Laut dem DWDS, dem digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, ist BookTok “das Genre bzw. Format auf der Plattform TikTok, bei dem Nutzer per Video Bücher besprechen und anderen Nutzern empfehlen”. Das Wort definiert sich durch seine Wortkreuzung aus dem englischen Wort für Buch und der Kurzform der Social Media Plattform “TikTok” eigentlich selbst. Über die letzten Jahre ist BookTok immer prominenter geworden und hat mittlerweile den Literaturmarkt vor allem in gewissen Genres revolutiioniert.
Was ist BookTok?
“BookTok made me buy it”
Social Media lebt von kurzen Videos – das ist klar. Auch gekaufte Produkte, wie eben beispielsweise Bücher, in diesen Videos zu bewerten, empfehlen und teilen ist nichts Neues und gibt es schon länger.
BookTok war Anfangs nur ein Hashtag, unter dem Buch-Bewertungen gesammelt wurden. Mittlerweile ist es eine gesamte, riesige Community geworden. Dazu zählen nicht nur Leser:innen, sondern auch Autor:innen und Content Creators sowie Verläge (oder aber auch durch Buchverfilmungen Schauspieler:innen und die Filmbranche). Einige Influencer haben ihre Karriere erst durch TikTok gestartet und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Reden über Bücher.
Performed ein Buch gut in der BookTok-Community sind die Kauf- bzw. Erfolgschancen dieses stark gestiegen. Einige Autor:innen haben Social Media Plattformen und BookTok spezifisch dafür verwendet, ihr Buch zu promoten und so gegebenenfalls Verlagsdeals zu bekommen.
Für jedes geschriebene Genre gibt es auf BookTok Creator, Influencer und eine Community. Allerdings gibt es einige Genres, die besser performen als andere. Die beliebtesten sind “Young adult fiction” und “Romantasy”. Dabei geht es auch oft nicht um die neuesten Bücher. Das beste Beispiel dafür ist “Wuthering Heights” von Emily Bronte, dass – nach der Buchverfilmung und dem Kinostart – wieder in den Trend kam. Dieses Beispiel zeigt auch, wie groß die Verbindung zwischen BookTok und der Filmindustrie ist.
Die Geschichte von BookTok
Niemand weiß genau, wer BookTok erfunden bzw. den Trend oder die Community gestartet hat. Seit 2019 gibt es Videos unter dem Hashtag. Vor allem während der Corona Lockdowns 2020 und 2021 stieg die Beliebtheit und die Zahl der Videos zu diesem Thema extrem an.
Es gibt zwei Creator auf TikTok, die die Anfänge von BookTok prägten. Einer davon ist Cait Jacobs (@caitsbooks auf TikTok), die sich selbst als “accidental founder of booktok” beschrieben hat. Was für sie 2020 mit einem viralen Video startete, ist nun zu einem wahr gewordenen Traum gewachsen: Jacobs ist nun Autorin bei einem Verlag.
Unter dem Hashtag #BookTok sind auf TikTok 74 Millionen Posts zu finden (Stand März 2026). Auf Instagram ist diese Zahl sogar noch größer: Hier findet man unter dem #BookTok elf Millionen Posts und unter dem zweiten Hashtag #bookstagram bereits 124 Millionen Posts.
Dabei gibt es BookTok in einer ähnlichen Form schon viel länger. Auf YouTube gibt es seit 2010 Videos, die sich nur mit den Bewertungen von Büchern beschäftigen.
Wieso funktioniert BookTok so gut?
Natürlich spielt der Algorithmus auf Social Media eine große Rolle und entscheidet viel darüber, was User:innen zu sehen bekommen. Allerdings spielt bei BookTok noch etwas anderes eine große Rolle: Storytelling. Bücher haben schon geschriebene, in Stein gemeißelte Stories. Geschichte machen viele Dinge mit Menschen und vor allem eines: Sie lasse sie alle Arten an Emotionen fühlen. Berührt das Ende eines Buchs ein:e Leser:in, ist es menschlich, diese Gefühle mit anderen zu teilen und darüber zu reden. Wurde dieses Buch bereits von mehreren Personen gelesen, ist es noch einfacher, darüber zu reden. So nimmt BookTok schnell seinen Lauf.
Bereits 2021 war klar, dass BookTok den Büchermarkt revolutioniert hat. Auf der Bestseller Liste 2021 waren viele Bücher, die nicht neu erschienen sind. Normalerweise waren die Verkaufszahlen von Büchern direkt nach der Veröffentlichung am höchsten und nahmen danach mit der Zeit wieder ab. Verlage gingen der Sache 2021 auf die Spur und kamen zu dem Schluss, dass BookTok eine entscheidende Rolle bei den Verkaufszahlen von Büchern spielt. Das Verlagshaus “Bloomsbury” gab an nach dem Aufkommen von BookTok 220% mehr Profits zu haben als zuvor. Durch einen anfänglichen TikTok-Trend müssen Verlagshäuser und Marketingfirmen nun ihre Strategien überdenken.
BookTok und Film
Immer mehr Bücher, die beliebt auf BookTok sind wurden zu Filmen oder werden in (naher) Zukunft verfilmt. Einige Beispiele dafür sind:
- The Summer I turned pretty
- Off-Campus
- Heartstopper
- Fourth Wing
- The Love Hypothesis
- Maxton Hall
- Heated Rivalry
- Icebreaker
und noch viele mehr. Allerdings sind Buchverfilmungen kein neues Konzept; es gibt diese schon seit vielen Jahren. Auch Fans haben schon lange eine große Rolle dabei gespielt, welche Bücher verfilmt werden. Beispiele dafür sind Twilight, Harry Potter oder The Hunger Games. Allerdings gibt es durch TikTok eine ganz neue Strategie, die Produktionen und Verlage verfolgen können. Bewertungen haben nun Zahlen und Gesichter. Social Media Videos lassen sich durch Views, Likes, Kommentare und Shares auswerten, belegen und analysieren. Durch BookTok können Filmproduktionen außerdem auf ganze Buchreihen zugreifen, die auf Social Media als erfolgreich gelten.
Gleichzeitig gibt es auch negative Seiten von BookTok für die Filmbranche: Mitglieder der Community und Leser:innen haben viele Meinungen zu ihren Lieblingscharakteren. Vor allem Castings werden oft kritisiert oder unter einen großen Scheinwerfer gestellt.
Quellen:
BBC Bitesize. (März 2026). What is BookTok and how did it start? https://www.bbc.co.uk/bitesize/articles/z9cgnk7
Deutsches Textarchiv & Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. (22.10.2026). BookTok. DWDS. https://www.dwds.de/wb/Booktok
Raissa Sapardan. (2026, 18. Juni). From BookTok to the big screen: How readers have influenced Hollywood. Nyota Magazine. https://nyotamagazine.com/2026/06/18/from-booktok-to-the-big-screen-how-readers-have-influenced-hollywood/
Wiederhold, B. K. (2022). BookTok made me do it: The evolution of reading. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 25(3), 157–158. https://doi.org/10.1089/cyber.2022.29240.editorial
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