*10 Kinder als Testpersonen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, daher braucht es viel an Einfühlungsvermögen bei der Befragung dieser Zielgruppe. Die Antworten hängen sehr stark vom Alter der Befragten ab, weil 6-Jährige ganz andere kognitive, emotionale und motorische  Fähigkeiten als 14-Jährige haben. Daher ist es essentiell am Anfang eindeutig zu definieren welche Altersgruppe getestet wird. Dadurch kann man einschätzen wann der:die Befragte gelangweilt oder überfordert ist. Bei Kindern unter sechs Jahren werden hauptsächlich die Eltern befragt. Diese Art wird Tandem-Befragung genannt und den Kindern werden zusätzlich einfache Fragen gestellt. Auch die Länge des Interviews hängt stark von dem Alter der Zielgruppe ab. Man kann mit einer Daumenregel von ungefähr zwei Minuten pro Altersjahr des Kindes rechnen.

Es gibt einige wichtige Punkte auf die man bei der Entwicklung des Fragebogens für Kinder achten sollte: 

  • Altersgerechte Sprache: Wörter und Satzbau sollten an den Entwicklungsstand der Zielgruppe angepasst werden und wenn nötig können verschiedene Versionen für unterschiedliche Altersgruppen vorbereitet werden. 
  • Kurze, klare Fragen: Es sollte auch auf die Formulierung der Fragen geachtet werden, umso leichter diese sind desto besser verstehen die Kinder sie und beantworten sie genauer.
  • Eindeutige Formulierungen: Die Fragen sollen so eindeutig geschrieben sein, dass keine Interpretationen möglich sind. 
  • Direkte Ansprache: Kinder sollten im Fragebogen direkt angesprochen werden. 
  • Keine kognitiven Inhalte: Man sollte Fragen stellen, wie beispielsweise „was gefällt dir daran?“ oder „Was möchtest du“ anstatt von rein kognitiven Fragen. 
  • Positive Formulierungen: Auf Verneinungen sollte verzichten werden um die Frage klarere und deutlicher zu stellen.
  • Visualisierte Skalen: Bilder, Emojis oder Symbole erhöhen das Verständnis und die Motivation der Kinder. 
  • Einheitliche Antwortoptionen: Bei jüngeren Kindern reichen zwei bis drei Auswahlmöglichkeiten oft aus. 
  • Feinmotorik berücksichtigen: Das Design sollte so gestaltet sein dass auch kleine Hände oder Kinderfinger problemlos damit umgehen können. 

Kinder sind meistens sehr begeistert davon neue Dinge zu probieren und berichten auch von ihren eigenen Ideen und Lösungsvorschlägen. Es gibt allerdings einige Dinge auf die man bei der Durchführung des Test mit Kindern achten sollte, um ein bestmögliches Ergebnis zu bekommen:

  • Bekannte Umgebung: Der Test sollte unter möglichst alltäglichen und vertrauten Bedingungen stattfinden, damit sich die Kinder wohlfühlen und nicht verunsichert sind. 
  • Vertrauter Ort: Ein Besuch beim Kind Zuhause beziehungsweise an einem bekannten Ort, kann helfen eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
  • Selbstgewählter Sitzplatz: Der:die Tester:in soll sich den Platz für die Befragung selber aussuchen können und der:die Interviewer:in passt sich an.
  • Entspannter Einstieg: Kinder sind vor einem Test auch unsicher und etwas schüchtern. Hier kann es helfen nicht gleich mit dem Test zu starten, sondern zu Beginn ein einfaches Gespräch über beispielsweise Hobbys, Schule, Lieblingssachen etc. anzufangen. 
  • Testgrund erklären: Vor dem Test sollte klar und kindergerecht erklärt werden, dass nicht sie getestet werden sondern dass Produkt und das Fehler und Probleme auftreten können. 
  • Einfluss von Eltern minimieren: Die Eltern können in der Nähe sein beziehungsweise im gleichen Raum sollen aber keine Hilfe bieten, damit das Kind selbstständig testet.
  • Einfluss von Geschwistern oder Freund:innen: Ein anderes Kind kann den Test jedoch positiv beeinflussen und vor allem bei schüchternen Kindern hilft es damit sie sich leichter öffnen.
  • Selber nicht beeinflussen: Wenn Kinder etwas nicht verstehen stellen sie gerne viele Fragen. Hier sollte man darauf achten, mit Gegenfragen zu antworten wie zu Beispiel „was denkst du?“ oder „was würdest du jetzt machen?“, daher gibt man keine Lösungen vor.  
  • Spontan sein: Kinder sind nicht immer vorhersehbar und können auch schnell unruhig werden. In diesen Situationen hilft es eine kurze Pause zu machen.
  • Geduldig sein: Am Anfang hilft es oft, wenn die Leser:innen das Produkt zu erst einmal selber entdecken und anschauen können. 
  • Beobachtung: Die Beobachtung des Tests sollte eine zweite Person übernehmen, damit die Kinder nicht verunsichert oder abgelenkt wirken. 
  • Beobachtung von Gestik und Mimik: Kinder können noch nicht so gut laut denken, weswegen ihre Körpersprache sehr aussagekräftig ist. Bei der Beobachtung sollte man genau drauf chauen, wie sich das Kind bewegt oder reagiert. Manchmal hilft es auch nachzufragen warum es gerade diese Bewegung oder Reaktion hat. 

Bei Interviews und Tests mit Kindern ist es besonders wichtig, die Zustimmung der Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten zu haben und ihre Anwesenheit sicherzustellen. Sie müssen genau über den Ablauf, die Ziele und die Verwendung der Ergebnisse informiert werden. Zudem ist es essentiell auf das geistige und emotionale Wohlbefinden der Kindern zu achten, so dass die Teilnehmer:innen nicht überfordert oder belastet werden. 

Müller Maria (2018): Usability-Test mit Kindern: 18 Dinge, die Sie beachten müssen. In: Userlutions. https://userlutions.com/blog/usability-analyse/usability-tests-mit-kindern/ (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

Radek (2024): Wie kann man Usability-Test mit Minderjährigen durchführe? In: The story. https://thestory.is/de/journal/usability-tests-mit-minderjahrigen/ (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

Bao Lining/ Hotze Line (o.J.): Kinder als Zielgruppe digitaler Produkte: 11 Tipps für UX / Usability Testing mit jungen Usern. In: Appmatics. https://www.appmatics.com/blog/usability-testing-mit-kindern (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)

o.V. (2023): Qualitative Marktforschung mit Kindern: was muss beachtet werden? In: opinion. https://opinion.de/stories/news/quantitative-marktforschung-mit-kindern-was-muss-beachtet-werden (zuletzt abgerufen am 15.1.2026)