Topic: Green Filming
In den bisherigen Blogbeiträgen ging es stets darum, wie man den Produktionsablauf eines Filmes umweltbewusster gestalten kann. Allerdings ist das nicht der einzige Weg, um Filme „grüner“ zu machen. Laut Katrin von Kapp-herr kann die Nachhaltigkeit in der Filmproduktion in zwei Perspektiven unterteilt werden: „Nachhaltigkeit hinter der Kamera und Nachhaltigkeit vor der Kamera.“ (Kap-herr 2021, S. 155) Dieser Ansatz zeigt, dass der Nachhaltigkeitsgedanke nicht nur durch eine möglichst umweltfreundliche Produktion vertreten werden kann, sondern dieser durch eine Integrierung in das Storytelling und das Szenenbild direkt in den Film gebracht werden kann.
Green Storytelling
Diese Integrierung vom Umweltthemen in die Geschichte eines Filmes nennt sich Green Stroytelling. Dabei werden Themen wie etwa Klimawandel, Biodiversität, Umweltschutz und Nachhaltigkeit in die Erzählung des Filmes eingebunden. Durch diese Integration sollen zum einen die Zuseher:innen auf Umweltthemen aufmerksam gemacht werden und ein Bewusstsein dafür bilden, und zum anderen sollen auf diese Weise die möglichen Auswirkungen der Produktion bereits während der Schreibphase vermindert werden. (vgl. Dordel 2024, S.2)
Die Einbindung des Nachhaltigkeitsgedanken kann auf drei Arten stattfinden und wird daher in die folgenden Komponenten unterteilt:
- Pragmatisches Green Storytelling
- Implizites Green Storytelling
- Explizites Green Storytelling
Das Pragmatische Green Storytelling befasst sich mit den Aspekten der Geschichte, die einen Einfluss auf die Produktionsart des Filmes haben. So wird beispielsweise darauf geachtet, dass nur wenige Ortswechsel stattfinden, um unnötige Transportwege und Reisen zu vermeiden. Das Implizite Green Storytelling fügt Elemente und Verhaltensweisen der Charaktere hinzu, die eine nachhaltige Lebensweise suggerieren, diese jedoch nicht explizit ansprechen. Dazu zählt zum Beispiel die Fahrt mit dem Fahrrad anstelle des Autos und der Konsum von vegetarischen oder veganen Mahlzeiten anstatt von Gerichten mit Tierprodukten. Das Explizite Green Storytelling macht hingegen genau das Gegenteil: Es spricht Umweltthemen explizit an. So finden etwa aktive Dialoge und Szenen zu diesem Thema ihren Weg auf den Bildschirm. (vgl. Dordel 2024, S.2)
Planet Placement
Ein weiterer Begriff, der in diesem Kontext verwendet wird, ist das Planet Placement. Dieses beschreibt die Integrierung von Umweltthemen in das Szenenbild und auch teilweise in die Handlung der Filmproduktion. Hier können Production Designer:innen und Set Designer:innen ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Elemente wie etwa Recyclingstationen, Solarpaneele, oder umweltfreundliche Produkte in der Filmwelt platzieren. Diese Elemente können jedoch auch bereits während des Schreibprozesses von den Drehbuchautor:innen vorgemerkt werden. (vgl. BMLUK 2025, S. 15)
Green Storytelling Elemente
Zu dem Thema Green Storytelling findet man online einige Checklisten, die filmschaffenden Personen dabei helfen sollen, Nachhaltigkeit bereits von Anfang an in die Geschichte zu integrieren. Nachfolgend werden einige der wichtigsten Aspekte vorgestellt. Dabei werden vor allem die Leitfäden der Green Storytelling Initiative und von MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein unter die Lupe genommen.
Zu Beginn das Pragmatische Green Storytelling. Hier wird vor allem auf die Wahl der Drehorte und den Einfluss der Geschichte auf die reale Welt geachtet. Hier lautet die Devise: Weniger ist mehr! Es werden so wenige Ortswechsel wie möglich in die Geschichte eingebaut und die Handlung spielt im besten Fall an lokalen und leicht erreichbaren Orten. Auch bei der Wahl der Tages- und Jahreszeit sollte bereits während des Schreibens darauf geachtet werden, dass diese so ressourcenschonend wie möglich umgesetzt werden können. Wenn möglich sollten die Szenen bei Tageslicht gedreht werden, um den Einsatz von Leuchtmitteln zu minimieren. (vgl. Dordel 2024, S. 3)
Verlangt die Geschichte jedoch nach Nachtszenen, so kann beim Schreiben darauf geachtet werden, dass diese Szenen bei Tag oder Dämmerung gedreht werden können. Durch eine anschließende Nachbearbeitung werden diese Tagzenen dann in Nachtszenen umgewandelt. Diese Filmtechnik nennt man auch Day for Night. (vgl. Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein o.D., S.2)
Eine weitere Möglichkeit, um die Umweltbilanz der Produktion geringer zu halten, ist die Hinterfragung von Special Effects. Wenn diese nicht dringend notwendig für die Handlung sind, sollte eventuell darauf verzichtet werden. Das Bedeutet, dass etwa Massenkarambolagen, Szenen mit viel Kunstschnee oder mit großen Bränden nur in die finale Geschichte eingebaut werden, wenn diese essenziell sind. Ist das Wegkürzen dieser Szenen nicht möglich, so kann auch eine Verwendung von Visual Effects bereits von Anfang an mitbedacht werden. (vgl. Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein o.D., S.2)
Conclusio
Es ist erkennbar, dass Green Storytelling einen großen Einfluss auf die Umweltauswirkungen einer Filmproduktion haben kann. Werden gewisse Punkte bereits während der Schreibphase mitbedacht, so können etwa umweltschädliche Spezialeffekte vermieden und unnötige Transportwege eingespart werden. In dem nächsten Blogbeitrag „Storytelling und narrative Einbindung von Umweltthemen – Part 2“ wird ein genauerer Blick auf die Storytelling Elemente des Impliziten und Expliziten Green Storytellings geworfen.
Literaturverzeichnis
| BMLUK 2025 | Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025) |
| Dordel 2024 | Dordel, Julia (01.02.2024): Green Storytelling Checkliste. In: Film & Medienbüro Niedersachsen, https://filmbuero-nds.de/service/news/green-storytelling.html# (zuletzt aufgerufen am 03.02.2026) |
| Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein o.D. | Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (o.D.): Grüner Filmpass. Leitfaden Green Storytelling. In: MOIN, https://moin-filmfoerderung.de/green-filming (zuletzt aufgerufen am 03.02.2026) |
| Kap-herr 2021 | Kap-herr, Katrin von; Anthropocinema. Klimawandel und Umweltbewusstsein im narrativen Film. In: ffk Journal 33,6 (2021) S. 155-165 |