*13 Recherche im Buchgeschäft

Nachdem ich durch die Umfrage ein gutes Bild bekommen habe, was Erwachsene sich für Kinder wünschen, war mein nächster Schritt, mir Kinderbücher genauer anzuschauen. Ich wollte recherchieren, welche Bücher es gerade gibt, wie Geschichten geschrieben werden, wie die Bücher illustriert sind und auch welche gestalterischen Möglichkeiten es im Kinderbuch überhaupt gibt. 

Was mir beim Durchblättern als erstes aufgefallen ist, ist dass sehr viele Bücher Diversität als zentrales, explizites Theme einsetzten. Zum Beispiel bei „Glitzer für alle“ dreht sich die gesamte Gesichte um Geschlechterrollen, bei „das ist doch nur für Mädchen“ genauso. Das ist ja prinzipiell nicht falsch oder schlecht aber es bedeutet, dass das Thema immer im Vordergrund steht und aktiv erklärt wird. Kinder merken sofort, worum es geht. Genau das ist der Punkt, an dem ich mich frage, ob dass die Art und Weise ist, wie ich gestalten möchte. Denn mein Ziel wäre es, Vielfalt so zu gestalten, dass sie als selbstverständlicher Teil einer Gesichte gesehen wird nicht als Botschaft, die vermittelt werden muss. 

Gestalterisch ist aber so einiges möglich. Auf der einen Seite gibt es Bücher mit weichen, handgezeichnete Illustrationen in warmen Farben, viele Figuren im Bild, viel Bewegung und Ausdruck. Gruppen von Kindern, die sich alle voneinander unterscheiden: unterschiedliche Hautfarben, Haartypen, Körper, Figuren mit Beeinträchtigungen und das alles ohne größer Erklärung. Auf der anderen Seite gibt es Bücher mit deutlich reduzierten grafischen Stil, der fast schon plakativ wirkt. Beides funktioniert, aber für unterschiedliche Stimmungen und Zielgruppen.

Was mit außerdem besonders aufgefallen ist, ist dass bei Büchern für jüngere Kinder, die Illustrationen die eigentlichen Träger der Gesichte sind. Der Text ist oft sehr kurz, manchmal nur eins Satz pro Seiten und die Illustration erzählt den Rest. Das bedeutet, dass gestalterische Entscheidungen hier besonders viel Gewicht haben.

Beim Format und er Haptik gab es ebenfalls viele unterschiedliche Ansätze. Zum Beispiel bei dem Buch „Las dich drücken kleiner Dino! hatte eine ausgestanzte Seite, durch die man die Figuren der nächsten Seite schon durch sehen kann. Ein einfaches Mittel was sofort Neugierde erzeugt. Bei einem anderen Buch gab es Klappseiten, die die Gesichte in zwei Ebenen erzählt haben was man auf den ersten Blick sieht und was sicher dahinter verbirgt. Das hat mir besonders gut gefallen, weil das Aufklappen nicht nur Spaß macht, sondern inhaltlich Sinn ergibt. 

Was ich aus der Recherche vor allem mitgenommen habe, ist dass es schon viele Bücher zu diesem Thema gibt, aber nicht alle lösen das gleich gut. Und der Unterschied liegt meistens nicht im Thema selbst, sondern darin wie es erzählt und gestaltet wird, Das ist auch der Ansatz, von dem ich für mein eigenes Projekt am meisten mitnehmen kann. 

*12 Auswertung

Im heutigen blogpost geht es um die Auswertung der Umfrage: 


Der Großteil der Teilnehmer:innen waren Eltern mit 77,8%, 22;2% sind Großeltern und ebenfalls 22,2% Verwandte. Zusätzlich haben auch einige pädagogische Fachkräfte und Babysitter:innen teilgenommen. Die Kinder, über die berichtet wurde, waren überwiegend im Alter zwischen zwei und sieben Jahren, also genau die Altersgruppe, für die das Buch gedacht ist. 

Was das Leseverhalten betrifft, zeigt sich ein gemischtes Bild: Rund 40% der Befragten lesen täglich mit Kindern, etwa 20% mehrmals pro Woche und der Rest eher selten. Das hat mich daran erinnert, dass ein Buch auch dann funktionieren muss, wenn es nicht jeden Tag in die Hand genommen wird, es sollte also beim erneuten Aufschlagen sofort wieder einladen. 

Besonders interessant war die Frage, was ein Kinderbuch zu einem guten Buch macht. Hier kamen sehr ähnliche Antworten: Die Geschichte soll spannend sein, die Illustrationen ansprechend und die Sprache kindergerecht, aber nicht kindisch. Mehrere Personen betonen außerdem, dass das Buch auch für die vorlesenden Erwachsenen angenehm sein soll. Ein Punkt, der mich persönlich sehr gefreut hat, ist der Wunsch, dass Kinder als Publikum ernst genommen werden und der Text nicht übertrieben vereinfacht oder verniedlicht wird. 

Beim Thema Inklusion und Diversität war die Übereinstimmung besonders eindeutig. Ungefähr 75% der Befragten haben bereits Bücher zu diesem Thema genutzt oder kennen zumindest welche. Hier wurden Beispiel wie die Conny Geschichten genannt aber auch spezifische Bücher zu Körper, wie Jeder hat einen Popo, Familienformen wie das Mädchen mit den vier Namen oder Bücher über Beeinträchtigungen. Eine Sache die dabei am häufigsten positiv hervorgehoben wurde ist, dass Diversität in diesen Büchern als selbstverständlich vorkommt, ohne es jedes Mal explizit zu betont zu werden. Eine Person brachte es besonders gut auf den Punkt, denn wenn inklusive Details jedes Mal extra hervorgehoben werden müssen, verlieren sie ihre Normalität. Genau das ist auch mein Ansatz. 

Die am häufigsten genannten Themen, die Befragten für Kinder als besonders wichtig sehen, waren Gefühle und Emotionen, Beeinträchtigungen sowie Familienformen, diese Themen wurden jeweils von über 80% der Befragten angekreuzt. Auch Hautfarbe und Herkunft, Geschlechterrollen sowie Körper und Aussehen als ebenfalls wichtig eingestuft. Bei der Frage, ob Kindern selber über Unterschiede zwischen Menschen reden haben 88,9% mit Ja abgestimmt und 11,1% mit selten aber niemand mit Nein. Des Weiteren gaben 66,7% an, bereits Kinderbücher zum Thema Inklusion und Diversität zu kennen, 22,2% verneinten und 11,1% meinten, sie kennen nicht so wirklich welche.

Was Erwachsene für Kinder klar ablehnen, war ebenfalls sehr eindeutig, denn das Buch soll auf keinem Fall belehrend wirken. Nahezu alle Befragten sagten das als zentralen Kritikpunkt. Ein Buch zu diesem Thema soll kein Lehrbuch sein sondern eine Geschichte, wo Diversität einfach sichtbar ist und als normal gilt. Diese Rückmeldung hat meine Richtung für das Projekt klar bestätigt 

Bei den interaktiven Elementen war die Begeisterung besonders groß. Alle Befragten gaben an, diese Art von Büchern bereits zu kennen. Entscheidungsseiten, also Seiten auf denen Kinder selber wählen können wie die Geschichte weitergeht, sowie Klappseiten wurden am besten bewertet. Verschieden Texturen und Materialien, Spiegel- und Schiebelemente wurden als durchschnittlich gut bewertet und eher skeptisch waren viele gegenüber Pop-ups und 3D-Elementen. Die meisten Elemente wurden als gut bis sehr praktisch im Kindergartenalltag und Zuhause eingeschätzt, die diese als hinderlich beschrieben wurden. Das sind Wichtige Hinweise für die gestalterische Umsetzung

Im letzten Abschnitt der Umfrage ging es um konkrete Wünsche und Anregungen. Hier zeigte sich, dass sich die Befragten vor allem Lebensnähe wünschen. Kindern sollen Situationen und Figuren begegnen, mit den sie sich identifizieren können, Geschichten erleben die ihre Realität Wiederspiegeln und Dialoge hören die sie selbst anwenden können. Mehrere Personen wünschen sich außerdem, dass Stereotypen aktiv gebrochen werden und eine Vielfalt an Lebensformen, Körpern und Familienformen ganz selbstverständlich abgebildet wird. Eine Antwort hat mich dabei besondre zum Nachdenken gebracht: „Wenn alle Bücher etwas von der Norm abweichen würden und unterschiedliche Familienkonstellationen, Körper etc. abbilden, wären extra Diversitätsbücher nicht notwendig…“ Das ist letztendlich auch da Ziel, ein Buch zu machen, das irgendwann gar nicht mehr als besonders gilt, weil das was es zeigt längst selbstverständlich ist. 


Ingesamt hat mir die Umfrage ein sehr klares Bild gegen, was für diese Zielgruppe passend und gewünscht wird: Ein Buch, was Kinder begeistert und das Vielfalt ganz selbstverständlich gezeigt werden soll, ohne den gesamten Fokus darauf zu legen. Mit diesen Erkenntnissen kann ich jetzt in den gestalterischen Teil des Projekts starten. 

*11 Umfrage Erstellung

In diesem Semester möchte ich mich darauf fokussieren zu recherchieren und vor allem zu testen, wie ich ein Kinderbuch gestalten kann, das für Kinder interaktiv sowie ansprechend und spannend ist. Zudem soll das Buch gleichzeitig Themen wie Inklusion und Diversität für Kindergartenkinder auf eine altersgerechte Art und Weise präsentieren. Die zentrale Frage dieses Semesters ist daher, was brauchen Kinder in diesem Alter wirklich und was interessiert sie überhaupt. Um das heraus zu finden, habe ich zu Beginn des Projekts eine Umfrage erstellt, die an Eltern, Großeltern, Verwandte und pädagogische Fachkräfte gerichtet ist. Also an all jene die tagtäglich mitbekommen, was Kinder begeistert, was sie beschäftigt und welche Themen in ihrem Alltag eine Rolle spielen. Ihre Perspektive ist für mein Projekt besonders wichtig, weil sie nicht nur wissen, was Kinder mögen, sondern auch, was im Alltag wirklich funktioniert. 

Der Einstieg der Umfrage ist bewusst allgemein gehalten, um ein Gefühl für die Zielgruppe zu bekommen. Daher startet die erste Frage mit: „Welche Rolle hast du im Leben eines Kindes? Direkt gefolgt von der Frage nach dem Alter des Kindes. Denn ein Buch, das für einen Dreijährigen funktioniert, sieht ganz anders aus als eines für Sechsjähriger, sowohl inhaltlich als auch gestalterisch. Wo das eine Kind noch klar Bilder und kurze Sätze braucht, kann das andere schon komplexeren Gesichten folgen, Witze verstehen oder Rätsel lösen. Deshalb war es mir wichtig, von Beginn an zu wissen, über welche Altersgruppe die Befragten sprechen.

Von dort aus werden die Fragen etwas konkreter wie beispielsweise: „welche Themen sind im Alltag mit Kinder präsent?“ oder „Was macht ein Kinderbuch zu einem Guten?“. Außerdem wollte ich wissen, was Eltern und Pädagogen:innen bei schon bestehenden Büchern gefällt und was ihnen fehlt. Denn bestehende Bücher können zeigen, wo Lücken sind und wo es vielleicht schon viele Angebote gibt. Beides ist für mein Projekt seht wichtig, denn was fehlt zeigt mir, wo ich ansetzten kann und and dem was bereits gut funktioniert, kann ich mich orientieren.

Der dritte Schwerpunkt liegt auf Inklusion und Diversität. Mit diesen fragen wie: „Welche Fragen Rund um Inklusion und Diversität findest du für Kinder besonders wichtig“ oder „Sprechen Kinder von sich aus über Unterschiede zwischen Menschen“ wollte ich herausfindend, welche Inhalte besonders präsent sind und ob es für mich hilfreiche Referenzmaterialien gibt. Denn das Ziel dieses Projektes ist es, eine Geschichte zu schaffen, die Inklusion und Diversität nicht als belehrendes Thema verpackt, sonder als selbstverständlichen Teil der Handlung. Kinder sollen nicht das Gefühl haben, dass ihnen etwas erklärt wird, sondern sie sollen eine Geschichte erleben in der Vielfalt ganz normal ist. 

Der vierte Abschnitt fokussiert sich auf interaktive Elemente. Mein Ziel ist es, ein Buch zu machen, das nicht nur gut ausschaut, sondern eines, das wirklich begeistert und funktioniert, eines das Kinder neugierig macht, Gesprächsstoff bietet und das im Alltag einfach praktisch ist. 

Im letzten Abschnitt geht die Umfrage noch auf Wünsche und Anregungen ein und drauf was ein Buch auf keinem Fall machen sollte. Mit den Ergebnissen habe ich einen guten Überblick über das Thema gewonnen und kann mit dem gestalterischen Teil  des Projekts starten.