Der Trailer mal anders

(Ja es wird wieder wissenschaftlich)

Kein anderes Werbemittel für einen Film ist so effektiv wie der Tailer. In Hollywood Produktionen macht dieser nur wenige Prozent des gesamten Werbebudgets aus, tragt aber massiv – bis zu 30% – zum Einspielergebnis bei. [1]

Ein Trailer ist auch sehr effektiv dabei, Lust auf einen Film zu machen. Er zeigt Ausschnitte, Musik, grafische Elemente, Schauspieler:innen und Sprecher:innenstimmen, damit Zusehende einen Einblick bekommen. Diese kurze Version des Filmes verrät jedoch nicht die ganze Handlung. Vielleicht werden Fragen aufgeworfen, Mysterien gezeigt, jedoch nicht aufgelöst. Ein guter Trailer erweckt das Verlangen im Zuseher diese Wissenslücken zu schließen und sich den Film anzusehen. Manche Trailer enden mit einem Cliffhanger, einem Witz oder einer Actionszene. Besonders das Ende ist ausschlaggebend. Je „bombastischer“ das Ende eines Trailers, desto positiver wird sich daran erinnert. [2]

Es gibt auch andere Arten von Trailer. Auch viele Games werben mit Previews. Dabei wird aber selten das eigentliche Gameplay gezeigt, als eher eine Filmsequenz, die die Story und das Gefühl des Spieles rüberbringen soll. (Ich möchte hierbei aber zwischen diesen lästigen Werbeschaltungen von Handyspielen absehen und spreche in weiterer Folge von nicht kostenfreien Games, wie etwa für Konsolen oder Computer.)

Die Trailer von Games sind eigentlich richtige Lügner. In manchen Game-Trailern werden vermeintlich Szenen aus dem Game gezeigt, die so jedoch nie vorkommen. Klar, das führt zur Frustration, wenn Erwartungen der Käufer:innen nicht getroffen werden. Andererseits wirkt so ein Story-Trailer viel aufregender, als 2 Minuten pures Gameplay. Beim Bewerben eines Produktes geht es darum ein Gefühl zu vermitteln, Emotionen anzuspielen. Und diese werden durch Storyelemente am besten angesprochen. [2]

Und dann wäre da auch noch der Buch-Trailer. Ein etwas weniger verbreitetes und recht neues Medium. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden im deutschsprachigen Raum circa 10 Buchtrailer veröffentlicht. Nur 5 Jahre später waren es bereits 500. [3] Dieser rasante Anstieg zeigt, dass das Prinzip des Trailers „in kurzer Zeit viel Emotion und Inhalt vermitteln“ sehr gut funktioniert, auch jenseits der Kinoleinwand. Der Trailer ist ein Werkzeug der Aufmerksamkeit.

Und wo ist Aufmerksamkeit noch wichtig? In der Schule. Wie wäre es also das Prinzip eines Trailers dafür einzusetzen Spannung, Erwartung und Emotion in den Unterricht zu bringen?

Der didaktische Trailer

Warum sollte der Trailer mit all seiner Funktion nur als Werbemittel betrachtet werden? Wenn es Buchtrailer gibt, warum nicht auch Schulbuch-Trailer, die den Ruf der Schullektüre aufwerten und modernisieren? Ein Trailer komprimiert Inhalte und verpackt sie in eine emotional aufgeladene Form. Genau das, was im Unterricht Herausforderungen darstellt: Aufmerksamkeit und Motivation erwecken.

Ein Trailer, in solch einer Form, wie oben im Text beschrieben, kann laut seiner eigenen Definition inhaltlich nicht komplette Fachkapitel abdecken, könnte aber einen humorvollen oder spannenden Einstieg in ein Thema bieten. Ein Trailer für das nächste Kapitel im Biologiebuch könnte die Stimmung heben und die Einstellung der Schüler:innen auf das Lernen bessern.

Dabei kann auf das oben genannte „Kochrezept“ eines guten Trailers zurückgegriffen werden: Offene Fragen und Mysterien, Humor, actionreiche Szenen und am Ende ein Cliffhanger.

Didaktisch spannend kann der Trailer dann werden, wenn Lernende selbst ihn gestalten müssen. Denn beim Gestalten entstehen gleich mehrere Lernkompetenzen:

  • Priorisierung und Vereinfachung der Inhalte
  • Zusammenhänge müssen verstanden werden
  • Kommunikation und Sprachkenntnisse. [4]

Warum Bildung Spannung braucht

Lernen braucht Emotion. Neurowissenschaftlich gesehen werden Inhalte, die mit Emotionen, Spannung, Humor oder Überraschung verknüpft werden tiefer verarbeitet. Dadurch kann sich auch besser daran erinnert werden. [4]

Trailer zielen genau das an. Sie erzeugen Vorfreude und einen inneren Drang nach Auflösung. In der Didaktik nennt man das eine „motivationale Aktivierung“ – ein Faktor, der nachhaltig das Lernen verbessert. [5]

Der Trailer macht also sichtbar, was der Unterricht versucht: Aufmerksamkeit herstellen. Dies jedoch viel gezielter und dadurch äußerst effektiv. Ob nun als Einstieg in ein neues Unterrichts-Kapitel, als Projektaufgabe, als Präsentation oder als Lernstrategie: Ein Trailer vereint das Lernen mit Kommunikation, Kreativität und Spannung.

So gesehen ist ein Trailer das Miniaturformat des eigentlichen Lernens: Ein Versprechen auf das Verstehen.

Quellen

  1. Hediger, Vinzenz: Der Trailer, das Schlüsselelement jeder Filmwerbekampagne. In: Hediger, Vinzenz; Vonderau, Patrick: Demnächst in Ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung. Marburg: Schüren 2005, S. 272-281.10.25969/mediarep/12039
  2. Dirkes, Jonas (2020): Warum Trailer uns faszinieren – Alles zu den Mini-Previews. In: ingame, Warum Trailer faszinieren. Alles zu den Mini-Previews (zuletzt abgerufen am 29.12.2025)
  3. Wikipedia. Die freie Eneklopädie (3.6.2025), Buchtrailer, https://de.wikipedia.org/wiki/Buchtrailer (zuletzt abgerufen am 29.12.2025)
  4. Immordino‑Yang, Mary Helen; Damasio, Antonio: We Feel, Therefore We Learn: The Relevance of Affective and Social Neuroscience to Education.  Mind,BrainandEducation 2007, 1(1), 3–10.
  5. Krapp, Andreas. Interesse, Motivation und Lernen: Neue Entwicklungen der pädagogisch‑psychologischen Interessenforschung. Beltz 2010.
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