In meiner weiteren Auseinandersetzung mit Selfbranding habe ich eine Umfrage entwickelt, um meine eigene Wahrnehmung von außen zu ergänzen und zu hinterfragen.
Die bisherigen Beiträge haben bereits gezeigt, dass Selfbranding nicht nur eine visuelle Entscheidung ist, sondern stark davon abhängt, wie andere eine Person lesen und interpretieren. Genau an diesem Punkt setzt die Umfrage an.
Selbstwahrnehmung ist immer gefiltert. Man sieht die eigene Arbeit, die eigene Persönlichkeit und den eigenen Stil aus einer sehr persönlichen Perspektive. Genau deshalb wollte ich bewusst eine Außenperspektive einholen: Wie sehen mich Menschen, die mich kennen – und welche Assoziationen entstehen dabei?
Die Umfrage ist so aufgebaut, dass sie verschiedene Ebenen der Wahrnehmung abfragt: Zum einen geht es um den Kontext der Beziehung – also wie und in welchem Umfeld man mich kennt. Zum anderen um die emotionale Wirkung: Welche Gefühle verbinden Menschen mit mir oder meiner Arbeit?
Außerdem interessiert mich die Frage nach meiner kreativen Positionierung: Wirke ich eher wie eine Designerin oder eine Künstlerin? Welche visuelle Sprache wird mir zugeschrieben? Und sogar so konkrete Dinge wie Typografie oder die Form meines Namens können Hinweise darauf geben, wie Identität visuell und sprachlich gelesen wird.
Mein Ziel ist es, aus diesen Antworten ein besseres Verständnis für meine eigene Position im Designkontext zu entwickeln. Nicht im Sinne einer festen „Marke“, sondern eher als ein offenes Bild davon, wie ich bereits wahrgenommen werde – und wie sich das mit meiner eigenen Selbstwahrnehmung überschneidet oder unterscheidet.
Die Umfrage dauert ungefähr 5–25 Minuten, je nachdem, wie ausführlich die Antworten sind. Jede Teilnahme hilft mir sehr bei meinem Projekt.
Da mir im letzten Beitrag klar geworden ist, dass viele meiner Arbeiten auf analogen Prozessen basieren und mir das sehr viel Spaß macht, möchte ich versuchen, mein Self-Branding darauf aufzubauen. Mein Ziel ist es, eine analoge Technik zu finden, die ich in Zukunft sowohl digital (Website, Social Media) als auch analog (Visitenkarten etc.) verwenden kann.
In diesem Beitrag erzähle ich über die erste Technik, die ich ausprobiert habe: 3D-Linoldruck. Was ist das eigentlich? Das Prinzip der Erstellung des finalen Bildes ist ähnlich wie beim echten Linoldruck: Man hat mehrere Farben, also mehrere Druckplatten, und druckt sie nacheinander übereinander.
Der Unterschied ist aber, dass ich nicht mit echtem Linol gearbeitet habe, sondern die Druckplatten digital erstellt und anschließend als 3D-Objekte produziert habe. Dadurch entsteht eine Mischung aus analogem Look und digitalem Prozess — genau diese Kombination finde ich gerade besonders spannend.
Was mir daran gefällt, ist, dass die Ergebnisse nicht perfekt aussehen. Kleine Verschiebungen, sichtbare Strukturen und Fehler machen das Ganze menschlicher. Gerade in einer Zeit, in der so viele Designs sehr glatt und KI-generiert wirken, fühle ich mich mehr zu solchen unperfekten und greifbaren Prozessen hingezogen.
Screenshot
+ Mir gefällt diese Technik, weil man im Vergleich zum klassischen Linoldruck viel mehr Spielraum mit Texturen hat.
+ Außerdem kann man Acrylfarben verwenden, was diese Technik für mich einfacher und günstiger macht.
– Im Vergleich zum traditionellen Linoldruck steckt allerdings weniger Handarbeit darin, weil die Platten nicht per Hand ausgeschnitten werden. Trotzdem mag ich gerade diese Mischung aus digitalem und analogem Prozess sehr.
Für das Fanzine-Festival habe ich bereits Postkarten in diesem Stil produziert und bin gespannt, welches Feedback ich dazu bekommen werde!
Also, wie ich in vorherigen Blogposts schon überlegt habe, brauche ich sicher eine neue Website, die meine Zielgruppe besser ansprechen wird und meine Identität besser darstellen kann.
Aber was soll da alles rein? Ich habe mir überlegt, dass ich auf jeden Fall meine Poster zeigen will, die bereits an einigen Ausstellungen teilgenommen haben. Damit werde ich mich nicht nur als Designerin, sondern auch als Künstlerin präsentieren!
Zurzeit habe ich an sechs Poster-Ausstellungen teilgenommen, und die siebte wird unsere Master-Ausstellung sein. Meine Poster waren bereits in unterschiedlichen Ländern zu sehen, wie der Ukraine, Spanien, Österreich und der Türkei. Auf meiner Website möchte ich klar machen, dass ich nicht nur eine in Österreich basierte Designerin/Künstlerin bin, sondern auch gerne an internationalen Projekten teilnehme.
Die Themen, die meine Poster ansprechen, sind unterschiedlich, aber eines ist klar: Es geht immer um den Menschen. Das ist, was ich ausgesucht habe:
Dann habe ich mir gedacht, dass ich meine Bachelorarbeit unbedingt als künstlerisches Projekt integrieren möchte, weil ich sie sehr liebe und gerne an ähnlichen Projekten teilnehmen würde.
Damit ich mich auch als Designerin präsentieren kann, möchte ich zwei Projekte einbauen, die ich für echte Kund*innen umgesetzt habe. Eines davon ist das Kochbuch für das Caritas Marienstüberl, bei dem ich auch die Design Direction übernommen habe. Dabei ging es um Illustrationen, Layoutdesign und Druckvorbereitung.
Das letzte Projekt, das ich gerne in meinem Portfolio zeigen möchte, ist ein ganz frisches Projekt, das ich für die FH Joanneum beziehungsweise den Studiengang Nachhaltigkeitskommunikation und Klimajournalismus gestaltet habe. Dort habe ich mit dem Risodrucker gearbeitet und außerdem Layout- sowie Social-Media-Design umgesetzt.
Als ich mir alle meine Projekte gemeinsam angeschaut habe, bin ich draufgekommen, dass sie alle etwas verbindet: menschliches Leben und die Abwesenheit von KI. Viele Projekte wurden mit analogen Techniken umgesetzt oder sehen zumindest so aus, als wären sie analog gestaltet worden. Ich glaube, dass das eine gute Basis für mein Self-Branding ist, mit der ich weiterarbeiten kann.
Alter? Eigentlich egal. Ich habe gemerkt, dass ich meine Zielgruppe nicht wirklich über Alter definieren möchte.
Irgendwie fühlt es sich für mich falsch an zu sagen „meine Zielgruppe ist 25–35“ oder so, als wären alle Menschen in diesem Alter gleich. Das entspricht einfach nicht meiner Realität – weder in meinem Umfeld noch online.
Stattdessen interessiert mich viel mehr, wie Menschen denken, was sie fühlen und wofür sie sich interessieren.
Ich möchte Leute erreichen, die:
– offen für visuelle Experimente sind
– sich für Kunst, Design und Ästhetik interessieren
– sich inspirieren lassen wollen oder selbst kreativ sind
Und das hat meiner Meinung nach weniger mit Alter zu tun als mit Haltung.
Ich glaube auch, dass diese Art von Einteilung schnell in eine Richtung gehen kann, die eher einschränkend als hilfreich ist. Für mich fühlt es sich stimmiger an, meine Zielgruppe über gemeinsame Interessen und Werte zu definieren, statt über Zahlen.
Am Ende geht es für mich nicht darum, wie alt jemand ist, sondern darum, ob eine Verbindung entsteht.
Ich habe 3 personas definiert:
Persona 1: Alex (Designer/Künstler)
Alex ist selbst kreativ tätig und sucht ständig nach Inspiration, neuen visuellen Ansätzen und Menschen aus der Szene. Er nutzt Instagram aktiv, um andere Künstler:innen zu entdecken und sich weiterzuentwickeln.
Warum folgt er mich?
-Er findet meine Ästhetik spannend
-Er erkennt sich in meinem Prozess wieder
-Er könnte sich vorstellen, mit mir zu arbeiten
Was spricht ihn an?
-Einblicke in meinen kreativen Prozess
-Experimente, mutige visuelle Entscheidungen
-Persönliche Gedanken über Design & Selbstfindung
Potential:
-Ein gemeinsames Projekt
Persona 2: Sophia (arbeitet im Büro)
Sophie ist keine Designerin, aber sie liebt ästhetische Inhalte und moderne Kunst. Sie folgt Künstler:innen, weil sie sich inspirieren lassen möchte und gerne visuell „eintaucht“.
Warum folgt sie mich?
-meine Inhalte sind visuell ansprechend
-Sie spürt eine gewisse Persönlichkeit dahinter
-Sie fühlt sich emotional oder ästhetisch angesprochen
Marie ist ständig auf der Suche nach neuen, jungen Positionen in der Kunst- und Designszene. Sie entdeckt Künstler:innen oft über Social Media oder Websites.
Warum interessiert sie sich für mich?
-meine Arbeiten haben eine klare visuelle Sprache
-meine Präsentation wirkt eigenständig und nicht generisch
-sie erkennt Potenzial für Ausstellungen oder Projekte
Was ist ihr wichtig?
-Klarheit in meiner künstlerischen Position
-Konsistenz in meinem visuellen Auftritt
-Professionalität (Website, Portfolio, Auftreten)
Potenzial:
-Einladung zu Ausstellungen
-Kooperationen
-Einstieg in die Kunstszene
Meine Zielgruppe ist für mich kein starres demografisches Konstrukt, sondern ein Zusammenspiel aus Interessen, Haltung und ästhetischer Wahrnehmung.
Im weiteren Verlauf meines Projekts möchte ich diese Definition nicht nur theoretisch festhalten, sondern durch meine Experimente auf Instagram und meiner Website weiter überprüfen und schärfen.
Am Ende geht es für mich nicht darum, wer genau zuschaut, sondern darum, ob eine Verbindung entsteht.
P.S. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich eher mit einer deutschsprachigen oder englischsprachigen Audience arbeiten möchte. Darüber werde ich mir noch Zeit nehmen, um nachzudenken!
Im Rahmen meines Self-Branding-Experiments habe ich begonnen, meine bestehende Portfolio-Website genauer zu analysieren. Nachdem ich mich im vorherigen Semester vor allem theoretisch mit dem Thema auseinandergesetzt habe, interessiert mich nun besonders die Frage, wie sich meine künstlerische Identität konkret in meinen eigenen Medien widerspiegelt – und ob diese auch für andere nachvollziehbar ist.
Meine Website dient aktuell als klassisches Portfolio und ist in mehrere Bereiche gegliedert. Die Startseite enthält grundlegende Informationen über mich, wie meinen Namen und meine Tätigkeit, bleibt dabei jedoch bewusst reduziert und eher kurz gehalten.
Ergänzend dazu gibt es eine ausführlichere About-Me-Seite, auf der ich näher auf meinen Hintergrund, meine Erfahrungen und Kontaktmöglichkeiten eingehe.
Den zentralen Teil bildet die Projektseite, auf der meine gestalterischen Arbeiten präsentiert werden – mit einem klaren Fokus auf Posterdesign, ergänzt durch weitere Projekte aus dem Designbereich.
Gestalterisch ist die Website eher minimalistisch und zurückhaltend aufgebaut. Sie wurde mit Wix umgesetzt (was man auch auf der website sieht, weil ich zu geizig war haha), was einerseits eine einfache Umsetzung ermöglicht hat, andererseits aber auch gewisse gestalterische und technische Einschränkungen mit sich bringt.
Meine bisherigen Webdesign-Kenntnisse sind eher grundlegend, was sich ebenfalls im Aufbau und in der visuellen Ausarbeitung widerspiegelt.
Trotzdem lassen sich bereits erste Ansätze einer eigenen gestalterischen Handschrift erkennen. Besonders die Verwendung der Schrift „Anton“, die ich bewusst gewählt habe, spiegelt meinen persönlichen Geschmack wider. Auch die insgesamt eher offene und informelle Stimmung der Website entspricht meinem Anspruch, mich nicht zu distanziert oder zu „perfekt“ zu präsentieren, sondern zugänglich zu bleiben.
Gleichzeitig wurde mir durch die Analyse klar, dass die Website in ihrer aktuellen Form noch nicht vollständig meine tatsächliche künstlerische Identität widerspiegelt. Der visuelle Ausdruck wirkt auf mich zu vorsichtig und „zu brav“, während meine Arbeiten und mein persönlicher Stil oft experimenteller, mutiger und lebendiger sind. Hier entsteht eine deutliche Diskrepanz zwischen dem, was ich gestalterisch ausdrücken möchte, und dem, was tatsächlich sichtbar wird.
Ein besonders auffälliger Punkt ist die Startseite, die aktuell sehr reduziert ist und dadurch eher leer wirkt. Obwohl Minimalismus bewusst eingesetzt werden kann, fehlt hier aus meiner Sicht ein klarer visueller oder inhaltlicher Einstieg, der meine Persönlichkeit oder meine Arbeit stärker vermittelt. Dadurch geht ein wichtiger Moment verloren, in dem Besucher:innen eine erste Verbindung zu mir und meiner Arbeit aufbauen könnten.
Interessant ist jedoch, dass die Website trotz dieser kritischen Punkte bereits eine gewisse Funktion erfüllt: Sie wurde im Kontext einer Masterbewerbung akzeptiert. Das deutet darauf hin, dass die strukturelle und inhaltliche Basis funktioniert, auch wenn die visuelle und konzeptionelle Ausarbeitung noch Entwicklungspotenzial hat.
Im weiteren Verlauf meines Projekts möchte ich die Website daher nicht nur optimieren, sondern gezielt als Experimentierfeld für mein Self-Branding nutzen. Dabei interessiert mich vor allem, wie sich Veränderungen im Design, in der Bildsprache oder in der Art der Präsentation auf die Wahrnehmung meiner Person auswirken.
Ziel ist es, die Website von einem eher funktionalen Portfolio zu einer klar positionierten, persönlichen Plattform weiterzuentwickeln, die meine künstlerische Identität nicht nur zeigt, sondern auch erlebbar macht. Dabei werde ich verschiedene Ansätze testen, dokumentieren und reflektieren, um besser zu verstehen, welche gestalterischen Entscheidungen tatsächlich zu einer stärkeren und authentischeren Außenwirkung führen.
P.S. Ah ja und die Website existiert heutzutage nur für Desktop, das will ich auch im Zukunft ändern und sie für handy zu optimieren 🙂
Diese Woche habe ich meinen Instagram-Account genauer unter die Lupe genommen, um herauszufinden, welche Inhalte bei meinem Publikum am besten ankommen.
Mein Account hat aktuell 380 Follower. In den letzten 30 Tagen wurden über 9.000 Aufrufe erzielt – 71 % davon stammen von Menschen, die mir noch nicht folgen. Das zeigt, dass meine Inhalte nicht nur mein bestehendes Publikum erreichen, sondern auch neue Menschen auf meine Arbeit aufmerksam machen.
In meiner Analyse habe ich die drei Videos untersucht, die mir die größte Reichweite gebracht haben.
Das erfolgreichste Video hat über 20.000 Aufrufe erreicht und zeigt meinen Alltag im Designstudium – wie das Leben als Designstudentin aussieht. Dieses Video hat mir 174 neue Follower gebracht und wurde überraschenderweise am meisten in Indonesien gesehen, obwohl ich mir nicht erklären kann, warum.
Das zweite Video war eine Art Visitenkarte von mir, in der ich mich einfach vorgestellt habe. Es hat über 7.000 Aufrufe und 51 neue Follower gebracht. Die Farben in diesem Video sind wie immer bunt, aber besonders interessant war vermutlich die vielfältige Abfolge von Sequenzen, die fast alle möglichen Farben gesammelt hat. Ich kann dieses Format wahrscheinlich nicht oft wiederholen, aber es zeigt, dass die Leute visuell abwechslungsreiche Inhalte sehr ansprechend finden.
Das dritte Video entspricht eher dem typischen Format meines Accounts – Fashion Styling. Es hat über 2.000 Aufrufe erreicht. Zwar nicht so viele wie das erste Video, aber dennoch ein Erfolg! Besonders daran ist, dass sich das Video durch seine Stimmung und Performance von allen anderen Styling-Videos auf meinem Account unterscheidet: Ich habe das erste Mal vor der Kamera getanzt, und offenbar ist das bei meiner Audience positiv angekommen. Bei diesem Video kamen die meisten Betrachter*innen aus Deutschland und Österreich, obwohl das Video auf Englisch war.
Was mich jedoch überrascht hat, ist, dass Videos mit Voice-over deutlich weniger Interaktionen erzielt haben, obwohl viele „Expert*innen“ auf Instagram genau dieses Format empfehlen.
Eine mögliche Erklärung dafür ist die Sprache: Die Voice-over-Videos habe ich auf Deutsch gemacht, während meine Audience aktuell überwiegend englischsprachig zu sein scheint. Das könnte ein Grund sein, warum diese Inhalte weniger gut performen.
Diese Beobachtung bringt mich zu einer wichtigen Frage für mein weiteres Experiment: Wer ist eigentlich meine Zielgruppe? Soll ich mich eher auf ein deutschsprachiges oder ein englischsprachiges Publikum konzentrieren?
Im weiteren Verlauf des Semesters möchte ich genau das gezielt testen und herausfinden, welche Sprache und Kommunikationsform besser zu meiner künstlerischen Identität und meiner Audience passt.
Oder die Menschen haben meinen slawischen Akzent nicht gefeiert, wer weiß haha 🥲
Im vorherigen Semester habe ich mich bereits theoretisch mit dem Thema Self-Branding im künstlerischen Kontextbeschäftigt. In diesem Semester möchte ich den Fokus auf praktische Experimente legen und untersuchen, wie sich eine künstlerische Identität aktiv entwickeln und kommunizieren lässt.
Der experimentelle Teil meines Projekts besteht aus mehreren Elementen:
Ein wichtiger Schritt ist die Analyse meines bestehenden Instagram-Accounts. nstagram ist für viele junge Künstler:innen eine der wichtigsten Plattformen, um ihre Arbeiten zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und eine eigene visuelle Identität aufzubauen. Deshalb möchte ich zunächst den aktuellen Stand meines Accounts analysieren.
Dabei werde ich untersuchen, welche Inhalte ich bisher poste, wie sie visuell aufgebaut sind und wie sie von meinem Publikum wahrgenommen werden. Besonders interessieren mich Fragen wie: Welche Beiträge bekommen die meisten Reaktionen? Welche Art von Content funktioniert besser – zum Beispiel fertige Arbeiten, Einblicke in den Prozess oder persönliche Inhalte? Außerdem möchte ich analysieren, wie konsistent meine visuelle Sprache ist und ob mein Profil bereits eine klare künstlerische Identität vermittelt.
Auf Basis dieser Analyse plane ich, verschiedene Content-Formate und Präsentationsweisen auszuprobieren. Das kann zum Beispiel bedeuten, unterschiedliche Arten von Posts zu testen, neue visuelle Strategien zu entwickeln oder stärker Einblicke in meinen kreativen Prozess zu geben. Durch diese Experimente möchte ich beobachten, wie sich meine Online-Präsenz verändert und welche Formen der Darstellung besonders positiv aufgenommen werden.
Zusätzlich möchte ich Gespräche bzw. kleine Interviews mit Menschen führen, die mich aus unterschiedlichen Kontexten kennen. Ziel ist es herauszufinden, wie andere meine Persönlichkeit und meine kreative Arbeit wahrnehmen. Dadurch möchte ich besser verstehen, ob meine Außenwirkung mit meinem eigenen Selbstbild übereinstimmt.
Durch diese Experimente möchte ich untersuchen, wie Self-Branding praktisch funktioniert und welche Strategien jungen Künstler:innen helfen können, ihre Arbeit sichtbarer zu machen.
Ein weiterer Teil des Projekts sind Gespräche mit Menschen aus meinem Umfeld, die mich aus unterschiedlichen Kontexten kennen. Ziel ist es herauszufinden, wie andere meine Persönlichkeit und meine kreative Arbeit wahrnehmen. Dadurch möchte ich besser verstehen, ob meine Außenwirkung mit dem Bild übereinstimmt, das ich selbst von mir habe.
Bis dann 🫲
UPD: Falls DU Gedanken oder Feedback hast, kannst sie gerne in die Kommentare schreiben 🙂 Oder mir auch persönlich sagen, ich freue mich! 🐝
Im Laufe des Semesters wurde deutlich, dass Self-Branding ein vergleichsweise junges, aber zunehmend relevantes Konzept ist, das stark mit aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und medialen Entwicklungen verknüpft ist. Besonders im Kontext von Digitalisierung und Social Media hat sich Self-Branding von einer Strategie für Selbstständige und Künstler*innen zu einem allgemeinen Bestandteil beruflicher Positionierung entwickelt.
Zahlreiche Forschungsarbeiten zeigen, dass Self-Branding längst nicht mehr nur für Self-Employed oder Personen in kreativen Berufen von Bedeutung ist. Auch Bewerberinnen im klassischen Angestelltenverhältnis profitieren davon, da Arbeitgeberinnen verstärkt auf persönliche Profile, Online-Präsenzen und individuelle Außenwirkungen achten. Die eigene Darstellung wird somit Teil der beruflichen Qualifikation und kann neue Türen öffnen.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist das Vertrauen, das durch Personal Branding aufgebaut werden kann. Menschen neigen dazu, sich stärker mit anderen Menschen als mit anonymen Marken zu identifizieren. Ein klar erkennbares Gesicht, eine konsistente Haltung und eine nachvollziehbare Geschichte schaffen Nähe und Glaubwürdigkeit – besonders dann, wenn ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine künstlerische Arbeit vermittelt wird. Self-Branding kann hier als Schnittstelle zwischen Person, Werk und Publikum fungieren.
Gleichzeitig bringt dieses Konzept jedoch auch wesentliche Herausforderungen mit sich. Ein häufig diskutiertes Problem ist die Frage der Authentizität. Die bewusste Inszenierung der eigenen Person birgt die Gefahr, eine konstruierte oder verzerrte Identität zu präsentieren, die nicht (mehr) dem eigenen Selbst entspricht. Die Grenze zwischen strategischer Selbstdarstellung und Selbstverfremdung ist dabei oft fließend. Besonders im digitalen Raum kann der Druck entstehen, Erwartungen zu erfüllen, anstatt sich ehrlich zu positionieren.
Die Analyse der Künstlerin Ellen Sheidlin verdeutlicht diese Dynamiken auf exemplarische Weise. Ihr Werdegang zeigt, wie Self-Branding – ursprünglich über Social Media und einen YouTube-Kanal aufgebaut – als Einstiegspunkt für eine künstlerische Karriere dienen kann. Durch eine starke persönliche Präsenz und Reichweite gelang es ihr, Aufmerksamkeit zu generieren, Kollaborationen einzugehen und schließlich mit Galerien zusammenzuarbeiten. Dieses Beispiel macht sichtbar, wie Self-Branding nicht nur Sichtbarkeit schafft, sondern auch als Brücke zwischen digitaler Selbstinszenierung und professioneller Anerkennung im Kunstfeld fungieren kann.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Self-Branding ein ambivalentes, aber wirkungsvolles Instrument ist. Es bietet große Chancen in Bezug auf Sichtbarkeit, Vertrauen und Vernetzung, erfordert jedoch zugleich ein hohes Maß an Reflexion. Besonders im Design- und Kunstkontext stellt sich die zentrale Frage, wie eine authentische Identität kommuniziert werden kann, ohne zur reinen Marke zu werden. Genau in diesem Spannungsfeld liegt das kreative und forschungsrelevante Potenzial von Self-Branding.
Hallo wieder! Ich hoffe, eure Weihnachtszeit war schön und ihr seid wieder bereit für wissenschaftliches Zeug 🙂 Heute habe ich mit der Analyse begonnen, genauer gesagt damit, wie sich andere Künstler:innen nach außen präsentieren.
In den Analysen werden die visuelle Identität, Persona und Narrativ, die mediale Präsenz sowie Haltung und Werte untersucht. Im heutigen Beitrag wird die Künstlerin Ellen Sheidlin analysiert.
Wie sie angefangen hat?
Ellen Sheidlin wurde im Jahr 1994 in Russland geboren. (Sheidlin, o.J. a) Ellen Sheidlin begann ihre öffentliche Präsenz nicht im klassischen Kunstkontext, sondern auf digitalen Plattformen, insbesondere über einen YouTube-Kanal, mit einer der populärsten Videoreinen “Das Geheimnis meiner Fotos” in dem die Künstlerin Prozess ihrer Arbeit gezeigt hat. Bereits in diesen frühen Arbeiten zeigte sich ein starkes Bewusstsein für Bildkomposition, Farbigkeit und Inszenierung. Auch wenn der Content formal noch näher an Influencer-Formaten lag, wurde der eigene Körper früh als zentrales Ausdrucksmittel eingesetzt. Die Plattform YouTube fungierte dabei als Experimentierraum, in dem visuelle Identität, Persona und Erzählweise schrittweise entwickelt wurden. (Sheidlin, o.J. b)
Die frühe YouTube-Phase kann somit als Fundament verstanden werden, auf dem Elen Sheidlin ihre spätere künstlerische Identität aufbaute. Sie ermöglichte Sichtbarkeit, Selbstexperiment und Publikumsinteraktion und schuf jene mediale Kompetenz, die später zu einem zentralen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis wurde.
Hat sie ihr eigenes Stil?
Ellen Sheidlin arbeitet mit einer hochgradig konsistenten visuellen Sprache, die sich durch intensive Farbigkeit, surrealistische Bildwelten und digitale Inszenierungen auszeichnet. Wiederkehrend sind vor allem kräftige, teils künstlich wirkende Farben, glatte Oberflächen sowie die Kombination aus Körper, Objekt und digitalem Raum.
Sie arbeitet in unterschiedlichen Medien: painting / photography / digital video art / sculpture / illustration (Sheidlin, o.J. a)
In den Arbeiten von Elen Sheidlin ist der eigene Körper nahezu durchgängig als zentrale visuelle Figur präsent. Die Künstlerin positioniert sich in ihren Fotografien und Inszenierungen bewusst im Mittelpunkt der Bildkomposition und übernimmt damit gleichzeitig die Rolle von Subjekt, Objekt und Medium der Darstellung (Sheidlin, o.J. c):
(sheidlina, 2020 a)
(sheidlina, 2020 b)
(sheidlina, 2020 c)
Durch die wiederholte Verwendung des eigenen Körpers entsteht eine hohe Wiedererkennbarkeit, die wesentlich zur Markenbildung beiträgt. Gleichzeitig erlaubt diese Strategie eine kontinuierliche Variation der erzählten Inhalte, ohne die visuelle Identität zu destabilisieren. Der Körper wird damit zum konstanten Anker innerhalb wechselnder Themenfelder.
Besonders relevant ist, dass Elen Sheidlin ihren Körper nicht im Sinne eines idealisierten oder normativen Schönheitsbildes einsetzt, sondern ihn bewusst als Projektionsfläche für Spannungen, Widersprüche und innere Zustände nutzt. Dadurch verschiebt sich der Fokus von Selbstdarstellung hin zu Selbstverhandlung: Der Körper wird zum Ort, an dem individuelle Erfahrungen mit kollektiven Problemen verschränkt werden.
Narrativ
Die Künstlerin selbst steht im Zentrum ihrer Arbeiten. Ellen Sheidlin agiert nicht nur als Produzentin der Kunst, sondern zugleich als Figur, Medium und Performance. Ihre Persona ist bewusst konstruiert und changiert zwischen Überzeichnung, Ironie und emotionaler Offenheit.
Ihr pseudonym hat sie von ihrem damaligen Ehemann Evgeniy Sheidlin genommen, mit dem sie 15 Jahren lang zusammen war und vor kurzen ihre Partnerschaft beendet hat. Über ihr privates leben hat Ellen Sheidlin viel in interviews erzählt und oft die interviews mit ihrem Man zusammen gegeben hat. Ihr Ehemann hat sie von Anfang sehr unterstützt und als erster Fotograf für ihre Kunstwerke diente. (vdud, 2023)
Das Narrativ ihrer Marke speist sich aus einer Spannung zwischen Intimität und Inszenierung. Einerseits zeigt Elen Sheidlinemotionale Zustände, persönliche Erfahrungen und subjektive Wahrnehmungen, wodurch beim Publikum der Eindruck von Nähe und Authentizität entsteht. Diese Offenheit ermöglicht Identifikation und verstärkt die Bindung zwischen Künstlerin und Rezipient:innen.
Andererseits bleibt diese Intimität stets ästhetisch kontrolliert und strategisch gerahmt. Die gezeigten Emotionen sind Teil einer bewusst konstruierten Bildsprache, die weder spontane Selbstenthüllung noch dokumentarische Unmittelbarkeit anstrebt. Stattdessen wird Nähe inszeniert, ohne die Grenze zwischen privatem Selbst und öffentlicher Persona aufzulösen. Die Distanz bleibt gewahrt und wird zum konstitutiven Bestandteil ihres Self-Brandings.
Gerade in dieser kontrollierten Balance zwischen Offenheit und Abgrenzung liegt die Stärke der künstlerischen Markenbildung: Intimität fungiert nicht als Selbstzweck, sondern als kommunikatives Mittel, das Sichtbarkeit erzeugt, ohne Autonomie aufzugeben.
Haltung & Werte
In der Arbeit von Ellen Sheidlin dienen persönliche Erfahrungen wiederholt als unmittelbarer Ausgangspunkt für künstlerische Arbeiten. (vdud, 2023) Private Lebensereignisse werden dabei nicht narrativ erklärt oder öffentlich kommentiert, sondern in verdichteter Form visuell verarbeitet. Die Künstlerin nutzt ihre eigene Bildsprache, um innere Zustände sichtbar zu machen, ohne diese explizit zu kontextualisieren.
Ein prägnantes Beispiel dafür ist die Phase nach einer Trennung, in der Ellen Sheidlin zwei Fotografien veröffentlichte, die deutlich von einer veränderten emotionalen Tonalität geprägt sind:
“It’s been like learning to breathe again – shedding an old skin that no longer fits, finding myself in a world I’ve never known before. I was 15 when I first fell in love, and at 30, I’ve discovered what it means to rebuild yourself after losing something that defined you for half your life.”
(sheidlina, 2025 a)
(sheidlina, 2025 b)
Anstelle von erklärenden Texten oder direkten Aussagen über das Ereignis wird der innere Zustand über Körperhaltung, Blick, Komposition und Atmosphäre vermittelt. Der eigene Körper fungiert dabei als Träger von Verlust, Leere und emotionaler Spannung, ohne dass das private Ereignis selbst ausgesprochen wird.
Ein weiteres Beispiel lässt sich in Arbeiten erkennen, die im Kontext einer langen räumlichen Trennung von ihren Eltern entstanden sind. In einer Fotografie, die diesen Zustand thematisiert, wird körperliche Nähe nicht gezeigt, sondern vielmehr ihr Fehlen visualisiert. Während der Körper Nähe und Geborgenheit vermittelt, ist ihr Kopf von einer transparenten Blase umschlossen. Dieses Element erzeugt eine visuelle Trennung zwischen physischer Nähe und innerer Wahrnehmung.
Die Blase steht dabei für emotionale Distanz und das Gefühl innerer Abgeschlossenheit, das trotz des Wiedersehens bestehen bleibt. Persönliche Erfahrung wird nicht erklärt, sondern über Körper, Raum und Symbolik in eine allgemein lesbare Bildsprache übersetzt:
(sheidlina, 2025 c)
Charakteristisch ist, dass Elen Sheidlin persönliche Krisen nicht isoliert oder dokumentarisch darstellt, sondern sie in ihre bestehende visuelle Identität integriert. Auch in Momenten emotionaler Verletzlichkeit bleibt die ästhetische Kontrolle erhalten. Die persönliche Erfahrung wird nicht zum Bruch mit der Marke, sondern zum Bestandteil ihres kontinuierlichen künstlerischen Narrativs.
Neben der Verarbeitung persönlicher Erfahrungen greift Elen Sheidlin in ihren Arbeiten auch gesellschaftliche Themen auf und integriert kommerzielle Aufträge in ihre visuelle Praxis:
(sheidlina, 2022)
(sheidlina, 2021)
Öffentliche Diskurse und Werbekampagnen werden dabei nicht getrennt von ihrer künstlerischen Identität behandelt, sondern in dieselbe ästhetische Sprache überführt. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen persönlichem Ausdruck, öffentlicher Kommunikation und kommerzieller Inszenierung.
Soziale Netzwerke
Wie bereits erwähnt, begann Elen Sheidlin ihren öffentlichen Weg auf YouTube, wo sie zunächst persönliche und visuell experimentelle Videoformate veröffentlichte. Diese frühe Phase diente als Ausgangspunkt für die Entwicklung ihrer medialen Kompetenz und ihres Gespürs für Inszenierung. Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt jedoch zunehmend auf Instagram, das sich als zentraler Ort ihrer künstlerischen Praxis etablierte.
Ein weiteres zentrales Element ihres Self-Brandings ist der bewusste Einsatz ihres echten Nachnamens. Sie tritt konsequent unter ihrem realen Namen auf, den sie sowohl für die Benennung ihres Instagram-Accounts als auch ihrer Website nutzt. So wird der Name zur Marke: Er steht nicht primär für eine private Person, sondern für eine kuratierte künstlerische Identität. Die Konsistenz in der Namensverwendung über verschiedene Plattformen hinweg verstärkt die Wiedererkennbarkeit und sorgt für eine klare Zuordenbarkeit der Arbeiten.
Auf Instagram fungiert die Plattform nicht lediglich als Präsentations- oder Marketinginstrument, sondern als integraler Bestandteil des künstlerischen Werks. Einzelne Beiträge sind selten isoliert zu betrachten, sondern entfalten ihre Bedeutung im Zusammenspiel mit anderen Bildern, Serien und zeitlichen Abfolgen. Der Feed wird zu einer kuratierten Erzählfläche, in der visuelle Kohärenz, Wiederholung und Variation gezielt eingesetzt werden.
(Sheidlin, o.J. c)
Persönliche Themen, gesellschaftliche Fragestellungen und kommerzielle Inhalte werden innerhalb desselben ästhetischen Rahmens verhandelt. Auch bezahlte Kooperationen oder Werbekampagnen unterscheiden sich formal kaum von freien Arbeiten. Dadurch werden kommerzielle Inhalte nicht als Bruch wahrgenommen, sondern als Fortführung der bestehenden visuellen Identität. Werbung wird Teil der künstlerischen Erzählung, nicht ihr Gegenpol.
Instagram lässt sich somit als hybrider Raum beschreiben, in dem Kunst, Öffentlichkeit und Kommerz bewusst miteinander verschränkt werden. Die Plattform ist nicht nur Distributionskanal, sondern prägt maßgeblich die Form, Rezeption und Bedeutung der Arbeiten und wird damit selbst zu einem aktiven Bestandteil des künstlerischen Self-Brandings.
Elen Sheidlin nutzt in der Regel keine Hashtags und die Bildbeschreibungen sind meist sehr kurz gehalten oder bestehen lediglich aus einzelnen Worten oder knappen Aussagen. Diese reduzierte Textpraxis lenkt den Fokus konsequent auf das Bild selbst und vermeidet eine inhaltliche Vorinterpretation. Die Bedeutung der Arbeiten wird nicht erklärt, sondern bleibt offen für individuelle Lesarten.
(Sheidlin, o.J. c)
Auch der Instagram-Header von Ellen Sheidlin folgt einer bewusst reduzierten Branding-Strategie. Anstelle einer ausführlichen Selbstbeschreibung oder erklärender Texte beschränkt sich die Profilbeschreibung auf wenige Informationen sowie auf Links zu ihrer Website und weiteren sozialen Netzwerken. Der Fokus liegt nicht auf verbaler Selbsterklärung, sondern auf Weiterleitung und Struktur.
sheidlina (26.03.2020 b): Selbstisolation. Geschichte Nummer eins. [Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/B-NIJUCKrAA/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
sheidlina (04.09.2020 c): Ms Scarecrow, you look messy. [Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/CEt6s6knuBv/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
Sheidlin, Ellen [@sheidlina] (o.J. c): Instagram‐Fotos und ‐Videos [Instagram‐Profil]. In: Instagram, https://www.instagram.com/sheidlina/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
sheidlina (09.03.2025 a): How do you exist alone after fifteen years as two? [Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/DG-z1-czMv9/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
sheidlina (19.03.2025 b): Casting for contenders is now open.[Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/DHY6jCnz12N/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
sheidlina (08.12.2025 c): Before leaving, I created a photograph with my mother..a small inner shelter made from her love. [Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/DSAoyVPk78s/?img_index=1 (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
sheidlina (16.11.2021): A special ritual of berry picking, a beauty that can only fit in the new Raspberry-Bramble [Instagrampost]. In: Instagram, https://www.instagram.com/p/CWV1tCYK-Fy/ (zuletzt aufgerufen am 05.01.2026)
Hey! Wie ich im letzten Post schon angekündigt habe, geht es heute um die HERAUSFORDERUNGEN im Self-Branding. Welche möglichen Probleme können auf dem Weg auftreten und wie finde ich gute Lösungen, um sie zu vermeiden? All das habe ich in diesem Beitrag für euch (und für mich natürlich) zusammengefasst!
Die Idee, sich selbst als „Me Inc.“ zu inszenieren – also als konsistentes, authentisches und zugleich profitables Produkt – klingt zunächst erfolgversprechend, führt aber in der Praxis zu tiefen inneren Spannungen und Risiken (vgl. Whitmer 2018).
Persönliche und psychologische Herausforderungen:
Das Authentizitäts-Dilemma: Der Diskurs rund um Self-Branding verspricht, dass ein authentisches Selbst automatisch auch ein vermarktbares Selbst ist. Authentizität gilt als zentral für eine starke Marke. Doch sobald Authentizität strategisch inszeniert wird, verwandelt sie sich in eine Art „berechnete Authentizität“. Wenn die eigene Marke zu bewusst gestaltet wirkt, kann sie schnell als unauthentisch wahrgenommen und dadurch unglaubwürdig werden (vgl. Whitmer 2018).
Dauerhafte Anspannung: Self-Branding bedeutet ständige Selbstbeobachtung, Anpassung und Präsentation. Menschen werden dazu angehalten, kontinuierlich an ihrer Marke zu arbeiten und sie zu bewerben – was dazu führt, dass man eigentlich nie wirklich „aus“ ist (vgl. Whitmer 2018).
Existentielle Angst: Der Treibstoff hinter Self-Branding ist häufig eine tiefe Angst, im beruflichen Umfeld zurückzufallen oder übersehen zu werden. Wer seine „Human Brand“ nicht aktiv aufbaut, fürchtet, abgehängt zu werden (vgl. Scheidt/Gelhard/Henseler 2020).
Konflikte durch multiple Identitäten: Idealerweise soll die Personal Brand ein stabiles, klares Selbst darstellen, das über alle Kanäle hinweg konsistent bleibt. In der Realität passen Menschen ihre Selbstdarstellung ständig an verschiedene Plattformen an – etwa anders auf LinkedIn als auf Facebook. Die öffentliche Struktur sozialer Medien lässt unterschiedliche soziale Kontexte jedoch ineinander zusammenfallen, was das Risiko erhöht, als widersprüchlich oder unglaubwürdig zu wirken (vgl. Whitmer 2018). Psychologisch kann eine starke Variabilität zwischen verschiedenen Identitäten zu geringerem Wohlbefinden und einem Gefühl mangelnder innerer Kohärenz führen (vgl. Scheidt/Gelhard/Henseler 2020).
Strukturelle und berufliche Risiken:
Ungewisse Belohnung: Trotz hohem Zeit- und Gefühlsaufwand gibt es keine Garantie für Erfolg. Sichtbarkeit und Einfluss sind begrenzt – und werden oft weiterhin von traditionellen cultural gatekeepers gesteuert (vgl. Whitmer 2018).
Das Wettbewerbsdilemma: Je mehr Menschen aktiv an ihrem Personal Brand arbeiten, desto schwieriger wird es, sich wirklich abzuheben. Wenn alle eine „Human Brand“ sind, verliert dieser Status an Wert (vgl. Scheidt/Gelhard/Henseler 2020).
Interne Bedrohung im Arbeitsumfeld: Eine sehr starke oder auffällige Human Brand kann im Unternehmen als Bedrohung wahrgenommen werden – von Kolleg*innen ebenso wie von Vorgesetzten. Das kann zu Misstrauen und Skepsis führen (vgl. Scheidt/Gelhard/Henseler 2020).
Self-Branding ist in der modernen Arbeitswelt ein wichtiges Werkzeug geworden, um Risiken zu bewältigen und beruflich sichtbar zu bleiben. Es hilft, sich als einzigartige Expert*in zu positionieren und Chancen zu nutzen. Gleichzeitig fordert diese strategische Selbstinszenierung jedoch ihren Preis: Sie verlangt eine Form von kontinuierlicher, fast unerreichbarer Authentizität und geht mit psychischer Belastung, hohem Konkurrenzdruck und permanenter öffentlicher Beobachtung einher. Im Grunde gleicht Self-Branding der Entscheidung, ob man in einem überfüllten Markt ein außergewöhnliches, aber zerbrechliches Kunstwerk (die eigene Human Brand) ausstellt – oder ob man eine austauschbare Massenware bleibt. Man riskiert immer entweder, in der Menge unterzugehen oder durch die helle Beleuchtung Risse sichtbar zu machen.
Also, wenn ich am Ende dieses Experiments nicht durchdrehe, wird es eine echte Win-win-Situation :)! Aber wie man in Belarus sagt: „Wer kein Risiko nimmt, trinkt keinen Champagner“ 🥂🍾 (a little multi-kulti vibe stört nie ❤️)
Quellen:
Whitmer, Jennifer M.: You are your brand: Self‐branding and the marketization of self. In: Sociology Compass (2019), https://doi.org/10.1111/soc4.12662
Scheidt/Gelhard/Henseler: Old Practice, but Young Research Field: A Systematic Bibliographic Review of Personal Branding. In: Frontiers in Psychology (2020), doi: 10.3389/fpsyg.2020.01809