Warum ist Wissenschaft eigentlich so langweilig?

Hast du schon einmal ein Schulbuch über Biologie aufgemacht und gelacht, weil es so witzig war? Schon mal das Periodensystem angeschaut und geschmunzelt? Findest du physikalische Textaufgaben lustig? Macht es dir Freude in ein Mathebuch zu schauen?

Nein. Mir auch nicht.

Naturwissenschaftliche Textbücher haben aber auch nicht den Anspruch lustig zu sein. Sie wollen Wissen vermitteln und Schüler:innen quälen. (Letzteres spitz ausgedrückt…)

Aber warum eigentlich? Andere Bücher schaffen es doch auch Freude beim Lesen zu bereiten. Manche Comicbücher sind sogar darauf ausgelegt einen Gag nach dem anderen zu machen. Stell dir deinen Naturwissenschaftsunterricht mit Schulbüchern vor, die Spaß beim Lesen machen. Hört sich gut an?

Genau das dachten sich auch ein paar Wissenschaftler:innen, die den Einsatz von Humor im Klassenraum erforschten. In der Studie „All kidding aside: Humor increases learning at knowledge and comprehension levels“ wurden Schüler:innen über einen gewissen Zeitraum entweder mit oder ohne den Einsatz vom Humor im Unterricht getestet mit den Ergebnissen: Humorvoller Unterricht steigerte die Leistung. Schüler:innen zeigten bessere Ergebnisse im Verstehen von Informationen, sowie im Erinnern und Wiedererkennen. Sie hatten sich mehr Wissen angeeignet, als jene Schüler:innen, die ohne Humor gelernt hatten und hatten auf den höheren Ebenen von Blooms Taxonomie mehr Erfolg. [1]

Okay Fremdwort: Was ist Blooms Taxonomie?

In den 1950ern erstellte ein gewisser Herr Benjamin Bloom ein Klassifikationssystem für Lernziele auf. Er zeichnete eine Pyramide und teilte diese in sechs Bereiche auf. So ähnlich wie bei den bekannten Ernährungspyramiden stellen die unteren Ebenen den Grundbaustein dar und sind hierarchisch am wichtigsten. Blooms Pyramide beginnt mit dem Erinnern. Der erste Schritt des Lernen ist es also sich Informationen merken zu können. Der zweite Schritt wäre dann das Verstehen. Dann kommt das Anwenden von Information, das Analysieren, Evaluieren und ganz an der Spitze das Erschaffen einer neuen oder originellen Arbeit basierend auf dem verarbeiteten Wissen.[2]

Zurück zur Studie. Die getesteten Schüler:innen schnitten bei Verständnisfragen gleich gut ab, egal ob sie mit oder ohne Humor lernten. Auf höheren Ebenen von Blooms Taxonomie hatten Schüler:innen, die mit Humor lernten jedoch bessere Ergebnisse. Sie wiesen ein tieferes Verständnis für die Lerninhalte auf und hatten die Fähigkeit die Informationen kritischer zu bewerten.[1]

Eine weitere Studie (The Role of Joking for Learning Science: An Exploration of Spontaneous Humour in Two Physics Education Settings) zeigt, dass didaktisch eingesetzter Humor als verständnisbrücke zwischen informeller und wissenschaftlicher Sprache dienen kann, was Lernenden die Integration in eine wissenschaftliche Gemeinschaft erleichtern. Humor kann auf Wissenslücken aufmerksam machen, bringt Spannung in wissenschaftliche Szenarien und erleichtert dadurch das Dranbleiben an wissenschaftlicher Forschung. Besonders spontaner, situationsbezogener Humor wirkt sich positiv auf diese Aspekte aus.[3]

Eine Studie habe ich noch! Diese heißt „Humor as a Teaching Strategy: Exploring its Effect on Learner’s Motivation and Performance“ und untersucht den Effekt von Humor auf die Leitung und Motivation der Partizipierenden. Das Ergebnis der Studie: Schüler:innen, die mit Humor lernten schnitten bei einem Wissenstest besser ab, als jene, die ohne Humor lernten. Humor hatte außerdem einen positiven Einfluss auf die Motivation. Es wurde besser und enthusiastischer gelernt, sowie mehr im Unterricht mitgearbeitet.[4]

Dass ein humorvoller Unterricht zu besseren Noten, mehr Motivation und tieferem Verständnis beiträgt ist unumstritten. Trotzdem setzen viele Professor:innen, Lehrer:innen und Schulbuchautor:innen auf trockene Informationsweitergabe, vor allem im Fach der Naturwissenschaften. Informationen neu zu verpacken ist aufwendig, besonders wenn man auf andere Gestaltungsmöglichkeiten nicht geschult ist. Außerdem ist Humor subjektiv, kulturell und vom Alter abhängig. Gags und Witze in ein Schulbuch einzubringen birgt die Gefahr, dass sie nicht verstanden werden oder ablenkend wirken.

Humor mit Wissenschaft zu verbinden erfordert Fingerspitzengefühl. Ich habe zwei kreative Beispiele herausgesucht, die es schaffen trockene Informationen durch humorvolle Ansätze leicht verständlich zu machen:

How to Teach Quantum Physics to Your Dog by Chad Orzel

  • In diesem Buch versucht der Autor seiner Hündin Emmy Quantenphysik beizubringen. Ein kreativer und lustiger Ansatz ein komplexen Thema mit Humor aufzulockern.
  • Ich finde die Idee dieses Buches wunderbar. Die Hündin Emmy als Sympathiefigur einzusetzen gibt dem/der Leser:in einen Anhaltspunkt und einen roten Faden.

Es war einmal… das Leben von Albert Barillé

  • Eine sehr bekannte Zeichentrick Serie, die 1986 entstand und Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers aus dem Inneren erzählt. Zellen, Moleküle und Organellen werden als Figuren gezeichnet, die ihrer Arbeit im Körper nachgehen müssen.

Zudem gibt es unzählige Videos auf YouTube und weiteren Video Plattformen, die Humor als didaktisches Tool einsetzen. Ein Beispiel:

HUMAN CELL – The Dr. Binocs Show | Best Learning Videos For Kids | Peekaboo Kidz von Peekaboo Kidz, https://www.youtube.com/watch?v=8vo59AKzU4Q

  • Hier wird Kindern die menschliche Zelle erklärt. Peekaboo Kidz hat bereits hunderte an animierten Erklärvideos veröffentlicht, die alle mit äußerst viel Humor arbeiten.

In meiner Recherche fiel mir auf: Zumeist sind humorvolle didaktische Videos oder Bücher für Kinder ausgerichtet, die Schüler:innen aus höheren Schulklassen nicht ansprechen. Kinder mit Humor anzusprechen fällt jedoch auch leichter. Ich finde trotzdem dass Humor öfters und gezielt im Unterricht und in der Erstellung von schulischen Lehrbücher eingesetzt werden sollte und werde nach weiteren Einsatzmöglichkeiten und Beispielen suchen.

Liebe/r Leser:in: Falls Du Beispiele von Humor in der Wissensvermittlung hast, bitte ich dich darum mir diese zu schicken! Bussi, danke.

Quellen:

  1. Hackathorn, Jana u.a.: All kidding aside: Humor increases learning at knowledge and comprehension levels. In: Journal of the Scholarship of Teaching and Learning 11,4 (2011), S. 116-123
  2. Wikipedia. Die freie Enzyklopädie (17.04.2025), s.v. Blooms Taxonomie, https://de.wikipedia.org/wiki/Blooms_Taxonomie (zuletzt aufgerufen am 26.10.2025)
  3. Berge, Maria/Anderhag, Per: The Role of Joking for Learning Science: An Exploration of Spontaneous Humour in Two Physics Education Settings. In: Science & Education 34,1 (2025), https://doi.org/10.1007/s11191-025-00622-7
  4. Ullah, Abd/Khan, Sarfaraz/Uddin, Faheem: Humor as a Teaching Strategy: Exploring its Effect on Learner’s Motivation and Performance. In: International Journal of Contemporary Issues in Social Sciences 3,3 (2024), S. 3087- 3105
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