Die analysierte Masterarbeit wurde von Ashraf B. Odeh an der Palestine Polytechnic University verfasst. Der Titel der Arbeit lautet „Form, Movement, and Narrative in Hybrid Animation: The 2D/3D Interplay in Spider-Man: Into the Spider-Verse“ und wurde im Jahr 2025 veröffentlicht. Die Arbeit beleuchtet den Film Spiderman: Into the Spider-Verse und fokussiert sich dabei auf hybride Animationstechniken im 2D- und 3D Bereich und wie diese das Storytelling und emotionalen Impakt beeinflussen. Sie setzt sich aus fünf Teilen zusammen:
- Der Einführung
- Theoretisches Framework
- Methodik
- Analyse und Funde anhand Szenen aus dem Film, mit anschließender Diskussion
Das Werkstück ist eine Guideline zum Analysieren von Hybridästhetik als narrative Funktion. Sie basiert auf Panofsky’s ikonografischen Modell.
Gestaltungshöhe
Aus formaler Sicht ist die Arbeit korrekt und übersichtlich gestaltet. Leider wurden aus visueller Sicht keine designtechnischen Entscheidungen getroffen.
Innovationsgrad
Die Arbeit ist durchaus innovativ. Hybridanimation ist ein Thema, dass immer mehr erforscht wird. Weitestgehend wird in bisherigen Arbeiten allerdings mehr auf die technischen Aspekte eingegangen und selten auf die narrative Seite geschaut. Der Autor setzt sich sehr ausführlich mit dem Thema Hybridanimation auseinander und welche narrativen Vorteile daraus gezogen werden können. Dafür sucht er sich elf Szenen aus, die er genaustens untersucht. Als Basis wird Panofsky’s Modell benutzt um Bilder auf vorikonigrafischen, ikonografischen und ikonologischen Level zu analysieren. Um das Modell auf bewegte Bilder zu transferieren, geht der Autor einen Schritt weiter. Es werden drei eigene Level für die Analyse festgelegt:
- Formale Kodierung (z. B. Panel-Aufteilung, Halbtonbilder, räumliche Schichtung)
- Kinetische Kodierung (z. B. Modulation der Bildfrequenz, Verschwommene Bilder, Squash und Stretch)
- Thematische Kodierung (z. B. Identitätskrise, Bruch, Transformation)
Zusätzlich werden weitere Perspektiven von drei Autoren in die Analyse miteingeschlossen.
Selbständigkeit
Der Autor zeigt eine deutliche eigene Handschrift. Er nutzt vorhandene Methoden, Quellen und Perspektiven, aber macht diese zu seinen eigenen, um seine Forschungsfrage zu unterstreichen.
Gliederung/Struktur
Zu Beginn befasst sich der Autor akribisch mit der Theorie des Themas. Dadurch schafft er für sich und den Leser eine ausreichende Grundlage, um das Thema zu verstehen und mit in seine Analyse einzutauchen. Anschließend werden die Struktur und Hintergrund der Analyse offengelegt, bevor die offizielle Analyse beginnt und Ergebnisse präsentiert werden. Als Abschluss wird nochmal auffassend das Forschungsthema aufgegriffen und die Ergebnisse interpretiert und reflektiert, sowie auch die Struktur der Analyse selbst.
Kommunikationsgrad
Die Arbeit ist sehr verständlich und sauber aufbereitet. Der Autor macht zu Beginn klar, was die Intention dieser Arbeit ist, und nimmt einen Schritt für Schritt mit. Auch für Leser, die thematisch neu einsteigen werden passend an das Thema herangeführt. Er drückt sich belesen, aber einfach verständlich aus. Seine Überlegungen und Herangehensweisen werden aufgefächert erklärt und sind dadurch gut nachzuvollziehen.
Umfang der Arbeit
Die Arbeit ist sehr umfangreich. Trotzdem wirkt sie nicht unnötig umfassend. Er steigt ausführlich mit der Theorie ein. Es wirkt nicht wie eine einfache Zusammenfassung der Literatur, sondern es werden aus der Literatur eigene Schlüsse gezogen, um an die Analyse heranzuführen. Ebenfalls die Analyse ist sehr ausführlich aufbereitet. Aber auch hier wird sauber gearbeitet und es ist nachvollziehbar, warum der Autor genau diese elf Szenen aus dem Film gewählt hat und diese in die Analyse einfließen.
Orthografie/Sorgfalt/Genauigkeit
Wie schon erwähnt arbeitet der Autor sehr sorgfältig in dieser Arbeit. Die Sprache ist auf einem hohen Level, bleibt aber trotzdem leicht verständlich und es fällt nicht schwer dem Inhalt zu folgen. Auch bei Zitation arbeitet er durchgehend mit dem APA Stil. Abbildungen werden sauber vor Beginn der Arbeit aufgelistet und auch Tabellen und sonstige Verzeichnisse sind korrekt angegeben.
Literaturverzeichnis
Die Arbeit hat ein sehr umfassendes Literaturverzeichnis, was darauf hindeutet, dass sich der Autor ausgiebig mit dem Thema seiner Arbeit beschäftigt hat. Was hier allerdings passend wäre, ist eine Aufteilung in ein analoges und digitales Literaturverzeichnis. Damit wäre ein leichterer Überblick verschafft.
Zusammenfassende Bewertung
Zusammenfassend ist die Arbeit sehr gut aufgebaut und inhaltlich umfassend. Sie beleuchtet das Thema Hybridanimation von einer interessanten Seite und legt auch für zukünftige Recherchen und Analysen einen Grundbaustein. Es ist sehr einfach und thematisch interessant der Arbeit zu folgen, allerdings hat die Arbeit zwei große verbesserungswürdige Punkte. Zum einen ist die Arbeit zwar formal korrekt gestaltet, aber die Designersicht wurde komplett ignoriert. Es wurde weder farbliche noch sonstige gestalterische Elemente genutzt, um die Arbeit zum Beispiel aufzuteilen oder visuell ansprechender zu machen.
Der nächste Punkt ist, dass im Prinzip kein Werkstück vorhanden ist. Es wird von Beginn an klar gemacht, dass die Arbeit als Leitfaden für zukünftige Analysen im angesprochenen Bereich dienen soll. Aufgrund dessen wäre eine Art Anleitung angemessen. Der Vorgang der Analyse geht zwar klar aus der Arbeit heraus, allerdings wäre ein zusätzliches Dokument oder Ähnliches wünschenswert gewesen.
Nutzen für meine Masterarbeit
Für meine Masterarbeit bietet diese Arbeit nicht nur eine gute theoretische Grundlage, sondern auch eine interessante Sicht auf Hybridanimation im Allgemeinen. Ich werde mich ebenfalls mit dem Thema Hybridanimation beschäftigen, auch hinsichtlich auf 2D- und 3D Animation bezogen. Zusätzlich wird sich der Kern meiner Arbeit voraussichtlich darum drehen welche Möglichkeiten aus der Kombination von 2D- und 3D Animation zu schöpfen sind und welchen Einfluss das auf den Zuschauer nehmen kann. Dafür eignet sich die angewendete Analyse der einzelnen Szenen gut als Grundlage. Wie gesagt finde ich die Arbeit sehr gut theoretisch und umfassend aufgebaut, allerdings ist für mich ein wichtiger Punkt auch genug Zeit und Arbeit in das visuelle Konzept, sowie das Werkstück, der Arbeit zu stecken.
Masterarbeit:
https://scholar.ppu.edu/bitstreams/dd528275-9b56-47c7-a854-e6ae7e4dd27c/download