Topic: Green Filming
In den bisherigen Blogpost wurden bereits wichtige Faktoren vorgestellt, die durch eine bewusste Veränderung umweltfreundlicher gemacht werden können. Ein ebenso essenzielles Thema wurde hierbei jedoch bisher noch nicht angesprochen: Das Production Design. Die Arbeit dieser Abteilung ist im Film allzeit präsent, maßgebend für die Glaubhaftigkeit der gezeigten Welt und weist aufgrund ihres hohen Materialverbrauchs ein großes Verbesserungspotenzial auf.
Production Design
Aber was ist Production Design? Kurz gesagt wird durch das Production Design eine Welt erschaffen, die die Geschichte unterstreicht, die Charaktere definiert und Informationen an die Zuseher:innen übermittelt, ohne diese explizit ansprechen zu müssen. Dies wird durch die akribische Gestaltung von Set Design, Requisiten, Kostüm, Maske, Special- und Visual Effects erzielt.
Jane Barnwell beschreibt die Wichtigkeit von Set Design folgendermaßen: „Sets provide a film with its inimitable look, its geographical, historical, social and cultural contexts… sets aid in identifying characters, fleshing out and concretising their psychology… and thus evoke emotions and desires that complement or run counter to the narrative.“ (Barnwell 2017, S.7)
Die Gestaltung des Sets dient demnach als wichtiges Mittel, um Informationen zu übermitteln und Emotionen zu erwecken. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Umgebung eines Filmes meist speziell für dessen Produktion erbaut, die Kostüme neu angefertigt und Spezialeffekte erzeugt werden müssen. Für die Umsetzung dieser Gestaltungsbereiche kommen viele Materialien in Einsatz, die speziell dafür beschafft und erzeugt werden müssen. Das Prinzip der Ressourcenschonung stößt hier oft an seine Grenzen.
Doch das Production Design komplett wegzulassen und die Wirkung des Filmes dem Zufall zu überlassen ist auch keine Option, denn auf diese Weise könnte die Illusion der Geschichte zerstört werden. (vgl. Barnwell 2017, S.6) Um dies zu verhindern gibt es einige Möglichkeiten und Guidelines zur umweltbewussteren Erzeugung des Production Designs. Vom Set Design über Spezialeffekte bis hin zu Kostüm und Maske können große Veränderungen bewirkt werden, wenn eine gute Planung, Achtsamkeit und der Einsatz von umweltfreundlicheren Materialien stattfinden.
Die Wahl der Location
Im Production Design spielt die Wahl des Drehortes ohnehin bereits eine große Rolle. Wie bereits aus früheren Blogposts hervorgeht, hat die Wahl der Location jedoch auch einen großen Einfluss auf die daraus resultierenden Umwelteinflüsse. Wie bereits erwähnt sollte der Drehort unter Berücksichtigung von Aspekten wie der Erreichbarkeit mit Bus, Bahn, Bim und der Einhaltung des Naturschutzes ausgewählt werden. Besonders wichtig ist hierbei, dass die Beschädigung der Tier- und Pflanzenwelt so gering wie möglich gehalten wird. Mit viel Kreativität und gründlicher Recherche steht einer stilvollen Umsetzung des Production Designs jedoch trotzdem nichts im Wege. (vgl. BMLUK 2025, S. 17)
Das verwendete Material
So wird beispielsweise der Einsatz von recyclebaren, zertifizierten, und/oder umweltfreundlichen Materialien empfohlen. Allgemein macht es Sinn, die Materialqualität und die Art der Herstellung immer zu hinterfragen, bevor die jeweiligen Objekte beschafft werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.19) Hier sollte wiederum auf regionale Erzeugnisse zurückgegriffen werden, die aus biologisch abbaubaren oder recycelten Materialien bestehen. (vgl. BMLUK 2025, S.21) Die Vermeidung von Styropor und Plastik, oder der Einsatz von wasserbasierten Farben sind beispielsweise zwei Arten, wie ein umweltfreundlicherer Materialeinsatz vorangetrieben werden kann. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.19)
Auf eine Neubeschaffung von Sprühfarben und Materialien, die gefährliche Substanzen (wie etwa Phthalate oder Isocyanaten, die etwa im Montageschaum vorkommen), sowie die Verwendung von Blei sollte abgesehen werden. Interessant ist auch, dass flammhemmende Materialien einen starken negativen Umweltaspekt mit sich bringen. Hier sollten nachhaltigere Alternativen gefunden werden, um die Sicherheit am Set gewährleisten zu und zeitgleich die Nachhaltigkeit vorantreiben zu können. (vgl. BMLUK 2025, S. 29)
Werden Sets neu erbaut, so sollte dabei darauf geachtet werden, dass diese am Ende des Drehs wieder einfach abgebaut und das verwendete Material so gut wie möglich wiederverwendet werden kann. Hier muss bereits zu Beginn des Aufbaus auf die passende Verwendung von beispielsweise Schrauben statt Kleber geachtet werden, um eine Beschädigung des Materials so gut wie möglich einzudämmen. Auch hier gilt: Nicht wiederverwendbare Elemente müssen korrekt entsorgt werden. (vgl. BMLUK 2025, S. 21)
Leihen statt Kaufen
Um diesen Blogpost gut abzurunden wird nun noch ein besonders wichtiger Aspekt beleuchtet: Das Leihen von Objekten. Der große Vorteil hierbei ist, dass bereits bestehende Elemente verwendet werden, die nach dem Gebrauch wieder an den Verleih zurückgegeben werden und dort erneut für weitere Produktionen zur Verfügung stehen. Egal ob es sich hierbei um Möbel, Requisiten, oder sonstige Deko-Elemente handelt, die Wiederverwendung von Gebrauchsgegenständen sollte bei der Gestaltung des Sets bevorzugt werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S. 19)
Ist eine Ausleihe aus bestimmten Gründen nicht möglich, so ist eine weitere sinnvolle Herangehensweise die Beschaffung von Gegenständen aus zweiter Hand, etwa in Second-Hand-Geschäften, oder von anderen Filmunternehmen. Umgekehrt sollten Filmemacher:innen verwendete Elemente, die für einen Dreh Beschafft wurden und sich noch in gutem Zustand befinden, auch immer weiterverkauft, oder einem Fundus zur Verfügung gestellt werden, falls diese nicht mehr benötigt werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.19)
Conclusio
Bei der Auswahl der verwendeten Materialien und der Beschaffung der Designelemente für ein ansprechendes Set ist vieles zu Berücksichtigen. Die in diesem Blogpost beschriebenen Maßnahmen sind nur einige wenige Möglichkeiten, um in diesem Bereich der Filmproduktion umweltfreundlicher Praktiken anzuwenden. Es mag schon wahr sein, dass dieses Umdenken in der Materialbeschaffung mehr Zeit und vor allem auch mehr Kreativität in Anspruch nehmen, jedoch führt jede kleine Veränderung in der Herangehensweise am Ende zu einem geringeren Eingriff in die Umwelt. Und das sollte dieses Umdenken auf jeden Fall wert sein.
Literaturverzeichnis
| Barnwell 2017 | Barnwell, Jane: Production Design for Screen. Visual Storytelling in Film and Television. London/New York: Bloomsbury Publishing 2017 [E-Book] |
| BMLUK 2025 | Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025) |
| MFG Baden-Württemberg 2018 | MFG Baden-Württemberg (01.06.2018): Green Shooting Handlungsleitfaden für Filmproduktionen. In: Green Culture Anlaufstelle, https://www.greenculture.info/wissen/green-shooting-handlungsleitfaden-fuer-filmproduktionen/ (zuletzt aufgerufen am 04.01.2026) |