*10 Kinder als Testpersonen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, daher braucht es viel an Einfühlungsvermögen bei der Befragung dieser Zielgruppe. Die Antworten hängen sehr stark vom Alter der Befragten ab, weil 6-Jährige ganz andere kognitive, emotionale und motorische  Fähigkeiten als 14-Jährige haben. Daher ist es essentiell am Anfang eindeutig zu definieren welche Altersgruppe getestet wird. Dadurch kann man einschätzen wann der:die Befragte gelangweilt oder überfordert ist. Bei Kindern unter sechs Jahren werden hauptsächlich die Eltern befragt. Diese Art wird Tandem-Befragung genannt und den Kindern werden zusätzlich einfache Fragen gestellt. Auch die Länge des Interviews hängt stark von dem Alter der Zielgruppe ab. Man kann mit einer Daumenregel von ungefähr zwei Minuten pro Altersjahr des Kindes rechnen.

Es gibt einige wichtige Punkte auf die man bei der Entwicklung des Fragebogens für Kinder achten sollte: 

  • Altersgerechte Sprache: Wörter und Satzbau sollten an den Entwicklungsstand der Zielgruppe angepasst werden und wenn nötig können verschiedene Versionen für unterschiedliche Altersgruppen vorbereitet werden. 
  • Kurze, klare Fragen: Es sollte auch auf die Formulierung der Fragen geachtet werden, umso leichter diese sind desto besser verstehen die Kinder sie und beantworten sie genauer.
  • Eindeutige Formulierungen: Die Fragen sollen so eindeutig geschrieben sein, dass keine Interpretationen möglich sind. 
  • Direkte Ansprache: Kinder sollten im Fragebogen direkt angesprochen werden. 
  • Keine kognitiven Inhalte: Man sollte Fragen stellen, wie beispielsweise „was gefällt dir daran?“ oder „Was möchtest du“ anstatt von rein kognitiven Fragen. 
  • Positive Formulierungen: Auf Verneinungen sollte verzichten werden um die Frage klarere und deutlicher zu stellen.
  • Visualisierte Skalen: Bilder, Emojis oder Symbole erhöhen das Verständnis und die Motivation der Kinder. 
  • Einheitliche Antwortoptionen: Bei jüngeren Kindern reichen zwei bis drei Auswahlmöglichkeiten oft aus. 
  • Feinmotorik berücksichtigen: Das Design sollte so gestaltet sein dass auch kleine Hände oder Kinderfinger problemlos damit umgehen können. 

Kinder sind meistens sehr begeistert davon neue Dinge zu probieren und berichten auch von ihren eigenen Ideen und Lösungsvorschlägen. Es gibt allerdings einige Dinge auf die man bei der Durchführung des Test mit Kindern achten sollte, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen:

  • Bekannte Umgebung: Der Test sollte unter möglichst alltäglichen und vertrauten Bedingungen stattfinden, damit sich die Kinder wohlfühlen und nicht verunsichert sind. 
  • Vertrauter Ort: Ein Besuch beim Kind Zuhause beziehungsweise an einem bekannten Ort, kann helfen eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
  • Selbstgewählter Sitzplatz: Der:die Tester:in soll sich den Platz für die Befragung selber aussuchen können und der:die Interviewer:in passt sich an.
  • Entspannter Einstieg: Kinder sind vor einem Test auch unsicher und etwas schüchtern. Hier kann es helfen nicht gleich mit dem Test zu starten, sondern zu Beginn ein einfaches Gespräch über beispielsweise Hobbys, Schule, Lieblingssachen etc. anzufangen. 
  • Testgrund erklären: Vor dem Test sollte klar und kindergerecht erklärt werden, dass nicht sie getestet werden sondern dass Produkt und das Fehler und Probleme auftreten können. 
  • Einfluss von Eltern minimieren: Die Eltern können in der Nähe sein beziehungsweise im gleichen Raum sollen aber keine Hilfe bieten, damit das Kind selbstständig testet.
  • Einfluss von Geschwistern oder Freund:innen: Ein anderes Kind kann den Test jedoch positiv beeinflussen und vor allem bei schüchternen Kindern hilft es damit sie sich leichter öffnen.
  • Selber nicht beeinflussen: Wenn Kinder etwas nicht verstehen stellen sie gerne viele Fragen. Hier sollte man darauf achten, mit Gegenfragen zu antworten wie zu Beispiel „was denkst du?“ oder „was würdest du jetzt machen?“, daher gibt man keine Lösungen vor.  
  • Spontan sein: Kinder sind nicht immer vorhersehbar und können auch schnell unruhig werden. In diesen Situationen hilft es eine kurze Pause zu machen.
  • Geduldig sein: Am Anfang hilft es oft, wenn die Leser:innen das Produkt zu erst einmal selber entdecken und anschauen können. 
  • Beobachtung: Die Beobachtung des Tests sollte eine zweite Person übernehmen, damit die Kinder nicht verunsichert oder abgelenkt wirken. 
  • Beobachtung von Gestik und Mimik: Kinder können noch nicht so gut laut denken, weswegen ihre Körpersprache sehr aussagekräftig ist. Bei der Beobachtung sollte man genau drauf chauen, wie sich das Kind bewegt oder reagiert. Manchmal hilft es auch nachzufragen warum es gerade diese Bewegung oder Reaktion hat. 

Bei Interviews und Tests mit Kindern ist es besonders wichtig, die Zustimmung der Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten zu haben und ihre Anwesenheit sicherzustellen. Sie müssen genau über den Ablauf, die Ziele und die Verwendung der Ergebnisse informiert werden. Zudem ist es essentiell auf das geistige und emotionale Wohlbefinden der Kindern zu achten, so dass die Teilnehmer:innen nicht überfordert oder belastet werden. 

Müller Maria (2018): Usability-Test mit Kindern: 18 Dinge, die Sie beachten müssen. In: Userlutions. https://userlutions.com/blog/usability-analyse/usability-tests-mit-kindern/ (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

Radek (2024): Wie kann man Usability-Test mit Minderjährigen durchführe? In: The story. https://thestory.is/de/journal/usability-tests-mit-minderjahrigen/ (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

Bao Lining/ Hotze Line (o.J.): Kinder als Zielgruppe digitaler Produkte: 11 Tipps für UX / Usability Testing mit jungen Usern. In: Appmatics. https://www.appmatics.com/blog/usability-testing-mit-kindern (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

o.V. (2023): Qualitative Marktforschung mit Kindern: was muss beachtet werden? In: opinion. https://opinion.de/stories/news/quantitative-marktforschung-mit-kindern-was-muss-beachtet-werden (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

*9 Wie schreibe ich ein Kinderbuch? PART3

Es ist einfach so ein spannender und umfangreicher Blog von Dr. Anette Huesmann, da gibt’s gleich noch einen dritten Blogpost: 

*Erzählstruktur von Kinderbüchern

Der Aufbau und die Erzählstruktur einer Geschichte variieren je nach dem Alter der Kinder. Bei Kinderbüchern für die Kleinsten ist es meistens so, dass Geschichten kurz gehalten werden und nur auf wenigen Seiten erzählt wird. Hier ist eine einzelne Hauptfigur im Fokus, welche die Leser:innen das ganze Buch lang begleitet. EIn Beispiel hierfür könnte sein, dass die Figur zu Beginn eine Frage stellt oder vor einem Problem steht, welches im Verlauf der Geschichte gelöst wird. 

Bei Vorlesebüchern hingegen lassen sich zwei unterschiedliche Formen unterscheiden. Einerseits gibt es Bücher mit mehreren abgeschlossenen Geschichten, die sich jeweils als kurze Gutenachtgeschichte eignen und ungefähr fünf bis zehn Minuten dauern. Andererseits haben manche Vorlesebücher mehrere Kapitel, in denen jeweils eine Episode einer zusammenhängenden Geschichte erzählt wird, wie beispielsweise „Der kleine Drache Kokosnuss“. Auch diese Kapitel sind meistens so aufgebaut, dass sie innerhalb von fünf bis zehn Minuten vorgelesen werden können.  

Auch bei Kinderromanen, die ab acht Jahren sind, zeigt sich oftmals noch eine episodische Struktur. Mit zunehmenden Alter der Leser:innen ähneln die Bücher jedoch immer stärker Jugendromanen und erzählen fortlaufende Geschichten über mehrere Kapitel, wie zum Beispiel bei „Hier kommt Lola!“. Einige  Kinderromane kombinieren beide Ansätze und erzählen eine große zusammenhängende Geschichte, wo aber jedes Kapitel gleichzeitig eine weitgehend abgeschlossene Episode bildet, wie beispielsweise bei „Harry Potter und der Stein der Weisen“. 

*Dialoge

Dialoge sind ein wichtiger Teil um eine Geschichte lebendig zu erzählen. Dialoge leben aber gar nicht unbedingt von dem gesprochenen sondern viel mehr davon was unausgesprochen bleibt. Häufig passiert es, das Figuren zu viel reden. Hierbei hilft es dir Dialoge so zu kürzen, dass nur noch das nötigste zum Verstehen übrig bleibt. Da Kinder oft nur wenige Wörter brauchen, um einer Geschichte folgen zu können. 

Am Beispiel von Hänsel und Gretel kann man das hier gut sehen: 

Hier wird viel zu viel geredet: 

Gretel zitterte und ihr blasses Gesicht hob sich von den nachtschwarzen Baumstämmen ab. „Es ist so kalt hier und wir wissen doch gar nicht, wo wir sind. Außerdem bin ich müde“, flüsterte sie. 

Hänsel wischt sich mit dem Handrücken die Nase. „Bald ist es Mitternacht und wenn wir nicht schnell den Weg nach Hause finden müssen wir im Wald übernachten. Dort sind wir den wilden Tieren ausgeliefert. Wir haben keine Zeit, wir müssen weiter“, drängt er.

Wenn man das Gesprochene aufs Minimum reduzieren würde, wäre es: 

Gretel zitterte und ihr blasses Gesicht hob sich von den nachtschwarzen Baumstämmen ab. „Ich bin müde“, flüstere sie. 

Hänsel wischt sich mit dem Handrücken die Nase. „ Wir müssen weiter“, drängt er. 

In Dialogen ist es nicht untypisch „sagte er“ oder „sagte sie“ zu wiederholen. Stattdessen könnte man aber Wörter wie flüstern, zischen, schrieen, erwidern oder meinen nehmen oder diese Wörter auch ganz weglassen. Um deutlich zu machen, wer gerade spricht, folgt häufig eine kleine Aktion auf das Gesprochene, wie zum Beispiel „Das ist mein Platz.! Paul blickte ihn finster an. 

*Zeitstufen 

Wann und in welchem Zeitraum eine Geschichte spielt, sollte gut überlegt sein. Entscheidend ist auch, wie viel Zeit von Anfang an bis zum Ende vergeht, also die Zeitausdehnung, und welche Auswirkungen das auf die Handlung hat. Denn bei längeren Zeiträumen müssen oft Zeitsprünge eingebaut werden, damit die Geschichte stimmig bleibt. In Kinderbüchern werden Rückblenden eher selten eingesetzt, weil sie den Lesefluss stören.  

Bücher für Erwachsene werden meistens im Präteritum (sie sagt, er roch, sie las) geschrieben. Ebenso wird diese Zeitform in Kinderbüchern verwendet, wobei Bücher für 6 bis 12 Jährige häufig im Präsens (sie sagt, er riecht, sie liest) verfasst werden.

Bei einer Rückblende muss sich die Zeitstufe aber ändern, so dass die Vergangenheit zur Vorvergangenheit und die Gegenwart zur Vorgegenwart wird. Das kann für Kinder herausfordernd sein und wird daher nicht oft eingesetzt. 

*lebendig und anschaulich erzählen

Jugendbücher ähneln beim Erzählen oft den Erwachsenenbüchern, während Kinderromane sich stärker auf die entscheidenden Ereignisse fokussieren. Lange Beschreibungen von Kleidung, Aussehen sowie Orte werden meistens weggelassen. Trotzdem gilt für alle Altersklassen, das Geschichten lebendig geschrieben werden müssen, also das sogenannte szenische Erzählen, im Englischen auch „show don’t tell“. 

Bei fiktiven Geschichten gibt es zwei verschiedene Formen des Erzählers: narrative Erzählweise und szenische Erzählweise. Während bei der narrativen Form Informationen und Inhalte kurz berichtet werden, soll die szenische Erzählweise Bilder im Kopf der Leser:innen erzeugen. Hier geht es auch darum, die Handlung lebendig wirken zu lassen. Statt nur zu berichten wird hier „gezeigt“ was passiert. Dafür müssen alle fünf Sinne angesprochen werden, also was die Figuren sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Genau zu sagen bedeutet das, dass man nicht sagt „Jürgen war wütend ( =tell), sondern man beschreibt wie er die Augenbrauen zusammenzieht und die Faust ballt ( =show). 

In Romanen und Kurzgeschichten werden diese beiden Erzählformen meist abwechselnd eingesetzt, wobei der szenische Teil oft eine größere Rolle spielt, damit die Ergebnisse lebendig sind. Wichtige Momente einer Geschichte werden szenisch erzählt, um die Ereignisse lebendiger und emotionaler zu machen. Mit narrativen Teilen werden Überleitungen oder zeitliche Abläufe zusammengefasst. Daher sollte man sich beim Schreieben einer Geschichte darauf fokussieren beide Erzählweisen einzubauen. Unwichtige Informationen können hier narrativ vermittelt werden und zentrale Situationen szenisch dargestellt, um im Kopf der Leser:innen ein einprägendes Bild zu gestalten. 

*Schauplatz 

Der Schauplatz in einer Geschichte bestimmt, wo eine Szene spielt und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Stimmung. Ein Spielplatz zum Beispiel kann sehr unterschiedlich sein, vielleicht ist er zwischen Wolkenkratzern oder mitten im Wald. Deshalb sollte der Ort so gewählt werden, dass er die Atmosphäre der Szene unterstützt. Bei der Beschreibung von einem Schulplatz in Kinder- und Jugendbüchern sollten verschieden Sinne angesprochen werden um die Szene lebendig zu machen. Man soll erklären was die Figuren sehen, hören riechen oder fühlen, wobei aber nicht alle Sinneseindrücke immer auf einmal beschrieben werden müssen, sonst könnte die Geschichte monoton wirken. Wichtig ist es die prägnantesten Gefühle in den Fokus zu stellen. 

Huesmann Anette (2022): Kinderbuch schreiben. In: Die Schreibtrainiern. https://www.die-schreibtrainerin.de/kinderbuch-schreiben/ (zuletzt abgerufen am 12.1.2026)

*8 Wie schreibe ich ein Kinderbuch? PART2

… und hier ist der versprochene Part 2

*Menschen oder Tiere als Hauptfigur?

Kinder lesen Geschichten lieber, wenn die Hauptfigur ein bisschen älter ist als sie. Darum sind diese in den meisten Fällen ein bis zwei Jahre älter als die Leser:innen. Bei Kinder- und Jugendromanen sollte das Alter der Figuren jedoch zur Zielgruppe passen. So sind Hauptfiguren in Kinderromanen ab acht Jahren meistens neun Jahre, während bei Jugendromanen ab 14 Jahren Figuren meist 16 Jahre alt sind. Jüngere Hauptfiguren interessieren die Leser:innen meist nicht. 

Tiere sind häufig ein wesentlicher Teil des Figurenensembles von Kinderbüchern, übernehmen aber je nach Altersgruppe unterschiedliche Rollen. In Bilderbüchern für 3-5-Jährige oder Vorlesebücher nfür 6-7-Jährige sind Tiere oftmals menschliche Stellvertreter:innen, die sprechen können, auf zwei Beinen gehen oder wie Menschen handeln können. Da können nicht nur Tierkinder mit ihren Eltern die Hauptrolle übernehmen, sondern auch erwachsene Tiere, wie beispielsweise Heule-Eule, die kleine Hummel Bommel, Frederick oder Der Grüffelo. 

Bei Kinderromanen ab acht Jahren kommt es ebenfalls vor dass Tiere Teil der Geschichte sind aber meistens nicht als menschliche Stellvertreter:innen sondern als Begleiter:innen der Hauptfigur, wie zum Beispiel Hunde, Pferde oder andere Tiere die wie Freund:innen oder Helfer:innen sind. In den Büchern ab 10 Jahren können Tiere auch als Gegner:innen vorkommen oder selbst die Hauptrolle übernehmen. In diesen Geschichten erleben die Tiere komplexe Abenteuer oder bewegen sich zwischen zwei Welten. 

*Phantasiewelten 

Kinderbücher können sowohl in realen Welten als auch in Fantasiewelten spielen, denn beides kommt bei Kindern gut an. Sie lieben es, sich in Geschichten wiederzufinden und ihre eigene Welt zu entdecken aber empfinden es auch spannend in neue und für sie fremde Abenteuer einzutauchen.  

Sowohl Kinder als auch Eltern lesen gerne Geschichten, die in der normalen Alltagswelt spielen, denn diese beschreiben das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen und all die lustigen und traurigen Momente. Kinder erkennen alltägliche Probleme wieder und können mithilfe der Geschichte über ihre Probleme lachen, reden und auch weinen. Dadurch können diese Bücher Kindern und Eltern helfen über komplexe Themen wie Ängste, Sorgen, Tod oder Krankheiten zu reden. Durch Bilderbücher werden Kindern Situationen nähergebracht, welche sie noch nicht erlebt haben und so ihr Wissen über die Welt und das Leben erweitern. 

Zudem lieben es Kinder auch, wenn ihnen unbekannte Welten vorgestellt werden, weshalb phantasievolle Geschichten und außergewöhnliche Figuren, wie zum Beispiel Hexen, Feen, Tiere, spezielle Gegenstände oder übernatürlichen Fähigkeiten, sehr beliebt sind. Aber auch hier ist das Alter der Leser:innen ein entscheidender Punkt. Denn jüngere Kindern bevorzugen beispielsweise die Welt der Prinzessin Lilifee während ältere sich schon mehr für gruselige Gespenstergeschichten interessieren. 

*Die Erzählperspektive 

Kurzgeschichten, Bilderbücher oder Vorlesebücher für Kinder sind in den meisten Fällen in einer auktorialen Erzählperspektive verfasst. Damit ist gemeint, dass eine Erzählstimme, die alles weiß, die Geschichte erzählt. 

Bei Kinderromanen ist es so, dass sie in der Regel in der ersten oder dritten Person geschrieben sind, die sogenannte Erzählperspektive. Dabei wird die Geschichte aus der Sicht einer einzelnen Person erzählt, sodass ihre Gedanken und Gefühle sehr intensiv vermittelt werden können. In Büchern für Erwachsene kann diese Perspektive sich wechseln, dann spricht man von einer Multiperspektive. Diese zeigen sich manchmal in Jugendbüchern auch, sind aber in Kinderbüchern sehr untypisch. Kinderbücher sind hauptsächlich aus der Sicht von einer Figur und selten aus der eines Erwachsenen. 

*Einsatz von Bildern 

Grundsätzlich gilt, dass bei jüngeren Kindern, Geschichten mehr Bilder und weniger Text haben, wie bei Älteren. Für die Kleinsten bestehen Bilderbücher fast ausschließlich aus Illustrationen, während bei 3-5-Jährigen die Bilder die Handlung erzählen und nur wenig Text ergänzend dazukommt. In Vorlesebüchern gibt es weiterhin viele Bilder, jedoch wird der Text hier deutlich umfangreicher und erzählt längere Geschichten oder mehrere Episoden. Auch bei den Erstlesebüchern zeigen sich noch viele farbige Illustrationen, welche die Kinder zum weiterlesen animieren sollen. Erst mit zunehmendem Alter spielen Bilder immer mehr eine kleinere Rolle. Kinderromane haben meist nur noch wenige Bilder und die sind oft kleine schwarz-weiße Zeichnungen oder Symbole. In Büchern ab ungefähr 10 Jahren kommen keine Bilder mehr vor. 

Wenn man sein Kinderbuch bei einem Verlag einreichen möchte, muss man nicht unbedingt Illustrationen mitbringen. Die meisten Verlage organisieren und finanzieren diese selber. Daher reichen Autor:innen meist nur Texte bei Agenturen beziehungsweise Verlagen ein. Bei einer Selbstveröffentlichung hingegen muss der:die Autor:in sich selber um die passenden Illustrationen kümmern beziehungsweise gezielt nach Illustratoren:innen suchen. 

Huesmann Anette (2022): Kinderbuch schreiben. In: Die Schreibtrainiern. https://www.die-schreibtrainerin.de/kinderbuch-schreiben/ (zuletzt abgerufen am 10.1.2026)

*7 Wie schreibe ich ein Kinderbuch?

Ein Kinderbuch zu schreiben ist eine große Herausforderung, weil Kinder sehr dankbare aber auch sehr kritische Zuhörer:innen sind. Wenn sie eine Geschichte langweilig finden zeigen sie es sofort und lehnen diese ab. Jedoch können starke Held:innen ihre Kindheit sehr beeinflussen. Diese Figuren und Geschichten können ein Leben lang im Gedächtnis der Leser:innen bleiben. Damit Kinder wirklich gefesselt werden, braucht es bewundernswerte Charaktere, spannende Handlungen und eine lebendige Sprache. Man kann sagen, dass ein Kinderbuch zu gestalten gleich anspruchsvoll ist wie einen Roman für Erwachsene zu schreiben.  

Im heutigen Blog gehe ich auf ein paar Punkte ein, auf die man beim Gestalten eines Kinderbuches achten sollte: 

*Für welches Alter wird das Kinderbuch geschrieben?  

Zu Beginn ist es wichtig sich die Frage zu stellen, für welches Alter das Kinderbuch gedacht ist. Davon ausgehend wird entschieden, welches Thema, Sprache, Textlänge und Anzahl der Bilder gewählt werden. Denn 6-Jährige wollen andere Geschichten erleben als 8-Jährige. Je älter die Kinder sind, desto komplexer kann die Sprache sein und Texte können länger werden und Bilder werden weniger wichtig. 

Standard Altersgruppen für Kinderbücher: 

0–2 Jahre: Bilderbücher für die Kleinsten

3–5 Jahre: Bilderbücher

6–7 Jahre: Vorlesebücher und Erstlesebücher 

8–11 Jahre: Kinderromane 

Ab 12 Jahren: Jugendromane 

Die Altersangaben bei Kinderbüchern passen nicht immer genau zu den individuellen Interessen und Fähigkeiten der Kinder, bieten für Eltern und junge Leser:innen aber eine hilfreiche erste Orientierung. Auch Verlage und Buchhandlungen nutzen diese Einteilung als Richtwert und beurteilen Bücher dann nach Thema, Textlänge und Bildanteil. Es gibt aber auch Bücher, welche nicht eindeutig in eine Altersgruppe passen. Je nachdem wie bekannt ein:e Autor:in ist dürfen die Altersangaben variieren. Daher sollte sie bei unbekannten Namen genauer sein, weil sie für Eltern ein wichtiger Entscheidungspunkt beim Kauf sind.

*Sprache von Kinderbüchern

Die Sprache von Kinderbüchern passt sich dem Alter genau an. Für jüngere Kinder, bis ungefähr fünf Jahre sind Bilderbücher in einfacher Sprache gehalten, mit kurzen Sätzen und klaren Wörtern geschrieben. Zudem werden hier Reime, Geräusche, Wortwiederholungen und neue Wortschöpfungen vermehrt eingesetzt. 

Vorlesebücher ab sechs Jahren werden beispielsweise inhaltlich und sprachlich etwas komplexer, weil sie von Erwachsenen vorgelesen werden. 

Erstlesebücher sind für Kinder, die die Geschichte schon selbst lesen und müssen sich daher stark an deren Kenntnissen orientieren. Diese Texte sind kurz und einfach gebaut, weil Erstleser:innen noch sehr langsam lesen. Hier ist es vor allem wichtig, dass jeder Satz interessant, spannend oder witzig ist, damit die Freude und Interesse am Lesen erhalten bleiben. 

Bücher ab acht Jahren werden herausfordernder, jedoch werden auch hier schwere Wörter oder anspruchsvollere Satzstellungen vermieden. Jugendromane nähern sich schon der Erwachsenenliteratur an. Sprachlich ähneln sie schon sehr erwachsenen Romanen und fokussieren sich daher auf ein umfangreicheres Publikum.   

*altersgerechte Themen für Kinderbücher

Kinderbücher fokussieren sich inhaltlich auf die jeweiligen Interessen ihrer Leser:innen. Bereits kleine Altersunterschiede haben einen großen Einfluss darauf, welche Themen aufgegriffen werden, da sie sich an den unterschiedlichen Entwicklungsständen der Kinder orientieren. 

Beispiele dafür: 

  • Gute Nacht Geschichten 
  • Mut mach Bücher
  • Körperhygiene 
  • Schulgeschichten 
  • Pferdegeschichten 
  • Problemthemen
  • Freundschaften 
  • Scheidung, Patchwork Familie, Hochzeit
  • Älter werden
  • Krankheiten, Tod, Hass
  • Weihnachten, Ostern
  • Urlaub 
  • Geburtstag 

Für jüngere Kinder werden oftmals vertraute Alltagssituationen, wie beispielsweise Essen, Zähneputzen, Gefühle oder schlafen thematisiert. Wobei mit zunehmendem Alter Themen wie Freundschaften, Schule, Freizeit oder Ferien interessant werden. Grundsätzlich gibt es wenig Themen, die nicht kindergerecht aufgefasst werden können. Wenn ein Buch sich mit komplexen Inhalten beschäftigt, werden meistens Lösungsvorschläge beschrieben, welche Kinder stärken können. Dabei sollen diese Bücher aber nicht zu belehrend sein. Ab acht Jahren werden in Kinderromanen zunehmend genrespezifische Themen aufgefasst, wie zum Beispiel Abenteuer, Detektivgeschichten oder Fantasiegeschichten. Bei Jugendbüchern hingegen werden sehr ähnliche Themen wie bei der Erwachsenenliteratur verwendet, wie Identitätsfragen, Beziehungen oder Freundschaften.  

*Umfang von Kinderbüchern

Bilderbücher, Kinder- und Jugendbücher unterscheiden sich stark in ihrem Umfang, der immer angepasst an die Altersgruppe ist. Bei kleinen Kindern ( 0-2 Jahre) haben die Bücher meistens wenig Seiten mit eindeutigen Bildern und wenig beziehungsweise keinem Text. Dadurch können erste Wörter gelernt werden. Bei 3 bis 5-Jährigen werden ungefähr 24 bis 30 Seiten gestalten, welche mit kurzen Texten und begleitenden Bildern eine Geschichte erzählen. Die Gesamtlänge liegt hier meistens bei unter 10.000 Zeichen. Vorlesebücher haben hier schon mehr Text und haben ungefähr 50 bis 100 Buchseiten mit 40.000 bis 120.000 Zeichen. Kinderromane haben noch mehr Seiten, um die 100 bis 150 Seiten, während Jugendbücher oft schon ähnlich wie Erwachsenenbücher mit 250 bis 350 ungefähr sind.  

Nochmal ein kurzer Überblick: 

  • 0-2 Jahre, Bilderbücher: 6 bis 12 Seiten, kaum/kein Text, einfache Bilder 
  • 3-5 Jahre, Bilderbücher: 24 bis 30 Seiten, wenig Sätze, komplexere Bilder (können Doppelseite sein)
  • 6-7 Jahre, Vorlesebücher: 70 bis 130 Seiten, längere Texte  (80 Normseiten Text), komplexere Bilder
  • Ab 8 Jahren, Kinderromane: 100 bis 200 Seiten (100-150 Normseiten), keine Bilder, schwarz-weiß
  • Ab 12 Jahren, Jugendromane: Umfang wie bei Erwachsenenbüchern, keine Bilder 

Weils so spannend ist gibts Part 2 in einem weiteren blogpost 😉 stay continued

Huesmann Anette (2022): Kinderbuch schreiben. In: Die Schreibtrainiern. https://www.die-schreibtrainerin.de/kinderbuch-schreiben/ (zuletzt abgerufen am 10.1.2026)

*6 Bilderbücher vorlesen oder erzählen?

Bilderbücher sind für Kinder ein wichtiger Einstieg in die Welt der Geschichten und Sprache, weil sie meistens nicht alleine, sondern gemeinsam mit Erwachsenen erlebt werden. Hier gibt es zwei Arten der Vermittlung: das Vorlesen und das Erzählen. Die beiden Methoden fördern das verstehende Zuhören. Am Beispiel des Kinderbuchs „Wo ist mein Hut“ von Jon Klassen wird deutlich, worin sich die beiden Ansätze unterscheiden. Beim Vorlesen wird der Text wortgetreu oftmals in Hochdeutsch wiedergegeben und durch das Zeigen der Bilder unterstützt. Das Erzählen hingegen erfolgt freier, lässt mehr Interpretationsraum und wird häufig in Mundart gestaltet. Im Kindergarten wird das Erzählen oft bevorzugt, weil es als weniger anspruchsvoll, kindgerechter und freier wahrgenommen wird.

Erzählen 

Der Begriff „Erzählen“ bedeutet in diesem Zusammenhang mehr als einfaches wiedergeben oder aufzählen. Es ist das bewusste Erzählen von Geschichten mit klaren Kernaussagen, die zu einem Höhepunkt (Klimax) führen. Es zeichnet sich dadurch aus, dass sich die erzählende Person nicht beziehungsweise nur leicht an einer Vorlage orientiert und selbst über die Sprache, den Umfang, den Einsatz von Bildern sowie inhaltliche Erweiterungen beziehungsweise Kürzungen der Geschichten entscheidet. Eine klare, reduzierte und bewusst gewählte Sprache wirkt dabei meist stärker und stört die Spannung und Aussagekraft nicht. Aus diesem Grund wählen Erzähler:innen meist eine einfache und alltagsnahe Sprache.

Seit ungefähr 2010 sind textlose Bilderbücher, die sogenannten silent books, weit verbreitet. Diese laden Kinder dazu ein, Geschichten in Bildern zu entdecken und visuelle Eindrücke in eigene Worte zu übersetzen. Dadurch, dass diese Bücher sprachunabhängig sind, ermöglichen sie, dass Geschichten von allen verstanden und (vor)gelesen werden können. 

Damit eine gute Erzählung entsteht, braucht es eine genaue Vorbereitung, denn die Erzähler:innen müssen die Geschichte genau kennen und überlegen, wo es zu Kürzungen und Erweiterungen in der Geschichte kommen kann, wann und wie Bilder eingesetzt werden, wie die Zuhörenden eingebunden werden sowie in welcher Sprache (Mundart oder Hochdeutsch) erzählt wird. Beim Erzählen selbst können flexible und interaktive Elemente wie beispielsweise Figuren- oder Schattenspiele, Geräusche, Musik, Mimik und Gestik, Stimmeinsatz oder gezielte Pausen eingesetzt werden, um die Geschichte lebendig zu machen. Methoden wie Bilderbuchkino oder Kamishibai (Papier-Theater) unterstützten den Erzählprozess, ohne das gesprochene Wort aus dem Mittelpunkt zu drängen. 

Vorlesen 

Mit dem Vorlesen ist die wortgetreue Wiedergabe eines Textes gemeint. Autor:innen wählen ihre Formulierungen bewusst, sodass gewisse Abweichungen die Qualität verändern könnten. Eine Übersetzung in Mundart ist möglich, verändert jedoch die sprachliche Wirkung des Textes.

Gutes Vorlesen erfordert eine genaue Vorbereitung, damit die Geschichte frei und natürlich wirkt. Betonungen, Pausen, Stimmführung und Sprechtempo müssen hier gezielt eingesetzt werden, damit der Charakter der Geschichte erhalten bleibt. Der Vorlesende soll Figuren, Beziehungen, zentrale Ereignisse und die Grundstimmung gut kennen und sich mit der eigenen Meinung zum Text auseinandersetzen, da diese ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Zudem ist es hilfreich, Sachen im Text zu markieren, damit sich der Vorlesende währenddessen an die geplanten Betonungen und Gestaltungen erinnert.

Vorlesen vs. Erzählen 

Unabhängig davon, ob die Geschichte vorgelesen oder frei erzählt wird, eröffnen beide Methoden Kindern den Zugang zu realen Erfahrungen sowie fantasievollen Welten. Dadurch können sie mit den Figuren mitfühlen, Emotionen nachvollziehen und eigene Gedanken dazu entwickeln. Gleichzeitig stärken beide Methoden die Aufmerksamkeit, erweitern den Wortschatz und fördern den Wissensaufbau.

Seit den frühen 2000er-Jahren liegt der Fokus bei Bilderbüchern auf einer engen Bild-Text-Verknüpfung. Denn Bild und Wort sollten gleichzeitig wahrgenommen werden. Ein getrenntes zeigen oder nacherzählen der Bilder würde diese Verbindung aufheben und das Verständnis der Kinder beeinträchtigen.

Des Weiteren ermöglicht Literatur Kindern, wichtige Fragen zu reflektieren, verschiedene Perspektiven wahrzunehmen und so Empathie und Identitätsentwicklung zu fördern. Ob eine Geschichte vorgelesen oder erzählt wird, spielt dabei eine untergeordnete Rolle, weil das Entscheidende ist, dass sie zum Mitfühlen, Nachdenken und Austausch angeregt werden. Gut erzählte oder vorgelesene Geschichten bieten ein interaktives Erlebnis, bleiben in Erinnerung und fördern die Fantasie. Sie unterscheiden sich dabei vor allem in der Sprache, denn beim Vorlesen wird der Originaltext übernommen, während beim Erzählen die Worte frei gewählt sind. 

Rychener Inge (2024):  Bilderbücher vorlesen doer erzählen?. In: ERG. https://www.ethik-religionen-gemeinschaft.ch/inge-rychener-bilderbuecher-vorlesen-oder-erzaehlen/ (zuletzt abgerufen am 5.1.2026)

*5 Das Bilderbuch

Das Bilderbuch ist eine eigenständige Kategorie der Kinderliteratur und umfasst im Allgemeinen ungefähr 30 Seiten. Illustrationen spielen in Bilderbüchern eine wichtige Rolle. Denn bei dieser Art von Büchern steht nicht der geschriebene Inhalt im Vordergrund, sondern das Bild. Dadurch wird der Inhalt überwiegend visuell dargestellt. In diesem Zusammenhang lassen sich drei unterschiedliche Typen von Bilderbüchern unterscheiden: 

  • Bei dieser Kategorie von Büchern gibt es keine Texte. Diese werden einerseits eingesetzt um noch nicht lesekundige Kinder zu adressieren oder andererseits um den Inhalt des Buches ausschließlich über visuelle Darstellung wahrzunehmen.
  • Des Weiteren gibt es Bilderbücher mit wenig Text. Hierbei unterstützt und verdeutlicht der Text die Aussage der Bilder und trägt dazu bei, visuelle Wahrnehmungen sprachlich auszudrücken.  
  • Bei dem letzten Typ von Bilderbüchern sind Texte und Illustrationen gleich wichtig. Das bedeutet, dass sich die beiden Komponenten unterstützen und gemeinsam den Inhalt bilden. 

Bilderbücher richten sich in erster Linie an Kinder, welche noch nicht lesen können beziehungsweise an jene die sich gerade erst im Prozess des Lesenlernens befinden. Daraus kann man eine ungefähre Alterspanne von einem bis acht Jahren filtern. Man sollte sich jedoch nicht ganz streng auf diese Alterszuordnung fokussieren, weil es vermehrt auch sogenannte „All-Age-Literatur“ gibt. Diese Bilderbücher sprechen nicht nur Kinder an, sondern wenden sich auch an ein erwachsenes Publikum.

Insbesondere bei Bilderbüchern für Klein- und Volksschulkinder zeigt sich die Begleitung durch Erwachsene als unverzichtbar. Beispielsweise Eltern, Erziehungsberechtigte oder pädagogische Fachkräfte übernehmen dabei wichtige Aufgaben, indem sie Texte vorlesen, Bilder erläutern und auf Fragen der Kinder reagieren. Denn das Kind sollte genügend Möglichkeiten bekommen, eigene Gedanken, Emotionen und Assoziationen zum Gelesenen und Beobachteten zu äußern. Zwar kann das Kind Bilderbücher auch selbstständig betrachten, jedoch erleichtert die Begleitung durch Erwachsene das Erfassen und Verarbeiten der Inhalte.

Es gibt viele unterschiedliche Bilderbuchtypen, wie beispielsweise textfreie „erste Bücher“ mit Einzelbildern und kleinen Handlungsfolgen. Zudem gibt es „Szenenbilder“ zur intensiven Auseinandersetzung mit Bildern. Des Weiteren übermittelt die Kinderlyrik in Bilderbüchern Reime, Lieder und Gedichte. Spielbilderbücher haben Pop-Ups oder Aufklappseiten als Merkmal.

Bildergeschichten mit problemorientierten Inhalten ermöglichen Kindern erste Berührungspunkte mit zukünftigen gesellschaftlichen oder persönlichen Konflikten und tragen dazu bei, dass sie frühzeitig ein Bewusstsein für komplexe Themen entwickeln. Diese Bücher kommen jedoch oft mit Kritik in Berührung. Es wird diskutiert ob kleine Kinder bereits in der Lage sind Themen, wie beispielsweise Gewalt verstehen und reflektieren können. Kritiker:innen argumentieren, dass Kinder nicht mit Thematiken, wie Tod, Krankheiten, Hunger, Leiden oder Rassismus konfrontiert werden sollten. Das sie befürchten, dass solche Darstellungen die Kindheit negativ beeinflussen und bei den Kindern Angst und Unsicherheiten verursachen. Dem kann jedoch gegenübergestellt werden, dass auch Kinder Erfahrungen von Unglück machen. Es wird argumentiert, dass es weniger sinnvoll ist, Probleme vor ihnen zu verstecken, weil Kinder bereits früh wahrnehmen, dass das Leben nicht immer fröhlich ist sondern es auch Momente der Trauer, Wut, Ungerechtigkeit und Grausamkeit gibt. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit solchen Themen kann Entlastung schaffen und den Kindern verdeutlichen, dass sie mit Sorgen nicht allein sind. Bedeutend ist jedoch, dass diese Inhalte altersgerecht übermittelt werden und Kinder nicht ohne begleitende Unterstützung mit diesen Themen konfrontiert werden.   

Kock, Greta Katharina: Menschen mit geistiger Behinderung als Thema in der Kinderliteratur. Über Behinderung, Vorurteile und dessen Inszenierung in Bilderbüchern. Bachelorarbeit Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Fakultät Wirtschaft und Soziales. o.D. 2016

Dichtl Eva-MAria/Vorst Claudia (2015): Das zeitgenössische Bilderbuch: Chancen literarischen, bildlich und medialen Lernens. In: Das Kita-Handbuch. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/sprache-fremdsprachen-literacy-kommunikation/das-zeitgenoessische-bilderbuch-chancen-literarischen-bildlichen-und-medialen-lernens/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2025)

*2 Menschen mit Beeinträchtigung als Thema in der Kinderliteratur

Viele Kinder haben in ihrem Alltag keinen direkten Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigungen. Durch Kinderbücher kann eine erste indirekte Begegnung mit diesem Thema ermöglicht werden. Mit Hilfe von Geschichten setzen sich Kinder mit bestimmten Situationen beziehungsweise Verhaltensmustern auseinander, die ihnen bei einer späteren realen Begegnung Orientierung und Sicherheit bieten können. 

Heutzutage gibt es schon einige Kinder- und Jugendbücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen und unterschiedliche Beeinträchtigungen, ihre Ursachen, Vorurteile sowie den Umgang anderer Menschen damit ansprechen. So können diese Bücher bereits früh übermitteln, dass Beeinträchtigungen ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind. Studien zeigen, dass Kinderbücher, welche Beeinträchtigungen thematisieren, einen positiven Einfluss auf die Vorstellungen von Kindern haben können. Auf eine einfache und wirksame Art und Weise kann Wissen vermittelt, Informationen weitergegeben und Interesse an dem Thema geweckt werden. Jedoch müssen gewisse Punkte berücksichtigt werden, damit ein Buch diesen positiven Einfluss haben kann. Einerseits ist es wichtig über die Lebenssituationen der Menschen mit Beeinträchtigungen zu informieren aber andererseits sollen sich die Leser:innen in den Geschichten wiederfinden können. Zudem soll es altersgerecht und deutlich geschrieben werden, damit gezeigt wird dass Menschen mit Beeinträchtigungen viele gleiche Lebenserfahrungen sammeln. 

In Kinderbüchern passiert es oft, dass die Darstellungen der Art der Beeinträchtigung nicht der Realität entsprechen, sondern sich häufig an medialen Abbildungen orientieren. Am häufigsten werden körperliche oder Sinnesbeeinträchtigungen thematisiert. Das kann man daraus leiten, weil sichtbare Beeinträchtigungen sich sowohl sprachlich als auch bildlich einfacher darstellen lassen als andere Beeinträchtigungen. Sehr viele werden daher gar nicht thematisiert, wie zum Beispiel schwerstbeeinträchtigte Menschen. Ein zentrales Problem in der Darstellung von Menschen mit Beeinträchtigungen in Büchern ist, dass sie oft eher klischeehaft dargestellt werden. Sie werden häufig als „Helden“ oder „Opfer“ beschrieben. Betroffene empfinden diese Darstellung als sehr kritisch, denn viele wollen weder bewundert noch bemitleidet werden, sondern als selbstverständlich und normal wahrgenommen werden. Denn sie agieren nicht wegen ihrer Beeinträchtigung sondern mit ihr.

In Kinder- und Jugendbüchern kann man bemerken, dass Beeinträchtigungen oft in ähnlichen, klischeehaften und wiederkehrenden Mustern dargestellt werden, welche zu einem übertriebenen und verzerrten Bild von Beeinträchtigungen führen: 

  • Das liebe/geduldige oder aggressive Klischee: Hier werden Menschen mit Beeinträchtigungen als entweder lieb und geduldig oder aggressiv und verbittert dargestellt. Diese vereinfachten Bilder können gefährlich sein, weil eine einzelne Figur oft alle Menschen mit Beeinträchtigungen repräsentiert.
  • Der plötzliche Held: Dieses Klischee kommt in Büchern am meisten vor und beschreibt wie ein Kind mit Beeinträchtigung außergewöhnliche Sachen macht beziehungsweise Fähigkeiten hat, wodurch er oder sie Anerkennung bekommt. Das ist problematisch, weil der Eindruck entsteht, dass Kinder nur durch außergewöhnliche Taten wertgeschätzt werden. 
  • Die wundersame Heilung: Häufig werden Beeinträchtigungen durch magische oder unerklärliche Heilungen in Kinderbüchern gelöst. Das vermittelt aber unrealistische Vorstellungen und beschreibt die Beeinträchtigungen als eine Krankheit, die geheilt werden muss. 
  • Die Freundschaft zu einem Tier: Hier spielt ein Tier oft die Rolle des besten Freundes oder einen Ersatz für soziale Kontakte. Das wird manchmal sehr übertrieben eingesetzt. 
  • Das plötzliche Verschwinden: Dabei verlassen Kinder mit Beeinträchtigungen die gewohnte Umgebung, in der sie sich nicht verstanden fühlen, um später wieder zurückzukehren und festzustellen, dass sich alles geändert hat. Diese Handlung wirkt sehr unrealistisch. 
  • Das Erschaffen einer Fantasiewelt: Hier ziehen sich die Kinder in eine Traumwelt zurück, um Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Aussage, dass sie im realen Leben auch Zuneigung bauchen geht hier meistens verloren. 
  • Der Mensch mit Beeinträchtigungen in einer Nebenrolle: Wenn die Person mit Beeinträchtigung nicht als Hauptfigur beschrieben wird, dann wird sie oft als Nebenfigur dargestellt, welche von anderen Charakteren Hilfe bekommt. 

Bei Büchern die Menschen mit Beeinträchtigungen thematisieren ist es sehr wichtig, dass die Figuren nicht verharmlost oder als Problem beschrieben werden. Zudem sollten sie auch nicht als eine Person mit außergewöhnlichen Fähigkeiten oder böse dargestellt werden, sondern als normale Kinder mit ihren Stärken und Schwächen. Zudem sollen Wunderheilungen und übertriebene Aktionen vermieden werden und normale Alltagssituationen beschrieben werden. Außerdem sollte eine Vielzahl von Beeinträchtigungen gezeigt werden und nicht nur auf eine einzige fokussiert werden. Dadurch können Leser:innen sich besser mit den Figuren identifizieren, sich in die  Geschichte hineinfühlen und Vorurteile vergessen. 

Die Bewertung von Kinder- und Jugendbüchern ist meistens sehr schwierig, weil sie von der subjektiven Einschätzung abhängt. Kinder können diese Bücher meist noch nicht selber bewerten weswegen Erwachsene diese Rolle für sie übernehmen müssen. Dabei kann man sich an verschiedene Aspekten orientieren, wie beispielsweise daran, was es einem Kind moralisch und pädagogisch lehrt, welche literarische Qualität das Buch hat und ob es altersgerecht ist. 

Kock, Great Katharina: Menschen mit geistiger Behinderung als Thema in der Kinderliteratur. Über Behinderungen, Vorurteile und dessen Inszenierung in Büchern. Bachelorarbeit 2016, S. 26-34

Neumann, Ulrike: Geistiger Behinderung im Kinderbuch. Diplomarbeit. 2004, S. 38-42

*4 Beispiele von Kinderbüchern zum Thema Beeinträchtigung & Inklusion

Es gibt schon einige tolle Bücher zum Thema Inklusion und Vielfalt und im heutigen Blog möchte ich ein paar davon vorstellen: 

*Lilly gehört dazu

„Lilly gehört dazu“ ist ein Kinderbuch, geschrieben von Irmgard Portman und ist ab vier Jahren. In diesem Buch wird von der kleinen Lili mit Downsyndrom und ihrer großen Schwester erzählt. Das Buch berichtet aus der Sicht der Schwester und schildert, wie schön es ist eine Schwester zu haben. Zudem wird dargestellt, dass Liebe nicht an Können oder Leistung gemessen wird. Dieses Buch ist in einfacher und altersgerechter Sprache verfasst und mit bunten Illustrationen ergänzt. 

*Ich bin Mari 

In dem Buch „ich bin Mari“, geschrieben von Shari und André Dietz erzählt Mari, ein Mädchen mit Angelman-Syndrom, ein Gendefekt, bei dem die Sprache und Bewegung eingeschränkt sind, von ihrem Leben. Es wird ihr Alltag beschrieben, und wie Mari ihre Gedanken und Wünsche mit Gesten, Tablet und Lauten beschreibt. Zudem werden Situationen, wie zur Schule gehen, tanzen, schwimmen und das Einkaufen erzählt, aber auch von ihren Herausforderungen wie den Schmerzen, epileptischen Anfällen oder Blicken von anderen Personen. Dieses Buch thematisiert in einer altersgerechten Sprache Themen wie Schielen, Lautäußerungen oder den Rollstuhl. Mit Illustrationen wird diese Geschichte zum Leben erweckt.  

*Wir sind wunderbar verschiedne

Dieses Buch für Kinder ab fünf Jahren zeigt wie vielfältig das Leben sein kann. Hier lernen sich Kinder in der Schule kennen und entdecken nach und nach die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Freund:innen und deren Familien. Tracy Turner beschreibt hier Themen wie Herkunft, Talente, Träume, Gefühle oder besonderer Beeinträchtigungen und zeigt dass Unterschiede kein Hindernis für Freundschaften sind.  

*Linus liebt Licht 

In diesem Buch wird darüber geschrieben, wie Linus, ein autistisches Kind seinen Alltag lebt und wie sich Stimming bei ihm zeigt. Stimmig ist die Abkürzung für selbststimulierendes Verhalten und beschreibt seine bestimmten Routinen oder Bewegungen, welche ihm dabei helfen sich zu beruhigen oder zu konzentrieren. In diesem Buch wird nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen auf eine einfühlsame Art und Weise gezeigt, was Stimmig bedeutet und warum das in Linus seinem Alltag eine bedeutende Rolle spielt. Geschrieben wurde das Buch von Anna Mendel und Jasmin Sturm. 

*Momo ist alles zu viel 

In diesem Buch, ebenfalls geschrieben von Anna Mendel und Jasmin Sturm wird erneut das Thema Autismus aufgegriffen. Jedoch erzählt dieses Buch von den Situationen, in denen Momo alles zu viel, zu laut, zu stressig oder zu schmerzhaft wird. Es wird gezeigt, wie Momos Umfeld auf seine Überreizungen reagiert und wie man ihn in solchen Situationen unterstützen kann. Auf eine verständnisvolle Art wird erklärt wie man auf die Bedürfnisse von Autist:innen eingeht.

*Als Ela das All eroberte 

In dem Buch, geschrieben von Adina Hermann und Raul Krauthausen will Ela als Astronautin das All erobern, aber nicht alle glauben dass sie das schaffen wird, weil Ela im Rollstuhl sitzt. Jedoch wird Ela von ihrem besten Freund Ben und Onkel Micha so unterstützt, dass sie lernt an ihre Träume zu glauben und Wege findet wie sie diese wahr werden. Diese Geschichte ab fünf Jahren soll Kinder ermutigen und dazu motivieren dass jeder seine Träume erreichen kann. 

*Wilma Wolkenkopf

In diesem Buch von Saskia Niechzial und Lara Hacker erzählt Wilma von ihren kleinen oder großen Abenteuern aus dem Alltag und dass wir alle besonders sind. Auf einfühlsame Art und Weise wird ADHS in diesem Buch thematisiert.

*Wir gehören alle Zusammen

In diesem Buch geht es um ein tolerantes Miteinander und eine barrierefreie Welt. Das Buch erzählt eine Geschichte von Mira, Kopernikus und MC Pieps die an einem Sommertag einen Igel im Rollstuhl kennenlernen. Auf eine spielerische Art und Weise thematisiert das Buch dass „Normal“ nur ein Wort ist und klärt über ein respektvolles Miteinander auf und darüber, wie Barrieren überwunden werden. 

*Mimis Kunterbunte Welt

„Mimis Kunterbunte Welt“, geschrieben von Ulrike Haas und Nicola Boyne thematisiert in einem detailreichen Wimmelbuch ab einem Jahr eine vielfältige Welt. Mimi zeigt in dem Buch ihre Lieblingsplätze und Freund:innen, wie Toni im Prinzessinnenkleid, Ali von der Feuerwehr oder Freddy mit seinem Papierflieger. Dieses Buch spiegelt die Vielfalt der Gesellschaft wider, wie unterschiedliche Hautfarben, Menschen mit Beeinträchtigung, verschiedene Familienformen, Tattoos, Narben und Schwangerschaftsstreifen. Dadurch soll sich jedes Kind wiederfinden und fördert Empathie.

*Das Mädchen mit den vier Namen

In diesem Bilderbuch geht es darum, wie vielfältig Mutterschaft sein kann. Denn das Mädchen in dem Buch hat vier Mütter: eine Bauchmama, eine Findemama, eine Pflegemama und eine Herzensmama und jede von ihnen hat ihr einen anderen Namen gegeben. Jeder dieser Namen erzählt in dem Buch einen Teil ihrer Lebensgeschichte. 

Annika (2024): Kinderbücher zum Thema Behinderung & Inklusion. In: Räuberfuchs. https://www.raeuberfuchs.de/de-at/blogs/raeuberfuchsblog/kinderbucher-uber-behinderung-inklusion?srsltid=AfmBOorBTJ3e7nX-cw31dYOOxi0C3M7VQOLp1eNKU3D5UoicQwJE8lpZ (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Walther Kathrin (2022): Anders normal: Die Welt mit Maris Augen. In: Kinderbuch Couch.de. https://www.kinderbuch-couch.de/titel/4416-ich-bin-mari/ (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Diana Künne (2024): Mendel/Sturm, Linus liebt das Licht. In: Diana Künne. https://dianakuenne.de/p/mendel-sturm-linus-liebt-licht (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Ulila (o.J.): Mimis Kunterbunte Welt. In: Ulila. https://ulila.de/products/mimis-kunterbunte-welt?srsltid=AfmBOorWmt9eDWGKzsnnUku8yibCaWDo_f19XfpvlAvf170kXXDCsVpX(zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Ulila (o.J.): Mimis Kunterbunte Welt. In: Ulila. https://ulila.de/products/mimis-kunterbunte-welt?srsltid=AfmBOorWmt9eDWGKzsnnUku8yibCaWDo_f19XfpvlAvf170kXXDCsVpX(zuletzt abgerufen am 2.12.2025) 

Kleines ganz groß (o.J.): Wir gehören alle zusammen. In: Kleines ganz groß. https://kleinesganzgross.com/shop/wir-gehoeren-alle-zusammen-buch-von-mira-das-fliegende-haus/#:~:text=Geeignetes Alter für „Wir gehören,auch aufgeteilt werden und bspw. (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

O.V, (o.J.): Unsere Kinderbuchtipps im Überblick. In: Eltern. https://www.eltern.de/familie-urlaub/familienleben/das-maedchen-mit-den-vier-namen_13471504-13391362.html (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

*3 Diversität in Kinderbüchern 

In der Kinderliteratur ist Diversität ein sehr wichtiger Punkt, um die unterschiedlichen Lebensweisen von Menschen zu zeigen. Dazu gehören Geschlechterrollen sowie sexuelle Identität, kulturelle und ethnische Diversität und die Darstellung von Beeinträchtigungen. Diese Geschichten und Bilder helfen Kindern dabei, die Welt besser zu verstehen, Empathie zu entwickeln und soziale Fähigkeiten zu stärken, damit sie unterschiedliche Perspektiven kennenlernen. 

*Kulturelle und ethnische Vielfalt 

Kinderbücher können Kindern Wissen und Verständnis über kulturelle Vielfalt von der Gesellschaft geben. Es ist besonders wichtig, dass eine authentische Darstellung geschaffen wird, weil Kinder dadurch lernen die Lebensweisen anderer Kulturen zu verstehen und zu respektieren. Bücher können hier wie ein „Spiegel“ wirken, in dem Kinder, sich und ihre eigene Welt wiederfinden oder wie ein „Fenster, welches neue Perspektiven auf andere Kulturen eröffnen kann. Vor allem für Kinder aus unterrepräsentierten Gruppen bietet mehr Sichtbarkeit die Möglichkeit, ihr eigenes Selbstbild zu stärken. Zudem fördert der Perspektivenwechsel bei anderen Kindern Empathie und Toleranz.

Viele Kinderbücher greifen weiterhin auf stereotypische Darstellungen zurück, wie beispielsweise auf vereinfachte Merkmale wie Kleidung und Hautfarbe. Dadurch wird das Bild von unterrepräsentierten Gruppen falsch beziehungsweise verzerrt gezeigt und ignoriert die tatsächliche Vielfalt. Außerdem erschwert die geringe Repräsentation von diesen Kindern als Hauptfigur, dass sie sich wiederfinden und kann zu negativen Auswirkungen auf ihr Selbstbild führen. Damit das nicht mehr vorkommt, sollten multiperspektivische Geschichten geschrieben werden, die Kinder dazu ermutigen unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen und sich aktiv mit kultureller Vielfalt auseinandersetzen. 

*Geschlechterrollen und sexuelle Identität

Kinderbücher beeinflussen sehr stark, wie Kinder Geschlechterrollen wahrnehmen. Früher wurden Mädchen oft als sehr ruhig und hilfsbereit gezeigt, während Buben als stark und abenteuerlustig beschrieben wurden. Solche stereotypischen Darstellungen zeigen Kinder, wie sie sich zu verhalten haben und übermitteln starke Klischees. Auch heutzutage gibt es noch einige Bücher, vor allem die für 4-6-Jährige, die diese Rollenbilder vermitteln. So lernen Kinder nur eingeschränkte Vorstellungen von Mädchen- und Bubenrolle, was ihr Bewusstsein für Gleichberechtigung beeinflussen kann.

Viele neue Kinderbücher versuchen stark diese Rollenbilder zu brechen und zeigen Kinder mit Eigenschaften, die untypisch für ihr Geschlecht sind, wie zum Beispiel, Julian ist eine Meerjungfrau. Dadurch werden Kinder dazu ermutigt sich zu entscheiden wer sie sein wollen und was sie gerne haben. Auch die Art und Weise wie Geschichten erzählt werden, spielt eine wichtige Rolle. Bücher in denen es keine festen Konflikte zwischen Buben und Mädchen gibt, geben neue Möglichkeiten für Freundschaften. Wenn Wörter und Bilder untypische Eigenschaften zeigen, können Kinder alte Vorstellungen über Geschlechterrollen hinterfragen und erkennen, dass jeder Mensch vielfältig und unterschiedlich sein kann. 

Zudem werden immer mehr Bücher mit queeren Figuren veröffentlicht und auch Transgender Personen werden in Geschichten immer präsenter. Diese Geschichten zeigen verschiedene Lebensweisen, fördern Verständnis und geben Kindern das Gefühl offener zu sein. Die Darstellung von LGBTQ+ Figuren in Kinderbüchern hilft Kindern, Vielfalt in Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierung kennenzulernen. Queere Charakter ermöglichen es Kindern, alternative Lebensweisen außerhalb traditioneller Normen zu sehen und fördern Empathie und den Abbau von Vorurteilen. Auch heterosexuelle Personen lernen dadurch offen und respektvoll mit verschiedenen Leben umzugehen. Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte spielen eine wichtige Rolle in der Vermittlung von queeren Themen. 

*Beeinträchtigungen 

Die Darstellung von unterschiedlichen Formen von Beeinträchtigungen spielt eine wichtige Rolle in der Förderung von Inklusion. Diese Bücher beeinflussen, dass Vielfalt als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft gesehen wird und bringen Kindern unterschiedliche Lebensweisen näher. Beeinträchtigungen werden dadurch nicht als ungewöhnlich dargestellt, sondern als normal im alltäglichen Leben. Äußerem hat es für Kinder mit Beeinträchtigungen einen besonders wichtigen Einfluss, da sie sich in der Geschichte wiederfinden und sie das Gefühl bekommen dazu zu gehören. Gleichzeitig lernen Kinder ohne Beeinträchtigungen mehr über deren Alltag.

Hier ist es ebenfalls wichtig eine realistische und respektvolle Darstellung anzustreben. Diese Bücher sollten sich darauf fokussieren vielfältige Figuren zu zeigen, bei denen die Beeinträchtigungen nur ein Teil der Persönlichkeit sind und nicht der Fokus. Vor allem alltägliche Situationen und selbstständiges Handeln sollten hier dargestellt werden. Bilderbücher haben großes Potenzial, Empathie zu fördern und Berührungsängste zu reduzieren. Mit kindergerechten Illustrationen können komplexe Themen abgebildet und Gespräche über Inklusion und Vielfalt angeregt werden.

o.V.: Kinderbücher als Mittel zur Inklusion und Diversität. o.J. S. 36–55

*1 Wichtigkeit von inklusiven Kinderbüchern 

Kinderbücher dienen nicht nur zu reinen Unterhaltungszwecken, sie stellen vielmehr einen wichtigen Punkt in der Entwicklung von Kindern dar, weil sie beeinflussen, wie Kinder sich selbst und ihre Umgebung wahrnehmen. Vor allem inklusive Kinderbücher spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Kinder auf Figuren stoßen, in denen sie sich selber oder ähnliche Erfahrungen wiederfinden, vermittelt ihnen das das Gefühl gesehen und geschätzt zu werden. Daraus ergibt sich ein gestärktes Selbstbewusstsein und eine Basis für ihre Entwicklung. 

Des Weiteren können Kinder durch die Geschichten in Büchern ihre individuellen Ereignisse betrachten und einander gegenüberstellen. Dadurch bemerken sie, dass ihre Erfahrungen und Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Zudem öffnen Kinderbücher den Blick für neue Erfahrungen und vermitteln unterschiedliche Perspektiven und Lebensweisen. Aufgrund von Kinderbüchern können Kinder die Welt um sich herum wahrnehmen aber vor allem inklusive Bücher ermöglichen es Einblicke in andere Lebenssituationen zu gewährleisten. Diese geben Orientierung und unterstützen Kinder dabei, Werte wie Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung zu verstehen und zu festigen. Aus diesem Grund stärken inklusive Kinderbücher einerseits die Akzeptanz von Vielfalt und andererseits fördern sie auch die Entwicklung von Empathie. Durch das Lesen von vielfältigen Geschichten lernen Kinder Mitgefühl und übernehmen Verhaltensweisen, die sie in den Büchern wiederfinden.

Im Gegensatz zu Erwachsenen, die Literatur häufig als Mittel zur Flucht aus der Realität betrachten, stellen Kinderbücher oft eine erste Begegnung mit der Wirklichkeit dar. Sie formen frühzeitig die Sichtweise von Kindern auf die Gesellschaft und haben bleibende Auswirkungen. Inklusive Kinderbücher, welche die Vielfalt und Inklusion thematisieren, haben eine entscheidende Verantwortung. Analysen, wie die von der Literaturwissenschaftlerin Tanja Kollodzieyski zeigen, dass mehrere Faktoren entscheidend sind, um Kinder positiv zu prägen. 

Ein wichtiger Punkt ist die Vielfalt der dargestellten Figuren. In Geschichten, in denen mehrere Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen vorkommen, wird verhindert, dass einzelne Charaktere stereotypisiert oder auf Klischees reduziert werden. Darüber hinaus spielt die Art und Weise wie eine Beeinträchtigung dargestellt wird, eine entscheidende Rolle. Wenn die Beeinträchtigung einer Figur im Fokus der Handlung steht, besteht die Gefahr, dass der:die Protagonist:in auf seine:ihre Beeinträchtigungen reduziert wird und als passiv und abhängig erscheint. In solchen Fällen sprechen andere Figuren häufig über das Kind mit Beeinträchtigung, anstatt eine Perspektive aus der eigenen Handlungsperspektive zu ermöglichen. 

Erfolgreiche inklusive Erzählungen fokussieren sich meist auf das Abenteuer, welches Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen durchleben. Dabei werden individuelle Kompetenzen eingebracht und die kooperative Problemlösungsfähigkeit wird gefördert. Besonders das Ende eines Kinderbuches hat einen bedeutenden Einfluss. Es prägt das letzte inhaltliche Bild, welches Kinder aus der Geschichte mitnehmen. Ziel ist es nicht, Beeinträchtigungen zu verschweigen sondern ein selbstbestimmtes und aktives Leben mit Beeinträchtigungen zu vermitteln.

Bunge Noemi (5.2.2025): Inklusive und diverse Kinderbücher: Repräsentation von vielfältigen Vorbilder*innen. In: Institut für angewandte Kindermedienforschung, https://ifak-kindermedien.de/paedagogik/inklusive-diverse-kinderbuecher/ (zuletzt abgerufen am 03.11.2025)

Aktion Mensch (o.D.): Inklusive Kinderbücher: Ein bisschen Utopie, bitte. In: Aktion Mensch. https: https://www.aktion-mensch.de/menschen-und-geschichten/aus-dem-leben/inklusive-kinderbuecher (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)