9. Dark Patterns: Wenn Design zur Dopamin-Falle wird

Aber unter was leiden Menschen mit ADHS überhaupt und was hat das mit Design zu tun? In meinem zweiten Blogpost habe ich beschrieben, wie das ADHS-Gehirn nach Dopamin sucht und oft erst unter extremem Druck handlungsfähig wird. Dieses Wissen über neurologische Prozesse ist mächtig und wie jede Form von Macht kann sie missbraucht werden. In der Tech-Industrie gibt es dafür einen Begriff: Dark Patterns. Das sind Design-Strukturen, die darauf ausgelegt sind, Nutzer zu Handlungen zu verleiten, die sie eigentlich nicht wollen. .

Für Neurodivergente Menschen sind diese Muster sehr ärgerlich. Sie sind eine Form der digitalen Barrierefreiheit im Rückwärtsgang, sie nutzen nämlich die neurologische Veranlagung aus, aber ins negative.

Die Slot-Machine im Handy

Warum ist es so schwer, TikTok pder Instagram nach fünf Minuten wieder zu schließen? Der Grund liegt in einem psychologischen Mechanismus namens Variable Reward Schedule Das Gehirn schüttet am meisten Dopamin aus, wenn eine Belohnung unvorhersehbar ist. Jedes Mal, wenn wir den Feed nach unten ziehen („Pull-to-Refresh“), ist das wie der Hebel an einem Spielautomaten. Kommt jetzt ein lustiges Video? Eine spannende Nachricht? Oder nur Werbung?

Dieses Prinzip trifft neurodivergente Menschen besonders hart. Da das interne Belohnungssystem ohnehin dysreguliert ist, reagieren wir viel stärker auf diese kleinen, schnellen Dopamin-Kicks. Wir geraten in einen „Zustand des Suchens“, aus dem die Exekutivfunktion uns nicht mehr so leicht rausholen kann. Wir wollen aufhören, aber der präfrontale Kortex, unsere interne Bremse ist gegen das hormonelle Feuerwerk, was diese ständigen Dopmaninkicks auslöst, des Belohnungszentrum quasi machtlos.

Dazu habe ich mir mal die Dark Patterns im Detail angeschaut.

1. Der Infinite Scroll

Ursprünglich als Komfort-Feature gedacht, ist der endlose Feed heute eines der effektivsten Werkzeuge zur Aufmerksamkeits-Extraktion. Er eliminiert den sogenannten „Stop-Signal“-Effekt. In der analogen Welt signalisiert uns das Ende einer Zeitungsseite oder das Kapitelende eines Buches: „Hier kannst du eine Pause machen.“ Im digitalen Design wird dieser Moment künstlich entfernt. Für Menschen mit ADHS, die ohnehin Schwierigkeiten mit der Zeitwahrnehmung (Time Blindness) haben, verschwinden so viel zu schnell zu viel Zeit darin.

2. Künstliche Verknappung und die FOMO-Falle

„Nur noch 2 Stunden verfügbar!“, „3 andere Personen schauen sich diesen Artikel gerade an.“ Diese Einblendungen erzeugen künstlichen Stress. Stress führt zur Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin, was wiederum, wie wir auch schon beim Deadline Dopamin gelernt haben, das Gehirn in einen Tunnelblick-Modus versetzt. Neurodivergente Menschen, die oft mit Impulskontrolle kämpfen, treffen unter diesem künstlichen Druck Kaufentscheidungen, die sie später bereuen.

3. Der „Daily Streak“

Apps wie Duolingo oder Snapchat nutzen Streaks, um Nutzer:innen zur täglichen Rückkehr zu zwingen. Was wie Gamification aussieht, ist oft psychologischer Druck. Für jemanden mit exekutiver Dysfunktion kann das Versäumen eines Tages zu Schuldgefühlen oder Scham führen, was dazu führt, dass die App entweder zwanghaft genutzt oder aus Frust über das Scheitern komplett gelöscht oder einfach nicht mehr benutzt wird. Es gibt keinen Raum für einen schlechten Tag oder einen Pause Tag. Manchmal ist es sogar so weit, dass Apps dich dazu bringen 3 “viruelle Münzen” zu kaufen, ein paar Münze bekommt man natürlich kostenlos und wenn man keine mehr hat ploppt sofort ein angebot auf mit “Jetzt 10 Münzen kaufen dann kannst du dein Streak einfrieren und eine Münze kostet dann aber echte 2€, was natürlich auch wieder manipuliert. An dieser Stelle lösche ich die Apps meistens komplett, dann wird wohl keine neue Sprache über Duolingo gelernt, weil mich die ständigen Erinnerungen und aufploppen und sonstiges einfach viel zu sehr nervt.

Der Gegenentwurf: Neuro-Ethisches Design

Als Designer tragen wir auch stückweit die Verantwortung für die mentale Gesundheit unserer User. In Los Angeles beginnt jetzt einer von einigen anstehenden Prozessen gegen Social-Media-Konzerne. Es geht um deren Mitverantwortung für psychische Probleme von jugendlichen Nutzern.

Inklusion bedeutet hier, das Gehirn nicht zu manipulieren, sondern es zu unterstützen. Was wäre das Gegenteil von Dark Patterns?

  • Eingebaute Haltepunkte: Statt Infinite Scroll könnten wir „Load More“-Buttons nutzen oder nach einer gewissen Zeit eine sanfte Erinnerung einbauen: „Du bist seit 20 Minuten hier. Möchtest du eine Pause machen?“
  • Transparente Benachrichtigungen: Statt eines vagen roten Punktes sollte eine App genau sagen, was passiert ist. „Anna hat dein Foto kommentiert“ erlaubt es mir, die Relevanz einzuschätzen, bevor ich die App öffne.
  • Vergebendes Design: Inklusive Gamification würde „Pause-Tage“ erlauben oder Streaks nicht sofort auf Null setzen, wenn das Leben (oder die Exekutivfunktion) dazwischenkommt.

Fazit: Ethik ist kein Feature, sondern das Fundament

Wir müssen aufhören, Engagement-Metriken (wie Verweildauer oder Klickraten) als den alleinigen Erfolg eines Designs zu sehen. Wenn ein Design nur deshalb „erfolgreich“ ist, weil es die neurologischen Schwächen einer Person ausnutzt, dann ist es ethisch gescheitert.

Echtes neuro-inklusives Design bedeutet, die Autonomie der Nutzer:innen zu respektieren. Wir sollten Werkzeuge bauen, die Menschen helfen, ihre Ziele zu erreichen und nicht Produkte, die Menschen dazu benutzen, die Ziele von Werbealgorithmen zu erfüllen. Es ist Zeit für eine digitale Welt, in der wir uns nicht ständig gegen unser eigenes Gehirn wehren müssen.

Quellen & Referenzen

Note: This text was developed with the assistance of artificial intelligence for research purposes and to refine the linguistic clarity and flow of the final draft.

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