Kontrast als erzählerisches und gestalterisches Werkzeug in Filmen und Serien
In vielen Bereichen spielen Kontraste eine wichtige Rolle. Zum Beispiel müssen Verkehrsschilder genug herausstechen, um wahrgenommen zu werden. Text muss sich vom Hintergrund abheben, um gelesen werden zu können. Musik hat schnelle und langsame, leise und laute Passagen, was Spannung bei den Zuhörerinnen und Zuhörern erzeugt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich Kontraste ebenso in Filmen und Serien finden lassen.
Dabei lassen sich Kontraste in vielen Aspekten entdecken. Dabei lassen sich Kontraste in vielen Aspekten finden. Sie können visuell, auditiv, erzählerisch oder thematisch auftreten. Kontraste lenken Aufmerksamkeit, helfen Emotionen zu erzeugen oder Bedeutungen zu strukturieren. In Filmen und Serien kann es helfen Szenen voneinander abzugrenzen, Charaktere hervorzuheben oder symbolische Gegenstände zu betonen.
Hell-Dunkel
Ein Hell-Dunkel-Kontrast ist eine häufig eingesetzte Gestaltungstechnik. Der Fokuspunkt – oder in diesem Fall oft der Protagonist bzw. die Protagonistin – ist heller beleuchtet als der Hintergrund. Das Auge orientiert sich zuerst an den hellsten Punkten in einem Bild, bevor es zu weiteren Elementen springt.
Ein Filmgenre, das sich durch einen hohen Hell-Dunkel-Kontrast auszeichnet, ist Film Noir. Film Noir ist eine Filmrichtung, die ihren Ursprung um etwa 1940 in den USA hatte. Meistens sind diese Filme in Schwarz-Weiß gehalten, wobei es auch farbige Vertreter des Genres gibt. Film Noir Filme behandeln oft zwielichtige Moral. Dementsprechend können Hell und Dunkel innere Konflikte widerspiegeln.
Bei Schwarz-Weiß-Filmen ist ein Hell-Dunkel-Kontrast besonders wichtig, da Farbkontraste wegfallen. So können beispielsweise Grün und Rot im fertigen Filmmaterial die gleiche Graustufe besitzen.

Farbkontrast
Um Kontraste in einem Bild zu erzeugen, können durch die Anwendung der Farbenlehre ausdrucksstarke Effekte geschaffen werden. Für den stärksten Kontrast können Komplementärfarben eingesetzt werden, wie zum Beispiel Blau und Gelb. Auch bewusst gesetzte Akzentfarben können als Gestaltungselement dienen. Ebenfalls kann ein Warm-Kalt-Kontrast zum Einsatz kommen.
Bei Der Zauberer von Oz (1939) wird ein starker Farbkontrast eingesetzt, um die beiden Welten, in denen die Geschichte spielt, voneinander abzuheben. Zu Beginn, wenn sich Dorothy noch in ihrer Welt befindet, ist der Film schwarz-weiß. Mit Dorothys Ankunft in Oz wird die Welt um sie herum bunt und magisch.


Fokus
Der Fokuspunkt selbst kann ebenfalls als Mittel zur Erzeugung von Kontrast genutzt werden. Ist das gesamte Bild durchgehend scharf, wird die Aufmerksamkeit der Betrachterin oder des Betrachters nicht gelenkt. Durch den gezielten Einsatz von Schärfe und Unschärfe kann beispielsweise Vorder- und Hintergrund voneinander getrennt werden. Ein Wechsel der Schärfe kann die Aufmerksamkeit innerhalb eines Bildes gezielt steuern.
Stilistisch
Ein Kontrast kann sich auch auf die Stilisierung beziehen. Besonders bei Animationswerken ist dies eine wirkungsvolle Möglichkeit, einen Kontrast zu erzeugen. Ein solcher optischer Kontrast kann aus verschiedenen Gründen gewählt werden.
Bei SpongeBob Schwammkopf erfolgt die Stiländerung oft als optischer Witz, wenn ein Wechsel zwischen der Unterwasserwelt und der Oberfläche stattfindet – der Sprung zwischen den Welten wird also durch einen Stilwechsel unterstützt.
Ähnlich wird ein Stilwechsel bei Spider-Man: Into the Spider-Verse eingesetzt. In der Geschichte spielt das Zusammenkommen mehrerer Paralleluniversen eine zentrale Rolle. Die Charaktere aus diesen anderen Universen besitzen unterschiedliche Stile sowie Animationstechniken; selbst die Framerate, in der sie animiert sind, kann sich unterscheiden.
Solche Stilbrüche treten nicht nur bei Reisen in andere Welten auf. In Gatchiakuta wird eine Änderung des Animationsstils verwendet, wenn eine innere Gefühlswelt gezeigt oder wenn ein schwieriges Thema abstrahiert werden soll.
Bei Rückblenden kann ebenfalls ein Stilwechsel stattfinden. Bei Kill Bill: Vol. 1 wird zum Beispiel von Realfilm zu Anime gewechselt, um die Hintergrundgeschichte von O-Ren Ishii zu erzählen. Durch den Kontrast in den Stilen ist es für den Zuseher, die Zuseherin einfacher die aktuellen Geschehnisse von der Rückblende zu unterscheiden.
Auch abstrakte Themen wie Träume oder Halluzinationen können durch einen Stilwechsel unterstützt werden.



Narrative Kontraste
Innerhalb eines Films oder einer Serie können Kontraste auch in der Narration selbst eingesetzt werden. Ein typisches Beispiel ist der Kampf zwischen Gut und Böse oder Leben und Tod. Charaktere selbst können auch Kontraste bilden. Ein Beispiel ist der junge, unerfahrene, optimistische Held mit seinem älteren, weisen, zynischen Mentor. Gegensätzliche Ziele, Themen oder Charaktereigenschaften erzeugen Spannung innerhalb einer Geschichte.
Fazit
Kontraste sind in keiner Gestaltung unverzichtbar. Sie helfen, Inhalte zu strukturieren und zu gewichten, Emotionen zu transportieren und Geschichten visuell sowie erzählerisch greifbar zu machen. Ob durch Licht, Farbe, Stil oder Handlung – Kontraste sind das Werkzeug, mit dem sich Balance, Spannung und Bedeutung erschaffen lassen.
Quellen:
Film Noir:
https://www.youtube.com/watch?v=kriakwVrxs4
https://books.google.at/books?hl=de&lr=&id=WHzDEAAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA70&dq=film+noir+style&ots=FigKCBNL1S&sig=Dmv19u2GhFrRtA5Qb49DE52VOQw&redir_esc=y#v=onepage&q=film%20noir%20style&f=false
Farbkontrast:
https://www.interaction-design.org/literature/topics/color-theory?srsltid=AfmBOorzN1PxkzZYGwr-mTRMFvdWnu14naOroRw-fxWK7LVHBftcwaGI