Green Preproduction – Wie gute Planung großes bewirken kann

Topic: Green Filming

Gut geplant ist halb gewonnen. Dieses bekannte Sprichwort beschreibt eine Sichtweise, die in der Filmproduktion von großer Wichtigkeit ist. Ob ein Film erfolgreich produziert wird, entscheidet sich lange bevor die ersten Schauspieler:innen vor der Kamera stehen, das Art Department das Szenenbild aufbaut und die Regisseur:innen ihre Anweisungen am Set geben. 

Während der Preproduction werden Skripte verfasst, Drehpläne geschrieben, Locations gesucht und vieles mehr. Diese Phase ist wegweisend für jede Film- und Videoproduktion, doch besonders im Zusammenhang mit Green Production spielt eine akribische Planungsphase eine essenzielle Rolle, um die Umweltbelastung durch die Produktion so gering wie möglich zu halten. In diesem Blogbeitrag wird daher ein Fokus auf die Verbesserungsmöglichkeiten der Nachhaltigkeit während der Preproduction gelegt.

Die Beaufsichtigung der Green Production

Sobald bei einem Filmprojekt feststeht, dass es sich hierbei um eine Green Production handeln soll, wird ein:e qualifizierte:r Green Producing Zuständige:r angestellt beziehungsweise festgelegt. Diese:r muss die nötigen Qualifikationen im Bereich der Nachhaltigkeit vorweisen können, beispielsweise durch eine einschlägige Ausbildung. (vgl. BMLUK 2025, S.14) 

Diese:r Nachhaltigkeitsbeauftragte ist während der Produktion des Filmes für die Einhaltung der Umweltstandards und der Green-Producing-Maßnahmen verantwortlich. Das bedeutet, dass diese Person mit der Aufgabe betreut wird, sowohl das gesamte Filmteam als auch gegebenenfalls Partnerbetriebe (Bsp. Catering oder Geräteverleih) über die geltenden Standards und Maßnahmen für die Produktion zu informieren und als Ansprechpartner:in bei Fragen bereitzustehen. (vgl. BMLUK 2025, S.14)

Vor allem während der Planungsphase ist die Expertise der für das Green Producing zuständigen Person essenziell, da hier mögliche Probleme im Bereich der Nachhaltigkeit frühzeitig festgestellt, angesprochen und gemeinsam mit dem Team vorab gelöst werden können. Auf diese Weise kann von Anfang an eine umweltfreundlichere Produktion sichergestellt werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.7)

Abgesehen davon ist die/der Nachhaltigkeitsbeauftragte während der gesamten Produktion für die Dokumentation der durchgeführten und eingehaltenen Maßnahmen zuständig. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018,S.7) Dies ist besonders wichtig, wenn eine Zertifizierung mit Auszeichnungen, wie etwa dem Österreichischen Umweltzeichen, angestrebt wird.

Preproduction

Aber welche Aspekte der Preproduction können und müssen nun abgewandelt werden, um den Ansprüchen einer Green Production gerecht zu werden? Um diese Frage zu beantworten muss zu Beginn der Produktion ein Nachhaltigkeitskonzept erstellt werden, in dem alle Maßnahmen festgelegt werden, die während des gesamten Projektes eingehalten werden müssen. Wie bereits zuvor erwähnt ist es die Aufgabe der/des Green Producing Zuständigen diese Maßnahmen mit dem gesamten Team zu teilen, besprechen und die Einhaltung zu beaufsichtigen. (vgl. Rientjes o.D.)

Diese Maßnahmen umfassen eine Vielzahl an Verbesserungsmöglichkeiten, die sich von der Wahl der Drehorte, über die Einsparung von Strom bis hin zur Planung des Caterings erstreckt. Während der Preproduction geht es vor allem darum, bereits während der Planungsphase umweltfreundlichere Entscheidungen zu treffen. Bei der Wahl der Locations wird beispielsweise darauf geachtet, dass diese strategisch clever ausgewählt werden, um die Transportwege so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört auch eine bedachte Einteilung der Drehtage, damit im besten Fall alle Szenen an einer Location abgedreht werden, bevor die Zelte abgeschlagen und am nächsten Drehort erneut aufgebaut werden. Auf diese Art und Weise können unnötige Transportwege, sowohl von Equipment und Utensilien als auch von den mitwirkenden Personen, vermieden werden.  (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.13)

Ein weiterer Weg, um sowohl Transportwege klein zu halten als auch die Nachhaltigkeit der verwendeten Produkte und Dienstleistungen steuern zu können, ist die genaue Begutachtung möglicher Dienstleister und Produktionspartner. Bevor diese engagiert werden, sollte hinterfragt werden, inwiefern die Arbeit und Einstellung dieser Unternehmen mit der Nachhaltigkeitspolitik der Filmproduktion zusammenpasst. Außerdem sollten Unternehmen aus der näheren Umgebung vorgezogen werden, um Transportwege möglichst gering zu halten. Im Zuge der Anfrage an die Unternehmen macht es Sinn, sich explizit nach nachhaltigen Alternativen zu erkundigen. Während dieser Planung sollte besonders auf eine reibungslose Kommunikation zwischen den einzelnen Filmdepartments geachtet werden, um gemeinsame Services und Transporte gut koordinieren zu können. (vgl. Rientjes o.D.)

Wurden die Drehorte festgelegt, muss auch die Stromversorgung gut durchdacht werden. Dies ist sehr wichtig, da Filmproduktionen allein durch den notwendigen Einsatz von Leuchtmitteln einen hohen Energieverbrauch aufweisen. In diesem Zusammenhang sind, wenn möglich, Baustromanschlüsse von Ökostromanbietern dem Einsatz von betriebsintensiven Generatoren vorzuziehen. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S. 13)

Um den generellen Einsatz von Leuchtmitteln so gering wie möglich zu halten, sollte außerdem während der Planung der Drehtage stromeffizient gedacht werden und so viele Szenen wie möglich bei Tageslicht eingeplant werden. Generell sollte die gesamte Produktion dem Ziel der Stromeffizienz folgen.  (vgl. Rientjes o.D.)

Es macht außerdem Sinn, bereits während der Preproduction an die Postproduction zu denken. Dies bedeutet, bereits vorab zu überlegen, welche Dinge besser während des Drehs gemacht werden und welche einfacher und nachhaltiger in der Postproduction umgesetzt werden können. Dies betrifft beispielsweise die Einbindung von Special Effects oder Virtual Effects. (vgl. Rientjes o.D.)

Conclusio

Obwohl hier nur ein paar der Verbesserungsmöglichkeiten für die  Preproduction vorgestellt wurden, zeigen diese Beispiele, dass bereits, wenn nicht sogar vor allem während der Preproduction ein Großteil der umweltfreundlichen Entscheidungen getroffen werden können. Unabhängig davon, ob es sich hierbei um die Wahl der Location handelt, oder um die Mülltrennungsstrategie. Jede scheinbar noch so kleine Entscheidung trägt dazu bei, eine nachhaltigere Filmproduktion auf die Beine zu stellen. Es liegt an den Filmemacher:innen und ihren Teams, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Literaturverzeichnis

BMLUK 2025Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025)
MFG Baden-Württemberg 2018MFG Baden-Württemberg (01.06.2018): Green Shooting Handlungsleitfaden für Filmproduktionen. In: Green Culture Anlaufstelle, https://www.greenculture.info/wissen/green-shooting-handlungsleitfaden-fuer-filmproduktionen/ (zuletzt aufgerufen am 04.01.2026)
Rientjes o.D.Rientjes, Els (o.D.): Toolkit. Production. In: Green Film Making, https://greenfilmmaking.com/toolkit/production/ (zuletzt aufgerufen am 03.01.2026)

Filme und ihr Einfluss auf die Umwelt

Topic: Green Filming

Alle kennen sie, viele lieben sie, aber nur wenigen ist ihr Einfluss auf die Umwelt bewusst: Film-, Fernseh- und Videoproduktionen. Hinter dem schönen Schein des emotional aufgeladenen Storytellings und der akribisch durchdachten Inszenierungen verbergen sich oft Produktionsprozesse, deren ökologischer Fußabdruck sogar Bigfoot Konkurrenz machen könnte.

Der Umwelteinfluss von Filmproduktionen

Die Sustainable Production Alliance (SPA) veröffentlichte 2021 einen Bericht, der sich mit dem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 161 Spielfilmen und 266 Fernsehserien auseinandersetz. Dieser Bericht umfasst den gesamten Bereich zwischen großen Tentpole1 Filmen bis hin zu kleinen Filmproduktionen, welche allesamt den Production Evironmental Accounting Report (PEAR) verwendeten. (vgl. SPA 2021, S.1)

Aus diesem Bericht geht hervor, dass der durchschnittliche CO2-Fußabdruck von Tentpole Produktionen bei 3.370 Tonnen lag. Pro Drehtag sind das in etwa 33 Tonnen. Bei großen Filmproduktionen lag der Wert bei 1.081 Tonnen, bei mittelgroßen Filmen waren es 769 Tonnen und bei kleinen Filmproduktionen ergaben sich 391 Tonnen. (vgl. SPA 2021, S.2)

Chart showing the average emissions per feature film.

Abb. 1: Durchschnittliche Emissionen pro Film. (Quelle: SPA 2021, S.2)

Um diese Zahlen besser einordnen zu können ist hier ein Vergleich: Die durchschnittlichen CO2-Äquivalenten Emissionen in Österreich lagen 2023 pro Kopf bei 7,5 Tonnen. (vgl. Statistik Austria 2025, S. 32) Das bedeutet, dass eine Tentpole Produktion pro Tag in etwa so viel CO2 ausstößt, wie 4,4 Personen in Österreich in einem Jahr. Rechnet man das auf den gesamten Produktionszeitraumes einer Tendpole Produktion auf, so stößt diese ungefähr so viel CO2 aus, wie 449 Österreicher:innen in einem ganzen Jahr. Auch kleine Filmproduktionen verbrauchen in diesem Vergleich bereits eine nennenswerte Anzahl an Emissionen und zwar 391 Tonnen. Das ist in etwa so viel wie 52 Personen in einem Jahr ausstoßen.

Wie diese Beispiele zeigen, haben Filmproduktionen einen signifikanten Einfluss auf die Ausschüttung von CO2 und anderen Treibhausgasen, welche wiederum bekannterweise den Klimawandel beeinflussen. Aus diesem Grund ist es essenziell, dass bei Filmproduktionen vermehrt ein Augenmerk auf nachhaltigere Produktionsabläufe gelegt wird. Aus dieser Überlegung heraus entwickelte sich die Begriffe Green Production und Green Filming.

Was ist „Green Filming“ / „Green Production“?

Das Green Filming hat das Ziel, die Filmproduktion so nachhaltig wie möglich umzusetzen. Dabei sollen vor allem die Kohlenstoff-Emissionen bzw. CO2-Äquivalente maßgeblich verringert werden und ein „[…] schonende[r] Umgang mit Ressourcen, Müllvermeidung, Kreislaufwirtschaft, Umwelt und Naturschutz“ (LAFC o.D.) implementiert werden.

Hierbei werden sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und soziale Belange berücksichtigt und es wird ein Augenmerk auf das Treffen von verantwortungsvollen Entscheidungen während aller Phasen der Filmproduktion gelegt.
Das bedeutet, dass sowohl während der Preproduction, der Produktion und der Postproduction die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung eingebunden werden. Beim Green Filming arbeiten im besten Fall alle Abteilungen der Filmproduktion Hand in Hand zusammen, um das Ziel der nachhaltigen Produktion zu erreichen. Das bedeutet, dass von Regie, und Kamera über das Szenen- und Kostümbild bis hin zur gesamten Crew alle Personen eingebunden werden. (vgl. LAFC o.D.)

Aber Green Filming befasst sich nicht nur mit der ökologischen, sondern auch mit der sozialen Komponente der Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund wird auch darauf geachtet, dass alle Abläufe der Filmproduktion mit möglichst geringen Auswirkungen auf die betroffenen Personen durchgeführt werden. Hierbei wird nicht nur auf die während des Drehs involvierten Mitwirkenden geachtet, sondern auch auf die Menschen Rücksicht genommen, die in der Nähe der Drehorte leben und direkt oder indirekt von den Dreharbeiten betroffen sind. (vgl. LAFC o.D.)

Conclusio

Es ist erkenntlich, dass die Filmproduktion ein großes Verbesserungspotenzial im Bereich der Nachhaltigkeit hat. Bereits kleine Produktionen stoßen in etwa so viel CO2 aus, wie 52 Österreicher:innen in einem ganzen Jahr. Das Green Filming hat sich zum Ziel gemacht, diese Emissionen maßgeblich zu verringern und die Filmproduktion in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft so viele Filmschafende wie möglich auf die Maßnahmen des Green Filmings umsteigen und somit zur Schadstoffreduzierung und Umweltverschmutzung beitragen. Auf diese Weise können in Zukunft beeindruckende und mitreißende Filme erschaffen werden, ohne dabei die Umwelt in Mitleidenschaft zu ziehen.

1 Der Begriff Tentpole Production beschreibt einen Film, der einen großen Profit erzielen soll. Außerdem ist das Ziel, durch diesen Film weitere Investition für zukünftige Produktionen zu erlangen. (vgl. Cambridge Dictionary o.D.)

Literaturverzeichnis

Cambridge Dictionary o.D.Cambridge Dictionary (o.D.): tentpole. In: Cambridge Dictionary, https://dictionary.cambridge.org/fr/dictionnaire/anglais/tentpole (zuletzt aufgerufen am 24.11.2025)
LAFC o.D.LAFC (o.D.): Wissensschatz Nachhaltigkeit. Was bedeutet Green Filming? In: LAFC Evergreen Prisma, https://www.lafc.at/greenguide/pool.php?ggid=4&aid=1172&cp=0 (zuletzt aufgerufen am 24.11.2025)
Statistik Austria 2025Statistik Austria: Umweltgesamtrechnungen. Modul – Luftemissionsrechnung 1995 bis 2023. Wien: Statistik Austria 2025
SPA 2021Sustainable Production Alliance (01.03.2021): Carbon Emissions of Film and Television Production. In: Sustainable Entertainment Alliance, https://greenproductionguide.com/wp-content/uploads/2021/04/SPA-Carbon-Emissions-Report.pdf (zuletzt aufgerufen am 26.11.2025)