Immer wieder sieht man in Sportdokumentationen die Perspektive der Sportler:innen, was vor allem durch kleine Actionkameras wie beispielsweise GoPros möglich ist. Vor allem im Motorsport ist es üblich, Onboard-Perspektiven der Fahrer:innen zu zeigen, um dem Publikum einen Hauch des Fahrgefühls zu zeigen. Ursprünglich wurden Actionkameras zur Erfassung „extremer Aktivitäten“ entwickelt. Sie haben sich allerdings weit darüber hinaus etabliert und ermöglichen heutzutage eine neue Art des visuellen Storytellings – vor allem aus dokumentarischer Sicht. Dadurch wurde die Produktionsweise von Dokumentationen nicht nur technisch revolutioniert, sondern auch narrativ und ästhetisch. Es gibt nun neue Blickwinkel, Perspektiven und (immersive) Betrachtungsweisen.
Vorteile von Action-Cameras
Action-Cameras haben die traditionelle Kameraarbeit revolutioniert und neue filmische Perspektiven möglich gemacht. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre kleine Größe, ihre hohe und einfache Mobilität, die Robustheit und die leichte Montage aus. Die Innovation von Action-Cameras, wie beispielsweise eben GoPros, haben dazu geführt, dass sich die Möglichkeiten für dokumentarische Produktionen erweitert haben. Aus der sonst klassischen Perspektive einer Schulterkamera sind nun Multi-Perspektiven, neue und nicht-lineare Blickwinkel und neue visuelle Möglichkeiten geworden. Dadurch werden vor allem auch Sportdokumentationen transformiert: Authentizität, Immersion und Dynamik wurden erschaffen. Vor allem auch die geringe Größe der Kameras erlauben eine nahe Platzierung zum Beispiel an Körperteilen, Fahrzeugen oder Sportausrüstungen. One-Shot bzw. Onboard-Aufnahmen werden nun unter extremen Bedingungen möglich. Filmcrews sind nicht mehr auf statische bzw. schwere Kameras angewiesen, mit denen sie sich dauerhaft bewegen müssen, sondern können diese Dynamik aus unmittelbarer Nähe filmen. Vor allem Sportdokumentationen leben von Bewegungen – für das Genre sind Action-Cameras ein riesen Vorteil, um Zuschauer:innen weiter in seinen Bann zu ziehen.
Subjektivität, Perspektive und Identifikation
Action-Cameras haben ein großes Potenzial Subjektivität zu vermitteln. Die kleinen Kameras filmen die „Ich-Perspektive“ der Akteur:innen – im Fall von Sportdokumentationen Sportler:innen – und erschaffen durch ungewöhnliche, nahe Positionen eine intensive Identifikation zwischen Zuschauer:innen und Protagonist:innen. Bilder werden durch das weite Sichtfeld und die physische Nähe zum Ereignis nicht mehr nur zu einer Form der Informationsübertragung, sondern zu einem Teil des Erlebnisses selbst. In Sportdokumentationen bringen diese subjektiven Perspektiven das Publikum sowohl visuell als auch emotional näher an die Athlet:innen heran: Sie befinden sich mitten im Geschehen.
Actionkameras können aber nicht nur die „Ich-Perspektive“, sondern auch die sogenannte „Third-person-view“ erzeugen. Dabei produzieren sie eine weitere Perspektive, die weder subjektiv noch objektiv ist. Diese Third-Person-View bzw. -Perspektive ist somit eine hybride Form zwischen Beobachter:innen-Perspektive und Teilnehmer:innen-Perspektive.
Action-Cameras im Sport
Action-Cameras dienen auch als methodische Werkzeuge in Sportdokumentationen. Die POV-Kameras, wie sie auch genannt werden, erfassen emotionale, soziale und köperliche Aspekte des Sports, da sie die Protagonist:innen in Bewegung aufnehmen, während sie sich selbst bewegen. Dabei verschmelzen das Kamerabild mit der Erfahrung bzw. Erwartung der Zuschauer:innen. Da Sportdokumentationen immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert werden, komplexe Bewegungsabläufe und gleichzeitig emotionale Ereignisse filmisch überzeugend darzustellen, haben vor allem Action-Cameras einen besonderen Einfluss auf die Authentizität und Tiefe – sowohl im narrativen als auch visuellen bzw. ästhetischen Sinne. Sie dienen also nicht nur dazu dynamische Szenen darzustellen, sondern kreiieren auch selbst einen Spannungsbogen und ermöglichen es so, sportliche Leistungen in Echtzeit – und als One-Shot – darzustellen. Allerdings erfordert das Verwenden von Action-Cameras auch ein bewusstes Reflektieren filmischer Mittel. Subjektive Perspektiven müssen mit Bedacht in die narrativen Strukturen bzw. das Storytelling miteingebracht werden, damit sie auch die gewünschte Wirkung erzielen.
Gleichzeitig dienen Action-Cameras auch noch der Sportwissenschaft. Durch ihre POV-Perspektive werden nicht nur neue visuelle Bilder ermöglicht, sondern sie sind auch noch eine wissenschaftliche Datenquelle. Wie bereits erwähnt, bewegen sich die Protagonist:innen – also die Träger:innen der Kameras – auch selbst, wodurch ihre Bewegung erfasst wird und so dokumentiert, analysiert und gedeutet werden kann.
Beispiel „Lucha“ – eine Action-Camera-Dokumentation
Die Sportdokumentation „Lucha“ ist ein perfektes Beispiel für die Anwendung von Action-Cameras. Lucha ist der erste, nur mit einer GoPro aufgenommene Dokumentarfilm und begleitet Profi-Wrestler in Mexiko City. Dabei war das Ziel, die Profi-Sportler außerhalb des Scheinwerferlichts abzubilden und auch ihr Leben außerhalb des Rings authentisch darzustellen.

Fazit
Action-Cameras haben sich zu einem wichtigen Werkzeug in der Film- bzw. Dokumentarfilmwelt entwickelt. Vor allem für Sportdokumentationen bringen sie viele Vorteile mit sich und ermöglichen neue, immersive Perspektiven für das Publikum. Gleichzeitig dienen sie dazu, One-Shot-Aufnahmen zu erzeugen, und das aus Positionen, die mit einer normalen Kamera nicht möglich gewesen wären. Gleichzeitig werden narrative Strukturen bzw. das Storytelling herausgefordert, neu zu denken und diese Perspektiven sinnvoll anzuwenden.
Quellen
Bédard, P. (2015). Disembodied perspective: Third-person images in GoPro videos. Alphaville: Journal of Film and Screen Media, 9. https://www.alphavillejournal.com/Issue9/HTML/ArticleBedard.html
Dux, S., Iseli, C., & Vitija, E. (2020). The impact of camera innovations on visual aesthetics in documentary films – A filmmakers’ perspective. EUROmedia2020 Conference Proceedings. https://papers.iafor.org/wp-content/uploads/papers/euromedia2020/EuroMedia2020_58483.pdf
Evers, C. (2015). Researching action sport with a GoPro™ camera: An embodied and emotional mobile video tale of the sea, masculinity, and men-who-Surf (Kapitel). Routledge. https://eprints.ncl.ac.uk/216717
French, G. (2016). Going pro: Point of view cameras in adventure sports research. Journal of Outdoor and Environmental Education, 19(1), 2–9. https://link.springer.com/article/10.1007/BF03400982
„Lucha“ – der erste GoPro Dokumentarfilm (25. August 2018). GoPro News. https://gopro.com/en/us/news/lucha-libre-aaa-documentary?srsltid=AfmBOooslmEtGan-c-UyVn16KqA3QqbKE1WkithP6EI1CGQ4Vr7Y_E_a
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