Topic: Green Filming
Was wäre ein Action Film ohne eine aufregende Verfolgungsjagd, beeindruckenden Stunts und atemberaubenden Explosionen? Und was wäre „Singing in the Rain“, wenn es in dem Film keinen Regen gäbe? Wie man an diesen Beispielen gut erkennen kann, sind Special Effects und Visual Effects aus der Filmproduktion nicht mehr wegzudenken. Sie sind eine wichtige Antriebskraft des Visual Storytellings und sorgen bei den Zuseher:innen oft für Wow-Momente. Aus der Sicht der Green Production ist der Einsatz von Spezialeffekten allerdings stark zu hinterfragen. Was genau der Unterschied zwischen Visual Effects und Special Effects ist, und welchen Einfluss sie auf den Carbon Footprint der Produktion haben, wird in diesem Blogbeitrag genauer beleuchtet.
Special Effects vs Visual Effects
Diese zwei Begriffe werden gerne miteinander vertauscht. Jedoch gibt es einen großen und markanten Unterschied zwischen Special Effects und Visual Effects, der die synonyme Verwendung der Bezeichnungen stark beschränkt. Als Special Effects werden jene Effekte bezeichnet, die während des Drehs eines Realfilms direkt vor Ort erzeugt und bereits während der Aufnahme der Szene in das Footage inkludiert werden. Sie werden für gewöhnlich auch „Practical Effects“ oder „Floor Effects“ genannt. Beispiele für Spezialeffekte sind etwa vor Ort erzeugte Explosionen, Regen, Feuer, Schnee und vieles mehr. (vgl. Okun/Zwerman 2021, S.2)
Können Effekte aufgrund der Sicherheit, der Umsetzbarkeit, oder, wie im Fall der Green Production, auf Grund der Umweltbelastung nicht während des Drehs erzeugt werden, so werden Visual Effects angewendet. Diese werden im Gegensatz zu Special Effects erst während der Postproduction dem bestehenden Film oder Video hinzugefügt, oder von Grund auf neu erschaffen. (vgl. Okun/Zwerman 2021, S. 1) Da die Kombination von computergenerierten Umgebungen, Effekten bis hin zu gemodelten und animierten Charakteren scheinbar unendliche Möglichkeiten bieten, sind Visual Effects sehr beliebt, um die Geschichte des Films bestmöglich zu unterstreichen. (vgl. Okun/Zwerman 2021, S.22)
Eine Erweiterung von Visual Effects ist die Virtual Production, wobei mithilfe von neuen Technologien die digitale Welt mit der echten Welt verknüpft wird. Hierbei werden beispielsweise Motion Control Bases, LED-Screens, Motion Capturing oder auch Virtual Cameras verwendet, um die gewünschten Effekte zu erzeugen und die gezeigte Welt glaubwürdig darzustellen. (vgl. Okun/Zwerman 2021, S.57)
Spezialeffekte und die Umwelt
Da nun der Unterschied zwischen Special Effects und Visual Effects aufgezeigt wurde, stellt sich die Frage, wie diese im Zusammenhang mit den Prinzipien der Green Production gehandhabt werden.
Vermutlich ist es keine Überraschung, dass Spezialeffekte in Bezug auf die Umweltauswirkungen eher negativ betrachtet werden. Hunter Vaughan übt in seinem Buch Kritik an den Praktiken der Filmproduktion und schreibt: „Real water, oil, metals, and minerals are consumed, used, transformed into images and sounds, into pure spectacle on the altar of entertainment.” (Vaughan 2019, Chapter One) Er beschreibt damit den Einsatz von wertvollen Rohstoffen zur Erzeugung von atemberaubenden Szenen, die rein der Belustigung der Zuseher:innen dienen.
Es ist jedoch nicht nur die Verwendung dieser Rohstoffe, die problematisch ist, sondern der Einfluss, den diese Verwendung auf die Natur hat. Das Beabsichtigte Zerstören von Materialien, durch beispielsweise Verbrennen, kann schädliche Stoffe freisetzen, die nicht nur die Natur, sondern auch die Lebewesen in der Umgebung negativ beeinflussen können.
Aus diesem Grund wird in der Praxis des Green Filmmings darauf gedrängt, Spezialeffekte wenn möglich digital zu erzeugen. Wenn dies nicht möglich ist, muss darauf geachtet werden, dass nur gewisse Materialien verwendet werden. So sollten etwa Materialien, die auf Erdölbasis hergestellt wurden, keinesfalls verbrannt werden. Bei Feuereffekten soll auf Brennstoffe auf Alkoholbasis zurückgegriffen werden und wird etwa künstlicher Schnee erzeugt, so sollten die verwendeten Materialien biologisch abbaubar sein. (vgl. BMLUK 2025, S. 22)
Visual Effects und Virtual Production als umweltfreundlichere Lösung
Dennoch werden Visual Effects und Virtual Production Methoden im Bereich der Green Production als eine umweltfreundlichere Lösung angesehen. Grund dafür sind mehrere Faktoren, die durch diese Methoden beeinflusst werden. Da Virtual Production es ermöglicht, die gewünschten Effekte in Studios zu erzeugen, können beispielsweise Transportwege markant verringert werden. Schließlich können auf diese Art und Weise alle Effekte an einem Standort erzeugt werden, unabhängig von der Umgebung, in der sie stattfinden sollen. Durch die kontrollierte Produktion in Innenräumen kann außerdem die Zerstörung von Naturgebieten und der Biodiversität eingedämmt werden. (vgl. Jayaraj/Ghodt 2024, 4. Magnifying the virtual production concept) Vor allem, weil durch den Einsatz von Visual Effects keine Practical Effects zum Einsatz kommen, die etwa die Verbrennung von Rohstoffen mit sich ziehen würden.
Abschließend noch ein wichtiger positiver Faktor, der gerne übersehen wird, da er nichts mit den ökologischen Einflüssen der Filmproduktionen zu tun hat, sondern mit den sozialen. Die Verwendung von Virtual Production ermöglicht eine viel bessere Planbarkeit der Produktionstage. Bei dem Dreh in Studios wird die Abhängigkeit von Umwelteinflüssen, wie etwa Tageszeit und Wetter, beinahe vollkommen eliminiert. Dadurch können viel vorhersehbarere Arbeitszeiten erreicht und spontane Drehplan Änderungen verringert werden. Dies führt zu einer allgemeinen Steigerung des Wohlbefindens der mitwirkenden Personen. (vgl. Jayaraj/Ghodt 2024, 4. Magnifying the virtual production concept)
Conclusio
Wie dieser Blogbeitrag zeigt, kann durch den Einsatz von Visual Effects und Virtual Production der ökologische Fußabdruck einer Filmproduktion vermindert werden. Werden aus bestimmten Gründen dennoch Practical Effects während des Drehs verwendet, so sollten hierbei bestimmte Aspekte, wie etwa eine bedachte Verwendung der Materialien, berücksichtigt werden. Es sollte immer ein Fokus darauf gelegt werden, so wenig Eingriffe in die natürliche Umgebung wie nur möglich vorzunehmen.
Literaturverzeichnis
| BMLUK 2025 | Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025) |
| Jayaraj/Ghodt 2024 | Jayaraj, Anee/Ghodt, Isabell: From Carbon Footprint to Social Justice. Rethinking Sustainability in Television Production and Virtual Studios. In: CAGA24 (2024), <10.54337/caga24-11176> |
| Okun/Zwerman 2021 | Okun, Jeffrey A. (Hrsg.)/Zwerman, Susan (Hrsg.): The VES Handbook of Visual Effects. Industry Standard VFX Practices and Procedures. 3. Aufl. New York/Abingdon: Routledge 2021 |
| Vaughan 2019 | Vaughan, Hunter: Holywood’s Dirtiest Secret. The Hidden Environmental Costs of the Movies. New York, Chichester: Columbia University Press 2019 |