Trigger Warnung: Ich habe meine Adobe Programme alle auf Deutsch eingestellt. Wer sich hierdurch getriggert fühlt sollte diesen Blogbeitrag nicht lesen.
Tu ich mir mit Tutorials schwer, weil die alle auf Englisch sind und ich beim Nachbauen dann erst mal Effekte übersetzen gehen kann, um sie anzufinden? Ja, sehr. Kann ich mich dazu überwinden die Programme nach all den Jahren endlich einmal umzustellen? Nein. Don`t judge me.
Auf meinem Weg hin mehr über Character Animation zu lernen lud ich mir den Adobe Character Animatior herunter. Wer das Programm nicht kennt: Es ist – wie der Name schon verrät – darauf ausgelegt Charaktere damit zu animieren. Was das Programm dabei aber von Animate oder After Effects abhebt: Der Character Animator kann mit deinem über z.B. Photoshop gebautem Charakter gefüttert werden und animiert diesen dann automatisch und in Echtzeit auf deine eigenen Bewegungen, die du mit der Computer-Cam aufnimmst. Dein digitaler Charakter ahmt dich sozusagen nach. Dies funktioniert besonders mit Facial Expressions.

Man kann sofort reinstarten, denn der Character Animator hat eine große Auswahl an bereits vorgefertigten Charakteren. Teils nur Gesichter, teils mit ganzem Körper.
Hier im Screenshot zu sehen ist das Arbeitsfeld mit einem vorgefertigten Charakter. Rechts zu sehen ist meine Kameraaufnahme. Das Programm erkennt meine Gesichtszüge bei einigermaßen guten Lichtverhältnissen wirklich gut und wendet diese sofort auf den Charakter an. Selbiges funktioniert mit Mundbewegungen beim Sprechen. Rechts im Feld zu sehen sind voreingestellte Steuerungen – Posen, die ich den Charakter machen lassen kann. Möchte ich z.B. ein Erklärvideo mit dem Charakter machen, würde ich auf record drücken, den Erklärtext runtersprechen und wenn ich mich danach fühle auf die verschiedenen Posen zugreifen, die der Charakter mit nur einem Klick nachmacht.
Funktioniert alles super einfach – wenn der Charakter bereits da ist.

Möchte man einen eigenen Charakter in das Programm einschleusen schaut die Welt nicht mehr ganz so rosig aus. Denn jede Pose und jede Mundstellung muss einzeln gezeichnet und korrekt gelayert werden.
Hier als Screenshot zu sehen sind die verschiedenen Sprechlaute des Charakters – sogar in zwei Ausführungen: sad und happy. Fast jeder der Laute hat dann auch noch einmal Unter-Layer. Character „Lucy“ ist jedoch im Vergleich zu den anderen vorgebauten Charakteren eher auf der aufwendigen Seite. Dafür hat sie auch viele Animationsmöglichkeiten.
Was praktisch zum Erstellen des eigenen Charakters ist: Character Animator gibt einen klaren Überblick und Anweisungen bzw. Empfehlungen, welche Facial Expressions für eine nahtlose Sprech-Animation benötigt werden und listet diese mit kleinen Symbolen auf, die man dann mit eigenen Zeichnungen füttern kann. Natürlich ist es auch möglich, wenn man nicht so einen aufwendigen Charakter wie Lucy zeichnen will, nicht alle Laute zu verwenden. Kreiert man z.B. eine sprechende Ente (wer auch immer so etwas Verrücktes tu würde…), reicht vielleicht ein einfaches Mund (Schnabel) – auf und zu.
Neben der Aufzeichnung der Gesichtszüge und Sprache haben manche der voreingestellten Charaktere auch ein Body Rig. Jene Charaktere ahmen dann auch Arm- und Beinbewegungen nach. Wichtig: Immer zuerst in neutraler Pose kalibrieren! Das funktioniert auch sehr einfach: Unter der Kamera zuerst den Body-Tracker aktivieren, dann auf den Kalibrierungs-Button drücken. Man hat dann, anders als bei der Gesichts-Kalibrierung 5 Sekunden Zeit schnell an die andere Seite des Raumes zu rennen und sich in T-Pose hinzustellen.
Die Intensität sämtlichen Verhaltens des Charakters kann zudem auch bestimmt werden, sodass im Aufnahmeprozess keine Bewegung ungewollt erscheint.
Wer sich mehr mit der Materie auseinandersetzen will, kann in dieses Video reinschauen. Hier werden Schritt für Schritt sämtliche Funktionen des Programmes erklärt, natürlich viel detaillierter, als ich es in einem Blogpost machen kann.
In einem weiteren Blogpost werde ich versuchen meinen eigenen Charakter zu animieren – der muss hierfür aber erst einmal erstellt werden.
Mein vorläufiges Fazit von Adobe Character Animator:
Man kommt sehr leicht rein und hat nach kürzester Zeit schon ein Erfolgsgefühl, wenn man mit einem bereits vorhandenen Charakter animiert. Durch die vielen schon geriggten Puppen kann man sofort reinstarten und das Programm kennenlernen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Character Animator besonders für Erklärvideos exzellent geeignet ist – also für Videos, in denen man einen statisch auf dem Platz stehenden Character hat, der ab und an eine Hand bewegt und die meiste Bewegung im Gesicht beim Sprechen stattfindet. Aus dem oben verlinkten Video habe ich auch herausgefunden, dass dich diese Puppets in andere Adobe Programme, wie After Effects integrieren lassen. Bis jetzt bin ich von den Funktionen und der Flexibilität positiv überrascht. Mal sehen, wie es mir geht wenn ich versuche meinen eigenen Charakter zu riggen…






















