Ein One-Shot-Film ist ein Film, der entweder tatsächlich in einer ununterbrochenen einzigen Einstellung gedreht wurde oder so gestaltet ist, dass er wie ein einziges, durchgehendes Kamerabild erscheint. Er wird auch One-Take- oder Single-Take-Film genannt und charakterisiert sich durch das Fehlen sichtbarer Schnitte, was eine kontinuierliche Erzählung in Echtzeit ermöglicht. Die Handlung wird dabei ohne Zeitsprünge oder Unterbrechungen dargestellt, wodurch das Publikum intensiver in die Geschichte eintauchen kann. Tatsächlich entstehen nicht alle One-Shot-Filme aus einer einzigen Aufnahme. Oft werden versteckte Schnitte verwendet, um den Eindruck einer einzigen Einstellung zu erzeugen.
Historische Entwicklung
Der jüngste One-Shot-Film bzw. -Serie und Gewinner von sechs Emmy Awards wurde erst 2025 auf Netflix veröffentlicht: Adolescence. Doch die Idee, einen Film oder Teile davon in nur einer Einstellung zu drehen, reicht bis in die Anfangszeiten des Kinos zurück. Alfred Hitchcock gilt 1948 mit seinem Film „Rope“ als einer der Pioniere der One-Shot-Technik. Dabei wurden mehrere etwa 10-minütige Takes so aneinandergeschnitten, dass der Eindruck eines einzigen, langen Takes entstand. Hitchcock wollte mit dieser Technik eine realistische Zeitwahrnehmung für das Publikum schaffen, zum Beispiel um die Spannung zu erhalten oder zu steigern. Zu dieser Zeit wurde noch mit analogen Kameras gefilmt, was das Filmen in einer Einstellung zusätzlich erschwerte, da die Lauflänge einer Rolle Film auf maximal 20 Minuten begrenzt war.
„Russian Ark“, der 2002 veröffentlicht wurde, gilt als ein weiterer Meilenstein in der Historie der One-Shot-Filme. Er war der erste „echte“ One-Shot-Film, da alle 96 Minuten des Spielfilms in einer einzigen Einstellung gedreht wurden. Neuere Beispiele sind „Birdman“ (2014), der mittels versteckter Schnitte wirkt, als wäre er ein durchgehender Take, „1917“ (2019), der ebenfalls mit dieser Technik arbeitete, um die Spannung und Immersion zu steigern, oder „Adolescence“ (2025).
Technische Herausforderungen
Das Drehen eines One-Shot-Films stellt hohe Anforderungen an das gesamte Filmteam. Schauspieler:innen, Kameraleute und Regisseur:innen müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, da ein Fehler oft einen kompletten Neustart der Aufnahme bedeutet. Häufig kommen technische Hilfsmittel wie Steadicams, Gimbals und Drohnen zum Einsatz, um flüssige Bewegungen und dynamische Perspektiven zu realisieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Gewicht der Kameras. Für One-Shot-Filme werden möglichst leichte und kompakte Kameras verwendet. Für „1917“ wurde beispielsweise eine ARRI Alexa MINI LF verwendet, die nur knappe 3 Kilogramm wiegt. Außerdem sollten sowohl Requisiten als auch die Ausstattung verschiebbar, veränderbar und beweglich sein. Often werden Kameras auch während des Drehs an andere Personen übergeben oder es wird mit Systemen wie Handkameras, Schienen oder Kamerakränen gearbeitet.
Beispiele berühmter One-Shot-Filme
Mittlerweile gibt es einige One-Shot-Filme, bzw. solche, die so ausschauen, als hätten sie keinen Schnitt und nur eine Einstellung. Einige Beispiele dafür sind:
- Utøya: 22. Juli: Hierbei geht es um einen Amoklauf auf einer norwegischen Insel. Die Tat dauerte 72 Minuten und genauso lang ist die Dauer des Films. Der Regisseur Erik Poppe nutzte eine One-Shot-Einstellung, um die Ereignisse so realistisch wie möglich darzustellen.
- Son of Saul ist ein Drama, das von der Geschichte eines ungarischen Juden im Konzent4rationslager Auschwitz erzählt. Der Film dauert 107 Minuten und ist fast vollständig in einer Einstellung gedreht worden.
- 1917: Der Kriegsfilm „1917“ ist einer der am häufigsten genannten Beispiele für One-Shot-Filme. 1917 wurde in etwa zehn langen Takes gedreht und enthält zwischen 25 und 40 versteckten Schnitten, die vom Publikum aber kaum bis gar nicht wahrgenommen werden.
- Rope: Alfred Hitchcock war der Erste, der sich an einen One-Shot-Film heranwagte. Allerdings war er damals noch in der Technik der Kameras eingeschränkt. Hitchcock schrieb das Drehbuch so, dass er alle zehn Minuten einen Schnitt machen konnte, den er dann verstecke, wenn die Kamera beispielsweise gerade hinter einem Stuhl war. So waren die Schnitte praktisch unsichtbar und „Rope“ galt damit als erster One-Shot-Film.
- Russian Ark: Das Historien-Drama „Russian Ark“ ist ein 96-minütiger Film, der tatsächlich ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Dafür wurde die Kameraarbeit solange geübt, bis alles perfekt saß, um in der Postproduktion ohne Schnitte auszukommen.
- Adolescence: Die neue und preisgekrönte Netflix-Serie „Adolescence“ besteht aus vier etwa 45-55-minütigen Folgen, die jeweils in einer Einstellung gefilmt wurden. Tatsächlich enthält keine Episode auch nur einen einzigen versteckten Schnitt.
Fazit
One-Shot-Filme sind eine außergewöhnliche und anspruchsvolle filmische Form, die allerdings schon seit einigen Jahren existiert. Durch nur eine Einstellung oder versteckte Schnitte verleihen sie dem Publikum den Eindruck, in Echtzeit an den Geschehnissen des Films teilzunehmen und vermitteln dadurch eine besondere Intensität und Nähe. Allerdings stellen One-Shot-Filme eine große technische Herausforderung und Präzision dar, sowie eine perfekte Zusammenarbeit der gesamten Filmcrew.
Quellen:
Ghosh, A. (2022). “Analysis of Single-Shot and Long-Take Filmmaking: Its Evolution, Technique, Mise-en-scène, and Impact on the Viewer.” Indian Journal of Mass Communication and Journalism, 2022.https://www.ijmcj.latticescipub.com/wp-content/uploads/papers/v2i2/B1023122222.pdf
Alsalem, M. (2025). “The One-Shot illusion: Seamless Transitions in One-Shot Films.” [Masterarbeit/Doktorarbeit, 2025]. https://www.diva-portal.org/smash/get/diva2:1978843/FULLTEXT01.pdf
Dewerne, Y. (2022, 27. September). Diese 7 Filme wurden in nur einem Take aufgenommen – oder sehen zumindest so aus. Esquire. Abgerufen von https://www.esquire.de/entertainment/film/besten-one-shot-filme-single-einstellung
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