Nachdem ich durch die Umfrage und das Interview ein klares Bild davon bekommen habe, was bei interaktiven Elementen gut funktioniert und was eher skeptisch gesehen wird, habe ich das erste Element selbst ausprobiert. Ich habe mich für eine Klappseite entschieden beziehungsweise ein Aufklapp-Objekt, weil es eines der klassischen interaktiven Elemente in Kinderbüchern ist und in der Umfrage besonders gut bewerten wurden. Außerdem ist es ein Element, das ich selbst aus Kinderbüchern kenne. Ziel ist es die Spannung zu erschaffen, dass hinter jeder Seite noch etwas steckt, das man erst entdecken muss. Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach, denn Kinder lieben es, selbst etwas zu entdecken, statt es nur präsentiert zu beklommen. Eine Klappe macht sie aktiv zu Mitgestalter:innen der Geschichte. Genau das ist auch der Unterschied zu einem klassischen Bilderbuch: Das Kind trifft auf eine Interaktion, es öffnet es und es entscheidet wann es schaut. Dadurch bekommt er:sie eine ganz andere Rolle als der:die passive Zuhörer:in beim Lesen.
Bevor ich irgendetwas gedruckt oder geklebt habe, bin ich einen Schritt zurück gegangen und habe zuerst Skizzen erstellt. Ich wollte herausfinden, wie groß die Klappe sein sollte, wo sie sitzt und wie sie sich im Verhältnis zum restlichen Motiv verhält. Dabei habe ich auch überlegt, wie viel von der verstecken Illustration schon sichtbar sein darf, ohne die Antwort vorwegzunehmen. Das war für mich gar nicht so leicht… Zeige ich zu viel, ist das Rätsel spannend genug?, ist das Kind interessiert?, findet es das Thema spannend? Erst nachdem es auf Papier funktionierte, habe ich angefangen, den Text zu formulieren und anschließend die Illustration zu gestalten. Die Reihenfolge war mir dabei wichtig, denn ich wollte, dass erst die Mechanik funktioniert und dann die Geschichte drum herum gebaut wird. Ich habe mich dann dazu entschieden, die Illustration nicht zu zeigen, sonder ganz versteckt zu halten. Die klappe hab ich eher kleiner gehalten aber auch nicht zu klein, damit Kinder sie öffnen könne.

Für das Motiv habe ich mich bewusst für etwas Einfaches entschieden: einen Fisch. Ein Tier, das Kinder kennen, das aber trotzdem genug Spielraum lässt, um überrascht zu werden. Die Frage darüber: „Was hat er gegessen?“, ist kurz und offen gehalten, damit das Kind selbst raten kann, bevor es die Klappe öffnet. Das kleine Rätsel ist hier genauso wichtig wie das Aufdecken selbst. Das ist auch der Moment, der mich an diesem Element am meisten interessiert, denn eine gute Klappseite lebt nicht nur vom AHA-Moment dahinter sondern von der Spannung davor. Ich habe mir dabei auch überlegt, was passiert, wenn das Kind falsch liegt, also wenn seine:ihre Vermutung nicht stimmt. Ich habe mir dann gedacht, dass auch das ein wertvoller Moment ist, denn manchmal liegt man nicht richtig und ist ebenfalls ein Lernmoment der unterhaltsam umgesetzt wird.
Technisch is das Element bewusste einfache gehalten, eine Klappe aus dickerem Papier, mit einem kleine Klebestreifen fixiert, sodass sie sich leicht auf uns zuklappen lässt. Kein komplizierter Mechanismus, der kaputt gehen kann, denn genau das wurde in der Umfrage als größtes Risiko bei interaktiven Elemente genannt und das wollte ich von Anfang an vermeiden.
Auch das Format war eine bewusste Entscheidung. Ich habe eine Größe gewählt, die Kinder selbst gut in der Hand halten können oder auf den Boden legen können, ohne das ihnen das Objekt sofort aus der Hand fallt oder zu unförmig wirkt. Ich habe dafür auch verschieden Papiergrößen nebeneinander gelegt und ausprobiert, was sich richtig anfühlt und was gut wirkt. Die fertige Testseite habe ich dann auf extra dickem Papier gedruckt, sodass es stabil genug ist, um mehrfach beansprucht zu werden.



Später möchte ich diese Testseiten testen und dabei beobachten, wie das Kind zur Klappe greift?, Ratet es vorher, was dahinter sein könnte?, Funktioniert es? Wirkt es spannend? Hat das Kind spaß?