Man kennt sie nicht nur aus den Live-Übertragungen, sondern auch aus der bekannten „Drive to Survive“ Netflix-Serie: spektakuläre Onboard-Aufnahmen der Formel 1 Autos. Die Rennwagen sind rundum mit kleinen Kameras ausgestattet, die diese Bilder ermöglichen. Auch deshalb zählen die Übertragungen von Formel 1 Rennen auch zu einer der technisch anspruchsvollsten Produktionen im internationalen Sport. Dabei liefern die Onboard-Bilder nicht nur einen neuen Blickwinkel für das Publikum, sondern auch wichtige Daten für Analysen, Teams und offizielle Kontrollen.
Technisches Reglement der FIA
Die FIA, die Fédération Internationale de l’Automobile, ist die oberste Autoritäre im Motorsport und schreibt somit auch die technischen Regularien vor. Dazu gehört auch, dass jedes Formel 1 Auto an bestimmten Positionen Kameras und -haltungen aufweisen muss. Laut diesem Reglement müssen insgesamt sieben Positionen vorhanden sein, an denen Kameras oder Kameragehäuse angebracht sein können. Einige Positionen sind dabei fest vorgeschrieben. Dazu gehört beispielsweise die Kamera im Helm des Fahrers. Es gibt aber auch sogenannte „dummy housings“ am gesamten Fahrzeug, die Platz für optionale Kameras bieten. Alle Kameras bzw. Gehäuse müssen dabei in Größe, Form und Masse einheitlich sein. Diese Vorgaben dienen nicht nur den Fernsehausstrahlungen, sondern gewährleisten ein Mindestmaß an Standardisierung für alle Teams, sodass keine Wettbewerbsvorteile zum Beispiel durch aerodynamisch unterschiedliche Kamerapositionierungen entstehen.
Kamerapositionen
Es gibt mehrere Positionen, an denen die Kameras an den Autos angebracht werden. Meistens sind diese folgende:
- Top-Cam, auch “T-Cam” genannt: Die T-Cam befindet sich oberhalb des Fahrers, meist auf oder über dem Roll Hoop hinter dem Cockpit. Sie liefert sowohl Front- als auch Rückansichten und ist die dominanteste Kamera im TV-Bild
- Halo-Kamera: Oft ist eine Kamera in der Nähe des Halo-Sicherheitsbügels angebracht, die direkt auf den Fahrer gerichtet ist und Einsichten in Lenkarbeit und Sichtfeld gibt
- Front- oder Nase-Kamera: Diese Kamera befindet sich direkt am Vorderteil des Autos für die Sicht nach vorne
- Seiten- und Heckkameras: An den Seiten des Monocoques oder anderen Karosseriepunkten sind ebenfalls Kamera angebracht, die zur Erfassung verschiedener Winkel und der Umgebung hinter dem Auto dienen
Anwendung des Onboard-Footages
Die Onboard-Kameras wurden eigens für diese Anwendung entwickelt und müssen unter extremen Bedingungen arbeiten. Die Autos – und somit auch die Kameras – sind während eines Rennens hohen Beschleunigungen, Vibrationen, Hitze, Schmutz und Feuchtigkeit ausgesetzt. Außerdem müssen die Kameragehäuse aerodynamisch optimiert werden, damit ihr Luftwiderstand und die Turbulenzen so niedrig wie möglich sind. Gleichzeitig müssen diese Kameras auch Unfälle und Aufpralle überstehen.
Die Onboard-Kameras verfügen über Linsen und Bildsensoren, die optische Signale aufnehmen, welche dann in ein digitales Signal umgewandelt werden. Dieses digitale Signal wird dann für die Fernsehübertragungen (oder anderwärtige Verwendungen) vorbereitet und mit zusätzlichen Filtern verbessert. Außerdem besitzen die Kameras einen Schutzfilmmechanismus, der sich bei Feuchtigkeit oder Verschmutzungen automatisch über die Linse legt. Dieser Mechanismus wird durch Sensoren und andere Mechanismen im Kamerasystem gesteuert und sicher die Bildqualität. So sind die Onboard-Aufnahmen auch bei Regen oder starken Verschmutzungen gut erkennbar.
Sobald die Daten fertig sind, sendet die digitale Verarbeitungseinheit im Auto selbst die Videodateien an die Empfängerstationen. Dabei wird ein ebenfalls integriertes Übertragungssystem verwendet. Auch der Transponder des Rennautos spielt dabei eine wichtige Rolle. Dieser sammelt nicht nur wichtige Daten, wie Zeit oder Ortung, sondern kann gleichzeitig auch Befehle an die Kameras übermitteln. Dazu gehört zum Beispiel das Aktivieren des Films oder das Sortieren von Daten. Über eine Antenne im Auto wird das Videosignal dann an die Empfängerstationen am Streckenrand geschickt, die dieses mittels vieler Bodenantennen dann an ein zentrales Übertragungszentrum leiten. Dieses ist dann abschließend für die Bilder und den Ton verantwortlich, die im internationalen TV gezeigt werden.
Dieses Übertragungszentrum wird zentral von einem Produktionszentrum in London geleitet bzw. gesteuert. Dort wählen die Mitarbeiter:innen zwischen bis zu 120 verschiedenen Kamerafeeds aller Onboard- und Streckenkameras aus, was in der weltweiten Ausstrahlung übertragen bzw. gezeigt wird. In Echtzeit wird so entschieden, welche Kamerasignale an das Publikum gesendet werden. Onboard-Kameras kommen oft dann ins Spiel, wenn es besonders spannende oder spektakuläre Ereignisse, wie Overtakes oder Unfälle, gibt. Dabei können auch gut Telemetriedaten oder Kommentare in das Footage mit eingearbeitet werden, was den Zuschauer:innen einen noch besseren Einblick ermöglicht.

Fazit
Onboard-Kameras haben maßgeblich verändert, wie das Publikum gewissen Sportarten wahrnimmt. Sie vermitteln ein Echtzeit-Gefühl der Athlet:innen und bauen eine engere emotionale Verbidnung für das Publikum auf. Gleichzeitig liefern sie vor allem in der Formel 1 strategische Analysen und zeigen (sportliche) Entscheidungen aus verschiedenen Perspeltiven.
Quellen
Fédération Internationale de l’Automobile. (2025). 2024 Formula 1 technical regulations – Issue 2. https://www.fia.com/sites/default/files/fia_2024_formula_1_technical_regulations_-_issue_2_-_2023-08-31.pdf
Formula1-Dictionary.net. (2025). Transponder and camera. https://www.formula1-dictionary.net/transponder_and_camera.html formula1-dictionary.net
MotorsInside.com. (2023). In English: How do onboard cameras work in Formula 1?https://www.motorsinside.com/en/f1/news/32243-in-english-how-do-onboard-cameras-work-in-formula-1motorsinside.com
YouTube. (n.d.). How F1’s Onboard Cameras Work [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=SidxhQj04Os
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