Zu Beginn der Blogposts hatte ich mir lediglich den thematischen Rahmen gesteckt: Eine Untersuchung der Hybridanimation in der Grauzone zwischen handgezeichnetem Look und moderner Computergraphik. Die genaue Zielrichtung der Forschung hat sich jedoch erst nach und nach herausgestellt.
Im Laufe der folgenden Beiträge haben sich die verschiedenen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Die Betrachtung der Hybridanimation als technisches Zusammenspiel von 2D und 3D, der beobachtbare Trend weg vom Realismus hin zu einem „handgemachten“ Look, sowie die Analyse von Non-Photorealistic Rendering und Cel-Shading machten eines deutlich: Hybridanimation ist mehr als eine technische Herausforderung – sie ist ein tiefgreifendes wahrnehmungspsychologisches Feld.
Ein entscheidender Wendepunkt der Recherche war die Einsicht, dass Fragen nach Abstraktion, Stilisierung und dem Phänomen des Uncanny Valley untrennbar mit der emotionalen Glaubwürdigkeit verknüpft sind. Zwischen ikonischer Reduktion und fotografischer Genauigkeit existiert kein ästhetischer neutraler Bereich. Vielmehr handelt es sich um eine Balance, die darüber entscheidet, ob eine Figur als lebendig und nahbar oder als befremdlich wahrgenommen wird. Die Hybridanimation agiert genau in dieser Zone, um die Vorteile beider Welten zu nutzen.
Die Synthese dieser Gedanken führte schließlich zur „Formel der Immersion“. Hierbei wird deutlich, dass Immersion sich nicht auf eine einzige Grundlage stützt, sondern aus verschiedenen Bausteinen entsteht. Daraus formte sich die zentrale Arbeitshypothese für die Masterarbeit:
Story (Kern) + Animation (Lebendigkeit) + Stilisierung (Verstärker) + Sound (Katalysator) = Immersion.
Innerhalb dieser Gleichung fungiert die Stilisierung zwar nicht als primäre Quelle der Emotion, aber als entscheidender kognitiver Verstärker, der die Intensität und Klarheit der vermittelten Gefühle beim Publikum maßgeblich steuert.
Im kommenden Semester wird diese Gleichung weiter vertieft und konkretisiert. Geplant sind Untersuchungen dazu, wie unterschiedliche Stilisierungsgrade die Wahrnehmung von Emotionen beeinflussen und wie ikonische im Vergleich zu semi-realistischen Figuren verschiedene Empathiereaktionen hervorrufen. Anhand ausgewählter Hybridfilme soll gezeigt werden, wie Blickführung, Bildgestaltung und Sounddesign ineinandergreifen.