- Autorin: Mirjam Domig
- Institution: Fachhochschule Vorarlberg (Studiengang InterMedia / Design)
- https://opus.fhv.at/frontdoor/deliver/index/docId/5485/file/Mirjam_Domig_Masterarbeit_2024.pdf
1. Vorstellung der Masterarbeit
Überblick & Werkstück: Die Arbeit erforscht die Auswirkungen von Stadtgestaltung auf die Sicherheit und Wahrnehmung von Frauen im öffentlichen Raum. Sie beschreibt folgende Forschungsfrage:
Wie kann das Wohlbefinden von weiblich gelesenen Personen im öffentlichen Raum durch das Sichtbarmachen von weiblichen Biografien gesteigert werden?
Das im Rahmen der Arbeit entstandene Werkstück ist eine Plakatserie, die das Narrativ verschiedener Frauen im öffentlichen Raum aufbereitet.
2. Bewertung der wissenschaftlichen Qualität der Masterarbeit
2.1. Gestaltungshöhe:
Die Arbeit zeigt sowohl strukturell als auch ästhetisch hohe gestalterische Fähigkeiten auf. Es beginnt schon bei dem hoch ästhetisch gestalteten Cover, das in minimalistischer Form das Thema auf den Punkt bringt. Das Inhaltsverzeichnis ist klar strukturiert, die Kapitel sind es ebenso. Das Design agiert nicht nur als Dekoration, sondern bringt die nötige Struktur in die doch recht langen Texte.
2.2. Innovationsgrad:
Der Innovationsgrad ist ziemlich hoch. Die Kombination von participatory design / feministischem Urbanismus und visueller Kommunikation verbindet das Fachgebiet der Gender Studies mit urbaner Raumgestaltung. Zwei Themengebiete, die eigentlich nicht oft miteinander im Kontext stehen.
2.3. Selbstständigkeit:
Die Autorin stützt sich viel auf bereits bestehende feministische Literatur und erhebt keine eigenen Daten zu den Gender Studies. Sie wendet diese Literatur jedoch selbst im Rahmen qualitativer Interviews an und nimmt die Ergebnisse her, um damit ein eigenständiges Entwurfskonzept zu gestalten.
2.4. Gliederung und Struktur:
Total klar und schlüssig aufgebaut. Der theoretische Teil (Gender & Raumgestaltung) führt logisch zur empirischen Datenerhebung (Interviews mit Frauen), welche wiederum direkt die Basis für die gestalterische Ausarbeitung des Werkstücks ist.
2.5. Kommunikationsgrad:
Der Schreibstil ist on point – genau richtig gewählt für diese Art der akademischen Literatur. Die Fachterminologie rund um die Gendersprache wird konsistent eingesetzt. Schon im Einleitungskapitel wird genau erklärt, was in der Arbeit zu erwarten ist und diese Versprechungen werden auch eingehalten. Alles ist klar verständlich und auch gut und nachvollziehbar dokumentiert.
2.6. Umfang der Arbeit:
Mit ca. 150 Seiten ist die Arbeit recht umfangreich. Theorie, Empirie und der gestalterische Praxisteil kommen in einem guten Verhältnis zueinander vor. Mir würde kein Kapitel oder Unterkapitel einfallen, das zu viel oder zu wenig vorhanden ist. Alles ist da, alles ist gut beschrieben und begründet.
2.7. Orthographie sowie Sorgfalt und Genauigkeit:
Wie bereits in den anderen Unterkapiteln erwähnt: Formal ist alles vorhanden und absolut ausreichend. Das visuelle Layout wirkt äußerst professionell und gefällt mir persönlich sehr gut. Im Anhang sind – was ich auch sehr gut finde – die eingescannten Fragebögen der Teilnehmenden vorhanden.
2.8. Literatur:
Ich habe die Quellen im Literaturverzeichnis nicht alle gezählt, doch es sind einige, was für eine gute Literaturrecherche spricht. Es sind einige Internetquellen dabei, doch die Mehrheit bilden Bücher und Artikel. Einige davon sind aus den 90ern, die meisten sind recht neu und aktuell. Die Quellen sind auch eine gute Mischung aus Stadtsoziologie über Design-Theorien und Gender Studies.
3. Bewertung des Werkstücks
- Verbindung von Forschungsfrage, Theorie und Praxis:
Die Forschungsfrage „Wie lässt sich durch gestalterische Interventionen die Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Angsträumen für Frauen verändern?“ wird theoretisch in den Literaturkapiteln aufgearbeitet und hergeleitet und im Werkstück praktisch und nachvollziehbar umgesetzt.
- Nachvollziehbarkeit der Dokumentation:
Das Werkstück ist durch Prozessskizzen, Interview-Transkripte und Entwürfe gut dokumentiert. Die Arbeitsschritte sind gut nachvollziehbar. Auch vorangegangene Designs, die gar nicht für das Endprodukt genommen wurden, werden gezeigt und auch beschrieben.
- Anforderung an eine Masterarbeit:
Das Werkstück erfüllt die Anforderungen vollkommen. Es geht über einen rein dekorativen Entwurf hinaus, weil es die Forschungsfrage wirklich gut bearbeitet. Es verfolgt einen evidenzbasierten Design Research Ansatz.
4. Abschließendes Fazit
- Stärken: Die Gestaltung ist hervorzuheben. Jene des Werkstücks, aber auch der Arbeit selbst. Die Forschungsfrage ist relevant und gut fundiert. Strukturell ist alles da, was eine Masterarbeit braucht. Die Arbeit ist übersichtlich und nachvollziehbar.
- Schwächen: Man hätte das fertige Werkstück vielleicht noch mehr testen können. Dies ist natürlich schwer umsetzbar, da das Ziel der entstandenen Plakatserie ist, im öffentlichen Raum ausgestellt zu werden. Vielleicht hätte man hier aber irgendwo eine Plakatwand leihen können (oder mieten), um eine Langzeitstudie durchzuführen.
- Gesamtbewertung: Hervorragende (Note 1 / Sehr Gut) wissenschaftlich-gestalterische Arbeit.
5. Nutzen für die eigene Abschlussarbeit
- Was man übernehmen kann: Ich werde mir auf jeden Fall was bei der Gestaltung und dem Layout der Arbeit abschauen. Außerdem vorbildhaft ist die gute Umsetzung der Literatur im praktischen Teil. Die empirische Methodik ist auch sehr gut und für das Thema perfekt gewählt.
- Was man anders/besser machen könnte: Das finale Werkstück zusätzlich einem abschließenden Nutzertest unterziehen, um die Wirksamkeit des Werkstücks zu belegen.







