Für diese Aufgabe habe ich mir die Masterarbeit „Künstliche Intelligenz im Designprozess – am Beispiel einer individuellen Mikromobilitätslösung für den Alltag“ von Matthias Stütz ausgesucht. Die Arbeit wurde 2026 an der Kunstuniversität Linz im Bereich Industrial Design verfasst und umfasst 297 PDF-Seiten.
Da ich mich in meiner eigenen Masterarbeit ebenfalls mit KI beschäftige, fand ich es interessant, mir anzusehen, wie jemand anderes an dieses Thema herangeht.
Stütz untersucht, wie KI in den Designprozess integriert werden kann. Nach einem ausführlichen Theorieteil entwickelt er mithilfe verschiedener KI-Tools eine Mikromobilitätslösung für den urbanen Alltag. Das Ergebnis ist ein Fahrzeugkonzept, dessen Entwicklung er anhand von Skizzen, digitalen Modellen und Visualisierungen dokumentiert.
Gestaltungshöhe
Gestalterisch gefällt mir die Arbeit sehr gut. Das Layout ist modern und übersichtlich, die Typografie klar und die zahlreichen Abbildungen lockern die längeren Textpassagen auf.
Auch das finale Fahrzeugkonzept finde ich gelungen. Wie gut es tatsächlich funktioniert, kann ich allerdings schwer beurteilen, da mir kein physischer Prototyp zur Verfügung steht.
Innovationsgrad
Das eigentlich Innovative an der Arbeit ist für mich weniger das Fahrzeug selbst, sondern die Art, wie KI in den Designprozess eingebunden wird.
Stütz experimentiert nicht nur mit Bildgeneratoren, sondern auch mit Sprachmodellen und eigenen KI-Agenten. Besonders seinen Versuch, einen Ideation-Agenten für die Konzeptentwicklung einzusetzen, fand ich spannend.
Allerdings hätte mich interessiert, wie sich seine Vorgehensweise im Vergleich zu einem klassischen Designprozess schlägt. Ob KI tatsächlich bessere oder einfach nur andere Ergebnisse liefert, bleibt für mich offen.
Selbstständigkeit
Im praktischen Teil wird deutlich, wie viel Eigenarbeit in der Masterarbeit steckt. Stütz führt eine Umfrage mit 134 Personen durch, sammelt Mobilitätstagebücher, untersucht bestehende Mobilitätslösungen und entwickelt eigene KI-gestützte Arbeitsabläufe.
Gut finde ich auch, dass er offen damit umgeht, wie er KI beim Schreiben eingesetzt hat. Auf Seite 20 erklärt er seine Vorgehensweise anhand konkreter Beispiele. Gerade bei diesem Thema halte ich diese Transparenz für wichtig.
Gliederung und Struktur
Die Aufteilung in einen theoretischen und einen praktischen Teil ergibt für mich Sinn. Allerdings fand ich den Theorieteil stellenweise ziemlich lang. Manche technischen Erklärungen gehen so sehr ins Detail, dass ich mich gefragt habe, ob das für das eigentliche Designprojekt wirklich alles notwendig ist.
Dadurch gerät die ursprüngliche Fragestellung für mich manchmal etwas aus dem Blick.
Kommunikationsgrad
Die Arbeit ist größtenteils gut verständlich geschrieben. Auch komplexere Themen werden mit Beispielen erklärt, sodass man ihnen ohne tiefere technische Kenntnisse über KI folgen kann.
An manchen Stellen schreibt Stütz allerdings ziemlich persönlich und umgangssprachlich. Einerseits macht das die Arbeit angenehm zu lesen, andererseits frage ich mich, ob bei einer Masterarbeit nicht eine konsequentere wissenschaftliche Ausdrucksweise angebracht wäre.
Umfang der Arbeit
Mit 297 PDF-Seiten ist die Arbeit wirklich umfangreich. Man merkt, dass sich der Autor intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Trotzdem glaube ich, dass man einige Inhalte hätte kürzen können, ohne dabei wichtige Informationen zu verlieren.
Orthographie, Sorgfalt und Genauigkeit
Die Arbeit macht auf mich insgesamt einen sorgfältigen Eindruck. Vor allem die Abbildungen und Diagramme sind übersichtlich aufbereitet.
Vereinzelt sind mir Tippfehler und etwas unfertige Formulierungen aufgefallen. Wobei ich sagen muss, dass ich das in unserer heutigen Welt voller KI-generierter Texte irgendwie auch sympathisch finde. Meinen Gesamteindruck beeinflusst das jedenfalls nicht wirklich.
Literatur
Stütz greift auf Literatur aus unterschiedlichen Bereichen zurück, darunter KI, Design und Mobilität. Gut finde ich, dass er neben wissenschaftlichen Quellen auch aktuelle technische Entwicklungen berücksichtigt. Gerade bei KI halte ich das für sinnvoll, weil sich in diesem Bereich unglaublich schnell etwas verändert.
Bewertung des Werkstücks
Die Dokumentation des Werkstücks ist für mich eine der größten Stärken der Arbeit. Ab Seite 164 beschreibt Stütz die Konzeptentwicklung und ab Seite 244 die gestalterische Ausarbeitung des Fahrzeugs. Durch die vielen Skizzen, 3D-Modelle und KI-generierten Visualisierungen kann man die Entwicklung gut mitverfolgen.
Auch die Verbindung zwischen Theorie und Praxis funktioniert meiner Meinung nach. Stütz probiert die zuvor beschriebenen Technologien selbst aus und zeigt dabei auch, wenn etwas nicht funktioniert. Auf Seite 193 beschreibt er beispielsweise Schwierigkeiten mit seinem Ideation-Agenten, dessen Bewertungen teilweise nicht nachvollziehbar waren.
Was mir fehlt, ist eine abschließende Überprüfung des Fahrzeugkonzepts mit tatsächlichen Nutzern. Ob das fertige Konzept deren Bedürfnisse wirklich erfüllt, bleibt für mich offen.
Gestalterisch und hinsichtlich der Dokumentation finde ich das Werkstück für eine Masterarbeit durchaus angemessen. Bei der Überprüfung der Ergebnisse hätte ich mir aber mehr gewünscht.
Fazit
Alles in allem finde ich die Masterarbeit gelungen. Besonders interessant ist für mich, wie intensiv Stütz die verschiedenen KI-Tools ausprobiert und seine Erfahrungen damit dokumentiert.
Mein größter Kritikpunkt ist, dass die Arbeit zwar viele Einsatzmöglichkeiten von KI zeigt, aber nicht ausreichend klärt, welchen konkreten Mehrwert diese gegenüber herkömmlichen Gestaltungsmethoden bieten.
Für mich liegt die Stärke der Arbeit deshalb vor allem darin, zu zeigen, wie KI im Designprozess eingesetzt werden kann, und weniger darin, nachzuweisen, dass dadurch tatsächlich bessere Ergebnisse entstehen.
Was ich für meine eigene Masterarbeit mitnehme
Was ich mir auf jeden Fall mitnehmen möchte, ist die ausführliche Dokumentation der Arbeitsschritte. Ich finde es wichtig, nicht nur die fertigen Ergebnisse zu zeigen, sondern auch, wie man überhaupt dorthin gekommen ist. Gerade wenn etwas nicht funktioniert, kann das ja auch eine interessante Erkenntnis sein.
Da ich selbst untersuchen möchte, inwieweit Menschen zwischen authentischen, KI-manipulierten und vollständig KI-generierten Bildern unterscheiden können, möchte ich deshalb darauf achten, dass ich am Ende auch wirklich eine Antwort auf meine Forschungsfrage geben kann. Und wenn meine Ergebnisse nicht so eindeutig ausfallen, wie ich es mir erhofft habe, dann gehört das eben auch dazu.