Vorstellung der Masterarbeit
Die Masterarbeit „Film im Vergleich der Kulturen“ von Barbara Colette Zitturi wurde 2012 im Fach Soziologie an der Karl-Franzens-Universität Graz eingereicht. Sie fragt, wie sich kulturelle Unterschiede zwischen Südkorea und den USA in populären Filmen zeigen, vor allem in Beziehungsstrukturen, bei Individualismus und Kollektivismus und in Geschlechterbildern. Die Arbeit geht davon aus, dass Filme nicht nur unterhalten, sondern gesellschaftliche Werte, Wünsche und Konflikte abbilden und mitprägen. Sie besteht aus Kulturtheorie, Methodenkapitel, Filmanalyse und Fazit. Ein klassisches Werkstück gibt es nicht. Als praktischer Teil dient die Analyse von je drei südkoreanischen und US-amerikanischen Filmen der Jahre 2009 und 2010.
Bewertung der wissenschaftlichen Qualität
Gestaltungshöhe:
Da es kein gestaltetes Werkstück gibt, kann ich die Ästhetik des praktischen Teils nur eingeschränkt beurteilen. Positiv fällt auf, dass die Autorin viele Bilder und Szenenausschnitte einbindet. So ist der Moment oder die Figur, um die es gerade geht, auch visuell nachvollziehbar. Schade finde ich, dass Kamera und Musik gegenüber der Handlung kaum eine Rolle spielen, obwohl sie Beziehungen zwischen Figuren stark prägen. Die Analyse bleibt dadurch eher inhaltlich als ästhetisch.
Innovationsgrad:
Ich schätze die Arbeit als konventionell bis moderat innovativ ein. Qualitative Inhaltsanalyse, Sequenzprotokolle und vergleichende Filmanalyse sind bewährte Methoden und werden sauber angewendet. Technologisch aufgestiegene oder experimentelle Verfahren kommen nicht vor. Innovativ ist eher die Verbindung von Kulturdimensionen und Geschlechterdarstellung, etwa im Kapitel über Mode in den Filmen.
Umfang:
Mit rund 100 Seiten Haupttext ist der Umfang für eine Masterarbeit angemessen. Sechs Filme erlauben genaue Einzelanalysen, aber keine Verallgemeinerungen. Die Autorin sagt selbst, dass es um Tendenzen geht. Ich hätte mir trotzdem einen vierten Film pro Land gewünscht, damit einzelne Ausreißer weniger ins Gewicht fallen.
Selbstständigkeit:
Das ist die größte Stärke. Die Idee entstand während ihres Auslandssemesters in Seoul, dazu kamen Gespräche mit koreanischen Filmemachern und der Besuch des Busan International Film Festival. Die Filmauswahl nach Verkaufszahlen ist nachvollziehbar und Ausschlüsse, wie zum Beispiel reiner Animationsfilme, werden begründet. Kritisch sehe ich, dass die Gegenüberstellung von Individualismus und Kollektivismus aus der Literatur übernommen wird. Die Autorin hinterfragt sie zwar, entwickelt aber kein eigenes Gegenkonzept.
Gliederung/Struktur:
Der Aufbau ist logisch: Theorie, Methode, Analyse, Fazit. Die Kapiteltitel aus Filmtiteln und die persönlichen Einstiege machen die Arbeit lebendig. Vor allem der persönliche Einstieg hat mir sehr gut gefallen. Die Gewichtung jedoch finde ich etwas ungleich. Theorie und Filmvorstellungen nehmen viel Platz ein, während die Auswertung, in der die Ergebnisse entstehen, teils knapp wirkt. Gerade die Kapitel zu Beziehungsstrukturen und Geschlechterdarstellungen hätten mehr Raum verdient, weil sie die Forschungsfrage direkt beantworten.
Kommunikationsgrad:
Die Arbeit ist gut verständlich. Die Hauptfragestellung steht früh in der Einleitung und das Fazit fasst die Ergebnisse klar zusammen. Die persönlichen Erzählungen sind sprachlich vom wissenschaftlichen Text getrennt, sodass die Intention erkennbar bleibt. Manche Sätze sind lang und verschachtelt und einzelne Aussagen wiederholen sich. Die Konzepte sind aber plausibel und werden konsequent angewendet.
Orthografie/Sorgfalt/Genauigkeit:
Insgesamt sorgfältig, aber nicht fehlerfrei. Ein paar Rechtschreibfehler sind mir aufgefallen, aber nicht viele. Sollten leider nicht bei einer Abschlussarbeit passieren, aber passiert immer wieder. Außerdem sind es nicht groß Auffällige.
Literaturverzeichnis:
Mit über 60 Einträgen, deutschen wie englischen Quellen und einem eigenen Filmverzeichnis ist es umfangreich. Auch Online-Quellen wie Verkaufszahlen werden belegt und im Text wird gut zitiert.
Termintreue:
Da die Masterarbeit im April abgegeben wurde, gehe ich davon aus das sie Termintreu eingereicht wurde und alles pünktlich erledigt war.
Bewertung des Werkstücks
Forschungsfrage, Theorie und Umsetzung sind gut verbunden. Srubars Lebenswelttheorie begründet den Fokus auf Handlungen in Beziehungen und Fiskes Konzept des Populären, die Filmauswahl. Die Methode ist im Methodenkapitel nachvollziehbar dokumentiert, mit Beispiel für ein Sequenzprotokoll. Besonders überzeugend finde ich, dass die Autorin Film und Realgesellschaft gegenüberstellt, etwa wie bei Geschlechterrollen oder Familienformen. Ob die Dokumentation ausreicht, ist Ansichtssache. Das Vorgehen ist klar beschrieben, die ausführlichen Sequenzprotokolle sieht man aber nur als Beispiel. Für eine Masterarbeit reicht die Qualität meiner Meinung nach aus, auch wenn die Datenbasis klein ist.
Fazit
Stärken sind Selbstständigkeit, Verständlichkeit, nachvollziehbare Methodik und ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Schwächen liegen in der schmalen Filmbasis, der ungleichen Gewichtung der Kapitel, der wenig innovativen Methodik und kleinen Flüchtigkeitsfehlern. Insgesamt bewerte ich die Arbeit als solide und eigenständig, mit Luft nach oben bei Tiefe und Innovation. Sie erfüllt die Anforderungen an eine Masterarbeit, schöpft ihr Potenzial aber nicht ganz aus.
Nutzen für die eigene Abschlussarbeit
Ich nehme mit, wie wichtig ein persönlicher Zugang und eine klar begründete Auswahl des Materials sind. Ähnlich umsetzen möchte ich eine frühe, klare Fragestellung und eine nachvollziehbare dokumentierte Methode. Besser machen würde ich die Gewichtung der Kapitel, die Rolle gestalterischer Mittel und das sorgfältige Korrekturlesen. Außerdem würde ich Grundbegriffe kritischer hinterfragen, statt sie aus der Literatur zu übernehmen und eine größere Materialbasis wählen. So bleibt die Arbeit solide und wird auch innovativer.
Masterarbeit
https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/222075






