Im Laufe des Semesters wurde deutlich, dass Self-Branding ein vergleichsweise junges, aber zunehmend relevantes Konzept ist, das stark mit aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und medialen Entwicklungen verknüpft ist. Besonders im Kontext von Digitalisierung und Social Media hat sich Self-Branding von einer Strategie für Selbstständige und Künstler*innen zu einem allgemeinen Bestandteil beruflicher Positionierung entwickelt.
Zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen, dass Self-Branding längst nicht mehr nur für Self-Employed oder Personen in kreativen Berufen von Bedeutung ist. Auch Bewerberinnen im klassischen Angestelltenverhältnis profitieren davon, da Arbeitgeberinnen verstärkt auf persönliche Profile, Online-Präsenzen und individuelle Außenwirkungen achten. Die eigene Darstellung wird somit Teil der beruflichen Qualifikation und kann neue Türen öffnen.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Vertrauen, das durch Personal Branding aufgebaut werden kann. Menschen neigen dazu, sich stärker mit anderen Menschen als mit anonymen Marken zu identifizieren. Ein klar erkennbares Gesicht, eine konsistente Haltung und eine nachvollziehbare Geschichte schaffen Nähe und Glaubwürdigkeit – besonders dann, wenn ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine künstlerische Arbeit vermittelt wird. Self-Branding kann hier als Schnittstelle zwischen Person, Werk und Publikum fungieren.
Gleichzeitig bringt dieses Konzept jedoch auch wesentliche Herausforderungen mit sich. Ein häufig diskutiertes Problem ist die Frage der Authentizität. Die bewusste Inszenierung der eigenen Person birgt die Gefahr, eine konstruierte oder verzerrte Identität zu präsentieren, die nicht (mehr) dem eigenen Selbst entspricht. Die Grenze zwischen strategischer Selbstdarstellung und Selbstverfremdung ist dabei oft fließend. Besonders im digitalen Raum kann der Druck entstehen, Erwartungen zu erfüllen, anstatt sich ehrlich zu positionieren.
Die Analyse der Künstlerin Ellen Sheidlin verdeutlicht diese Dynamiken auf exemplarische Weise. Ihr Werdegang zeigt, wie Self-Branding – ursprünglich über Social Media und einen YouTube-Kanal aufgebaut – als Einstiegspunkt für eine künstlerische Karriere dienen kann. Durch eine starke persönliche Präsenz und Reichweite gelang es ihr, Aufmerksamkeit zu generieren, Kollaborationen einzugehen und schließlich mit Galerien zusammenzuarbeiten. Dieses Beispiel macht sichtbar, wie Self-Branding nicht nur Sichtbarkeit schafft, sondern auch als Brücke zwischen digitaler Selbstinszenierung und professioneller Anerkennung im Kunstfeld fungieren kann.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Self-Branding ein ambivalentes, aber wirkungsvolles Instrument ist. Es bietet große Chancen in Bezug auf Sichtbarkeit, Vertrauen und Vernetzung, erfordert jedoch zugleich ein hohes Maß an Reflexion. Besonders im Design- und Kunstkontext stellt sich die zentrale Frage, wie eine authentische Identität kommuniziert werden kann, ohne zur reinen Marke zu werden. Genau in diesem Spannungsfeld liegt das kreative und forschungsrelevante Potenzial von Self-Branding.
See you in SS26! 🤗


