Das Bilderbuch ist eine eigenständige Kategorie der Kinderliteratur und umfasst im Allgemeinen ungefähr 30 Seiten. Illustrationen spielen in Bilderbüchern eine wichtige Rolle. Denn bei dieser Art von Büchern steht nicht der geschriebene Inhalt im Vordergrund, sondern das Bild. Dadurch wird der Inhalt überwiegend visuell dargestellt. In diesem Zusammenhang lassen sich drei unterschiedliche Typen von Bilderbüchern unterscheiden:
- Bei dieser Kategorie von Büchern gibt es keine Texte. Diese werden einerseits eingesetzt um noch nicht lesekundige Kinder zu adressieren oder andererseits um den Inhalt des Buches ausschließlich über visuelle Darstellung wahrzunehmen.
- Des Weiteren gibt es Bilderbücher mit wenig Text. Hierbei unterstützt und verdeutlicht der Text die Aussage der Bilder und trägt dazu bei, visuelle Wahrnehmungen sprachlich auszudrücken.
- Bei dem letzten Typ von Bilderbüchern sind Texte und Illustrationen gleich wichtig. Das bedeutet, dass sich die beiden Komponenten unterstützen und gemeinsam den Inhalt bilden.
Bilderbücher richten sich in erster Linie an Kinder, welche noch nicht lesen können beziehungsweise an jene die sich gerade erst im Prozess des Lesenlernens befinden. Daraus kann man eine ungefähre Alterspanne von einem bis acht Jahren filtern. Man sollte sich jedoch nicht ganz streng auf diese Alterszuordnung fokussieren, weil es vermehrt auch sogenannte „All-Age-Literatur“ gibt. Diese Bilderbücher sprechen nicht nur Kinder an, sondern wenden sich auch an ein erwachsenes Publikum.
Insbesondere bei Bilderbüchern für Klein- und Volksschulkinder zeigt sich die Begleitung durch Erwachsene als unverzichtbar. Beispielsweise Eltern, Erziehungsberechtigte oder pädagogische Fachkräfte übernehmen dabei wichtige Aufgaben, indem sie Texte vorlesen, Bilder erläutern und auf Fragen der Kinder reagieren. Denn das Kind sollte genügend Möglichkeiten bekommen, eigene Gedanken, Emotionen und Assoziationen zum Gelesenen und Beobachteten zu äußern. Zwar kann das Kind Bilderbücher auch selbstständig betrachten, jedoch erleichtert die Begleitung durch Erwachsene das Erfassen und Verarbeiten der Inhalte.
Es gibt viele unterschiedliche Bilderbuchtypen, wie beispielsweise textfreie „erste Bücher“ mit Einzelbildern und kleinen Handlungsfolgen. Zudem gibt es „Szenenbilder“ zur intensiven Auseinandersetzung mit Bildern. Des Weiteren übermittelt die Kinderlyrik in Bilderbüchern Reime, Lieder und Gedichte. Spielbilderbücher haben Pop-Ups oder Aufklappseiten als Merkmal.
Bildergeschichten mit problemorientierten Inhalten ermöglichen Kindern erste Berührungspunkte mit zukünftigen gesellschaftlichen oder persönlichen Konflikten und tragen dazu bei, dass sie frühzeitig ein Bewusstsein für komplexe Themen entwickeln. Diese Bücher kommen jedoch oft mit Kritik in Berührung. Es wird diskutiert ob kleine Kinder bereits in der Lage sind Themen, wie beispielsweise Gewalt verstehen und reflektieren können. Kritiker:innen argumentieren, dass Kinder nicht mit Thematiken, wie Tod, Krankheiten, Hunger, Leiden oder Rassismus konfrontiert werden sollten. Das sie befürchten, dass solche Darstellungen die Kindheit negativ beeinflussen und bei den Kindern Angst und Unsicherheiten verursachen. Dem kann jedoch gegenübergestellt werden, dass auch Kinder Erfahrungen von Unglück machen. Es wird argumentiert, dass es weniger sinnvoll ist, Probleme vor ihnen zu verstecken, weil Kinder bereits früh wahrnehmen, dass das Leben nicht immer fröhlich ist sondern es auch Momente der Trauer, Wut, Ungerechtigkeit und Grausamkeit gibt. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit solchen Themen kann Entlastung schaffen und den Kindern verdeutlichen, dass sie mit Sorgen nicht allein sind. Bedeutend ist jedoch, dass diese Inhalte altersgerecht übermittelt werden und Kinder nicht ohne begleitende Unterstützung mit diesen Themen konfrontiert werden.
Kock, Greta Katharina: Menschen mit geistiger Behinderung als Thema in der Kinderliteratur. Über Behinderung, Vorurteile und dessen Inszenierung in Bilderbüchern. Bachelorarbeit Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Fakultät Wirtschaft und Soziales. o.D. 2016
Dichtl Eva-MAria/Vorst Claudia (2015): Das zeitgenössische Bilderbuch: Chancen literarischen, bildlich und medialen Lernens. In: Das Kita-Handbuch. https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/bildungsbereiche-erziehungsfelder/sprache-fremdsprachen-literacy-kommunikation/das-zeitgenoessische-bilderbuch-chancen-literarischen-bildlichen-und-medialen-lernens/ (zuletzt abgerufen am 29.11.2025)