Schulbuchliteratur wird von Expert:innen geschrieben, von Lehrpersonen, Wissenschaftler:innen, Professor:innen. Jugendliche und Kinder sind einem Unterricht ausgesetzt, der von Personen gestaltet wurde, die aus anderen Generationen kommen, anders kommunizieren, ein anderes Hintergrundwissen und Interessen haben. Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass dies etwas Schlechtes ist und nicht funktioniert. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass zumeist in dem Prozess der Unterrichtsgestaltung keine Kinder und Jugendlichen miteinbezogen werden, obwohl diese die Zielgruppe sind.
Ich möchte in diesem Blogbeitrag die Möglichkeit erforschen den Unterricht von Jugendlichen erstellen zu lassen und gehe darauf ein, wie wichtig Partizipation im Klassenraum ist.
Warum ist aktive Beteiligung am Unterricht wichtig?
Aktive Beteiligung funktioniert dann, wenn Jugendliche nicht nur Zuhörer:innen des Unterrichtes sind, sondern die Rolle der Mitgestalter:innen einnehmen. Der Unterricht sollte Jugendliche dazu anregen selbst kritisch über Themen nachzudenken. [1] Dies funktioniert besonders, wenn im Unterricht vorgenommene Themen an ihre eigene Lebenswelt andocken und wenn Jugendliche selbst Verantwortung für das Gelernte übernehmen können. [2]
Doch warum ist eine aktive Beteiligung so wichtig? Naja, erstmal wegen des Lernerfolgs. Schüler:innen, die sich am Unterricht beteiligen weisen bessere akademische Leistungen auf. Engagement im Unterricht fördert die Motivation und ermöglicht das schnellere Erreichen von Zielen. Schüler:innen entwickeln bessere Fähigkeiten kritisch zu Denken und schwierige Zusammenhänge zu verstehen. [1]
Schüler:innen an der Gestaltung des Unterrichtes zu beteiligen gibt ihnen das Gefühl von „Ownership“. Sie sind plötzlich keine passiven Konsument:innen der Lehrmaterialien, sondern aktive Lernende, die mitunter das Sagen im Klassenraum haben. [2]
Aktive Beteiligung ist wichtig für das Wohlbefinden für Schüler:innen. Strategien, die Jugendlichen eine Stimme im Unterricht geben senkt den Schulfrust. Außerdem fördert es das Gefühl von Zugehörigkeit. Jugendliche trauen sich mehr zu und können ihre Fähigkeiten besser entwickeln. [3][4]
Aber was motiviert Jugendliche nun?
Nun, grundsätzlich schaut man sich an, was Jugendliche interessiert und womit sie viel Zeit verbringen. Das wäre einmal natürlich Social Media. TikTok, Instagram und Konsorten leben von kurzweiligen Inhalten und Trends, schnellem Scrolling und viel visuellen Inhalten. Jugendliche, die viel Zeit auf diesen Plattformen verbringen sind an dieses Muster gewöhnt und haben Schwierigkeiten im Unterricht, wenn dieser langsam aufgebaut ist. Bildungsangebote rund um Social Media empfehlen daher diese Muster nicht aus dem Unterricht auszuschließen, sondern sie bewusst zu thematisieren. [5][6]
Schüler:innen nehmen dann mit mehr Motivation am Unterricht teil, wenn die Inhalte an ihr eigenes Leben, an ihre Interessen und Wünsche anknüpfen. Außerdem wirken Wahlmöglichkeiten fördernd. Jugendlichen sollte das Gefühl gegeben werden, sie entscheiden sich bewusst dafür sich mit einem Thema tiefer auseinanderzusetzen. Auch der Einsatz von digitalen Tools, wie Handyvideos, Social Media, Online-Tests ist zu empfehlen, da sich die meisten Jugendlichen ohnehin in ihrer Freizeit viel damit beschäftigen. [1][5]
Strategien für einen aktiven Unterricht
Basierend auf dem Beitrag von Top Hat (34 Effective Student Engagement Strategies to Boost Learning in College Classrooms)[1], jenem von Jackson Best (20 Student Engagement Strategies for a Captivating Classroom)[2] und meinen eigenen Ideen liste ich nun einige Strategien auf, die zu einem aktiven Unterricht führen könnten.
Designer:innen aufgepasst: Diese Strategien sind nicht nur für Lehrpersonen relevant. Wer sich für die Gestaltung von Unterrichtsmaterialien aller Art interessiert findet in meiner Liste vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß.
- Den Klassenraum umdrehen: Schüler:innen finden sich selbst in der Rolle der Lehrperson wieder. Die Klasse wird in Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe gibt es eine:n Spezielist:in zu einem Thema. Die Jugendlichen erklären sich dann reihum den Stoff. Die Lehrperson spielt die Rolle der Schüler:innen und stellt Verständnisfragen.
- Social Media Content: Aufgabestellungen könnten Jugendliche dazu anregen selbst Social Media Content zu produzieren. So könnten Lernvideos oder Memes zu einem gewissen Thema entstehen.
- Social Media Analysen: Jugendliche könnten über unterrichtsrelevante Themen auf Social Media recherchieren. Dabei müssen sie die Quellen kritisch bewerten.
- „Fake-Feed“: Die Klasse erstellt zusammen einen fiktiven Instagram Feed zu einem Unterrichtsthema. Dazu werden Postings, Beitragstexte und Videos erstellt.
- Das Schulbuch neu erfunden: Jugendliche analysieren ihre eigenen Schulbücher, reflektieren darüber was sie daran gut finden und was nicht und gestalten ein Kapitel daraus neu um.
Sicherlich gibt es noch viele weitere Ideen, die für mehr Partizipation im Unterricht führen. Als Mediendesignerin sehe ich hier vor allem viele Möglichkeiten mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam einen Art Leitfaden zu erstellen, wie der Unterricht, sowie Unterrichtsmaterialien aus ihrer Sicht aussehen sollen. Basierend auf den kreativen Ideen der Aufgabestellungen könnte man ein Schulbuch erstellen, das bereits diese Aufgaben enthält. Anstatt „schreibe einen Text über…“ oder „fülle diesen Lückentext aus“ könnte die Aufgabenstellung lauten „erstelle ein Reel zum Thema…“.
Quellen
- Top Hat Staff (09.12.2025): 34 Effective Student Engagement Strategies to Boost Learning in College Classrooms. In: Top Hat, https://tophat.com/blog/student-engagement-strategies/ (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
- Best, Jackson (18.06.2020): 20 Student Engagement Strategies for a Captivating Classroom, https://www.3plearning.com/blog/20-student-engagement-strategies-captivating-classroom/ (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
- Bolstad, Rachel: From “student voice” to “youth–adult partnerships”: Lessons from working with young people as partners for educational change. In: NZCER working paper. Familiey an Communities Engagement in Education (FACE) 2001, chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.nzcer.org.nz/sites/default/files/downloads/student-voice-youth-adult-partnerships_0.pdf [PDF], (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
- o.V. (31.10.2025): Youth Voice in Education Reform: Why It Matters? In: Learning and Developing HUB, https://ldhub.org.uk/youth-voice-in-education-reform-why-it-matters/ (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
- QOS (21.12.2025): Student Engagement Strategies: 10 Practical Approaches for Online Learning. In: Queen’s Online School, https://queensonlineschool.com/student-engagement-strategies/ (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
- ReachOut Australia (o.D.): Social media. In: ReachOut, https://schools.au.reachout.com/social-media (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)