… und hier ist der versprochene Part 2
*Menschen oder Tiere als Hauptfigur?
Kinder lesen Geschichten lieber, wenn die Hauptfigur ein bisschen älter ist als sie. Darum sind diese in den meisten Fällen ein bis zwei Jahre älter als die Leser:innen. Bei Kinder- und Jugendromanen sollte das Alter der Figuren jedoch zur Zielgruppe passen. So sind Hauptfiguren in Kinderromanen ab acht Jahren meistens neun Jahre, während bei Jugendromanen ab 14 Jahren Figuren meist 16 Jahre alt sind. Jüngere Hauptfiguren interessieren die Leser:innen meist nicht.
Tiere sind häufig ein wesentlicher Teil des Figurenensembles von Kinderbüchern, übernehmen aber je nach Altersgruppe unterschiedliche Rollen. In Bilderbüchern für 3-5-Jährige oder Vorlesebücher nfür 6-7-Jährige sind Tiere oftmals menschliche Stellvertreter:innen, die sprechen können, auf zwei Beinen gehen oder wie Menschen handeln können. Da können nicht nur Tierkinder mit ihren Eltern die Hauptrolle übernehmen, sondern auch erwachsene Tiere, wie beispielsweise Heule-Eule, die kleine Hummel Bommel, Frederick oder Der Grüffelo.
Bei Kinderromanen ab acht Jahren kommt es ebenfalls vor dass Tiere Teil der Geschichte sind aber meistens nicht als menschliche Stellvertreter:innen sondern als Begleiter:innen der Hauptfigur, wie zum Beispiel Hunde, Pferde oder andere Tiere die wie Freund:innen oder Helfer:innen sind. In den Büchern ab 10 Jahren können Tiere auch als Gegner:innen vorkommen oder selbst die Hauptrolle übernehmen. In diesen Geschichten erleben die Tiere komplexe Abenteuer oder bewegen sich zwischen zwei Welten.
*Phantasiewelten
Kinderbücher können sowohl in realen Welten als auch in Fantasiewelten spielen, denn beides kommt bei Kindern gut an. Sie lieben es, sich in Geschichten wiederzufinden und ihre eigene Welt zu entdecken aber empfinden es auch spannend in neue und für sie fremde Abenteuer einzutauchen.
Sowohl Kinder als auch Eltern lesen gerne Geschichten, die in der normalen Alltagswelt spielen, denn diese beschreiben das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen und all die lustigen und traurigen Momente. Kinder erkennen alltägliche Probleme wieder und können mithilfe der Geschichte über ihre Probleme lachen, reden und auch weinen. Dadurch können diese Bücher Kindern und Eltern helfen über komplexe Themen wie Ängste, Sorgen, Tod oder Krankheiten zu reden. Durch Bilderbücher werden Kindern Situationen nähergebracht, welche sie noch nicht erlebt haben und so ihr Wissen über die Welt und das Leben erweitern.
Zudem lieben es Kinder auch, wenn ihnen unbekannte Welten vorgestellt werden, weshalb phantasievolle Geschichten und außergewöhnliche Figuren, wie zum Beispiel Hexen, Feen, Tiere, spezielle Gegenstände oder übernatürlichen Fähigkeiten, sehr beliebt sind. Aber auch hier ist das Alter der Leser:innen ein entscheidender Punkt. Denn jüngere Kindern bevorzugen beispielsweise die Welt der Prinzessin Lilifee während ältere sich schon mehr für gruselige Gespenstergeschichten interessieren.
*Die Erzählperspektive
Kurzgeschichten, Bilderbücher oder Vorlesebücher für Kinder sind in den meisten Fällen in einer auktorialen Erzählperspektive verfasst. Damit ist gemeint, dass eine Erzählstimme, die alles weiß, die Geschichte erzählt.
Bei Kinderromanen ist es so, dass sie in der Regel in der ersten oder dritten Person geschrieben sind, die sogenannte Erzählperspektive. Dabei wird die Geschichte aus der Sicht einer einzelnen Person erzählt, sodass ihre Gedanken und Gefühle sehr intensiv vermittelt werden können. In Büchern für Erwachsene kann diese Perspektive sich wechseln, dann spricht man von einer Multiperspektive. Diese zeigen sich manchmal in Jugendbüchern auch, sind aber in Kinderbüchern sehr untypisch. Kinderbücher sind hauptsächlich aus der Sicht von einer Figur und selten aus der eines Erwachsenen.
*Einsatz von Bildern
Grundsätzlich gilt, dass bei jüngeren Kindern, Geschichten mehr Bilder und weniger Text haben, wie bei Älteren. Für die Kleinsten bestehen Bilderbücher fast ausschließlich aus Illustrationen, während bei 3-5-Jährigen die Bilder die Handlung erzählen und nur wenig Text ergänzend dazukommt. In Vorlesebüchern gibt es weiterhin viele Bilder, jedoch wird der Text hier deutlich umfangreicher und erzählt längere Geschichten oder mehrere Episoden. Auch bei den Erstlesebüchern zeigen sich noch viele farbige Illustrationen, welche die Kinder zum weiterlesen animieren sollen. Erst mit zunehmendem Alter spielen Bilder immer mehr eine kleinere Rolle. Kinderromane haben meist nur noch wenige Bilder und die sind oft kleine schwarz-weiße Zeichnungen oder Symbole. In Büchern ab ungefähr 10 Jahren kommen keine Bilder mehr vor.
Wenn man sein Kinderbuch bei einem Verlag einreichen möchte, muss man nicht unbedingt Illustrationen mitbringen. Die meisten Verlage organisieren und finanzieren diese selber. Daher reichen Autor:innen meist nur Texte bei Agenturen beziehungsweise Verlagen ein. Bei einer Selbstveröffentlichung hingegen muss der:die Autor:in sich selber um die passenden Illustrationen kümmern beziehungsweise gezielt nach Illustratoren:innen suchen.
Huesmann Anette (2022): Kinderbuch schreiben. In: Die Schreibtrainiern. https://www.die-schreibtrainerin.de/kinderbuch-schreiben/ (zuletzt abgerufen am 10.1.2026)