Wie bereits in den letzten Blogposts ausführlichst beschrieben, gibt es immer mehr One-Shot-Filme bzw. nun auch eine Serie: Adolescence. Die neue Netflixserie (2025) ist wohl das aktuellste Beispiel für das Genre, das verstärkt Aufmerksamkeit sowohl bei Filmschaffenden als auch bei der Auseinandersetzung mit Technik oder psychologischer bzw. emotionaler Wahrnehmung findet. Dabei sind die Produktionsarbeiten nicht nur organisatorisch oder aus Kamerasicht äußerst herausfordernd: Auch für Schauspieler:innen erfordert das Filmen von One-Shot-Filmen eine lange Konzentrationsspanne und eine hohe Intensität. Adolescence ist dafür das perfekte Beispiel: Jede Folge der Netflix-Serie wurde als kontinuierlicher Shot gedreht.
Bedeutung des Genres für Schauspieler:innen
Das Genre zeichnet sich eben dadurch aus, dass es keine (sichtbaren) Pausen innerhalb der Szenen gibt, sondern die Kamer sowohl die Handlung als auch die Akteur:innen ununterbrochen verfolgt. Das bedeutet für Schauspieler:innen vor allem eines: Die Möglichkeit, Pausen einzulegen, Text (neu) zu lernen oder eine Szene aus mehreren Blickwinkeln zu spielen entfällt. Somit muss alles perfekt während eines Takes stimmen: jede Bewegung, jede Reaktion und jeder emotionale Ausdruck.
Adolescence versuchte diese Schwierigkeit von Anfang an zu minimieren, in dem ganze Folgen mehrere Male durchgeprobt wurden. Erst wenn ein Durchlauf stimmte, wurde er aufgenommen und der Beste für die finale Fassung verwendet. Laut des Kamerateams der Serie dauerte der Dreh pro Episode mit mehreren Takes pro Tag im Durchschnitt drei Wochen, inklusiv der Proben.
Für Schauspieler:innen bedeutet dies ebenfalls etwas Neues: Die Dreharbeiten erinnern nun mehr an eine Theateraufführung als an einen Filmdreh, da alles von der ersten bis zur letzten Minute stimmen muss. Dabei wird höchste Präsenz und Aufmerksamkeit erfordert. Fehler oder Unachtsamkeiten können nicht mehr durch den Schnitt ausgebessert werden, sondern gefährden nun den gesamten Take.
Erfahrungsbericht von Owen Cooper (Adolescence)
Die Hauptrolle der Netflix-Serie Adolescenc, Jamie Miller, wurde vom damals 15-jährigen Owen Cooper gespielt. Jamie war Coopers erste professionelle Filmrolle in seiner Karriere und er setzte sich durch über 500 Bewerber:innen für die Rolle durch. Seine Erfahrung bestand lediglich aus Schauspielkursen in der Schule. Trotzdem meisterte der 15-Jährige die Rolle mit Bravour und konnte auch Preise dafür gewinnen: Er ist der jüngste männliche Emmy-Gewinner für eine Hauptrolle. Für Cooper war das Schauspielen ein emotionales und technisches Training. Die Tage am Set waren eine Mischung aus Nervosität und gleichzeitig Freude. Entscheidend für den erfolgreichen Dreh der Serie waren jedoch die Vorbereitungen. Laut Cooper unterliefen die Schauspieler:innen ein zweiwöchiges intensives Training – zuerst mit den jeweiligen Schauspielpartner:innen, dann mit der Kamera – bevor es auch nur zu einer einzigen Aufnahme kam. Der Vorteil war aber, dass somit genug Zeit bestand, die Dialoge auswendig zu lernen und die Emotionen für die stark emotional aufgeladene Serie zu präzisieren und aufrecht zu erhalten. Cooper erzählte, dass seine Technik darin bestand, jeden Tag mehrere Stunden lang seinen Text auswendig zu lernen. Das zwang ihn gleichzeitig dazu, über längere Zeit narrativ und emotional in seiner Rolle als Jamie zu bleiben. Aus psychologischer Sicht ist die kontinuierliche Aufmerksamkeit, mit der Cooper und seine Schauspielkolleg:innen sich den Rollen zuwenden, eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Trotz der intensiven Befassung mit seiner Rolle bereitet es Owen Cooper Unbehagen sich selbst in der finalen Fassung der Serie zu sehen. Cooper sagt, dass ihm das „Erleben vor Ort“ wichtiger ist als die Betrachtung des finalen Produkts, was für die Doppelbedeutung der Schauspielkunst spricht.

Wissenschaftlicher Kontext: die emotionale Belastung
Aus (film-) wissenschaftlicher Sicht hat die Art der Kamera-Bewegung und die Kontinuität eines Takes entscheidende Auswirkungen – nicht nur auf das Publikum, sondern eben auch auf die Schauspieler:innen. Forschungen zu diesen Gebieten zeigen, dass bewegte Kameraeinstellungen und langanhaltende Takes das Immersionsgefühl erhöhen. Das Publikum wird stärker in die filmische Welt hineinversetzen. Das bedeutet aber auch, dass die Schauspieler:innen viel länger und intensiver in der erzählten Welt bleiben und diese spielen müssen. Das erhöht nicht nur das Zugehörigkeitsgefühl zur gespielten Rolle, sondern intensiviert extrem die emotionale Belastung.
Fazit
One-Shot-Produktionen sind also nicht nur für das Publikum etwas ganz besonderes, sondern auch für die gesamte Filmcrew. Vom Ideenfinder bis zu den Konsument:innen ist das Genre ein einzigartiges Erlebnis. Auch die Erfahrungsberichte der Schauspieler:innen von Adolescence bestätigen das. One-Shot-Filme und -Serien verbinden Elemente aus dem Theater mit der Kunst des Filmemachens auf eine ganz besondere Art und Weise, was höchste Präsenz, emotionale Stabilität und Aufmerksamkeit, und viel Technik und Organisation erfordert. Dabei ist eine gute Vorbereitung das A und O.
Auch aus filmwissenschaftlicher Perspektive wurde erwiesen, wie intensiv One-Shot-Produktionen sind. Die kontinuierliche Kamera und der daraus resultierende Immersionseffekt wirken sich sowohl auf das Publikum als auch auf die Schauspieler:innen aus. One-Shot-Drehs verlangen nicht nur höchste Perfektion, sondern auch eine dauerhafte Präsenz, was sowohl filmisch als auch kognitiv neue Einblicke eröffnet.
Quellen:
Baig, S. (2025). Casting Adolescence: Finding Jamie Miller [Video]. YouTube.
https://www.youtube.com/watch?v=F7BRIlYFpPY
Netflix UK & Ireland. (2025). Adolescence: Owen Cooper interview [Video]. YouTube.
https://www.youtube.com/watch?v=sXUu33oTkRo
Goldberg, L. (2025, März). Adolescence: Stephen Graham and Owen Cooper on the challenges of Netflix’s one-shot drama. The Hollywood Reporter.
https://www.hollywoodreporter.com/tv/tv-features/adolescence-interview-stephen-graham-owen-cooper-netflix-1236182905/
Netflix Tudum. (2025). How Owen Cooper landed the role of Jamie in Adolescence.
https://www.netflix.com/tudum/features/owen-cooper-shaheen-baig-adolescence
Whittock, J. (2025). Adolescence breakout star Owen Cooper set for Wuthering Heights role. Variety.
https://variety.com/2025/tv/global/adolescence-owen-cooper-netflix-wuthering-heights-1236333144/
Kisker, J., Gruber, T., & Schöne, B. (2023). Camera movement influences immersion and emotional engagement in audiovisual narratives. Frontiers in Neuroscience, 17, Artikel 1160843.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10352452/
Dieser Text basiert auf Literaturvorschlägen von Perplexity pro und wurde von ChatGPT korrigiert. Alle Inhalte wurden von mir selbst auf Richtigkeit und Relevanz überprüft und der Text selbst wurde von mir erstellt.