*4 Beispiele von Kinderbüchern zum Thema Beeinträchtigung & Inklusion

Es gibt schon einige tolle Bücher zum Thema Inklusion und Vielfalt und im heutigen Blog möchte ich ein paar davon vorstellen: 

*Lilly gehört dazu

„Lilly gehört dazu“ ist ein Kinderbuch, geschrieben von Irmgard Portman und ist ab vier Jahren. In diesem Buch wird von der kleinen Lili mit Downsyndrom und ihrer großen Schwester erzählt. Das Buch berichtet aus der Sicht der Schwester und schildert, wie schön es ist eine Schwester zu haben. Zudem wird dargestellt, dass Liebe nicht an Können oder Leistung gemessen wird. Dieses Buch ist in einfacher und altersgerechter Sprache verfasst und mit bunten Illustrationen ergänzt. 

*Ich bin Mari 

In dem Buch „ich bin Mari“, geschrieben von Shari und André Dietz erzählt Mari, ein Mädchen mit Angelman-Syndrom, ein Gendefekt, bei dem die Sprache und Bewegung eingeschränkt sind, von ihrem Leben. Es wird ihr Alltag beschrieben, und wie Mari ihre Gedanken und Wünsche mit Gesten, Tablet und Lauten beschreibt. Zudem werden Situationen, wie zur Schule gehen, tanzen, schwimmen und das Einkaufen erzählt, aber auch von ihren Herausforderungen wie den Schmerzen, epileptischen Anfällen oder Blicken von anderen Personen. Dieses Buch thematisiert in einer altersgerechten Sprache Themen wie Schielen, Lautäußerungen oder den Rollstuhl. Mit Illustrationen wird diese Geschichte zum Leben erweckt.  

*Wir sind wunderbar verschiedne

Dieses Buch für Kinder ab fünf Jahren zeigt wie vielfältig das Leben sein kann. Hier lernen sich Kinder in der Schule kennen und entdecken nach und nach die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Freund:innen und deren Familien. Tracy Turner beschreibt hier Themen wie Herkunft, Talente, Träume, Gefühle oder besonderer Beeinträchtigungen und zeigt dass Unterschiede kein Hindernis für Freundschaften sind.  

*Linus liebt Licht 

In diesem Buch wird darüber geschrieben, wie Linus, ein autistisches Kind seinen Alltag lebt und wie sich Stimming bei ihm zeigt. Stimmig ist die Abkürzung für selbststimulierendes Verhalten und beschreibt seine bestimmten Routinen oder Bewegungen, welche ihm dabei helfen sich zu beruhigen oder zu konzentrieren. In diesem Buch wird nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen auf eine einfühlsame Art und Weise gezeigt, was Stimmig bedeutet und warum das in Linus seinem Alltag eine bedeutende Rolle spielt. Geschrieben wurde das Buch von Anna Mendel und Jasmin Sturm. 

*Momo ist alles zu viel 

In diesem Buch, ebenfalls geschrieben von Anna Mendel und Jasmin Sturm wird erneut das Thema Autismus aufgegriffen. Jedoch erzählt dieses Buch von den Situationen, in denen Momo alles zu viel, zu laut, zu stressig oder zu schmerzhaft wird. Es wird gezeigt, wie Momos Umfeld auf seine Überreizungen reagiert und wie man ihn in solchen Situationen unterstützen kann. Auf eine verständnisvolle Art wird erklärt wie man auf die Bedürfnisse von Autist:innen eingeht.

*Als Ela das All eroberte 

In dem Buch, geschrieben von Adina Hermann und Raul Krauthausen will Ela als Astronautin das All erobern, aber nicht alle glauben dass sie das schaffen wird, weil Ela im Rollstuhl sitzt. Jedoch wird Ela von ihrem besten Freund Ben und Onkel Micha so unterstützt, dass sie lernt an ihre Träume zu glauben und Wege findet wie sie diese wahr werden. Diese Geschichte ab fünf Jahren soll Kinder ermutigen und dazu motivieren dass jeder seine Träume erreichen kann. 

*Wilma Wolkenkopf

In diesem Buch von Saskia Niechzial und Lara Hacker erzählt Wilma von ihren kleinen oder großen Abenteuern aus dem Alltag und dass wir alle besonders sind. Auf einfühlsame Art und Weise wird ADHS in diesem Buch thematisiert.

*Wir gehören alle Zusammen

In diesem Buch geht es um ein tolerantes Miteinander und eine barrierefreie Welt. Das Buch erzählt eine Geschichte von Mira, Kopernikus und MC Pieps die an einem Sommertag einen Igel im Rollstuhl kennenlernen. Auf eine spielerische Art und Weise thematisiert das Buch dass „Normal“ nur ein Wort ist und klärt über ein respektvolles Miteinander auf und darüber, wie Barrieren überwunden werden. 

*Mimis Kunterbunte Welt

„Mimis Kunterbunte Welt“, geschrieben von Ulrike Haas und Nicola Boyne thematisiert in einem detailreichen Wimmelbuch ab einem Jahr eine vielfältige Welt. Mimi zeigt in dem Buch ihre Lieblingsplätze und Freund:innen, wie Toni im Prinzessinnenkleid, Ali von der Feuerwehr oder Freddy mit seinem Papierflieger. Dieses Buch spiegelt die Vielfalt der Gesellschaft wider, wie unterschiedliche Hautfarben, Menschen mit Beeinträchtigung, verschiedene Familienformen, Tattoos, Narben und Schwangerschaftsstreifen. Dadurch soll sich jedes Kind wiederfinden und fördert Empathie.

*Das Mädchen mit den vier Namen

In diesem Bilderbuch geht es darum, wie vielfältig Mutterschaft sein kann. Denn das Mädchen in dem Buch hat vier Mütter: eine Bauchmama, eine Findemama, eine Pflegemama und eine Herzensmama und jede von ihnen hat ihr einen anderen Namen gegeben. Jeder dieser Namen erzählt in dem Buch einen Teil ihrer Lebensgeschichte. 

Annika (2024): Kinderbücher zum Thema Behinderung & Inklusion. In: Räuberfuchs. https://www.raeuberfuchs.de/de-at/blogs/raeuberfuchsblog/kinderbucher-uber-behinderung-inklusion?srsltid=AfmBOorBTJ3e7nX-cw31dYOOxi0C3M7VQOLp1eNKU3D5UoicQwJE8lpZ (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Walther Kathrin (2022): Anders normal: Die Welt mit Maris Augen. In: Kinderbuch Couch.de. https://www.kinderbuch-couch.de/titel/4416-ich-bin-mari/ (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Diana Künne (2024): Mendel/Sturm, Linus liebt das Licht. In: Diana Künne. https://dianakuenne.de/p/mendel-sturm-linus-liebt-licht (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Ulila (o.J.): Mimis Kunterbunte Welt. In: Ulila. https://ulila.de/products/mimis-kunterbunte-welt?srsltid=AfmBOorWmt9eDWGKzsnnUku8yibCaWDo_f19XfpvlAvf170kXXDCsVpX(zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

Ulila (o.J.): Mimis Kunterbunte Welt. In: Ulila. https://ulila.de/products/mimis-kunterbunte-welt?srsltid=AfmBOorWmt9eDWGKzsnnUku8yibCaWDo_f19XfpvlAvf170kXXDCsVpX(zuletzt abgerufen am 2.12.2025) 

Kleines ganz groß (o.J.): Wir gehören alle zusammen. In: Kleines ganz groß. https://kleinesganzgross.com/shop/wir-gehoeren-alle-zusammen-buch-von-mira-das-fliegende-haus/#:~:text=Geeignetes Alter für „Wir gehören,auch aufgeteilt werden und bspw. (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

O.V, (o.J.): Unsere Kinderbuchtipps im Überblick. In: Eltern. https://www.eltern.de/familie-urlaub/familienleben/das-maedchen-mit-den-vier-namen_13471504-13391362.html (zuletzt abgerufen am 2.12.2025)

*3 Diversität in Kinderbüchern 

In der Kinderliteratur ist Diversität ein sehr wichtiger Punkt, um die unterschiedlichen Lebensweisen von Menschen zu zeigen. Dazu gehören Geschlechterrollen sowie sexuelle Identität, kulturelle und ethnische Diversität und die Darstellung von Beeinträchtigungen. Diese Geschichten und Bilder helfen Kindern dabei, die Welt besser zu verstehen, Empathie zu entwickeln und soziale Fähigkeiten zu stärken, damit sie unterschiedliche Perspektiven kennenlernen. 

*Kulturelle und ethnische Vielfalt 

Kinderbücher können Kindern Wissen und Verständnis über kulturelle Vielfalt von der Gesellschaft geben. Es ist besonders wichtig, dass eine authentische Darstellung geschaffen wird, weil Kinder dadurch lernen die Lebensweisen anderer Kulturen zu verstehen und zu respektieren. Bücher können hier wie ein „Spiegel“ wirken, in dem Kinder, sich und ihre eigene Welt wiederfinden oder wie ein „Fenster, welches neue Perspektiven auf andere Kulturen eröffnen kann. Vor allem für Kinder aus unterrepräsentierten Gruppen bietet mehr Sichtbarkeit die Möglichkeit, ihr eigenes Selbstbild zu stärken. Zudem fördert der Perspektivenwechsel bei anderen Kindern Empathie und Toleranz.

Viele Kinderbücher greifen weiterhin auf stereotypische Darstellungen zurück, wie beispielsweise auf vereinfachte Merkmale wie Kleidung und Hautfarbe. Dadurch wird das Bild von unterrepräsentierten Gruppen falsch beziehungsweise verzerrt gezeigt und ignoriert die tatsächliche Vielfalt. Außerdem erschwert die geringe Repräsentation von diesen Kindern als Hauptfigur, dass sie sich wiederfinden und kann zu negativen Auswirkungen auf ihr Selbstbild führen. Damit das nicht mehr vorkommt, sollten multiperspektivische Geschichten geschrieben werden, die Kinder dazu ermutigen unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen und sich aktiv mit kultureller Vielfalt auseinandersetzen. 

*Geschlechterrollen und sexuelle Identität

Kinderbücher beeinflussen sehr stark, wie Kinder Geschlechterrollen wahrnehmen. Früher wurden Mädchen oft als sehr ruhig und hilfsbereit gezeigt, während Buben als stark und abenteuerlustig beschrieben wurden. Solche stereotypischen Darstellungen zeigen Kinder, wie sie sich zu verhalten haben und übermitteln starke Klischees. Auch heutzutage gibt es noch einige Bücher, vor allem die für 4-6-Jährige, die diese Rollenbilder vermitteln. So lernen Kinder nur eingeschränkte Vorstellungen von Mädchen- und Bubenrolle, was ihr Bewusstsein für Gleichberechtigung beeinflussen kann.

Viele neue Kinderbücher versuchen stark diese Rollenbilder zu brechen und zeigen Kinder mit Eigenschaften, die untypisch für ihr Geschlecht sind, wie zum Beispiel, Julian ist eine Meerjungfrau. Dadurch werden Kinder dazu ermutigt sich zu entscheiden wer sie sein wollen und was sie gerne haben. Auch die Art und Weise wie Geschichten erzählt werden, spielt eine wichtige Rolle. Bücher in denen es keine festen Konflikte zwischen Buben und Mädchen gibt, geben neue Möglichkeiten für Freundschaften. Wenn Wörter und Bilder untypische Eigenschaften zeigen, können Kinder alte Vorstellungen über Geschlechterrollen hinterfragen und erkennen, dass jeder Mensch vielfältig und unterschiedlich sein kann. 

Zudem werden immer mehr Bücher mit queeren Figuren veröffentlicht und auch Transgender Personen werden in Geschichten immer präsenter. Diese Geschichten zeigen verschiedene Lebensweisen, fördern Verständnis und geben Kindern das Gefühl offener zu sein. Die Darstellung von LGBTQ+ Figuren in Kinderbüchern hilft Kindern, Vielfalt in Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierung kennenzulernen. Queere Charakter ermöglichen es Kindern, alternative Lebensweisen außerhalb traditioneller Normen zu sehen und fördern Empathie und den Abbau von Vorurteilen. Auch heterosexuelle Personen lernen dadurch offen und respektvoll mit verschiedenen Leben umzugehen. Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte spielen eine wichtige Rolle in der Vermittlung von queeren Themen. 

*Beeinträchtigungen 

Die Darstellung von unterschiedlichen Formen von Beeinträchtigungen spielt eine wichtige Rolle in der Förderung von Inklusion. Diese Bücher beeinflussen, dass Vielfalt als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft gesehen wird und bringen Kindern unterschiedliche Lebensweisen näher. Beeinträchtigungen werden dadurch nicht als ungewöhnlich dargestellt, sondern als normal im alltäglichen Leben. Äußerem hat es für Kinder mit Beeinträchtigungen einen besonders wichtigen Einfluss, da sie sich in der Geschichte wiederfinden und sie das Gefühl bekommen dazu zu gehören. Gleichzeitig lernen Kinder ohne Beeinträchtigungen mehr über deren Alltag.

Hier ist es ebenfalls wichtig eine realistische und respektvolle Darstellung anzustreben. Diese Bücher sollten sich darauf fokussieren vielfältige Figuren zu zeigen, bei denen die Beeinträchtigungen nur ein Teil der Persönlichkeit sind und nicht der Fokus. Vor allem alltägliche Situationen und selbstständiges Handeln sollten hier dargestellt werden. Bilderbücher haben großes Potenzial, Empathie zu fördern und Berührungsängste zu reduzieren. Mit kindergerechten Illustrationen können komplexe Themen abgebildet und Gespräche über Inklusion und Vielfalt angeregt werden.

o.V.: Kinderbücher als Mittel zur Inklusion und Diversität. o.J. S. 36–55

*1 Wichtigkeit von inklusiven Kinderbüchern 

Kinderbücher dienen nicht nur zu reinen Unterhaltungszwecken, sie stellen vielmehr einen wichtigen Punkt in der Entwicklung von Kindern dar, weil sie beeinflussen, wie Kinder sich selbst und ihre Umgebung wahrnehmen. Vor allem inklusive Kinderbücher spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Kinder auf Figuren stoßen, in denen sie sich selber oder ähnliche Erfahrungen wiederfinden, vermittelt ihnen das das Gefühl gesehen und geschätzt zu werden. Daraus ergibt sich ein gestärktes Selbstbewusstsein und eine Basis für ihre Entwicklung. 

Des Weiteren können Kinder durch die Geschichten in Büchern ihre individuellen Ereignisse betrachten und einander gegenüberstellen. Dadurch bemerken sie, dass ihre Erfahrungen und Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Zudem öffnen Kinderbücher den Blick für neue Erfahrungen und vermitteln unterschiedliche Perspektiven und Lebensweisen. Aufgrund von Kinderbüchern können Kinder die Welt um sich herum wahrnehmen aber vor allem inklusive Bücher ermöglichen es Einblicke in andere Lebenssituationen zu gewährleisten. Diese geben Orientierung und unterstützen Kinder dabei, Werte wie Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung zu verstehen und zu festigen. Aus diesem Grund stärken inklusive Kinderbücher einerseits die Akzeptanz von Vielfalt und andererseits fördern sie auch die Entwicklung von Empathie. Durch das Lesen von vielfältigen Geschichten lernen Kinder Mitgefühl und übernehmen Verhaltensweisen, die sie in den Büchern wiederfinden.

Im Gegensatz zu Erwachsenen, die Literatur häufig als Mittel zur Flucht aus der Realität betrachten, stellen Kinderbücher oft eine erste Begegnung mit der Wirklichkeit dar. Sie formen frühzeitig die Sichtweise von Kindern auf die Gesellschaft und haben bleibende Auswirkungen. Inklusive Kinderbücher, welche die Vielfalt und Inklusion thematisieren, haben eine entscheidende Verantwortung. Analysen, wie die von der Literaturwissenschaftlerin Tanja Kollodzieyski zeigen, dass mehrere Faktoren entscheidend sind, um Kinder positiv zu prägen. 

Ein wichtiger Punkt ist die Vielfalt der dargestellten Figuren. In Geschichten, in denen mehrere Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen vorkommen, wird verhindert, dass einzelne Charaktere stereotypisiert oder auf Klischees reduziert werden. Darüber hinaus spielt die Art und Weise wie eine Beeinträchtigung dargestellt wird, eine entscheidende Rolle. Wenn die Beeinträchtigung einer Figur im Fokus der Handlung steht, besteht die Gefahr, dass der:die Protagonist:in auf seine:ihre Beeinträchtigungen reduziert wird und als passiv und abhängig erscheint. In solchen Fällen sprechen andere Figuren häufig über das Kind mit Beeinträchtigung, anstatt eine Perspektive aus der eigenen Handlungsperspektive zu ermöglichen. 

Erfolgreiche inklusive Erzählungen fokussieren sich meist auf das Abenteuer, welches Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen durchleben. Dabei werden individuelle Kompetenzen eingebracht und die kooperative Problemlösungsfähigkeit wird gefördert. Besonders das Ende eines Kinderbuches hat einen bedeutenden Einfluss. Es prägt das letzte inhaltliche Bild, welches Kinder aus der Geschichte mitnehmen. Ziel ist es nicht, Beeinträchtigungen zu verschweigen sondern ein selbstbestimmtes und aktives Leben mit Beeinträchtigungen zu vermitteln.

Bunge Noemi (5.2.2025): Inklusive und diverse Kinderbücher: Repräsentation von vielfältigen Vorbilder*innen. In: Institut für angewandte Kindermedienforschung, https://ifak-kindermedien.de/paedagogik/inklusive-diverse-kinderbuecher/ (zuletzt abgerufen am 03.11.2025)

Aktion Mensch (o.D.): Inklusive Kinderbücher: Ein bisschen Utopie, bitte. In: Aktion Mensch. https: https://www.aktion-mensch.de/menschen-und-geschichten/aus-dem-leben/inklusive-kinderbuecher (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)