Topic: Green Filming
Zwei wichtige Eckpfeiler einer Green Production, die Einschränkung der Transportwege und der effiziente Einsatz von Strom, wurden bereits im vorherigen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit während der Preproduction besprochen. Um diese beiden Eckpfeiler noch passend abzurunden, folgen nun noch zwei Nachträge.
In Bezug auf die Mobilität sollten sich alle Mitwirkenden während der Drehzeit bevorzugt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Die Anreise mit Bus oder Zug hilft dabei, unnötige Emissionen einzudämmen. Vor allem bei Kurzstrecken sollten diese Fortbewegungsmittel dem Flugzeug vorgezogen werden. Am Drehort selbst werden die Unterkünfte der Mitwirkenden im Besten Fall vorab so gewählt, dass die Entfernung zu den Locations so gering wie möglich ist. Auf diese Weise können die Mitwirkenden Personen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, oder noch besser, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu den Drehorten gelangen. Ist dies nicht möglich, ist es ratsam, Fahrgemeinschaften zu bilden. (vgl. BMLUK 2025, S. 15)
Auch zum Thema Strom gibt es noch einen Nachtrag. Können gewisse Maßnahmen zur Verbesserung der Stromeffizienz nicht eingehalten werden, so müssen die ausgestoßenen CO2 Emissionen, die beispielsweise durch Stromaggregate entstehen, kompensiert werden. (vgl. BMLUK 2025, S. 17) Der Gedanke dahinter ist, dass durch die finanzielle Unterstützung von nachhaltigen Projekten, wie etwa das Pflanzen von Bäumen, die bereits erzeugten Schadstoffe ausgeglichen werden können. Diese Praxis des sogenannten Offsettings ist in „umweltbewussten“ Produktionen gang und gebe. Dennoch ist die Verhinderung der Schadstoffentstehung dem Offsetting vorzuziehen. (vgl. Keilbach/Loist 2023)
Equipment und Technik
Diese Schadstoffvermeidung kann neben der Verbesserung der Stromeffizienz und der Transportwege auch durch die richtige Wahl und dem sorgsamen Umgang mit dem Equipment erzielt werden. Sowohl beim Licht als auch bei Kamera und der Sonstigen Technik können wertvolle Maßnahmen getroffen werden, um den Prinzipien der Green Production gerecht zu werden.
Licht
Der Einsatz von energiesparenden Leuchtmitteln, wie etwa LED, RGB-Licht, oder diversen Reflektorensystemen, hilft beispielsweise bei der Stromeinsparung. (vgl. BMLUK 2025, S. 19) In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, nicht verwendete Leuchtmittel mithilfe von ein- und ausschaltbaren Steckleisten vom Stromnetz zu trennen. Grund dafür ist der stetige Stromverbrauch, der auch stattfindet, wenn sich die Geräte im Standby-Modus befinden. (vgl. Blynk o.D.)
Bei der Erzeugung von Lichteffekten sollten die verwendeten Materialien auch gut hinterfragt werden. Werden Styropor oder Farbfolien verwendet, so sollten diese auch in weiteren Produktionen Verwendung finden und nicht direkt im Abfall landen. Im Besten Fall wird jedoch vollkommen auf Farbfolien verzichtet und die gewünschten Lichteffekte direkt mithilfe passender Leuchtmittel erzeugt. (vgl. Blynk o.D.)
So, wie es generell bei allen verwendeten Elementen der Fall ist, müssen die Lampen außerdem bei Beschädigungen oder nach Ablauf ihrer Lebensdauer ordnungsgemäß entsorgt werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S. 17)
Kamera und sonstige Technik
Auch bei der Wahl der Kamera und der sonstigen Technik ist es notwendig, energieeffiziente Geräte zu bevorzugen. (vgl. BMLUK 2025, S.19) Oft macht es auch Sinn, die benötigten Geräte bei lokalen Verleihunternehmen zu beschaffen, anstatt diese neu zu kaufen. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S.17) Sind spektakuläre Luftaufnahmen geplant, so muss auf die Verwendung von Hubschraubern verzichtet werden, da diese einen hohen Emissionsausstoß vorweisen. Als Alternative kann auf Kameradrohnen zurückgegriffen werden, die heutzutage ohnehin bereits vorwiegend bei Luftaufnahmen eingesetzt werden. (vgl. BMLUK 2025, S. 19)
Wird an kälteren Tagen, oder Nachts gefilmt, so werden oft Wärmepilze benötigt, um die Mitwirkenden warm zu halten. Diese sollten durch UV-Strahler, oder im besten Fall durch Wolldecken ausgetauscht werden. (vgl. Blynk o.D.) Ein weiterer Weg, um energiesparender zu arbeiten, ist die Verringerung der dauerhaft zu speichernden Datenmengen. Das Löschen von nicht notwendigen Footage verringert nicht nur den Energieaufwand, sondern hilft auch dabei, die Dokumentation und Aufbewahrung übersichtlicher zu gestalten. (vgl. BMLUK 2025, S. 19)
Verbrauchsmaterialien und Abfallwirtschaft
Während der gesamten Produktion sollte das Prinzip des „minimalen Ressourcenaufwands“ gelten. Das bedeutet, dass nur wirklich notwendige Elemente verwendet werden. Dazu zählt etwa die Verringerung des Papierverbrauchs durch das Umsteigen auf digitale Optionen. Ist dies nicht möglich, so sollte nur die zwingend notwendige Menge an Papier bedruckt werden. Hierbei sollte außerdem auf das Druckformat, das verwendete Papier und den beidseitigen Druck geachtet werden. (vgl. BMLUK 2025, S. 18)
Auch der Einsatz von Verbrauchsmaterialien, wie etwa Leuchtmittel, Gurte und Seile sollten verringert werden. Dabei dürfen jedoch keineswegs die Sicherheitsstandards verringert werden. (vgl. MFG Baden-Württemberg 2018, S. 17)
In Bezug auf die Abfallwirtschaft sollte die Müllerzeugung so gut wie möglich vermieden werden. Der nicht vermeidbare Abfall muss ordentlich getrennt und korrekt entsorgt werden. Auch „versteckte“ Elemente müssen bei der Abfallvermeidung berücksichtigt werden. So muss beispielsweise etwa das für den Dreh am Drehort angebrachte Leitsystem, wenn möglich, wiederverwendbar sein. (vgl. BMLUK 2025, S.20)
Besonders wichtig ist es außerdem, dass „keine umweltschädlichen Flüssigkeiten in Kontakt mit dem Boden kommen.“ (BMLUK 2025, S. 18) Dies ist vor allem im Zusammenhang mit Stromgeneratoren zu berücksichtigen.
Conclusio
Durch die bedachte und sorgsame Auswahl des verwendeten Equipments und der Verbrauchsmaterialien können viele umweltschädliche Faktoren eingeschränkt werden. Von den CO2 Ausstößen der Kamerahubschrauber, über die energiefressenden Lampen bis hin zu unnötiger Papierverschwendung, gibt es viele Verbesserungsmöglichkeiten. Auch wenn es nicht immer möglich ist, alle diese Elemente auf einmal in Angriff zu nehmen, hilft dennoch jede einzelne Tat dabei, eine nachhaltigere Filmproduktion auf die Beine zu stellen.
Literaturverzeichnis
| Blynk o.D. | Blynk (o.D.): Green Production. SO geht nachhaltige Filmproduktion. In: Blynk, https://blynk.de/green-production/ (zuletzt aufgerufen am 03.01.2026) |
| BMLUK 2025 | Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) (01.01.2025): Green Producing: Neue Anforderungen an Film- und TV-Produktionen. In: Österreichisches Umweltzeichen, https://www.umweltzeichen.at/de/kultur/filmproduktion/green-producing-neue-anforderungen-an-film-und-tv-produktionen# (zuletzt aufgerufen am 05.10.2025) |
| Keilbach/Loist 2023 | Keilbach, Judith/Loist,Skadi (11.05.2023): Green Media. Von Green Production zu nachhaltiger Medienwissenschaft. In: Nach dem Film, https://nachdemfilm.de/issues/text/green-media (zuletzt aufgerufen am 10.01.206) |
| MFG Baden-Württemberg 2018 | MFG Baden-Württemberg (01.06.2018): Green Shooting Handlungsleitfaden für Filmproduktionen. In: Green Culture Anlaufstelle, https://www.greenculture.info/wissen/green-shooting-handlungsleitfaden-fuer-filmproduktionen/ (zuletzt aufgerufen am 04.01.2026) |

