Wahrnehmung von Emotionen

Die Wahrnehmung von Emotionen in visuellen Medien ist kein passiver Vorgang. Das menschliche Gehirn ist evolutionär darauf ausgelegt, soziale Signale blitzschnell zu verarbeiten und zu bewerten, lange bevor das bewusste Denken einsetzen kann. Dabei spielen mehrere neuronale Systeme zusammen.

Amygdala

Schnelle emotionale Erstbewertung; reagiert auf Gesichtsausdrücke noch vor bewusster Wahrnehmung

Spiegelneuronen

Simulation beobachteter Emotionen im eigenen Körper – Grundlage für Empathie

Fusiformer Gesichtsbereich

Spezialisiertes Areal zur Gesichtserkennung; auch bei stilisierten Gesichtern aktiv

Präfrontaler Kortex

Kognitive Bewertung und Kontextualisierung (“ist das wirklich echt?”)

Auch relevant für meine Forschungsfrage ist die Frage, was passiert, wenn eine Figur nicht realistisch aussieht. Hier kommt die Theorie der ikonischen Reduktion ins Spiel, die der Comictheoretiker Scott McCloud bereits 1993 formuliert hat: Je stärker ein Gesicht vereinfacht ist, desto leichter projizieren Betrachterinnen und Betrachter eigene Emotionen darauf.

Dieses Prinzip hat neurobiologische Entsprechungen: Studien zeigen, dass stilisierte Gesichter den Fusiformen Gesichtsbereich (FFA) aktivieren, solange sie grundlegende Gesichtsmerkmale aufweisen. Das Gehirn verarbeitet auch einen Smiley als “Gesicht”.

Indem 3D Elemente mit stylisierten Figuren kombiniert werden, vermeidet sie das Uncanny Valley auf der Figurenebene und nutzt gleichzeitig den Realismus der Umgebung für emotionale Glaubwürdigkeit.

Dies lässt sich auch neurophysiologisch erklären: Die stilisierte Figur aktiviert das Spiegelneuronensystem, weil sie emotional eindeutige Signale sendet, ohne die Dissonanz, die ein hyperrealistisches, aber “nicht ganz stimmendes” Gesicht auslöst.

Quellenangabe:

McCloud, S., & Martin, M. (1993). Understanding comics: The invisible art (Vol. 106). Northampton, MA: Kitchen sink press.

LeDoux, J. (1996). The emotional brain: The mysterious underpinnings of emotional life. Simon & Schuster.

Pessoa, L. (2008). On the relationship between emotion and cognition. Nature Reviews Neuroscience, 9(2), 148–158. https://doi.org/10.1038/nrn2317

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