*16 Verschiedene Texturen & Materialien

Für das zweite Testelement habe ich mich für unterschiedliche Texturen und Materialien entscheiden. Ein Element, das besonders bei jüngeren Kindern oft sehr gut funktioniert, weil es nicht nur visuell, sondern auch haptisch erlebbar ist. Gerade im Kindergartenalter lernen Kinder vieles über das Tasten und Begreifen und der Körper ist hier das erste Werkzeug, mit dem sie die Welt verstehen. Texturen bieten deshalb eine ganz eigne, sehr direkte Form von Interaktivität, nämlich eine die ohne Sprache auskommt und trotzdem sofort funktioniert. 

Als Motiv habe ich mich für einen Igel entschieden mit der einfachen Aufforderung: ich bin Igel Ida, kannst du mich fühlen? Der Satz ist kurz, direkt und lädt ein, ohne zu erklären. Er gibt dem Kind eine Aufgabe, ohne dabei den Zeigefinger zu heben. Was mir daran wichtig war ist, dass Kinder in diesem Alter keine lange Einleitung brauchen, ein Satz reicht, wenn er richtig formuliert ist. 

Bevor irgendein Material zum Einsatz kam, habe ich zuerst auf den Papier skizziert wie das überhaupt ausschauen könnte. Ich wollte verstehen, wie die Form des Igels funktioniert und vor allem wie ich die Stacheln so gestalten kann, dass sie sowohl Illustrative als auch haptische Sinn ergeben. Die Lösung war, die Zacken des Igels als einzelne Dreiecke auszuschneiden, eine Form die schon optisch an Stacheln erinnert und sich dann durch das Material auch so anfühlt. Erst als die Grundform auf Papier stimmte, habe ich den nächsten Schritt gemacht und zwar die Illustration sauber ausgearbeitet, drucken lassen und dann sorgfältig die Zacken ausgeschnitten.

In die einzelnen Zacken habe ich anschließend drei verschieden Materialien eingeklebt: Rollpappe für eine harte, gewölbte Fläche, Moosgummi für etwas Weiches und leicht Federndes und raues Glitzerpapier für eine körnige, etwas kratzige, bunte Oberfläche. Die drei Materialien bilden einen klaren Kontrast zueinander, was mir besonders wichtig war. Denn der Unterschied muss auch für kleine Finger gut spürbar sein, denn ein zu feiner Materialienunterschied würde nicht dieses Effekt erzeigen. Gleichzeitig habe ich drauf geachtet, dass alle Materialien fest genug aufgeklebt sind, damit auch bei intensiven Angreifen nichts abreißt oder sich löst. Stabilität wär hier ein zentrales Kriterium, denn aus der Umfrage weiß ich, dass Eltern und Pädagog:innen sehr unzufrieden mit fragilen Materialien sind. 

Bewusst habe ich bei diesen Elementen auf ausführlichen Text verzichtet. Das Motiv und die Materialien sprechen schon für sich und ich wollte testen ob Kinder auch ohne langer Anleitung von sich aus anfangen zu tasten und zu vergleichen. Das ist auch die Frage, die mich für die jüngeren Kinder meiner Zielgruppe interessieren: Braucht ein Kind in diesem Alter überhaupt Worte, um mit einem Buch zu integrieren? Oder reicht die Form, die Farbe und das Material allein? Die Igel-Seite ist für mich nicht nur ein Testelement, sondern ein kleines Experiment zu der Frage, wie viel Sprache ein interaktives Kinderbuch wirklich braucht. 

Was ich mit dieser Seite konkret testen will ist, wie greift ein Kind von selbst nach den unterschiedlichen Stellen? Berührt es eine Textur immer wieder oder ist es nur eine kurze Berührung? Mich interessiert auch ob Kinder anfangen über die Materialien zu reden oder sie zu vergleichen. Also ob das haptische Erlebnis auch Sprache auslöst, ohne das man bestimmt danach fragt?

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