Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit

Topic: Production Design

In den bisherigen Blogbeiträgen ging es vorwiegend um die Gestaltung des Sets. Nun stellt sich jedoch die Frage: „Wie kann das geplante Set umgesetzt werden?“ und „Kann es exakt so umgesetzt werden, wie es geplant wurde?“

Was die zweite Frage betrifft, kann diese sofort beantwortet werden: Es kommt auf das Budget und auf das gewünschte Pensum an Nachhaltigkeit an. Ist sowohl der finanzielle Aspekt als auch der Nachhaltigkeitsaspekt kein Problem, so kann fast alles gebaut und erzeugt werden. Handelt es sich jedoch um eine Green Production, oder wird generell Wert auf eine nachhaltigere Produktion gelegt, so wird man wohl oder übel Kompromisse eingehen müssen. Bei einer guten Planung sollte dies jedoch keinen großen Einfluss auf die Qualität des finalen Sets haben. Am einfachsten ist es in diesem Fall, bereits von Anfang an den Nachhaltigkeitsgedanken im Kopf zu behalten und das Set dementsprechend zu planen, um am Ende unerwartete Probleme zu vermeiden. 

Die Umsetzung des Sets

Für die Beantwortung der zweiten Frage muss etwas recherchiert werden. Ganz im Sinne der Green Production sollten für diese Produktion so viele Elemente wie möglich geliehen, oder secondhand beschafft werden. Da es vor allem in Wien Filmverleihe gibt, die einige der gewünschten Elemente lagernd haben, würde es Sinn machen, das Set in einem Studio in Wien aufzubauen. Auf diese Weise können etwa die Transportwege minimiert werden. Natürlich wäre die nachhaltigste Variante, einen bestehenden Tobacco Shop zu verwenden, doch da dieser sowohl einen englischen Stil als auch das Jahr 1935 darstellen soll, ist es in Wien vermutlich eher schwierig, eine passende Location zu finden.

Für die Ladeneinrichtung bestehen zwei Möglichkeiten, wie man mehr oder weniger nachhaltig an die Gestaltung herangehen kann. Die umweltbewusstere Variante umfasst die Entlehnung der benötigten Möbel aus einem Fundus. Beispielsweise gibt es in Wien den props.co Film- und Theaterfundus, der passende Ladeneinrichtungen anbietet (siehe Bilder).

Bei der zweiten Variante werden die benötigten Elemente eigenhändig gebaut und dem Set entsprechend angepasst. Dabei wird darauf geachtet, so umweltbewusste Materialien wie möglich zu verwenden. Beispielsweise könnten die Einbauregale aus Holz gebaut und mit einem umweltfreundlicheren Lack (im Vergleich zu anderen Lacken) eingestrichen werden. Da die Schubladen nicht funktionsfähig sein müssen, würde es auch reichen, nur die Schubladenfront zu erstellen und diese fest an dem Regal zu fixieren. Auf diese Weise muss kein weiteres Material für Elemente aufgewendet werden, die gar nicht verwendet werden. Das Motto „Fake it till you make it“ würde diese Situation gut beschreiben. Die zweite Variante ermöglicht eine größere kreative Freiheit, ist jedoch weniger umweltbewusst als die erste Variante und bringt auch ein höheres Arbeitspensum mit sich. 

Das Set Dressing

Auch bei den Set-Dressing-Elementen, wie etwa den Tabakwaren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Diese können entweder (1) selbst hergestellt werden, (2) ebenso aus einem Fundus entlehnt werden, oder (3) secondhand beschafft werden. Sowohl bei der Entlehnung aus einem Fundus als auch bei der Secondhand-Beschaffung müssen gewisse Kompromisse bezüglich des Aussehens eingegangen werden. Diese beiden Varianten sind jedoch um einiges nachhaltiger als die Eigenproduktion. Die nachfolgenden Bilder zeigen einige Objekte, die für das geplante Set verwendet werden könnten und aus einem Fundus stammen, oder secondhand beschafft werden können. 

Auf Onlinemarktplätzen gibt es einige ABC Railway Guides zu kaufen, jedoch sind diese meist nicht aus der passenden Zeit, oder bereits sehr abgegriffen. Hier macht es vermutlich am meisten Sinn, den Railway Guide selbst zu gestalten und zu produzieren. 

Fazit

Das im Zuge dieser Blogbeiträge erstellte Set Design kann relativ gut nachhaltig umgesetzt werden, da ein Großteil der benötigten Elemente aus hiesigen Film- und Theaterfundi entlehnt oder secondhand beschafft werden kann. Dennoch werden auch manche Objekte in Eigenproduktion erstellt, oder neu angeschafft werden müssen. Abschließend kann gesagt werden, dass die Umsetzung eines Set Designs viele Hürden bietet, diese jedoch mit guter Planung gut gemeistert werden können.


Quellen:

Ladeneinrichtung 1: props.co: Ladeneinrichtung. In: props.co, https://www.props.co.at/portfolio/moebel/ladeneinrichtung/ (zuletzt aufgerufen am 16.07.2026)

Tabakwaren 1: props.co: Handrequisiten, Kleinrequisiten. In: props.co,  https://www.props.co.at/portfolio/requisiten/handrequisiten-kleinrequisiten/ (zuletzt aufgerufen am 16.07.2026)

Registrierkassen Verleih 1: props.co: Computer, Schreibmaschinen, Kassen. In: props.co, https://www.props.co.at/portfolio/requisiten/computer-schreibmaschinen-kassen/ (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Registrierkassen Verleih 2: Schmiedl: Requisiten/Café, Konditorei, Greissler/ Kassa Holz Metall. In: Schmiedl, https://www.schmiedl.tv/Product/ProductDetails.aspx?i=9&sid=25129&lang=de (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Registrierkasse 3: willhaben: Antike Registrierkasse. In: willhaben.at,  https://www.willhaben.at/iad/kaufen-und-verkaufen/d/antike-registrierkasse-948635207 (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Rauchutensilien 1: props.co: Rauchutensilien. In: props.co, https://www.props.co.at/portfolio/requisiten/rauchutensilien/ (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Rauchutensilien 2: willhaben: Pfeifensammlung Pfeifen Rosenholz. In: willhaben.at, https://www.willhaben.at/iad/kaufen-und-verkaufen/d/pfeifensammlung-pfeifen-rosenholz-1445537202 (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Hängelampen 1: props.co: Hängelampen. In: props.co, https://www.props.co.at/portfolio/lampen/haengelampen-2/ (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Hängelampen 2: props.co: Hängelampen. In: props.co, https://www.props.co.at/portfolio/lampen/haengelampen-2/ (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

ABC Railway Guide 1: ebay: The ABC or Alphabetical Railway Guide April 1939 P/B edition. In: ebay, https://www.ebay.ie/itm/366308544506?_skw=abc+railway+guide+1934&itmmeta=01KXEK0SFFMSM32SNE0CH4EBSR&hash=item5549b0cffa:g:WK4AAeSwgetpxpa6&itmprp=enc%3AAQALAAAA0GfYFPkwiKCW4ZNSs2u11xAnh%2BbaIo9SUNoohhiYclnybaxmLPEwZ6yyPTZ2Yv%2BVb%2BatvkPrm7DmzLgD4vZZWYJewGdVSCE6VT%2BYrtECIKn9e8Ge%2BYQZGEXSfszqJa6YGfBmnDLWv88R5cWaQhzJPQvlu7C0My9shvx1hxzBif9YMM5KXJu3lHRHd7DVCFH0E%2FaAG14N%2F4RyxckKNs3JiPko9cIvG9scmhjfJiIvEiDD%2FX1NIY6%2FDqf%2BFeoeVyNklcdAPW6inOckiaSkUu%2F7Q6c%3D%7Ctkp%3ABk9SR4KYg9PrZw (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

ABC Railway Guide 2: ebay: 1938 Hamptons ABC Railway Guide & Timetable (Shop Ref B1). In: ebay, https://www.ebay.ie/itm/298437968474?_skw=abc+railway+guide+1934&itmmeta=01KXEK0SFF2GZHKWZAEF8961CD&hash=item457c4a025a:g:VzsAAeSwKkRqHZ6E&itmprp=enc%3AAQALAAAA8GfYFPkwiKCW4ZNSs2u11xDjFkhfGQY6SOsgpX5qmJLw48gfxDKnDvSxoWhcIbZ5HkFpnpSrQxmHi9DaDKbb8hmDdy8BPiTgTmb%2BxXREKwsY2Mpwilan8UvyzaHu9k2ZG93xlYVupB91mfTGPxKbSfRpuyc2bMT7CxgXegIVBnCaQX3Lp3LINf65rmOgtgIQu2dvJ%2BO4peU08ynWleiCGj%2FbQHaWk0kaU%2F8Os4nxRwjzSXA7A8pWaTQ7MbePb9kApkOhRhVwOAlgXhzNozOKh8JeebEUHQAYD1itr5csgTSds0%2FuRciv1wSaPaIwJpgeWQ%3D%3D%7Ctkp%3ABk9SR4KYg9PrZw (zuletzt aufgerufen am 15.07.2026)

Green Preproduction – Wie gute Planung großes bewirken kann

Topic: Green Filming

Gut geplant ist halb gewonnen. Dieses bekannte Sprichwort beschreibt eine Sichtweise, die in der Filmproduktion von großer Wichtigkeit ist. Ob ein Film erfolgreich produziert wird, entscheidet sich lange bevor die ersten Schauspieler:innen vor der Kamera stehen, das Art Department das Szenenbild aufbaut und die Regisseur:innen ihre Anweisungen am Set geben. 

Während der Preproduction werden Skripte verfasst, Drehpläne geschrieben, Locations gesucht und vieles mehr. Diese Phase ist wegweisend für jede Film- und Videoproduktion, doch besonders im Zusammenhang mit Green Production spielt eine akribische Planungsphase eine essenzielle Rolle, um die Umweltbelastung durch die Produktion so gering wie möglich zu halten. In diesem Blogbeitrag wird daher ein Fokus auf die Verbesserungsmöglichkeiten der Nachhaltigkeit während der Preproduction gelegt.

Die Beaufsichtigung der Green Production

Sobald bei einem Filmprojekt feststeht, dass es sich hierbei um eine Green Production handeln soll, wird ein:e qualifizierte:r Green Producing Zuständige:r angestellt beziehungsweise festgelegt. Diese:r muss die nötigen Qualifikationen im Bereich der Nachhaltigkeit vorweisen können, beispielsweise durch eine einschlägige Ausbildung. (vgl. BMLUK 2025, S.14) 

Diese:r Nachhaltigkeitsbeauftragte ist während der Produktion des Filmes für die Einhaltung der Umweltstandards und der Green-Producing-Maßnahmen verantwortlich. Das bedeutet, dass diese Person mit der Aufgabe betreut wird, sowohl das gesamte Filmteam als auch gegebenenfalls Partnerbetriebe (Bsp. Catering oder Geräteverleih) über die geltenden Standards und Maßnahmen für die Produktion zu informieren und als Ansprechpartner:in bei Fragen bereitzustehen. (vgl. BMLUK 2025, S.14)

Vor allem während der Planungsphase ist die Expertise der für das Green Producing zuständigen Person essenziell, da hier mögliche Probleme im Bereich der Nachhaltigkeit frühzeitig festgestellt, angesprochen und gemeinsam mit dem Team vorab gelöst werden können. Auf diese Weise kann von Anfang an eine umweltfreundlichere Produktion sichergestellt werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.7)

Abgesehen davon ist die/der Nachhaltigkeitsbeauftragte während der gesamten Produktion für die Dokumentation der durchgeführten und eingehaltenen Maßnahmen zuständig. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018,S.7) Dies ist besonders wichtig, wenn eine Zertifizierung mit Auszeichnungen, wie etwa dem Österreichischen Umweltzeichen, angestrebt wird.

Preproduction

Aber welche Aspekte der Preproduction können und müssen nun abgewandelt werden, um den Ansprüchen einer Green Production gerecht zu werden? Um diese Frage zu beantworten muss zu Beginn der Produktion ein Nachhaltigkeitskonzept erstellt werden, in dem alle Maßnahmen festgelegt werden, die während des gesamten Projektes eingehalten werden müssen. Wie bereits zuvor erwähnt ist es die Aufgabe der/des Green Producing Zuständigen diese Maßnahmen mit dem gesamten Team zu teilen, besprechen und die Einhaltung zu beaufsichtigen. (vgl. Rientjes o.D.)

Diese Maßnahmen umfassen eine Vielzahl an Verbesserungsmöglichkeiten, die sich von der Wahl der Drehorte, über die Einsparung von Strom bis hin zur Planung des Caterings erstreckt. Während der Preproduction geht es vor allem darum, bereits während der Planungsphase umweltfreundlichere Entscheidungen zu treffen. Bei der Wahl der Locations wird beispielsweise darauf geachtet, dass diese strategisch clever ausgewählt werden, um die Transportwege so gering wie möglich zu halten. Dazu gehört auch eine bedachte Einteilung der Drehtage, damit im besten Fall alle Szenen an einer Location abgedreht werden, bevor die Zelte abgeschlagen und am nächsten Drehort erneut aufgebaut werden. Auf diese Art und Weise können unnötige Transportwege, sowohl von Equipment und Utensilien als auch von den mitwirkenden Personen, vermieden werden.  (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.13)

Ein weiterer Weg, um sowohl Transportwege klein zu halten als auch die Nachhaltigkeit der verwendeten Produkte und Dienstleistungen steuern zu können, ist die genaue Begutachtung möglicher Dienstleister und Produktionspartner. Bevor diese engagiert werden, sollte hinterfragt werden, inwiefern die Arbeit und Einstellung dieser Unternehmen mit der Nachhaltigkeitspolitik der Filmproduktion zusammenpasst. Außerdem sollten Unternehmen aus der näheren Umgebung vorgezogen werden, um Transportwege möglichst gering zu halten. Im Zuge der Anfrage an die Unternehmen macht es Sinn, sich explizit nach nachhaltigen Alternativen zu erkundigen. Während dieser Planung sollte besonders auf eine reibungslose Kommunikation zwischen den einzelnen Filmdepartments geachtet werden, um gemeinsame Services und Transporte gut koordinieren zu können. (vgl. Rientjes o.D.)

Wurden die Drehorte festgelegt, muss auch die Stromversorgung gut durchdacht werden. Dies ist sehr wichtig, da Filmproduktionen allein durch den notwendigen Einsatz von Leuchtmitteln einen hohen Energieverbrauch aufweisen. In diesem Zusammenhang sind, wenn möglich, Baustromanschlüsse von Ökostromanbietern dem Einsatz von betriebsintensiven Generatoren vorzuziehen. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S. 13)

Um den generellen Einsatz von Leuchtmitteln so gering wie möglich zu halten, sollte außerdem während der Planung der Drehtage stromeffizient gedacht werden und so viele Szenen wie möglich bei Tageslicht eingeplant werden. Generell sollte die gesamte Produktion dem Ziel der Stromeffizienz folgen.  (vgl. Rientjes o.D.)

Es macht außerdem Sinn, bereits während der Preproduction an die Postproduction zu denken. Dies bedeutet, bereits vorab zu überlegen, welche Dinge besser während des Drehs gemacht werden und welche einfacher und nachhaltiger in der Postproduction umgesetzt werden können. Dies betrifft beispielsweise die Einbindung von Special Effects oder Virtual Effects. (vgl. Rientjes o.D.)

Conclusio

Obwohl hier nur ein paar der Verbesserungsmöglichkeiten für die  Preproduction vorgestellt wurden, zeigen diese Beispiele, dass bereits, wenn nicht sogar vor allem während der Preproduction ein Großteil der umweltfreundlichen Entscheidungen getroffen werden können. Unabhängig davon, ob es sich hierbei um die Wahl der Location handelt, oder um die Mülltrennungsstrategie. Jede scheinbar noch so kleine Entscheidung trägt dazu bei, eine nachhaltigere Filmproduktion auf die Beine zu stellen. Es liegt an den Filmemacher:innen und ihren Teams, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Literaturverzeichnis

BMLUK 2025Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025)
MFG Baden-Württemberg 2018MFG Baden-Württemberg (01.06.2018): Green Shooting Handlungsleitfaden für Filmproduktionen. In: Green Culture Anlaufstelle, https://www.greenculture.info/wissen/green-shooting-handlungsleitfaden-fuer-filmproduktionen/ (zuletzt aufgerufen am 04.01.2026)
Rientjes o.D.Rientjes, Els (o.D.): Toolkit. Production. In: Green Film Making, https://greenfilmmaking.com/toolkit/production/ (zuletzt aufgerufen am 03.01.2026)