Kinderbücher dienen nicht nur zu reinen Unterhaltungszwecken, sie stellen vielmehr einen wichtigen Punkt in der Entwicklung von Kindern dar, weil sie beeinflussen, wie Kinder sich selbst und ihre Umgebung wahrnehmen. Vor allem inklusive Kinderbücher spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Kinder auf Figuren stoßen, in denen sie sich selber oder ähnliche Erfahrungen wiederfinden, vermittelt ihnen das das Gefühl gesehen und geschätzt zu werden. Daraus ergibt sich ein gestärktes Selbstbewusstsein und eine Basis für ihre Entwicklung.
Des Weiteren können Kinder durch die Geschichten in Büchern ihre individuellen Ereignisse betrachten und einander gegenüberstellen. Dadurch bemerken sie, dass ihre Erfahrungen und Gefühle eine wichtige Rolle spielen. Zudem öffnen Kinderbücher den Blick für neue Erfahrungen und vermitteln unterschiedliche Perspektiven und Lebensweisen. Aufgrund von Kinderbüchern können Kinder die Welt um sich herum wahrnehmen aber vor allem inklusive Bücher ermöglichen es Einblicke in andere Lebenssituationen zu gewährleisten. Diese geben Orientierung und unterstützen Kinder dabei, Werte wie Respekt, Toleranz und Gleichberechtigung zu verstehen und zu festigen. Aus diesem Grund stärken inklusive Kinderbücher einerseits die Akzeptanz von Vielfalt und andererseits fördern sie auch die Entwicklung von Empathie. Durch das Lesen von vielfältigen Geschichten lernen Kinder Mitgefühl und übernehmen Verhaltensweisen, die sie in den Büchern wiederfinden.
Im Gegensatz zu Erwachsenen, die Literatur häufig als Mittel zur Flucht aus der Realität betrachten, stellen Kinderbücher oft eine erste Begegnung mit der Wirklichkeit dar. Sie formen frühzeitig die Sichtweise von Kindern auf die Gesellschaft und haben bleibende Auswirkungen. Inklusive Kinderbücher, welche die Vielfalt und Inklusion thematisieren, haben eine entscheidende Verantwortung. Analysen, wie die von der Literaturwissenschaftlerin Tanja Kollodzieyski zeigen, dass mehrere Faktoren entscheidend sind, um Kinder positiv zu prägen.
Ein wichtiger Punkt ist die Vielfalt der dargestellten Figuren. In Geschichten, in denen mehrere Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen vorkommen, wird verhindert, dass einzelne Charaktere stereotypisiert oder auf Klischees reduziert werden. Darüber hinaus spielt die Art und Weise wie eine Beeinträchtigung dargestellt wird, eine entscheidende Rolle. Wenn die Beeinträchtigung einer Figur im Fokus der Handlung steht, besteht die Gefahr, dass der:die Protagonist:in auf seine:ihre Beeinträchtigungen reduziert wird und als passiv und abhängig erscheint. In solchen Fällen sprechen andere Figuren häufig über das Kind mit Beeinträchtigung, anstatt eine Perspektive aus der eigenen Handlungsperspektive zu ermöglichen.
Erfolgreiche inklusive Erzählungen fokussieren sich meist auf das Abenteuer, welches Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen zusammen durchleben. Dabei werden individuelle Kompetenzen eingebracht und die kooperative Problemlösungsfähigkeit wird gefördert. Besonders das Ende eines Kinderbuches hat einen bedeutenden Einfluss. Es prägt das letzte inhaltliche Bild, welches Kinder aus der Geschichte mitnehmen. Ziel ist es nicht, Beeinträchtigungen zu verschweigen sondern ein selbstbestimmtes und aktives Leben mit Beeinträchtigungen zu vermitteln.
Bunge Noemi (5.2.2025): Inklusive und diverse Kinderbücher: Repräsentation von vielfältigen Vorbilder*innen. In: Institut für angewandte Kindermedienforschung, https://ifak-kindermedien.de/paedagogik/inklusive-diverse-kinderbuecher/ (zuletzt abgerufen am 03.11.2025)
Aktion Mensch (o.D.): Inklusive Kinderbücher: Ein bisschen Utopie, bitte. In: Aktion Mensch. https: https://www.aktion-mensch.de/menschen-und-geschichten/aus-dem-leben/inklusive-kinderbuecher (zuletzt abgerufen am 23.11.2025)