Ein Kinderbuch zu schreiben ist eine große Herausforderung, weil Kinder sehr dankbare aber auch sehr kritische Zuhörer:innen sind. Wenn sie eine Geschichte langweilig finden zeigen sie es sofort und lehnen diese ab. Jedoch können starke Held:innen ihre Kindheit sehr beeinflussen. Diese Figuren und Geschichten können ein Leben lang im Gedächtnis der Leser:innen bleiben. Damit Kinder wirklich gefesselt werden, braucht es bewundernswerte Charaktere, spannende Handlungen und eine lebendige Sprache. Man kann sagen, dass ein Kinderbuch zu gestalten gleich anspruchsvoll ist wie einen Roman für Erwachsene zu schreiben.
Im heutigen Blog gehe ich auf ein paar Punkte ein, auf die man beim Gestalten eines Kinderbuches achten sollte:
*Für welches Alter wird das Kinderbuch geschrieben?
Zu Beginn ist es wichtig sich die Frage zu stellen, für welches Alter das Kinderbuch gedacht ist. Davon ausgehend wird entschieden, welches Thema, Sprache, Textlänge und Anzahl der Bilder gewählt werden. Denn 6-Jährige wollen andere Geschichten erleben als 8-Jährige. Je älter die Kinder sind, desto komplexer kann die Sprache sein und Texte können länger werden und Bilder werden weniger wichtig.
Standard Altersgruppen für Kinderbücher:
0–2 Jahre: Bilderbücher für die Kleinsten
3–5 Jahre: Bilderbücher
6–7 Jahre: Vorlesebücher und Erstlesebücher
8–11 Jahre: Kinderromane
Ab 12 Jahren: Jugendromane
Die Altersangaben bei Kinderbüchern passen nicht immer genau zu den individuellen Interessen und Fähigkeiten der Kinder, bieten für Eltern und junge Leser:innen aber eine hilfreiche erste Orientierung. Auch Verlage und Buchhandlungen nutzen diese Einteilung als Richtwert und beurteilen Bücher dann nach Thema, Textlänge und Bildanteil. Es gibt aber auch Bücher, welche nicht eindeutig in eine Altersgruppe passen. Je nachdem wie bekannt ein:e Autor:in ist dürfen die Altersangaben variieren. Daher sollte sie bei unbekannten Namen genauer sein, weil sie für Eltern ein wichtiger Entscheidungspunkt beim Kauf sind.
*Sprache von Kinderbüchern
Die Sprache von Kinderbüchern passt sich dem Alter genau an. Für jüngere Kinder, bis ungefähr fünf Jahre sind Bilderbücher in einfacher Sprache gehalten, mit kurzen Sätzen und klaren Wörtern geschrieben. Zudem werden hier Reime, Geräusche, Wortwiederholungen und neue Wortschöpfungen vermehrt eingesetzt.
Vorlesebücher ab sechs Jahren werden beispielsweise inhaltlich und sprachlich etwas komplexer, weil sie von Erwachsenen vorgelesen werden.
Erstlesebücher sind für Kinder, die die Geschichte schon selbst lesen und müssen sich daher stark an deren Kenntnissen orientieren. Diese Texte sind kurz und einfach gebaut, weil Erstleser:innen noch sehr langsam lesen. Hier ist es vor allem wichtig, dass jeder Satz interessant, spannend oder witzig ist, damit die Freude und Interesse am Lesen erhalten bleiben.
Bücher ab acht Jahren werden herausfordernder, jedoch werden auch hier schwere Wörter oder anspruchsvollere Satzstellungen vermieden. Jugendromane nähern sich schon der Erwachsenenliteratur an. Sprachlich ähneln sie schon sehr erwachsenen Romanen und fokussieren sich daher auf ein umfangreicheres Publikum.
*altersgerechte Themen für Kinderbücher
Kinderbücher fokussieren sich inhaltlich auf die jeweiligen Interessen ihrer Leser:innen. Bereits kleine Altersunterschiede haben einen großen Einfluss darauf, welche Themen aufgegriffen werden, da sie sich an den unterschiedlichen Entwicklungsständen der Kinder orientieren.
Beispiele dafür:
- Gute Nacht Geschichten
- Mut mach Bücher
- Körperhygiene
- Schulgeschichten
- Pferdegeschichten
- Problemthemen
- Freundschaften
- Scheidung, Patchwork Familie, Hochzeit
- Älter werden
- Krankheiten, Tod, Hass
- Weihnachten, Ostern
- Urlaub
- Geburtstag
Für jüngere Kinder werden oftmals vertraute Alltagssituationen, wie beispielsweise Essen, Zähneputzen, Gefühle oder schlafen thematisiert. Wobei mit zunehmendem Alter Themen wie Freundschaften, Schule, Freizeit oder Ferien interessant werden. Grundsätzlich gibt es wenig Themen, die nicht kindergerecht aufgefasst werden können. Wenn ein Buch sich mit komplexen Inhalten beschäftigt, werden meistens Lösungsvorschläge beschrieben, welche Kinder stärken können. Dabei sollen diese Bücher aber nicht zu belehrend sein. Ab acht Jahren werden in Kinderromanen zunehmend genrespezifische Themen aufgefasst, wie zum Beispiel Abenteuer, Detektivgeschichten oder Fantasiegeschichten. Bei Jugendbüchern hingegen werden sehr ähnliche Themen wie bei der Erwachsenenliteratur verwendet, wie Identitätsfragen, Beziehungen oder Freundschaften.
*Umfang von Kinderbüchern
Bilderbücher, Kinder- und Jugendbücher unterscheiden sich stark in ihrem Umfang, der immer angepasst an die Altersgruppe ist. Bei kleinen Kindern ( 0-2 Jahre) haben die Bücher meistens wenig Seiten mit eindeutigen Bildern und wenig beziehungsweise keinem Text. Dadurch können erste Wörter gelernt werden. Bei 3 bis 5-Jährigen werden ungefähr 24 bis 30 Seiten gestalten, welche mit kurzen Texten und begleitenden Bildern eine Geschichte erzählen. Die Gesamtlänge liegt hier meistens bei unter 10.000 Zeichen. Vorlesebücher haben hier schon mehr Text und haben ungefähr 50 bis 100 Buchseiten mit 40.000 bis 120.000 Zeichen. Kinderromane haben noch mehr Seiten, um die 100 bis 150 Seiten, während Jugendbücher oft schon ähnlich wie Erwachsenenbücher mit 250 bis 350 ungefähr sind.
Nochmal ein kurzer Überblick:
- 0-2 Jahre, Bilderbücher: 6 bis 12 Seiten, kaum/kein Text, einfache Bilder
- 3-5 Jahre, Bilderbücher: 24 bis 30 Seiten, wenig Sätze, komplexere Bilder (können Doppelseite sein)
- 6-7 Jahre, Vorlesebücher: 70 bis 130 Seiten, längere Texte (80 Normseiten Text), komplexere Bilder
- Ab 8 Jahren, Kinderromane: 100 bis 200 Seiten (100-150 Normseiten), keine Bilder, schwarz-weiß
- Ab 12 Jahren, Jugendromane: Umfang wie bei Erwachsenenbüchern, keine Bilder
Weils so spannend ist gibts Part 2 in einem weiteren blogpost 😉 stay continued
Huesmann Anette (2022): Kinderbuch schreiben. In: Die Schreibtrainiern. https://www.die-schreibtrainerin.de/kinderbuch-schreiben/ (zuletzt abgerufen am 10.1.2026)