Wissenschaftsdarstellung – aber richtig

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie man molekulare Zellstrukturen, sowie Moleküle grafisch richtig aufbereitet, damit diese ansprechend, verständlich aber wissenschaftlich trotzdem noch korrekt aussehen? Nein? Naja, ich schon. Darum geht’s jetzt in diesem Blogbeitrag. Ich weiß, das Thema interessiert nicht jede:n, ich versuch so salopp wie möglich zu schreiben.

Wir waren ja Mitte November auf der Pixel Vienna. Ein Talk davon war von Spicelabs, die sich darauf spezialisiert haben u.a. molekularbiologische Strukturen als 3D Kunst darzustellen. Sie sprachen davon, dass sie dafür chemische Datenbanken einbeziehen, von denen sie sich die Molekülstrukturen holen, die sie darstellen. Ihre Prämisse:

“By studying the techniques and materials used by artists throughout history, we developed an insight into creating visually stunning and aesthetically pleasing designs that capture the essence of the subject.” [1]

Zuerst war ich erstaunt von ihrem Werk und dem Ansatz aus Molekülstrukturen Kunst zu schaffen. Doch ich kam auch ins Nachdenken. Spicelabs kreiert unglaublich schöne und ästhetische Werke, vermischt Materialien wie Holz, Marmor und Glas mit naturwissenschaftlichen Darstellungen, verliert dabei aber total den Bezug zur Realität. Spoiler: So schaut ein Mitochondrium in Echt nämlich nicht aus.

Artworks von Spicelabs: https://spicelabs.at/artwork/

Doch sieht man sich andere Darstellungen von molekularen Strukturen an wird klar: Überall wird mit Nachstellungen gearbeitet, nicht mit dem Realbild. Auch akademische Lehrbücher verwenden Grafiken, anstatt Realbilder. Warum ist das so.

Naja. Siehe Bild.

Möchte man den Aufbau eines Mitochondriums verstehen, so kommt man mit der mikroskopierten Aufnahme schnell an seine Grenzen. Grafisch aufbereitet, mit Farbe und Beschriftungen und ohne dem ganzen Zell-Zeug drum herum ist gleich viel mehr zu erkennen. Hätte ich damals in der Schule alle Zellorganellen anhand von Realaufnahmen lernen müssen, wäre ich wahnsinnig geworden. Aber gleichzeitig lernte ich mir in der Schule ein falsches Bild von Zellen ein.

So ist es auch in der Chemie. Wir kennen alle diese Strukturformeln von Molekülen. Die werden gerne aus ästhetischen Zwecken in Werbungen für diverse Medizinprodukte verwendet. In der Realität sieht ein Molekül aber ganz anders aus. Hier mal eine Darstellung:

Die oberen zwei Bilder wurden von einem Elektronenmikroskop (EM) aufgenommen. Das funktioniert gaaaanz grob gesagt so: Das Objekt (Molekül, Zelle, was auch immer) wird auf einem Objektträger platziert. Dann wird ein sehr sehr sehr dünner Strahl von Elektronen auf das Objekt geschossen. Dieser scannt das Objekt ab, aus welchem selbst Elektronen herausgeschossen werden. Diese Elektronen werden aufgefangen von einem Sensor, der dann das Bild vielfach vergrößert, damit wir das Objekt mit freiem Auge sehen können. Anders als bei einem Lichtmikroskop, wie wir es aus der Schule kennen, sehen wir also nur ein von einem Computersensor „gezeichnetes“ Bild. Ein Molekül mit freiem Auge zu sehen wäre unmöglich, wir können immer nur eine Nachbildung davon betrachten. [2]

So, das war jetzt viel wissenschaftliches Gerede, kommen wir zum Punkt: Ist es überhaupt sinnvoll in der Wissenschaftskommunikation mit „realen“ bzw. Bildern von Mikroskopen zu arbeiten oder eignen sich Grafiken mehr?

Grafiken und Illustrationen erleichtern das Verständnis komplexer Konzepte und verbessern eine Kommunikation von Forschungsergebnissen. Sie können jedoch auch Missverständnisse auslösen, wenn Informationen ungenau sind. Künstlerische Stile können vom Verständnis wichtiger Details ablenken und die Qualität und Technik ist komplett von den Künstler:innen abhängig. [3]

Mikroskopiebilder vermitteln im Gegenzug Authentizität und zeigen tatsächliche Darstellungen. Doch sie können sehr abstrakt wirken. [3]

Wenn wissenschaftliche Information dargestellt wird heißt es also einen guten Mittelweg zu finden. Die Darstellungen müssen authentisch sein. Dabei dürfen sie nicht zu abstrakt sein, jedoch abstrakt genug, um Lernenden dabei zu helfen eine korrekte Vorstellung des Objektes zu haben. [4]

Artworks von Spicelabs: https://spicelabs.at/artwork/

Quellen:

1.Artworks von Spicelabs: https://spicelabs.at/artwork/ (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)

      2. Astronomie-Ratgeber (16.09.2024): Elektronenmikroskop: Aufbau und Funktionsweise. In: astronomie-ratgeber.de, https://astronomie-ratgeber.de/elektronenmikroskop-aufbau-und-funktionsweise/ (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)

      3. Mikroskop Guide (04.11.2025): Die Kunst der Mikroskop Illustration: Wissenschaft visuell darstellen. In: Mikroskop Guide, https://mikroskop-guide.de/die-kunst-der-mikroskop-illustration-wissenschaft-visuell-darstellen/ (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)

        4. Kakoii: Grundlagen guter Wissenschaftskommunikation. https://www.kakoii.de/wissenschaftskommunikation/ (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)

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