:innen und deren Persönlichkeiten, Emotionen und ihr Team im Vordergrund stehen. Das war ein sehr wesentlicher Punkt, der in das Werkstück eingeflossen ist. Auch dabei steht der Athlet – in diesem Fall ein Rennfahrer für das Team Proton Competition – im Vordergrund des Werkstücks und seine Gedanken und Emotionen sollten filmisch übermittelt werden. Dabei behandelt das Werkstück mit dem Thema Unfälle und die Momente vor dem „ins Auto steigen“ auch eine sehr emotional aufgeladene Angelegenheit. Dadurch wird der Motorsport nicht nur als Wettbewerb dargestellt, sondern viel mehr als Ereignis, das geprägt ist von Emotionen, Spannung und menschlichen Erfahrungen.

Ein weiteres Merkmal von Sportdokumentationen ist die Personalisierung des Sports selbst. Wie bereits in den mehreren Blogposts beschrieben wurde, werden Athlet:innen oft zu „Schauspieler:innen“ gemacht und stellen zentrale Identifikationsfiguren für das Publikum dar. Dieses Merkmal verwenden auch viele bekannte und erfolgreiche Sportdokumentationen, wie beispielsweise die Netflix Serie „Drive to Survive“. Da es in dieser Serie ebenfalls über Motorsport geht, wurde sie auch als Inspiration für dieses Werkstück verwendet. 
Zuschauer:innen interessieren sich nicht mehr nur für die sportlichen Ereignisse bzw. Ergebnisse eines Events. Vielmehr geht es ihnen um die Menschen dahinter. Die persönlichen Eindrücke, Gedanken und Gefühle des Rennfahrers Keagan Masters stehen im Vordergrund des Werkstücks. So wirkt das Video zusätzlich wie eine persönliche Geschichte, die dem Publikum von Masters erzählt wird. So wirkt er als Person viel greifbarer und das gesamte Werkstück erzeugt viel mehr Nähe bei den Zuschauer:innen. 

Ein weiterer essenzieller Teil von Sportdokumentationen ist Interviews mit beteiligten Personen – seien das nun Athlet:innen, Teamchefs oder Mitarbeiter:innen. Durch das Filmen einer One-Shot-Aufnahme war dies anfänglich etwas schwierig zum Einarbeiten, ohne dabei die Immersion zu „zerstören“ bzw. ohne, dass ihre Wirkung verloren geht. Als Lösung wurden die Originalsounds aus der Pit ebenfalls im Hintergrund gelassen und in Sprechpausen verstärkt. Dadurch bleibt die visuelle Kontinuität erhalten während gleichzeitig Informationen und Gedanken des Fahrers vermittelt werden können. So werden zwei wichtige Merkmale aus beiden Genres verbunden. 

Sportdokumentationen balancieren häufig zwischen Authentizität und Inszenierung. Es ist ein Spannungsfeld zwischen realen Sportereignissen und dramaturgischer Gestaltung bzw. Storytelling. Auch diese Merkmale zeigt das Werkstück: Es werden reale Abläufe in der Pit gezeigt, die bewusst durch das Interview in einen erzählerischen Zusammenhang gebracht werden. So wird das Publikum bewusst auf den Moment den Qualifying-Start vorbereitet. Außerdem wurde sich stark daran orientiert, dass Motorsport aus mehr als nur Autos und Geschwindigkeit besteht. Es dreht sich vieles – vor allem im sprachlichen Teil – um die psychische Belastung und emotionale/mentale Herausforderungen und Konflikte. Das gibt den Zuschauer:innen auch eine neue Perspektive auf den Motorsport.

Fazit 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Werkstück viele wichtige Merkmale beider Genres erfolgreich miteinander verbindet. Die kontinuierliche Kameraführung bringt Immersion in das Video, während typische Elemente aus Sportdokumentationen, wie beispielsweise die Identifikation mit dem Rennfahrer oder die emotionale Dramaturgie, ebenfalls eingebunden wurden. Damit setzt das Werkstück die theoretischen Grundlagen der Blogbeiträge praktisch um und beantwortet die Forschungsfrage, ob sich beide Genres verbinden lassen. Sportdokumentationen und One-Shot-Productions lassen sich durch gemeinsame erzählerische Ziele zu einem Format zusammenführen. 

Es wurden Dinge aus vergangenen Blogposts „zitiert“ und Informationen daraus bezogen. Die Quellen finden sich dementsprechend dort. Außerdem wurde dieser Text von ChatGPT korrigiert. Alle Inhalte wurden von mir selbst auf Richtigkeit und Relevanz überprüft und der Text selbst wurde von mir erstellt.

Stabilisierung von Videos – Teil 2

Systeme hinter modernen Stabilisierungsverfahren 

In der Medientechnik wird die Videostabilisierung primär in drei technologische Kategorien unterteilt: 

  1. Mechanische/Elektronische Hardware-Gimbals 
  2. Optische Bildstabilisierung (OIS) 
  3. Digitale/Softwarebasierte Videostabilisierung (EIS/Post-Processing) 

Die erste Kategorie umfasst moderne, elektronische 3-Achsen-Gimbals. Das sind sogenannte Closed-Loop Control Systems, also aktive, geschlossene Regelsysteme, die die Kamera entlang ihrer drei klassischen Rotationsachsen des Raumes stabilisiert. Das sind die Z-Achse (Pan), an der ungewollte Drehungen nach links bzw. rechts kompensiert werden, die Y-Achse (Roll), an der der Ausgleich von horizontalen Kippbewegungen stattfindet und die X-Achse (Tilt), an der Kompensationen von Bewegungen nach oben und unten erfolgen.
Dieses System funktioniert aufgrund der Basis von einer permanenten sensorischen Erfassung und gleichzeitig motorischen Gegensteuerung. Innerhalb des Sensors werden Winkelgeschwindigkeiten und Orientierungsänderungen der Kamera im dreidimensionalen Raum gemessen. Ein Mikrocontroller berechnet mithilfe eines Algorithmus und ein Fusionsverfahren (beispielsweise durch den Komplementär- oder Kalman-Filter) die Abweichungen der Position, an der die Kamera eigentlich sein sollte. Durch die vorher genannten bürstenlosen Motoren wird die Kamera im Raum inertial im Gleichgewicht gehalten, in dem diese auf allen drei Achsen gleichzeitig ein exaktes Gegendrehmoment applizieren. 

Die zweite Kategorie umfasst die optische und Sensor-Shift-Stabilisierung, auch OIS oder IBIS genannt. Sie greift direkt in dem Moment der Belichtung ein, bevor jegliche Bildinformationen den Sensor digital verlassen. Dabei gibt es ein Lens-Based OIS und die In-Body-Image-Stabilization (IBIS). Die Lens-Based OIS funktioniert durch bewegliche Linsengruppen, die im Kameraobjektiv integriert sind. Sobald deren integrierte Sensoren eine Erschütterung registrieren, verschieben kleine Elektromagneten die Stabilisierungslinse um 90 Grad zur optischen Achse. Dabei wird der einfallende Lichtstrahl so umgelenkt, dass er trotz einer (unbeabsichtigten) Bewegung trotzdem exakt auf denselben Punkt im Sensor trifft. 
Bei der IBIS ist der Bildsensor selbst mechanisch beweglich gelagert, was man den sogenannten Sensor-Shift nennt. Dabei wird der Sensor durch Aktuatoren in bis zu fünf Achsen verschoben, wodurch sich Vibrationen ausgleichen. 

Die letzte und dritte Kategorie ist die digitale bzw. Software-basierte Videostabilisierung, auch EIS (Electronic Image Stabilization ) genannt. Sie arbeitet auf algorithmischer Ebene und funktioniert entweder in Echtzeit oder nachträglich in der Post-Production. In Echtzeit kann sie auf den Bildprozessor (ISP) durchgeführt werden, während sie nachträglich beispielsweise durch Softwares angewendet werden kann. Unabhängig davon funktioniert die EIS immer durch eine dreistufige Abfolge. Zuerst erfolgt eine Bewegungsschätzung des unstabilen Videos, in dem Trajektorien erkannt werden. Die realen Bewegungen der Kamera werden zwischen aufeinanderfolgenden Frames mathematisch modelliert. Dazu werden entweder das feature-basierte Tracking durch markante Punkte im Bild oder der optische Fluss, wobei für Pixel ein Verschiebungsvektor bestimmt wird, verwendet. Danach erfolgt die Bewegungsglättung durch die Trennung von Rauschen und intentionaler Bewegung. Ziel ist es, eine glatte Trajektorie zu generieren, was durch mathematische Filterverfahren, wie den Kalman-Filter, passiert. Als drittes wird das Bild formiert und geometrische sowie beschneidende Korrekturen vorgenommen, um am Ende ein fertiges Video zu haben. Dafür wird auf jeden Frame eine kompensierende geometrische Transformation angewendet, die den Frame entgegen der Störbewegung verschiebt oder rotiert. Dadurch entstehen oft Löcher an den Rändern des Bildes, weshalb es ebenfalls beschnitten und anschließend wieder auf die Zielauflösung skaliert werden muss.

Die Wahl des Stabilisierungsverfahrens: Vor- und Nachteile 

Die Wahl des perfekten Stabilisierungsverfahrens ist oft schwer zu treffen und bringt meist Kompromisse mit sich – sei es nun technisch, physikalisch oder algorithmisch. 

Die Stabilisierung durch mechanische bzw. elektronische Gimbals bringt die Vorteile einer vollen Sensorenauflösung, keine algorithmischen Bildartefakte und die Kompensation von extrem weiten Bewegungsradien mit sich. Gleichzeitig haben sie den Nachteil eines hohen physischen Gewichts und viel Platzbedarf, sowie Akkuabhängigkeit oder (bei Drohnen) eine Anfälligkeit gegen Windlasten. 

OIS oder IBIS funktioniert direkt bei der Akquisition, eignet sich perfekt für Low-Light-Aufnahmen und es gibt keinen Auflösungsverlust. Allerdings hat man dabei einen physikalisch limitierten Bewegungsspielraum der Linse bzw. der Sensoren. Zusätzlich können starke bzw. hochfrequente Erschütterungen oft nicht vollständig kompensiert werden. 

Digitale Stabilisierungen erfordern keine zusätzliche Hardware, sind extrem flexibel in der Post-Production anpassbar und kostengünstig integrierbar. Allerdings gibt es den Bildbeschnitt sowie oft einen Qualitätsverlust. Gleichzeitig werden falsche Konfigurationen erzeugt, die das Bild trotzdem wabern bzw. wackeln lassen. Ein weiteres zentrales Problem der reinen Software-Stabilisierung ist das Auftreten von Bewegungsunschärfe. Durch das Zittern der Kamera bei der Aufnahme wird direkt in den Frame eine Unschärfe „eingebrannt“. Die Software-Algorithmen können den Frame zwar geometrisch richtig ausrichten, die Bewegungsunschärfe innerhalb bleibt jedoch bestehen. Dies kann zu unnatürlichen Bildern führen. Modernere Ansätze kombinieren deshalb oft OIS mit EIS.

Fazit 

Die Videostabilisierung hat sich über die Jahre durch Ingenieure, Mathematik und Digitalisierung stark weiterentwickelt. Auch in Zukunft soll viel weiter in diesem Bereich geforscht werden. Sowohl in dem Segment des Deep Learnings als auch in integrierten Kamerasensoren wird viel weiterentwickelt. Außerdem ist die Videostabilisierung ein weitaus komplexeres System als man denken könnte.  

Quellen

Awad, O. J. (2020). Image stabilization for video productions: A survey about technologies and methods for counteracting blurry footage (Bachelorarbeit, Fachhochschule St. Pölten).

Cardani, B. (2006). Optical image stabilization for digital cameras. IEEE Control Systems Magazine, 26(2), 21–22. https://doi.org/10.1109/MCS.2006.1611130

Digital Kamera. (2019). Vor- und Nachteile verschiedener Stabilisierungsverfahren bei Videos. digitalkamera.de. https://www.digitalkamera.de/Fototipp/Vor-_und_Nachteile_verschiedener_Stabilisierungsverfahren_bei_Videos/11275.aspx?page=2

Guilluy, W., Oudre, L., & Beghdadi, A. (2021). Video stabilization: Overview, challenges and perspectives. Signal Processing: Image Communication, 90, Article 116015. https://doi.org/10.1016/j.image.2020.116015

Magix. (o. D.). Video stabilisieren in der Postproduktion. Magix Software. https://www.magix.com/at/videos-bearbeiten/postproduktion/video-stabilisieren/

de Souza, M. R., de Almeida Maia, H., & Pedrini, H. (2022). Survey on digital video stabilization: Concepts, methods, and challenges. ACM Computing Surveys, 55(3), 1–37. https://doi.org/10.1145/3494525

Wang, Y., Huang, Q., Jiang, C., Liu, J., Shang, M., & Miao, Z. (2023). Video stabilization: A comprehensive survey. Neurocomputing, 516, 205–230. https://doi.org/10.1016/j.neucom.2022.10.021

Yu, J., & Ramamoorthi, R. (2020). Learning video stabilization using optical flow. In Proceedings of the IEEE/CVF Conference on Computer Vision and Pattern Recognition (CVPR) (S. 8759–8767). Computer Vision Foundation.

Zhao, M., & Ling, Q. (2020). PWStableNet: Learning pixel-wise warping maps for video stabilization. IEEE Transactions on Image Processing, 29, 3582–3595. https://doi.org/10.1109/TIP.2020.2963952

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