Es folgt ein recht kurzer Blogartikel, in dem ich meine Idee erläutere, sowie meine nächsten Schritte. Es wird noch nix spannendes passieren, doch das Niederschreiben meiner Ideen, soll mir einfach mal dabei helfen, meine Gedanken zu organisieren und mich auf eine konkrete Idee festzulegen. Es folgt: Gedankenchaos.
Ich möchte die Zeit in diesem Semester dafür nutzen, mir weiteres Können rund um 2D Animation anzueignen. Möchte ich in der Wissenschaftskommunikation bleiben, ist das Erstellen von Erklärvideos wichtig für mich zu beherrschen. Wie aus meinen Blogbeiträgen aus dem Vorsemester herauszulesen ist, gehe ich die ganze Sache mit der Darstellung wissenschaftlicher Inhalte unüblich an. Ich will, neben der korrekten Darstellung wissenschaftlicher Informationen, auch einen großen Fokus auf Storytelling und Humor legen. Wie bereits beschrieben sind diese beiden Komponenten entscheidend dafür, dass Inhalte verstanden und sich besser gemerkt werden können.
Was ist nun also mein Ziel für dieses Semester?
Ich werde mich in den nächsten Blogbeiträgen damit beschäftigen ein Erklärvideo-Skript zu verfassen. Ich werde mich in ein Thema einlesen und dazu eine Geschichte schreiben, sowie ein Storyboard und ein Storyboard-Animatic. Und dann beginnt der für mich gruselige Teil: Animieren.
Ich beherrsche ein paar Basics von After Effects. Animate habe ich auch schon mal geöffnet. Ja. Soweit so gut.
Ich werde mich damit auseinandersetzen, mit welchen Programmen ich was am besten animieren kann. Charakteranimation steht auch auf meiner Liste, das würde ich gerne lernen. Sowie das Animieren von Mundbewegungen.
Ein Referenzstil sind die Videos von JaidenAnimations. Jaiden verfolgt dabei zwar keinen Bildungsauftrag, in ihren Videos geht es eher um mehr oder weniger spannende Themen aus ihrem Leben, die sie humorvoll und erzählerisch in ca. 10- bis 15-minütigen Videos aufarbeitet. Dabei geht es oft um Videospiele, sehr häufig um Pokemon. Obwohl das nicht genau zu meinen Interessen zählt, sehe ich mir trotzdem jedes Video an, denn Jaiden trifft genau meinen Humor. Ihre Videos sind sehr fast-paced, ihr Voiceover ist schnell eingesprochen, ist laut, emotional, sehr akzentuiert und on-point. Das sind auch die Gags. In der Animation trifft sie, wie ich finde, den Sweet-Spot zwischen „zu viel Bewegung“ und „zu wenig Bewegung“. Sie animiert, was nötig ist, niemals zu viel.
Ich mag den reduzierten Einsatz von Farben, das lenkt die Aufmerksamkeit auf Wichtiges. In meiner Bachelorarbeit habe ich dies ebenfalls als gezieltes Stilmittel eingesetzt, damals basierend auf den Comixplain-Comics der FH St. Pölten. Auch dort wird Farbe nur reduziert und sehr gezielt eingesetzt, um Wichtiges hervorzuheben.
Ich werde mir also ein Themengebiet auswählen, vermutlich bleibe ich wieder in der Naturwissenschaft, und versuche dann ein Erklärvideo in Jaidens Stil zu entwickeln. Das Nachbauen eines Stils soll mir dabei helfen, erst einmal die Skills zu entwickeln, einen eigenen Stil aufbauen zu können. Vielleicht für mein Masterprojekt.
Und jetzt zum Spaß noch ein Video von JaidenAnimations:
Werbung ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Jede Firma, Institution und jedes Produkt, das etwas auf sich hält, bewirbt sich. Kein Medienkanal ist mehr vor Werbung sicher. Hinter Werbung steckt viel Strategie, geplante Mechanismen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und ganz genaue Recherchearbeit. Eine gute Werbung soll die Zielgruppe nicht bloß auf die Verfügbarkeit eines Produktes oder einer Dienstleistung hinweisen, sondern auch zum Kauf motivieren.
Ich, als Designerin/Lehrerin Hybridwesen, hatte einen Gedankenblitz: Warum setze ich diese aufmerksamkeitserhaschenden Werbestrategien nicht gezielt für den Schulunterricht ein. Nur anstatt zum Kauf, sollen Schüler:innen zum Lernen motiviert werden.
Aufmerksamkeit didaktisch nutzen
Werbung schafft es in Bruchteilen einer Sekunde Aufmerksamkeit zu ziehen, so entsteht auch die Wirkung der Werbung. Möchte man diese Wirkung auch für den Unterricht erzielen, sollte der Einstieg in ein Stoffgebiet so gestaltet werden, dass er aus der Routine heraussticht. Also kein „heute lernen wir über das Thema…“, sondern ein irritierender Impuls, eine provokante Frage, ein starkes Bild. [1]
Wie wäre es, den Unterricht mit einer überraschenden Anekdote zu starten, die scheinbar nicht zum Thema gehört, aber Neugierde auslöst. Oder eine offene Frage, ein Rätsel, ein Mysterium wird in den Raum gestellt und erst am Ende des Kapitels aufgelöst. Diese Form der inszenierten Irritation wird in der Werbung gezielt eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erlangen, bevor der eigentliche Stoffinhalt präsentiert wird. Im Unterricht wird hierdurch ein kurzer Zeitraum geschaffen, in dem alle Schüler:innen wirklich zuhören. Eine Basis für ein vertieftes Lernen wird geschaffen. [1]
AIDA (nicht das Kreuzfahrtschiff oder die Oper von Verdi)
Wer sich schon einmal mit Werbestrategien und Modellen auseinandergesetzt hat, kennt das AIDA-Modell (Attention – Interest – Desire – Action). Es beschreibt, wie Werbung vom ersten Betrachten zur Handlung führt. Das Modell lässt sich in den Unterricht und die Schulliteratur übertragen, in dem diese/r in die vier Phasen geteilt werden. Man fängt also mit einem aufmerksamkeitserhaschenden Start an (siehe oben), vertieft dann das Interesse der Schüler:innen, dann kommt die „Habend wollen“-Phase, und am Ende soll zur Aktivität angeregt werden. [2]
In der Praxis könnte das so aussehen: Ein Thema wird durch einen irritierenden Impuls eingeleitet, sei es nun eine Anekdote, ein Bild oder eine spannende Frage. Dann wird das Thema interessant gemacht, in dem es mit der Lebensrealität der Schüler:innen verknüpft wird. Praxisnahe Beispiele werden genannt, damit sich mit dem Thema identifiziert werden kann. Danach wird erklärt, warum das Thema wichtig ist. Entweder durch ein eigenes Projekt oder eine Debatte. Und am Ende wird zur Handlung aufgerufen. Eine Aufgabe soll erfüllt werden, die Schüler:innen sollen selbst zu Inhalten des Lernkapitels Videos, Poster, Präsentationen etc. gestalten. Die Schullekture bzw. der Unterricht orientiert sich so nicht nur an den Fachinhalten, sondern hat eine eigene Dramaturgie. In der Werbung nennt man das die Kampagnenplanung.
Dramaturgie ist ein guter Stichpunkt…
Wie bereits in meinen anderen Blogartikeln erwähnt, ist Storytelling ein wichtiges Tool, um Aufmerksamkeit der Rezipient:innen zu halten. Inhalte, die in Geschichten verpackt sind, können dadurch emotionale aufgeladen werden und bleiben besser im Gedächtnis hängen. Auch in der Werbung wurde dieses Prinzip bereits erkannt. [3]
Gamification zur Motivation
Ein häufig eingesetztes Element in der Werbung ist Gamification: (Rabatt)Punkte sammeln, Ranglisten, Challenges, Belohnungen. In bestimmten wirtschaftspädagogischen Studiengängen wurden diese spielerischen Elemente bereits verwendet und auf Eignung für den Unterricht geprüft. [4] Es zeigt sich, dass dadurch Motivation zum Lernen durchaus gefördert werden kann. Studien dazu [5] sagen aus, dass Lernende in Hochschulkurses durch Einbeziehung von Gamification erhöhtes Interesse aufweisen. Zudem steigt die Anwesenheitsquote, die Aufmerksamkeit und die Teilnahme an. [5]
Werbe-Mechaniken, wie das Sammeln von Punkten können im Unterricht eingesetzt werden, z.B. durch das fertigstellen von Aufgaben. Diese Spiel-Elemente bieten viele verschiedene Möglichkeiten die Lernenden zu fördern, bieten ihnen Herausforderungen und können vielfach eingesetzt werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass für Schüler:innen nicht der Wettbewerb im Fokus steht. Dieser könnte von den eigentlichen Lerninhalten ablenken. Ziel ist es die Motivation für das Lernen zu fördern, nicht für das Gewinnen. [4]
Aber Achtung: Immer kritisch bleiben!
Werbemechanismen zeigen also gute Strategien, die für die Aufbereitung vom Lernstoff verwendet werden können. Dabei sollten diese Mechanismen jedoch nicht unreflektiert bleiben. Dietrich Röder erklärt in seinem Artikel „Wie funktioniert Werbung im Unterricht“ [2], dass eine Analyse der Werbestrategien als effektive Lernmethode das analytische Denken, sowie die Teamarbeit und die Kommunikationsfähigkeit der Schüler:innen fördern kann. Zusätzlich bietet eine Auseinandersetzung mit dem Thema ganz viel Potential für neue Aufgabenstellungen. In kreativen Projekten könnten Schüler:innen die Werbetheorie in die Praxis umsetzen und Werbebanner, Videos oder Plakate erstellen. [2]
Sailer, Sabrina (19.11.2021): Badges, Levels, Leaderboards: Gamification zur Motivation Studierender der Berufs- und Wirtschaftspädagogik in selbstgesteuerten und kollaborativen Lern-Settings. In: bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online, Ausgabe 40, S. 1-20. https://www.bwpat.de/ausgabe40/sailer_bwpat40.pdf (zuletzt abgerufen am 28.01.2026)
Barata, G./Gama, S./Jorge, J. A. P./ Goncalves, D. (2015): Gamification for smarter learning: tales from the trenches. In: Smart Learning Environments, 2, H. 1, S. 1-23
Reißerischer Titel, ich weiß. Worum geht es in diesem Blogeintrag?
Wie bereits mehrmals in meinen anderen Blogbeitragen erwähnt lernt es sich besser, wenn man den Lernstoff mit Emotionen verbinden kann. Das Prinzip wollte ich weiter erforschen. Hierfür habe ich mir ein paar Erklärvideos angeschaut und diese nach ihrem emotionalen, sowie wissenschaftlichen Faktor bewertet.
Doch warum lernen wir besser mit Emotionen? Und ist das wirklich immer von Vorteil?
Jetzt wird’s scientific
Die Neurowissenschaft hat schon längst bewiesen, dass Emotionen unser Gehirn beeinflussen und in diesem Zuge auch das Lernverhalten beeinflusst. Der präfrontale Kortex – das ist die Hirnregion, die für die Emotionsregulation, das Arbeitsgedächtnis, die Planung ua verantwortlich ist – sowie andere Hirnregionen werden aktiviert, je nach Emotion, die wir erleben. Sprich: Sind wir ängstlich wird eine andere Region aktiviert, als wenn wir Freude empfinden. All diese Bereiche sind an der Regulation von Emotionen, jedoch auch an der Entscheidungsfindung und dem Gedächtnis beteiligt. Die Amygdala (ganz wichtig für emotionale Aktivität) ist ganz eng verknüpft mit dem Hippocampus, der besonders wichtig für das Abspeichern von Erinnerungen ist. Diese eng miteinander verknüpften Hirnstrukturen führen also dazu, dass Emotionen und Lernen in einer totalen Abhängigkeit zueinanderstehen. Werden Emotionen getriggert, werden Erinnerungen erzeugt. [1]
Die „University of Wollongong Australia” veröffentlicht einen Artikel über „Affective learning“ [2] (affective = affektiv, gefühlsbetont lt. PONS.com). Affective learning beschreibt einen Lernprozess, bei dem Wissen durch emotionales Engagement gewonnen wird. Affective learning schafft eine Lernumgebung, in der positive Emotionen wachsen, wie Neugierde oder Enthusiasmus, wodurch größere Lernerfolge entstehen. [2] Für Designer:innen wie mich ist dies eine gute Nachricht: Möchten wir Wissen verbreiten, so haben wir nicht bloß Visuals und Interfaces zu gestalten, sondern ein emotionales Erlebnis.
Doch… ist emotionales Lernen wirklich IMMER besser?
Um besser zu veranschaulichen, was ich damit meine, habe ich mehrere Erklärvideos herausgesucht. Manche davon sind eher trocken gehalten und erklären das Notwendigste, manche davon arbeiten bewusst mit emotionalen Erzählstrukturen. Ich habe mich, ohne weitere Begründung, für das Thema Immunsystem des menschlichen Körpers entschieden und die erstbesten Vorschläge auf YouTube angeschaut, ohne weitere Auswahlkriterien.
Video 1:
Zero To Finals (30.12.2017): Understanding the Cells of the Immune System
Dieses Video ist eine klassische Whiteboard Animation. Die Betrachter:innen beobachten den „Lehrer“ beim Zeichnen, während ein Voiceover die Inhalte weiter erklärt. Dadurch ist es leicht den Informationen zu folgen. Die Stimme des Lehrers ist emotional wenig aufgeladen, eher recht faktisch. Generell ist das ganze Skript sehr faktisch. Die Erklärungen sind klar und leicht verständlich, jedoch unspannend. Dies ist ein klassisches Video, das sich Schüler:innen ansehen, die für die nächste Prüfung lernen. Es ist nicht für Unterhaltungszwecke gedacht.
Dieses Video ist eine Kombination aus Live Action und 2D Animation. Der Erzähler sitzt in einem „Klassenraum“ und spricht direkt zum Publikum. Einige seiner Erklärungen werden durch 2D Animationen ergänzt. Diese Animationen sind recht bunt, Zellen werden mit Gesichtern dargestellt. Die „bösen“ Zellen haben fiese Gesichtsausdrücke, die „guten“ Zellen schauen freundlich drein. Hier soll ein emotionaler Bezug zu den Visuals hergestellt werden. Kombiniert mit dem teilweise sehr reißerischem Erklär-Stil des Lehrers wirkt das gesamte Video emotional sehr aufgeladen. Erklärungen sind voll mit kleinen Storytelling-Elementen. Es werden viele beschreibende Adjektive verwendet. All das regt Emotionen an. Ein Beispielsatz aus dem Video zur Veranschaulichung:
„Like a wall around a fortress, your skin does a fantastic job of keeping out all manner of malevolent microorganisms.”
Hintergrundmusik und Soundeffekte tragen auch stark dazu bei.
Ich muss in meiner Bewertung jedoch Punkte beim Lern Faktor abziehen. Das Video ist sehr unterhaltsam und legt wert auf viele Visuals und Storytelling-Elemente. Diese lenken jedoch ab und an von den wissenschaftlichen Fakten ab. Das rasante Erklärtempo macht es einen fast unmöglich sich jede Information zu merken. Dieses Video ist mehr dafür geschaffen zu unterhalten und Basiswissen zu verbreiten, als dass Schüler:innen oder Studierende damit für eine Prüfung lernen könnten.
Meine Bewertung:
4/5 Emotionaler Faktor
2/5 Wissenschaftlicher Faktor
Video 3:
Dinge Erklärt – Kurzgesagt (15.08.2021): Das Immunsystem erklärt
Videos von Kurzgesagt arbeiten mit viel Storytelling, sei es in der 2D Animation, dem Sprechertext, der Sprecherstimme oder der Hintergrundmusik. Im Video „Das Immunsystem erklärt“ wird die Immunabwehr dramatisiert. Anstatt dass Zellen „abgebaut“ werden, wie man in der Zellbiologie darüber spricht, werden hier Zellen „getötet“. Die Zellen des Immunsystems werden als Soldaten, Geheimagenten und Selbstmordbomber bezeichnet. Die Immunabwehr ist ein dramatischer Kampf um Leben und Tod, Zellen „opfern“ sich für das Überleben anderer Zellen.
Das Video ist damit höchst unterhaltsam und erzählt eine äußerst emotionale Geschichte. Der:die Betrachter:in fiebert mit den kleinen Soldaten-Zellen in ihrem Kampf gegen die „bösen“ Bakterien mit.
Faktisch lässt das Video dabei jedoch nach. In den anderen Videos werden komplexe Bezeichnungen eingeblendet, das fehlt hier vollkommen.
Meine Bewertung:
5/5 Emotionaler Faktor
1/5 Wissenschaftlicher Faktor
So, das war jetzt viel Analyse, was haben wir daraus gelernt?
Die Videos haben gezeigt: Emotion kommt vor allem durch Storytelling. Und je mehr Storytelling, desto unterhaltsamer war das Video. Ich habe jetzt keinen Prä- und Post-Wissenstest gemacht, nehme jedoch an, dass der Unterhaltungs-Faktor mit dem Erinnerungs-Faktor zusammenhängt. Was mir jedoch auffiel: Je unterhaltsamer die Videos, desto weniger Fokus lag auf dem eigentlichen wissenschaftlichen Inhalt. Hier müsste man ebenfalls Prä- und Post-Wissenstests durchführen, doch ich nehme an, dass all das Storytelling oftmals vom eigentlichen Lerninhalt ablenken kann.
Erstellt man also ein Erklärvideo, muss man sich dafür entscheiden, was man damit erzielen will: Soll dieses Video der Unterhaltung dienen, oder soll das Video Schüler:innen und Studierenden als Lernhilfe für den nächsten Test dienen? Geht man zu weit in die Richtung der Unterhaltung, geht der Fokus auf die Fakten verloren. Geht man zu weit in die Richtung der Fakten, wird das Video langweilig.
Ich denke nicht, dass es unmöglich ist ein Lernvideo zu erstellen, das sowohl unterhaltsam als auch höchst faktisch ist, doch es bedarf viel Fingerspitzengefühl den Fokus nicht zu verlieren und auf eine der beiden Seiten zu schwappen.
Quellen:
Silva, Clarice Gomes da/ Nóbrega, Manassés Pereira: A neuroscientific approach to the importance of emotions for the meaningful learning process In: Navigating through the knowledge of education. o.O.: Seven Editora 2024, S. 690-702
Schulbuchliteratur wird von Expert:innen geschrieben, von Lehrpersonen, Wissenschaftler:innen, Professor:innen. Jugendliche und Kinder sind einem Unterricht ausgesetzt, der von Personen gestaltet wurde, die aus anderen Generationen kommen, anders kommunizieren, ein anderes Hintergrundwissen und Interessen haben. Ich möchte damit nicht ausdrücken, dass dies etwas Schlechtes ist und nicht funktioniert. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass zumeist in dem Prozess der Unterrichtsgestaltung keine Kinder und Jugendlichen miteinbezogen werden, obwohl diese die Zielgruppe sind.
Ich möchte in diesem Blogbeitrag die Möglichkeit erforschen den Unterricht von Jugendlichen erstellen zu lassen und gehe darauf ein, wie wichtig Partizipation im Klassenraum ist.
Warum ist aktive Beteiligung am Unterricht wichtig?
Aktive Beteiligung funktioniert dann, wenn Jugendliche nicht nur Zuhörer:innen des Unterrichtes sind, sondern die Rolle der Mitgestalter:innen einnehmen. Der Unterricht sollte Jugendliche dazu anregen selbst kritisch über Themen nachzudenken. [1] Dies funktioniert besonders, wenn im Unterricht vorgenommene Themen an ihre eigene Lebenswelt andocken und wenn Jugendliche selbst Verantwortung für das Gelernte übernehmen können. [2]
Doch warum ist eine aktive Beteiligung so wichtig? Naja, erstmal wegen des Lernerfolgs. Schüler:innen, die sich am Unterricht beteiligen weisen bessere akademische Leistungen auf. Engagement im Unterricht fördert die Motivation und ermöglicht das schnellere Erreichen von Zielen. Schüler:innen entwickeln bessere Fähigkeiten kritisch zu Denken und schwierige Zusammenhänge zu verstehen. [1]
Schüler:innen an der Gestaltung des Unterrichtes zu beteiligen gibt ihnen das Gefühl von „Ownership“. Sie sind plötzlich keine passiven Konsument:innen der Lehrmaterialien, sondern aktive Lernende, die mitunter das Sagen im Klassenraum haben. [2]
Aktive Beteiligung ist wichtig für das Wohlbefinden für Schüler:innen. Strategien, die Jugendlichen eine Stimme im Unterricht geben senkt den Schulfrust. Außerdem fördert es das Gefühl von Zugehörigkeit. Jugendliche trauen sich mehr zu und können ihre Fähigkeiten besser entwickeln. [3][4]
Aber was motiviert Jugendliche nun?
Nun, grundsätzlich schaut man sich an, was Jugendliche interessiert und womit sie viel Zeit verbringen. Das wäre einmal natürlich Social Media. TikTok, Instagram und Konsorten leben von kurzweiligen Inhalten und Trends, schnellem Scrolling und viel visuellen Inhalten. Jugendliche, die viel Zeit auf diesen Plattformen verbringen sind an dieses Muster gewöhnt und haben Schwierigkeiten im Unterricht, wenn dieser langsam aufgebaut ist. Bildungsangebote rund um Social Media empfehlen daher diese Muster nicht aus dem Unterricht auszuschließen, sondern sie bewusst zu thematisieren. [5][6]
Schüler:innen nehmen dann mit mehr Motivation am Unterricht teil, wenn die Inhalte an ihr eigenes Leben, an ihre Interessen und Wünsche anknüpfen. Außerdem wirken Wahlmöglichkeiten fördernd. Jugendlichen sollte das Gefühl gegeben werden, sie entscheiden sich bewusst dafür sich mit einem Thema tiefer auseinanderzusetzen. Auch der Einsatz von digitalen Tools, wie Handyvideos, Social Media, Online-Tests ist zu empfehlen, da sich die meisten Jugendlichen ohnehin in ihrer Freizeit viel damit beschäftigen. [1][5]
Strategien für einen aktiven Unterricht
Basierend auf dem Beitrag von Top Hat (34 Effective Student Engagement Strategies to Boost Learning in College Classrooms)[1], jenem von Jackson Best (20 Student Engagement Strategies for a Captivating Classroom)[2] und meinen eigenen Ideen liste ich nun einige Strategien auf, die zu einem aktiven Unterricht führen könnten.
Designer:innen aufgepasst: Diese Strategien sind nicht nur für Lehrpersonen relevant. Wer sich für die Gestaltung von Unterrichtsmaterialien aller Art interessiert findet in meiner Liste vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß.
Den Klassenraum umdrehen: Schüler:innen finden sich selbst in der Rolle der Lehrperson wieder. Die Klasse wird in Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe gibt es eine:n Spezielist:in zu einem Thema. Die Jugendlichen erklären sich dann reihum den Stoff. Die Lehrperson spielt die Rolle der Schüler:innen und stellt Verständnisfragen.
Social Media Content: Aufgabestellungen könnten Jugendliche dazu anregen selbst Social Media Content zu produzieren. So könnten Lernvideos oder Memes zu einem gewissen Thema entstehen.
Social Media Analysen: Jugendliche könnten über unterrichtsrelevante Themen auf Social Media recherchieren. Dabei müssen sie die Quellen kritisch bewerten.
„Fake-Feed“: Die Klasse erstellt zusammen einen fiktiven Instagram Feed zu einem Unterrichtsthema. Dazu werden Postings, Beitragstexte und Videos erstellt.
Das Schulbuch neu erfunden: Jugendliche analysieren ihre eigenen Schulbücher, reflektieren darüber was sie daran gut finden und was nicht und gestalten ein Kapitel daraus neu um.
Sicherlich gibt es noch viele weitere Ideen, die für mehr Partizipation im Unterricht führen. Als Mediendesignerin sehe ich hier vor allem viele Möglichkeiten mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam einen Art Leitfaden zu erstellen, wie der Unterricht, sowie Unterrichtsmaterialien aus ihrer Sicht aussehen sollen. Basierend auf den kreativen Ideen der Aufgabestellungen könnte man ein Schulbuch erstellen, das bereits diese Aufgaben enthält. Anstatt „schreibe einen Text über…“ oder „fülle diesen Lückentext aus“ könnte die Aufgabenstellung lauten „erstelle ein Reel zum Thema…“.
Bolstad, Rachel: From “student voice” to “youth–adult partnerships”: Lessons from working with young people as partners for educational change. In: NZCER working paper. Familiey an Communities Engagement in Education (FACE) 2001, chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.nzcer.org.nz/sites/default/files/downloads/student-voice-youth-adult-partnerships_0.pdf [PDF], (zuletzt abgerufen am 07.01.2026)
TikTok und Konsorten sind aus der modernen Medienwelt nicht mehr wegzudenken, besonders für Jugendliche, die im Social Media Zeitalter geboren wurden und aufwachsen. Dass dies aber nicht unbedingt viel positives mit sich bringt zeigt sich besonders in der Schule. Für meine Bachelorarbeit (Eine Ente erklärt die DNA) führte ich zwei Interviews mit Lehrpersonen des Gymnasiums Dreihackengasse durch. Viele Lehrpersonen stehen auf Kriegsfuß mit den sozialen Plattformen, denn die Aufmerksamkeit ihrer Schüler:innen leide darunter. Professor Harbich, Lehrer für Deutsch und Musikgeschichte, redet gar von einer maximalen Aufmerksamkeitsspanne von 5 Minuten. Jede Information, die er seinen Schüler:innen lehren will, muss kürzer sein, sonst wird ihm nicht mehr zugehört. Frau Professor Eisenberger, Lehrerin für Biologie und Physik, erwähnt außerdem die fehlende Motivation. Schüler:innen würden sich lieber über online Trends unterhalten, als über gesellschaftsrelevante Themen, wie Klimaschutz.
Damit Schüler:innen nicht während des Unterrichtes auf ihre Smartphones schauen wurden in der Dreihackengasse Schließfächer in die Klassenräume gestellt, in denen sämtliche vom Unterricht ablenkende Geräte eingesperrt werden. Das klassische „Alle Handys aus und in den Rucksack“ aus meiner Schulzeit würde nicht mehr funktionieren.
Die Droge Social Media
Einige Studien haben bereits die problematische/anhängige Nutzung von TikTok untersucht, so viele, dass es hierfür gar eine eigene Bezeichnung gibt: „problematic TikTok use“, kurz: PTU. Diese geht mit übermäßig langen Aufenthalten am Handy einher, sowie mit Kontrollverlust, Prokrastination und Vernachlässigung anderer Tätigkeiten. Diese Abhängigkeit kann zu psychischer Belastung und einem erhöhten Risiko für Depressivität führen. [1]
Dabei kann TikTok jedoch nicht nur verteufelt werden. Während Benutzer:innen mit negativen und schädlichen Inhalten konfrontiert werden, berichten einige jedoch auch von positiven Aspekten, besonders in Bezug auf die Verbreitung von kulturellem, didaktischem und künstlerischem Content. [2]
Ich stellte mir nun die Frage: Wie gut, in welcher Form und in welchem Ausmaß würde sich TikTok oder eine ähnliche Plattform zur Verbreitung von didaktischen Inhalten eignen?
Didaktisches TikTok???
TikTok ist eine der meistgenutzten Apps bei Erwachsenen, jedoch vor allem auch bei Jugendlichen und ist auf Kurzvideo-Content optimiert. Dabei ist die App höchste aufmerksamkeitsbindend, was sie für Lernzwecke attraktiv macht. Lerninhalte könnten in kurzen Wissenshäppchen präsentiert werden.
Eine Studie [3], die den didaktischen Einfluss von TikTok aus der Sicht von Schüler:innen beschreibt kommt zu dem Ergebnis, dass 89% der Studienteilnehmenden die App für Unterhaltungszwecke verwendet. Es wurde jedoch auch die Fähigkeit hervorgehoben didaktische Inhalte effektiv zu vermitteln, besser gar als andere Methoden. TikTok würde die Schüler:innen besser dazu animieren Neues zu lernen als andere Sociel Media Plattformen. TikTok könne dabei jedoch aufgrund des Fokusses auf Unterhaltung auch ablenkend wirken. TikTok hätte das Potential ein effektives Tool zum Wissenserwerb zu sein, müsste dafür jedoch umgestaltet werden.
Für Lehrpersonen und Mediendesigner:innen ist interessant, dass viele Schüler:innen TikTok sowieso schon täglich verwenden. Die Plattform ist also genau dort, wo die Zielgruppe schon ist. Ein weiterer Vorteil ist das Microlearning: Informationen lassen sich in kleine Häppchen von unter einer Minute zerlegen. So lässt sich ein komplexes Thema in mehrere Videos aufteilen, die immer wieder wiederholt werden. Diese Wiederholungen reduzieren die kognitive Belastung, weil je nur wenige Informationen auf einmal verarbeitet werden müssen. [4]
Eine Mixed-Method-Studie [4], in der Lehrpersonen TikTok-Content für ihre Schüler:innen gestalteten zeigte, dass ein großer Teil der Schüler:innen die Inhalte der Kurzvideos direkt im Unterricht einbauen konnten. Studienteilnehmende sprachen außerdem von einer verbesserten Lehrer:innen-Schüler:innen Beziehung, da sich Lehrpersonen durch die Videos persönlicher und nahbarer präsentierten und mehr auf Augenhöge mit den Schüler:innen kommunizierten.
Umsetzbarkeit und konkrete Einsatzszenarien
(basierend auf den bereits genannten Studien und [5])
Erklär-Clips: Ein Fachbegriff, ein Stoffwechselvorgang oder ein Zwischenschritt aus einer komplexen Rechnung wird in einem unter 60-Sekunden-Video erklärt. Idealerweise mit Beispielen und visuellen Elementen.
Microlearning: Ein umfassenderes Thema (z.B. Klimawandel, Gender Studies, geschichtliches Ereignis) wird in mehrere kurzen Clips aufgeteilt, die jeweils nur einen Aspekt behandeln. So würde eine Lern-Playlist entstehen.
Challenges: Lehrpersonen geben ihren Schüler:innen Aufgaben in Form von Challenges. So müssen Schüler:innen z.B. eigene Kurzvideos produzieren, in denen diese wissenschaftliche Inhalte erklären.
Reflexion: Durch auf TikTok oftmals verwendete „Duette“ oder die „Stitch“ Funktion können Schüler:innen über gelerntes reflektieren.
TikTok trägt viel Potential für Bildung in sich, müsste hierfür jedoch noch optimiert werden. Zusätzliche Funktionen wären notwendig, um Lerninhalte gezielter auffindbar zu machen und dass Schüler:innen nicht in die Falle des „Doomscrollings“ tappen. Für Lehrpersonen kann die App, wenn richtig eingesetzt, ein zusätzlicher Lern-Space sein. Wichtig ist es allemal die Interessen der eigenen Schüler:innen nachvollziehen zu können und diese gezielt einzusetzen.
Quellen:
Conte, Giulia u.a.: Scrolling through adolescence: a systematic review of the impact of TikTok on adolescent mental health. In: Eur Child Adolesc Psychiatry 2025. 34(5). S. 1511-1527, <10.1007/s00787-024-02581-w> (zuletzt abgerufen am 06.01.2026)
Caponnetto, Pasquale u.a.: Does TikTok Addiction exist? A qualitative study. In: Health Psychol Res 2025. 6;13:127796, <10.52965/001c.127796> (zuletzt abgerufen am 06.01.2026)
Xavierine,Jane/Shanthi, Alice (2024): Evaluating TikTok’s Educational Impact: An Analysis of Student Perspectives. In: International Journal of Research and Innovation in Social Science (IJRISS), 8(10), S.1931-1945, https://doi.org/https://dx.doi.org/10.47772/IJRISS.2024.8100166 (zuletzt abgerufen am 06.01.2026)
Yang, Yang u.a. (29.09.2025). TikTok in higher education: a systematic review of disciplinary applications, learning outcomes, and implementation factors. In: Interactive Learning Environments, S. 1–21, https://doi.org/10.1080/10494820.2025.2564736 (zuletzt abgerufen am 06.01.2026)
Faktenbasiertes Lernen ist oftmals anstrengend und langweilig, besonders wenn es um striktes Auswendiglernen für den nächsten Test geht. Es gibt einige Strategien und Tools, die dafür eingesetzt werden können, Lernmaterialien interessanter aufzubereiten, damit sich die Inhalte
1. besser gemerkt werden und
2. der Lernprozess angenehmer ist.
In einem anderen Blogartikel schrieb ich bereits über den Einsatz von Humor. In diesem möchte ich auf didaktisches Storytelling eingehen.
Storytelling kann die Wissenschaftskommunikation enorm stärken, wenn die Geschichte exakt auf das Lernziel ausgerichtet ist. Wichtig dabei: Sie darf nicht ablenken. Solche Ablenkungen in Lernmaterialien, wie es auch Bilder, Hintergrundmusik oder ein Cartoon-Streifen sein können, nennt man auch „Seductive Details“. [1] Diese Details werden von Wissenschaftskommunikator:innen oftmals aus gutem Grunde eingesetzt: Um Aufmerksamkeit zu erregen. Jedoch lenken sie meist nur ab. Didaktisches Storytelling muss also mit Achtung gesetzt sein. Entscheidend für das Lernen ist also weniger das quantitative Storytelling, als wie eng Narrativ und Information aufeinander abgestimmt sind. [2]
Warum Storytelling in der Wissenschaft funktioniert
Die Geschichte ist eine der grundlegendsten Formen, in denen Menschen Erfahrungen habe und Wissen sammeln. [3] Schon seit Kindheit an kommunizieren wir mit Einsatz von Narrativen. Geschichten helfen dabei Ereignisse emotional, kausal und zeitlich zu verknüpfen, wodurch komplexe Informationen zugänglich gemacht werden können. [2]
Tatsächlich gibt es einige Studien über die positiven Auswirkungen von Narrativen auf das Lernen. Diese Studien zeigen, dass Narrative Formate
Interesse und Aufmerksamkeit steigern können. [4]
Verständnis und Einfühlung, sowie Merkleistung fördern. [3]
Soziale Normen, Einstellungen und Verhalten in Bezug auf medizinische Informationen beeinflussen können. [5 & 6]
Gibt es bei Storytelling ein „zu viel“?
Mayer beschreibt die „Cognitive Theory of Multimedia Learning” [7], die von einem verbalen und einem visuellen Kanal ausgeht, sowie einer begrenzten Kapazität aktiv Informationen zu verarbeiten. In der Wissenschaftskommunikation bedeutet das, dass zusätzliche Elemente, die nicht unbedingt zur Erklärung des Lernstoffes beitragen, eher kognitiv überlasten, als dass sie zum Lernen beitragen. (Siehe „Seductive Details“). Für Schüler:innen bedeutet das eine verschlechterte Verständnis von Zusammenhängen. Witzige Anekdoten, Nebenhandlungen oder irgendwelche Backstories in der Erzählung scheinen vielleicht interessant, können aber, wenn schlecht eingesetzt, total vom eigentlichen Lerninhalt ablenken. [1]
Im Kontext zu einem guten Erklärtext oder -video bedeutet das, dass Storytelling kein „Deko-Element“ sein darf. Jede Figur, Metapher, Nebenhandlung sollte eine klare Funktion haben und darauf abzielen, den Fachinhalt verständlich zu machen.
Der Leitfaden zu gutem Storytelling für Fachinhalte
Ich habe hier ein paar Tipps und Tricks aufgelistet, die dabei helfen können ein richtiges Gefühl für den Einsatz von Narrativen in der Wissenschaftskommunikation zu bekommen (basierend auf meinen bereits angeführten Quellen):
Klare Hauptaussage: Gleich am Anfang der Geschichte wird eine Kernfrage in den Raum gestellt. Die Geschichte dreht sich um das beantworten dieser Frage und weicht davon nicht ab.
Charaktere als Identifikationsfiguren: Charaktere nehmen die Perspektiven der Schüler:innen ein. Das macht Entscheidungen und Emotionen nachvollziehbar. Schüler:innen werden so selbst zum Teil der Geschichte und finden sich in der Rolle der lernenden Charaktere wieder.
Konflikte, Probleme, Wendepunkte: Das macht eine gute Story einfach aus. Eine Hürde könnte z.B. durch neu erlangtes Wissen der Charaktere überwunden werden. Wichtig hierbei ist das Lernziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Reduktion von „Seductive Details“: Nicht zu viel Ablenkung schaffen. Sonst wird sich nur die Nebenhandlung gemerkt, nicht der eigentliche Inhalt.
Zusammenarbeiten von Narrativ und Visualisierung: Bei simultaner Verwendung von Bildmaterial und Text (in geschriebener oder auditiver Form) sollten diese parallel eine Geschichte erzählen, nicht als Add-On dienen.
Zusammenfassend: Storytelling soll so viel wie möglich eingesetzt werden, da es Zusammenhänge sichtbar machen kann und auf Emotionen anspielt, die sich positiv auf Merkfähigkeit und Verständnis auswirken.
Norris, Stephen P. u.a. (01.06.2005): A Theoretical Framework for Narrative Explanation in Science. In: Wiley InterScience, <https://doi.org/10.1002/sce.20063> (zuletzt abgerufen am 04.01.2026)
Hinyard, Leslie J./Kreuter, Matthew W.: Using narrative communication as a tool for health behavior change: a conceptual, theoretical, and empirical overview. In: Health Educ Behav. 2007 Oct;34(5):777-92. <doi: 10.1177/1090198106291963>
Riedlinger, Michelle u.a. (2019): Telling stories in science communication: case studies of scholar-practitioner collaboration. In: JCOM 18(05), N01. <https://doi.org/10.22323/2.18050801> (zuletzt abgerufen am 04.01.2026)
Moran, Meghan u.a.(2015): The Ability of Narrative Communication to Address Health-Related Social Norms. In: International Review of Social Research 2013, 3(2): S. 131–149.
Bekalu, Mesfin A. u.a.: The relative persuasiveness of narrative versus non-narrative health messages in public health emergency communication: Evidence from a field experiment. In: Preventive Medicine 2018, Vol. 111, S. 284-290, https://doi.org/10.1016/j.ypmed.2017.11.014.
Mayer, Richard E.: Cognitive theory of multimedia learning. In: The Cambridge Handbook of Multimedia Learning, S. 85-139. Source: Kapitel als PDF-Auszug „Multimedia Learning“, chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.jsu.edu/online/faculty/MULTIMEDIA%20LEARNING%20by%20Richard%20E.%20Mayer.pdf (zuletzt abgerufen am 04.01.2026)
In meinem ersten Blogartikel zu der Unterrepräsentation des weiblichen Körpers in didaktischen Erklärvideos habe ich bereits über den Bechdel Test geschrieben und diesen neu erfunden. Unterrepräsentation von Frauen gibt es jedoch nicht nur in Erklärvideos, sondern in sämtlichen Bereichen der Wissenschaftsdarstellung. In diesem Blogeintrag möchte ich vertieft darauf eingehen und einen Leitfaden für Mediendesigner:innen darlegen, wie sensible Wissenschaftskommunikation funktioniert.
Wir leben in einer androzentrischen Welt, die von einer „männlichen Norm“ ausgeht. Dies hat nicht nur soziale und gesellschaftliche Folgen, sondern auch wissenschaftliche und medizinische. In vielen Lernmaterialien, Videos, Büchern und E-Learning Plattformen wird der „neutrale“ Körper mit männlichen Geschlechtsmerkmalen dargestellt. Wie bereits in meinem ersten Blogeintrag zu dem Thema, sowie in dieser Studie: (Are stereotypes in decline? The portrayal of female anatomy in e-learning – PubMed) festgestellt, werden “geschlechtsneutrale” Erklärungen des menschlichen Körpers (Funktion Verdauung, Atmung, Herz-Kreislauf etc.) in einer überwiegenden Mehrheit anhand eines männlichen Körpermodelles dargestellt. Der weibliche Körper wird vor allem dann herangezogen, wenn es um sexualisierte oder reproduktive Kontexte geht (Reproduktionssystem der Frau, Sexualkunde etc.).
In 2008 veröffentlichte Science Daily eine Statistik zur Visualisierung von Geschlechtern in medizinischen Textbüchern, die ähnliches offenbarte. Die Darstellung neutraler Körperteile fand um bis zu 83% öfter am Modell eines männlichen Körpers statt. Außerdem wurden zu 75% nur Modelle vom kaukasischen Menschen (helle Haut) gezeigt. Die Studie ging auf Transpersonen nicht ein, doch es ist davon auszugehen, dass hier ebenso eine große Unterrepräsentation vorliegt. [2]
Warum ist Repräsentation so wichtig?
Die mediale Unsichtbarkeit einer Personengruppe bringt die Festigung von Stereotypen mit sich. Verzerrte und sexualisierte Darstellungen gehen mit Body Shaming und internalisierten Schönheitsidealen einher, sowie mit einer höheren Toleranz für Sexismus, Belästigung und Gewalt. Im medizinischen Kontext kann sie zu fehlerhaften Diagnosen und falschen oder verzögerten Behandlungen führen. [3,4] Und das kann tödlich enden.
Wie die KI den Stereotyp weiter befeuert
Ich habe ein kleines Experiment gewagt. Ich fütterte ChatGPT mit dem Prompt „Erstelle mir 10 anatomische Bilder des menschlichen Körpers“ mit dem Ergebnis: 2 von 10 Bildern ließen weibliche Körperformen erahnen. Auch bei weiteren Suchanfragen – „Anatomie menschlicher Körper“ – kam ich zu keinem anderen Ergebnis. Auch andere Analytiker:innen beschreiben ähnliches: Bei generischen Prompts, wie bei dem Wort „athlete“ werden in 9 von 10 Fällen männliche Körper erzeugt. [5] Doch warum ist das so?
Online-Bilderplattformen und Bildergeneratoren holen sich ihre Vorlagen aus dem von der männlichen Norm dominiertem Internet. Geschlechterstereotype werden ungefiltert und manchmal gar verstärkt ausgegeben. Und nicht nur die KI, sondern auch Mediendesigner:innen, die oft auf Stock-Material oder Inspiration aus dem Internet zurückgreifen, fallen in diese Falle. [5] Wer mit solchen aus dem Internet heruntergeladenen Inhalten arbeitet befindet sich in einem Ökosystem, in dem eine ganz bestimmte Norm herrscht: Männlich, weiß, jung, sportlich, heterosexuell, cis und ohne Behinderungen. Diese Norm wandert dann in Erklärvideos, Grafiken, Buchgestaltungen und anderen Wissenschaftsdarstellungen. [6]
Guidlines für Designer:innen zur Darstellung wissenschaflticher Inhalte
Designer:innen tragen große Verantwortung. Letztendlich sind sie es, die den größten Einfluss auf die visuelle Darstellung in der Wissenschaftskommunikation haben. Der erste Schritt ist das kritische Hinterfragen aller aus dem Internet gezogenen Inhalte.
Das Projekt Supera (Supporting the Promotion of Equality in Research and Academia) [6] veröffentlicht ein Paper mit “Guidelines for gender sensitive communication in research and academia”. Ein paar Guidelines daraus:
Vermeideirrelevante Information über Aussehen und Geschlecht einer Person.
Vermeide Auslassungen in visueller und verbaler Kommunikation. (Beispiel: Kommen in einer Illustration mehrere Menschen vor, achte auf eine angemessene Anzahl an Frauen, Männern, sowie androgynen Personen)
Präferiere die Darstellung von Frauen/Männern in nicht-traditionellen Rollen und Berufen.
Hinterfrage Icons kritisch. Frauen werden auf Icons meist mit einem Rock dargestellt. Denke immer über Alternativen nach.
Es gibt bereits Initiativen, die versuchen aus dem „genormten Ökosystem“ auszubrechen. Hier werden gezielt medizinische Stock-Illustrationen erstellt, die ein realistisches Frauenbild erzeugen sollen. So sind darauf etwa weibliche Körper mit Dehnungsstreifen, Hautkrankheiten oder Geburtennarben abgebildet. [5]
Santoniccolo, Fabrizio u.a. (09.05.2023): Gender and Media Representations: A Review of the Literature on Gender Stereotypes, Objectification and Sexualization. In: National Library of Medicine, https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10218532/ (zuletzt abgerufen am 01.01.2026)
Kein anderes Werbemittel für einen Film ist so effektiv wie der Tailer. In Hollywood Produktionen macht dieser nur wenige Prozent des gesamten Werbebudgets aus, tragt aber massiv – bis zu 30% – zum Einspielergebnis bei. [1]
Ein Trailer ist auch sehr effektiv dabei, Lust auf einen Film zu machen. Er zeigt Ausschnitte, Musik, grafische Elemente, Schauspieler:innen und Sprecher:innenstimmen, damit Zusehende einen Einblick bekommen. Diese kurze Version des Filmes verrät jedoch nicht die ganze Handlung. Vielleicht werden Fragen aufgeworfen, Mysterien gezeigt, jedoch nicht aufgelöst. Ein guter Trailer erweckt das Verlangen im Zuseher diese Wissenslücken zu schließen und sich den Film anzusehen. Manche Trailer enden mit einem Cliffhanger, einem Witz oder einer Actionszene. Besonders das Ende ist ausschlaggebend. Je „bombastischer“ das Ende eines Trailers, desto positiver wird sich daran erinnert. [2]
Es gibt auch andere Arten von Trailer. Auch viele Games werben mit Previews. Dabei wird aber selten das eigentliche Gameplay gezeigt, als eher eine Filmsequenz, die die Story und das Gefühl des Spieles rüberbringen soll. (Ich möchte hierbei aber zwischen diesen lästigen Werbeschaltungen von Handyspielen absehen und spreche in weiterer Folge von nicht kostenfreien Games, wie etwa für Konsolen oder Computer.)
Die Trailer von Games sind eigentlich richtige Lügner. In manchen Game-Trailern werden vermeintlich Szenen aus dem Game gezeigt, die so jedoch nie vorkommen. Klar, das führt zur Frustration, wenn Erwartungen der Käufer:innen nicht getroffen werden. Andererseits wirkt so ein Story-Trailer viel aufregender, als 2 Minuten pures Gameplay. Beim Bewerben eines Produktes geht es darum ein Gefühl zu vermitteln, Emotionen anzuspielen. Und diese werden durch Storyelemente am besten angesprochen. [2]
Und dann wäre da auch noch der Buch-Trailer. Ein etwas weniger verbreitetes und recht neues Medium. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 wurden im deutschsprachigen Raum circa 10 Buchtrailer veröffentlicht. Nur 5 Jahre später waren es bereits 500. [3] Dieser rasante Anstieg zeigt, dass das Prinzip des Trailers „in kurzer Zeit viel Emotion und Inhalt vermitteln“ sehr gut funktioniert, auch jenseits der Kinoleinwand. Der Trailer ist ein Werkzeug der Aufmerksamkeit.
Und wo ist Aufmerksamkeit noch wichtig? In der Schule. Wie wäre es also das Prinzip eines Trailers dafür einzusetzen Spannung, Erwartung und Emotion in den Unterricht zu bringen?
Der didaktische Trailer
Warum sollte der Trailer mit all seiner Funktion nur als Werbemittel betrachtet werden? Wenn es Buchtrailer gibt, warum nicht auch Schulbuch-Trailer, die den Ruf der Schullektüre aufwerten und modernisieren? Ein Trailer komprimiert Inhalte und verpackt sie in eine emotional aufgeladene Form. Genau das, was im Unterricht Herausforderungen darstellt: Aufmerksamkeit und Motivation erwecken.
Ein Trailer, in solch einer Form, wie oben im Text beschrieben, kann laut seiner eigenen Definition inhaltlich nicht komplette Fachkapitel abdecken, könnte aber einen humorvollen oder spannenden Einstieg in ein Thema bieten. Ein Trailer für das nächste Kapitel im Biologiebuch könnte die Stimmung heben und die Einstellung der Schüler:innen auf das Lernen bessern.
Dabei kann auf das oben genannte „Kochrezept“ eines guten Trailers zurückgegriffen werden: Offene Fragen und Mysterien, Humor, actionreiche Szenen und am Ende ein Cliffhanger.
Didaktisch spannend kann der Trailer dann werden, wenn Lernende selbst ihn gestalten müssen. Denn beim Gestalten entstehen gleich mehrere Lernkompetenzen:
Priorisierung und Vereinfachung der Inhalte
Zusammenhänge müssen verstanden werden
Kommunikation und Sprachkenntnisse. [4]
Warum Bildung Spannung braucht
Lernen braucht Emotion. Neurowissenschaftlich gesehen werden Inhalte, die mit Emotionen, Spannung, Humor oder Überraschung verknüpft werden tiefer verarbeitet. Dadurch kann sich auch besser daran erinnert werden. [4]
Trailer zielen genau das an. Sie erzeugen Vorfreude und einen inneren Drang nach Auflösung. In der Didaktik nennt man das eine „motivationale Aktivierung“ – ein Faktor, der nachhaltig das Lernen verbessert. [5]
Der Trailer macht also sichtbar, was der Unterricht versucht: Aufmerksamkeit herstellen. Dies jedoch viel gezielter und dadurch äußerst effektiv. Ob nun als Einstieg in ein neues Unterrichts-Kapitel, als Projektaufgabe, als Präsentation oder als Lernstrategie: Ein Trailer vereint das Lernen mit Kommunikation, Kreativität und Spannung.
So gesehen ist ein Trailer das Miniaturformat des eigentlichen Lernens: Ein Versprechen auf das Verstehen.
Quellen
Hediger, Vinzenz: Der Trailer, das Schlüsselelement jeder Filmwerbekampagne. In: Hediger, Vinzenz; Vonderau, Patrick: Demnächst in Ihrem Kino. Grundlagen der Filmwerbung und Filmvermarktung. Marburg: Schüren 2005, S. 272-281.10.25969/mediarep/12039
Immordino‑Yang, Mary Helen; Damasio, Antonio: We Feel, Therefore We Learn: The Relevance of Affective and Social Neuroscience to Education. Mind,BrainandEducation 2007, 1(1), 3–10.
Krapp, Andreas. Interesse, Motivation und Lernen: Neue Entwicklungen der pädagogisch‑psychologischen Interessenforschung. Beltz 2010.
Habt ihr euch schon mal gefragt, wie man molekulare Zellstrukturen, sowie Moleküle grafisch richtig aufbereitet, damit diese ansprechend, verständlich aber wissenschaftlich trotzdem noch korrekt aussehen? Nein? Naja, ich schon. Darum geht’s jetzt in diesem Blogbeitrag. Ich weiß, das Thema interessiert nicht jede:n, ich versuch so salopp wie möglich zu schreiben.
Wir waren ja Mitte November auf der Pixel Vienna. Ein Talk davon war von Spicelabs, die sich darauf spezialisiert haben u.a. molekularbiologische Strukturen als 3D Kunst darzustellen. Sie sprachen davon, dass sie dafür chemische Datenbanken einbeziehen, von denen sie sich die Molekülstrukturen holen, die sie darstellen. Ihre Prämisse:
“By studying the techniques and materials used by artists throughout history, we developed an insight into creating visually stunning and aesthetically pleasing designs that capture the essence of the subject.” [1]
Zuerst war ich erstaunt von ihrem Werk und dem Ansatz aus Molekülstrukturen Kunst zu schaffen. Doch ich kam auch ins Nachdenken. Spicelabs kreiert unglaublich schöne und ästhetische Werke, vermischt Materialien wie Holz, Marmor und Glas mit naturwissenschaftlichen Darstellungen, verliert dabei aber total den Bezug zur Realität. Spoiler: So schaut ein Mitochondrium in Echt nämlich nicht aus.
Doch sieht man sich andere Darstellungen von molekularen Strukturen an wird klar: Überall wird mit Nachstellungen gearbeitet, nicht mit dem Realbild. Auch akademische Lehrbücher verwenden Grafiken, anstatt Realbilder. Warum ist das so.
Naja. Siehe Bild.
Möchte man den Aufbau eines Mitochondriums verstehen, so kommt man mit der mikroskopierten Aufnahme schnell an seine Grenzen. Grafisch aufbereitet, mit Farbe und Beschriftungen und ohne dem ganzen Zell-Zeug drum herum ist gleich viel mehr zu erkennen. Hätte ich damals in der Schule alle Zellorganellen anhand von Realaufnahmen lernen müssen, wäre ich wahnsinnig geworden. Aber gleichzeitig lernte ich mir in der Schule ein falsches Bild von Zellen ein.
So ist es auch in der Chemie. Wir kennen alle diese Strukturformeln von Molekülen. Die werden gerne aus ästhetischen Zwecken in Werbungen für diverse Medizinprodukte verwendet. In der Realität sieht ein Molekül aber ganz anders aus. Hier mal eine Darstellung:
Die oberen zwei Bilder wurden von einem Elektronenmikroskop (EM) aufgenommen. Das funktioniert gaaaanz grob gesagt so: Das Objekt (Molekül, Zelle, was auch immer) wird auf einem Objektträger platziert. Dann wird ein sehr sehr sehr dünner Strahl von Elektronen auf das Objekt geschossen. Dieser scannt das Objekt ab, aus welchem selbst Elektronen herausgeschossen werden. Diese Elektronen werden aufgefangen von einem Sensor, der dann das Bild vielfach vergrößert, damit wir das Objekt mit freiem Auge sehen können. Anders als bei einem Lichtmikroskop, wie wir es aus der Schule kennen, sehen wir also nur ein von einem Computersensor „gezeichnetes“ Bild. Ein Molekül mit freiem Auge zu sehen wäre unmöglich, wir können immer nur eine Nachbildung davon betrachten. [2]
So, das war jetzt viel wissenschaftliches Gerede, kommen wir zum Punkt: Ist es überhaupt sinnvoll in der Wissenschaftskommunikation mit „realen“ bzw. Bildern von Mikroskopen zu arbeiten oder eignen sich Grafiken mehr?
Grafiken und Illustrationen erleichtern das Verständnis komplexer Konzepte und verbessern eine Kommunikation von Forschungsergebnissen. Sie können jedoch auch Missverständnisse auslösen, wenn Informationen ungenau sind. Künstlerische Stile können vom Verständnis wichtiger Details ablenken und die Qualität und Technik ist komplett von den Künstler:innen abhängig. [3]
Mikroskopiebilder vermitteln im Gegenzug Authentizität und zeigen tatsächliche Darstellungen. Doch sie können sehr abstrakt wirken. [3]
Wenn wissenschaftliche Information dargestellt wird heißt es also einen guten Mittelweg zu finden. Die Darstellungen müssen authentisch sein. Dabei dürfen sie nicht zu abstrakt sein, jedoch abstrakt genug, um Lernenden dabei zu helfen eine korrekte Vorstellung des Objektes zu haben. [4]
Hast du schon einmal ein Schulbuch über Biologie aufgemacht und gelacht, weil es so witzig war? Schon mal das Periodensystem angeschaut und geschmunzelt? Findest du physikalische Textaufgaben lustig? Macht es dir Freude in ein Mathebuch zu schauen?
Nein. Mir auch nicht.
Naturwissenschaftliche Textbücher haben aber auch nicht den Anspruch lustig zu sein. Sie wollen Wissen vermitteln und Schüler:innen quälen. (Letzteres spitz ausgedrückt…)
Aber warum eigentlich? Andere Bücher schaffen es doch auch Freude beim Lesen zu bereiten. Manche Comicbücher sind sogar darauf ausgelegt einen Gag nach dem anderen zu machen. Stell dir deinen Naturwissenschaftsunterricht mit Schulbüchern vor, die Spaß beim Lesen machen. Hört sich gut an?
Genau das dachten sich auch ein paar Wissenschaftler:innen, die den Einsatz von Humor im Klassenraum erforschten. In der Studie „All kidding aside: Humor increases learning at knowledge and comprehension levels“ wurden Schüler:innen über einen gewissen Zeitraum entweder mit oder ohne den Einsatz vom Humor im Unterricht getestet mit den Ergebnissen: Humorvoller Unterricht steigerte die Leistung. Schüler:innen zeigten bessere Ergebnisse im Verstehen von Informationen, sowie im Erinnern und Wiedererkennen. Sie hatten sich mehr Wissen angeeignet, als jene Schüler:innen, die ohne Humor gelernt hatten und hatten auf den höheren Ebenen von Blooms Taxonomie mehr Erfolg. [1]
Okay Fremdwort: Was ist Blooms Taxonomie?
In den 1950ern erstellte ein gewisser Herr Benjamin Bloom ein Klassifikationssystem für Lernziele auf. Er zeichnete eine Pyramide und teilte diese in sechs Bereiche auf. So ähnlich wie bei den bekannten Ernährungspyramiden stellen die unteren Ebenen den Grundbaustein dar und sind hierarchisch am wichtigsten. Blooms Pyramide beginnt mit dem Erinnern. Der erste Schritt des Lernen ist es also sich Informationen merken zu können. Der zweite Schritt wäre dann das Verstehen. Dann kommt das Anwenden von Information, das Analysieren, Evaluieren und ganz an der Spitze das Erschaffen einer neuen oder originellen Arbeit basierend auf dem verarbeiteten Wissen.[2]
Zurück zur Studie. Die getesteten Schüler:innen schnitten bei Verständnisfragen gleich gut ab, egal ob sie mit oder ohne Humor lernten. Auf höheren Ebenen von Blooms Taxonomie hatten Schüler:innen, die mit Humor lernten jedoch bessere Ergebnisse. Sie wiesen ein tieferes Verständnis für die Lerninhalte auf und hatten die Fähigkeit die Informationen kritischer zu bewerten.[1]
Eine weitere Studie (The Role of Joking for Learning Science: An Exploration of Spontaneous Humour in Two Physics Education Settings) zeigt, dass didaktisch eingesetzter Humor als verständnisbrücke zwischen informeller und wissenschaftlicher Sprache dienen kann, was Lernenden die Integration in eine wissenschaftliche Gemeinschaft erleichtern. Humor kann auf Wissenslücken aufmerksam machen, bringt Spannung in wissenschaftliche Szenarien und erleichtert dadurch das Dranbleiben an wissenschaftlicher Forschung. Besonders spontaner, situationsbezogener Humor wirkt sich positiv auf diese Aspekte aus.[3]
Eine Studie habe ich noch! Diese heißt „Humor as a Teaching Strategy: Exploring its Effect on Learner’s Motivation and Performance“ und untersucht den Effekt von Humor auf die Leitung und Motivation der Partizipierenden. Das Ergebnis der Studie: Schüler:innen, die mit Humor lernten schnitten bei einem Wissenstest besser ab, als jene, die ohne Humor lernten. Humor hatte außerdem einen positiven Einfluss auf die Motivation. Es wurde besser und enthusiastischer gelernt, sowie mehr im Unterricht mitgearbeitet.[4]
Dass ein humorvoller Unterricht zu besseren Noten, mehr Motivation und tieferem Verständnis beiträgt ist unumstritten. Trotzdem setzen viele Professor:innen, Lehrer:innen und Schulbuchautor:innen auf trockene Informationsweitergabe, vor allem im Fach der Naturwissenschaften. Informationen neu zu verpacken ist aufwendig, besonders wenn man auf andere Gestaltungsmöglichkeiten nicht geschult ist. Außerdem ist Humor subjektiv, kulturell und vom Alter abhängig. Gags und Witze in ein Schulbuch einzubringen birgt die Gefahr, dass sie nicht verstanden werden oder ablenkend wirken.
Humor mit Wissenschaft zu verbinden erfordert Fingerspitzengefühl. Ich habe zwei kreative Beispiele herausgesucht, die es schaffen trockene Informationen durch humorvolle Ansätze leicht verständlich zu machen:
How to Teach Quantum Physics to Your Dog by Chad Orzel
In diesem Buch versucht der Autor seiner Hündin Emmy Quantenphysik beizubringen. Ein kreativer und lustiger Ansatz ein komplexen Thema mit Humor aufzulockern.
Ich finde die Idee dieses Buches wunderbar. Die Hündin Emmy als Sympathiefigur einzusetzen gibt dem/der Leser:in einen Anhaltspunkt und einen roten Faden.
Es war einmal… das Leben von Albert Barillé
Eine sehr bekannte Zeichentrick Serie, die 1986 entstand und Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers aus dem Inneren erzählt. Zellen, Moleküle und Organellen werden als Figuren gezeichnet, die ihrer Arbeit im Körper nachgehen müssen.
Zudem gibt es unzählige Videos auf YouTube und weiteren Video Plattformen, die Humor als didaktisches Tool einsetzen. Ein Beispiel:
Hier wird Kindern die menschliche Zelle erklärt. Peekaboo Kidz hat bereits hunderte an animierten Erklärvideos veröffentlicht, die alle mit äußerst viel Humor arbeiten.
In meiner Recherche fiel mir auf: Zumeist sind humorvolle didaktische Videos oder Bücher für Kinder ausgerichtet, die Schüler:innen aus höheren Schulklassen nicht ansprechen. Kinder mit Humor anzusprechen fällt jedoch auch leichter. Ich finde trotzdem dass Humor öfters und gezielt im Unterricht und in der Erstellung von schulischen Lehrbücher eingesetzt werden sollte und werde nach weiteren Einsatzmöglichkeiten und Beispielen suchen.
Liebe/r Leser:in: Falls Du Beispiele von Humor in der Wissensvermittlung hast, bitte ich dich darum mir diese zu schicken! Bussi, danke.
Quellen:
Hackathorn, Jana u.a.: All kidding aside: Humor increases learning at knowledge and comprehension levels. In: Journal of the Scholarship of Teaching and Learning 11,4 (2011), S. 116-123
Wikipedia. Die freie Enzyklopädie (17.04.2025), s.v. Blooms Taxonomie, https://de.wikipedia.org/wiki/Blooms_Taxonomie (zuletzt aufgerufen am 26.10.2025)
Berge, Maria/Anderhag, Per: The Role of Joking for Learning Science: An Exploration of Spontaneous Humour in Two Physics Education Settings. In: Science & Education 34,1 (2025), https://doi.org/10.1007/s11191-025-00622-7
Ullah, Abd/Khan, Sarfaraz/Uddin, Faheem: Humor as a Teaching Strategy: Exploring its Effect on Learner’s Motivation and Performance. In: International Journal of Contemporary Issues in Social Sciences 3,3 (2024), S. 3087- 3105