*19 Erster Test + Fragebogen

Diese Woche habe ich den Test zu den drei interaktiven Seiten gemacht und diese das erste Mal einem Kind gezeigt. Es wurde mit einem dreijährigen Buben und seinem Papa getestet. Dadurch, dass es meine Familie war, war eine entspannte und natürliche Atmosphäre und das war mir für diesen Probetest auch sehr wichtig. Einmal die ersten Erfahrungen sammeln können, um herauszufinden wie es überhaupt ist mit einem Kind einen Test durchzuführen. Da lag der Fokus, darauf eine Situation zu schaffen die sich sich für alle Beteiligten normal anfühlt. 

Bevor es losging habe ich dem Papa kurz erklärt, worum es geht. Nicht zu viel, nicht zu wenig, aber er sollte wissen, dass die drei Elemente Teil meines Projektes sind und dass ich diese an dem Tag testen möchte. Ich wollte herausfinden wie ein Kind in diesem Alter damit umgeht. Ich habe ihm erklärt, dass er seinem Sohn Zeit lassen soll, so wenig wie mögliche eingreifen soll und nicht erklären soll, auch wenn es vielleicht einen Moment dauert. Außerdem hab ich ihm gesagt, dass er nach jeder Seite eine vorbereitete Frage stellen soll. Der Bub selbst hat keine Informationen bekommen, wusste nur dass er heute etwas anschauen wird. 

Zu Beginn wollte der Bub gleich alle auf einmal anschauen. Er hat gleich alle drei Seiten geschnappt und sie sich angeschaut. Dann hat der Papa begonnen die erste Seite vorzulesen. Er hat mit der Fisch Seite begonnen und da hat sich die Klappkarte leider etwas verbogen und man konnte die Antwort sofort sehen. Jedoch hat er trotzdem noch neugierig gewirkt und Karte ganz aufgeklappt. Das war jedoch ein klarer Hinweis für mich: die Klappkarte muss Stabiler und besser befestigt sein, damit er Überraschungsmoment wirklich funktioniert. Ohne diesen Moment verliert das Element seinen klaren Reiz. 

Der Papa hat dann die vorbereitete Frage gestellt, was wohl noch unter einer anderen Klappkarte sein kann. Der Bub hat jedoch bemerket, dass ich mitgeschrieben haben und dadurch dass wir uns gut kennen mich gleich gefragt was ich da mache. Darauf hin habe ich ihm eine kurze Erklärung geben, warum ich denn mitschreiben. Das war eine kleine Herausforderung, weil ich wollte mich eigentlich raushalten und dem Kind nicht zu viele Informationen geben. Für den nächsten Test nehme ich mit, dass ich generell vielleicht besser wäre nicht im direkt Blickfeld zu sitzen. 

Bei der Igel Karte war definitiv mehr Begeisterung da, denn der Bub hat die Seite genommen und ist direkt über die verscheiden Materialien gefahren. Besonders das Glitzerpapier hat ihn fasziniert. Dort ist er immer wieder mit dem Finger drüber gegangen. Ich glaube sogar, dass ihn das mehr interessiert hat als der Igel selber. Danach hat der Papa die Frage gestellt, welche Stelle sich am komischen anfühlt und der Bub ist dabei über den Moosgummi gefahren und dann gesagt der Stachel, der ist so weich. Das war ein schöner Moment, weil er gezeigt hat, dass das haptische Erlebnis auch Sprache auslöst. 

Bei der dritten Karte, der Entscheidungsseite, war die Reaktion etwas anders. Der Bub hat die Seite angeschaut, aber nicht mehr wirklich damit interagiert. Auch auf die Frage war nicht mehr eine wirkliche Reaktion, es hat so gewirkt als würde er noch drauf warten, dass er etwas öffnen oder berühren kann. Das war für mich aber eine spannende Erkenntnis, denn vielleicht braucht eine Entscheidungsseite für Kinder in diesem Alter auch etwas, was man zusätzlich berühren oder öffnen kann. 

Am Ende hat der Bub noch mal über das Glitzerpapier gegriffen und ist dann wo anders hin gegebnen. Der Papa hat dann in Ruhe den online Fragebogen ausgefüllt. 

*18 Vorbereitung Test und Fragebogen

Bevor die drei Testseiten das erste Mal wirklich von der Zielgruppe getestet werden, muss ich noch eine klare Struktur definieren, damit ich aus dem Test möglichst viel mitnehmen kann. Getestet wird mit einem Kind im Kindergartenalter und einem Elternteil. Die Situation ist bewusst zu zweit geplant, weil es eine normale und realitätsnahe Umgebung des Kindes wieder spiegelt. Ich werde während dem Test als Beobachterin dabei sein und währenddessen mitschreiben. Ich greife aber nicht ein, erkläre nichts und reagiere nicht auf das was das Kind tut oder sagt. Meine Aufgabe ist es zu beobachten und festzustellen, wie die Testperson reagiert, welche Körpersprache sie hat, wird gezögert, ist sie begeistert etc..? 

Ich werde dem Kind davor keine Information geben und nicht erkläre, dass das hier ein Test ist. Das Kind soll sich wohlfühlen und nicht das Gefühl haben eine Aufgabe lösen zu müssen. Der erste Kontakt mit dem Element soll so unbeeinflusst wie möglich sein, weil mich genau dieser erste Moment interessiert, was passiert, wenn ein Kind etwas in die Hand bekommt, ohne zu wissen, was genau das ist? Die erwachsene Person bekommt von mir vorab allerdings das Wichtigste erklärt, aber ohne zu viel wegzunehmen. Konkret soll der Erwachsene die drei Testseiten mit dem Kind nacheinander anschauen. Nach jeder Seite soll das Elternteil dem Kind ein Frage dazustellen, nicht um zu testen ob das Kind alles richtig macht hat sondern ein Gespräch zu eröffnen um bisschen herauszufinden wie diese Element funktionieren. Die Fragen sind vorgegeben. Zudem werde ich dem Elternteil sagen, er soll dem Kind alle Zeit lassen, denn das ist für meinen Test besonders wichtig. Der Erwachsen soll nicht sofort Hilfe geben oder eingreifen sondern auch wenn es etwas ungewohnt ist, einfach abwarten, wie das Kind reagiert. Diese Reaktionen sind für meinen Test besonders interessant. 

Die Fragen nach jedem Element: 

  1. Klappkarte: „Was glaubst du, was noch unter einer anderen Klappe versteckt ein könnte.“
    Damit kann ich herausfinden, wie das Kind über diesen Mechanismus denkt und anhand der Reaktion sehen, wie groß die Begeisterung ist. 
  2. Textur Seite: „Welche Stelle hat sich am komischen angefühlt, warum?“
    Dadurch kann ich herausfinden, was das Kind von den Materialien denkt, wie sie sich für das Kind anfühlen und ob sie zugeordnet werden können. 
  3. Entscheidunssgfrage: „Warum hast du diesen Weg gewählt“
    So kann ich entdecken, wie ein Kind darüber denkt und auch sehen welcher Gedankenzug dahinter ist. 

Die Fragen sind etwas offener formuliert, damit das Kind nicht das Gefühl bekommt hier etwas unnatürliches zu machen und offen und ehrlich antworten kann. 

Am Ende des Testes bekommt das Elternteil dann einen kurzen online Fragebogen. Hier kann die Person sich genauer Gedanken machen, mir noch mehr Input geben und genauer erklären wie er:sie den Test empfunden hat. Somit richtet sich der Fragebogen nicht ans Kind sondern die erwachsen Begleitperson. Denn Eltern sehen viel mehr und können die Reaktionen ihrer Kinder viel mehr einschätzen als ich als außenstehende Person. Dadurch konnte ich gezielter erfahren ob die Reaktion eher typisch oder ungewöhnlich ist oder ob Interesse und Neugier da war und ob etwas gefehlt hat. Insgesamt hat die Umfrage zehn Fragen und beinhaltet alles rund um den Test. Die Umfrage starten mit Fragen zu den einzelnen Elementen: Bei welchem Element war es am längsten, wirkte es überfordert, welches Elemente wirkte am anspruchsvollsten. Daraufhin gibt es Fragen zur Gesamtwahrnehmung, wie und ob das Kind diese Seiten eher als Spiel oder als Aufgabe gesehen hat und ob sich die Stimmung währenddessen verändert hat und ob das Elternteil sich vorstellen könnte, diese interaktiven Elemente im Alltag Zuhause zu verwende. Am Ende sind die Fragen noch etwas offener, hat das Kind noch etwas gesagt, gibt es Elemente die so nicht funktionieren und was würde der:die Erwachsene sich noch wünscht.

Die konkrete Fragen: 

  1. Bei welchem Element war dein Kind am längsten?
  2. Gab es einen Moment, wo dein Kind überfordert wirkte, wenn ja welchen?
  3. Hat dein Kind irgendwas getan oder gesagt, das dich überrascht hat?
  4. Wirkte dein Kind eher neugierig, vorsichtig oder desinteressiert? 
  5. Welches Element hat dein Kind zweimal angegriffen?
  6. Würdest du solche interaktiven Elemente mit deinem Kind auch im Alltag nützen?
  7. Gibt es ein Element, welches dich gestört hat?
  8. Wie hat dein Kind die Entscheidungsreife empfunden? 
  9. Was hat dein Kind nach dem Test gesagt?
  10. Weiter Wünsche, Anregungen, Kommentare?

Mein Ziel ist es möglichst wenig in den Test einzugreifen, damit ich sehen kann was wirklich beim Lesen und Erleben von Büchern passiert.