Während dem Zeichnen meines Charakters (siehe letzter Blogpost #5) fiel mir auf, dass ich stehts versuchte keine allzu geschlechterspezifischen Merkmale zu verwenden. Dies mag damit zu tun haben, dass ich überlege diesen Charakter für spätere Erklärvideos – vielleicht für die Masterarbeit – einzusetzen bzw. zu recyceln. Wie in Blogpost #2 erwähnt möchte ich mich in meiner Masterarbeit dem Thema „gendersensitive Wissenschaftskommunikation“ annehmen. Nicht nur mir dürfte aufgefallen sein, dass der männliche Körper noch immer als Norm angesehen wird. Das zieht sich durch alle Branchen und Bereiche des Lebens: In der Herstellung von Autos (Crash-Dummies mit männlichem Norm-Maß), in der Medizin (Angaben auf Packungsbeilagen sind meist auf den männlichen Körper genormt), in der Gesellschaft (selbsterklärend, sonst gäbe es keinen Feminismus), und letztendlich auch in der Didaktik. Letztes Semester habe ich ja Erklärvideos angeschaut und festgestellt, dass auch darin der männliche Körper als Norm dargestellt wird.
Ich denke, ich muss jetzt keine Studien hervorholen, um die Aussage treffen zu dürfen: Repräsentation ist wichtig, sogar lebenswichtig. Und eine unterrepräsentierte Menschengruppe – ja sogar noch weniger dargestellt als nicht sexualisierte Frauen – sind Personen, die sich nicht dem heteronormativen binären Geschlechtermodell unterwerfen.
Ich habe einmal gegoogelt und mich auf die Suche nach bekannten nicht-binären Charakteren gemacht. Und um ehrlich zu sein: Das Ergebnis war ernüchternd.
Hier zu den Listen:
Klar, beim ersten Hingucken in diese Auflistungen wirkt die Anzahl an Charakteren hoch, jedoch verglichen mit binären und auch heteronormativen Charakteren in allen gesammelten Medien, ist die Liste viel zu kurz. Was besonders auffällt: Die meisten der Charaktere sind Nebencharaktere und nehmen wahrscheinlich oft die Funktion des „Quoten-Queers“ ein. Sehr viele der aufgelisteten Charaktere sind auch Kreaturen bei denen eine binäre Einteilung von Natur aus keinen Sinn ergibt. Zu den bekannteren nicht-binären Charakteren aus Realverfilmungen (die ich auch kenne und bewerten kann) zählten z.B. Loki (jener wird aber z.B. in den Marvel Filmen und der Serie von einem weißen heteronormativem Schauspieler verkörpert und benutzt he/him Pronomen), dann gibt es den Doktor aus Doctor Who (wechselt zwar immer die Erscheinung und in den letzten Staffeln auch das Geschlecht, wird jedoch immer je nach Schauspieler/in klar binär dargestellt), und Lucifer aus The Sandman von Neil Gaiman (wobei ich mir unsicher bin, ob dieser Charakter besonders bekannt ist, es ist auch bloß ein Nebencharakter). Letzterer ist für mich einer der einzig guten nicht-binären Charaktere in Realverfilmungen, wo das Konzept „nicht-binär“ vollends durchgezogen wurde – von der Kleidung, über Make-Up bis hin zur Stimme.
Nun stellte ich mir die Frage: Auf was muss ich eigentlich achten, wenn ich einen nicht-binären Charakter zeichnen will? Und wie funktioniert das überhaupt? Der Mensch ist so darauf gedrillt das Geschlecht anderer Menschen anhand von vielen verschiedenen Merkmalen zu erkennen. Geschlecht ist auch eines der Merkmale, die beim Treffen auf eine fremde Person als erstes erkannt werden.
Doch nach welchen Regeln legen wir das Geschlecht einer Person fest? Wie können wir ein weibliches von einem männlichen Gesicht unterscheiden?
Grundsätzlich ist jedes Gesicht anders, jedoch gibt es spezielle Merkmale, die wir als typisch männlich oder typisch weiblich klassifizieren. Z.B. Haare: Männer tendieren dazu ihr Haar meist kürzer zu tragen, als Frauen. Auch die Gesichtsform ist ausschlaggebend. Männer haben in der Regel größere und kantigere Gesichter. Der Kiefer ist breiter, das Kinn markanter, die Wangenknochen eckiger. Frauen haben meist schmalere und rundere Gesichter, vollere Lippen und größere Augen. Auch markant sind die Augenbrauen: Diese sind bei Männern oft dicker und kantiger. [1]
Der Clou, um beim Zeichnen zu einem Androgynen Gesicht zu gelangen: Man kombiniere all diese Merkmale. Oder wie es eine Person im Reddit-ähnlichen Chat-Forum „Quora“ beschreibt: „It’s all about mixing up things that are characteristically of males and females.
Try to draw a face with a big nose (which is usually male) and almond eyes (which are usually female). Draw one with rounded corners (female) and flat cheekbones (male). Combine things. Its fun.
This applies to clothing too. Draw them in a suit with nail polish, high heels and cargo pants, etc.“ [2]
Ich möchte meinen Charakter nun doch nicht enthalten: Hier habe ich versucht typisch männliche und weibliche Attribute zu kombinieren – ihr könnt selbst entscheiden, ob mir dies gelungen ist oder nicht…

Quellen:
1: Peters, Nastasia (30.08.2013): Die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Porträts. In: Envato Tuts+, https://design.tutsplus.com/de/articles/the-differences-between-male-and-female-portraits–vector-14954 (zuletzt abgerufen am 08.07.2026)
2: Nat (2019) über „Quora“, https://www.quora.com/How-do-I-draw-a-character-to-look-non-binary (zuletzt abgerufen am 08.07.2026)